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Tassenwärmerverbot und dunkle Laternen: Wie Wunstorf Energie sparen will

26.08.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 2224

Ob die Straßenlaternen in Wunstorf abgeschaltet werden, steht noch nicht fest. Doch es wird in der kommenden Zeit definitiv dunkler in der Stadt: Schaufenster und Reklame sollen nach 22 Uhr nicht mehr beleuchtet sein. Das Warmwasser in Turnhallen wird dagegen nicht abgestellt werden.

26.08.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 2224
Sie leuchten erst seit kurzem, könnten aber bald schon wieder ausgehen: neue städtische Laternen in der Südstraße | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Nicht nur auf die privaten Verbraucher und Unternehmen, auch auf die Kommunen rollt ein Preis- und Sparschock zu: Die Gas- und Energiekrise machte bereits einige Einsparungen notwendig. So hatten zuletzt etwa die Bäderbetriebe die Wassertemperatur im Hallenbad gesenkt. Doch auch Wunstorf als Ganzes muss sparen. Vieles befindet sich noch in der Diskussion, aber schon jetzt ist klar: von einigen bisher als Selbstverständlichkeiten gesehenen Dingen wird man sich in den nächsten Monaten verabschieden müssen.

Die Bundesregierung hat eine Verordnung („EnSikuV“) zur Energieeinsparung vorgelegt, die in einer ersten Stufe bereits zum 1. September gelten und auch in Wunstorf Auswirkungen haben wird: Zu den Maßnahmen zählt ein Verbot für beleuchtete Schaufenster und Leuchtreklamen nach 22 Uhr, öffentliche Gebäude und Denkmäler dürfen nicht mehr angestrahlt werden – z. B. Rathaus und Abtei müssen von außen dunkel bleiben. In öffentlichen Gebäuden soll nur noch bis maximal 19 Grad (bei sitzender Tätigkeit der Mitarbeiter) geheizt werden, in Treppenhäusern und Fluren gar nicht mehr – normalerweise wird in den städtischen Gebäuden auf ca. 22 Grad geheizt. Händewaschen ist mit kaltem Wasser angesagt. Auch darüber hinausgehend sucht die Stadt derzeit nach Wegen, den Energieverbrauch weiter zu senken.

Straßenbeleuchtung auf dem Prüfstand

Es mutete etwas surreal an: Während der Bauausschuss am hochsommerlichen Donnerstagabend in der stickigen Aula der Otto-Hahn-Schule schwitzte, stellte Baustadtrat Alexander Wollny die Pläne vor, wie im kommenden Herbst und Winter alles etwas kälter und dunkler werden soll. Die Ausschussvorsitzende Kirsten Riedel (SPD) reagierte mit Humor: „Im Moment würden wir uns das ja wünschen.“

Hell erleuchtete Schaufenster und Leuchtreklame: Dieses Bild wird es in den kommenden Monaten nach 22 Uhr nicht mehr geben (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Aber nicht nur das Heizen, vor allem die Straßenbeleuchtung rückt dabei in den Fokus, da hier die größten Energieeinsparungen zu erreichen sind: Straßenlaternen an Kreis-, Land- und Bundesstraßen wären nicht betroffen, doch auch ohne diese bleiben noch immer rund 7.000 Leuchtkörper, die von der Stadt verwaltet werden. Das sei der „größte Posten, den wir einsparen können“, so Wollny. Die Entscheidung zum Abschalten müsste jedoch klar mit Ja oder Nein getroffen werden: Dimmen lassen sich die Laternen nicht, da die dafür nötigen Steuergeräte nicht verbaut sind. Auch lassen sich in Wunstorf nur ganze Straßenzüge an- und abschalten, aber nicht etwa nur jede zweite Laterne, erläuterte Wollny. Anne Dalig (Grüne) schlug vor, auch die Ampeln früher abzuschalten, doch hier bestehen laut Wollny keine großen Einspareffekte. Vielmehr würde der Spareffekt mit einem zu hohen Sicherheitsverlust erkauft. In Bezug auf die abendlichen Raser am Stadtgraben bei abgeschalteter Fußgängerampel merkte Riedel an: „So viel kann man gar nicht einsparen, um den Verlust der Sicherheit zu rechtfertigen.“ Qualitätsverlust und Einspareffekte sollen bei allen in Frage kommenden Maßnahmen generell gut gegeneinander abgewogen werden, bekräftigte auch Wollny für die Verwaltung.

Heißer Kaffee, aber kalte Tassen

Doch die Beleuchtung ist tatsächlich nur der größte Punkt auf der Liste. „10 Seiten Excel-Tabellen“ mit rund 80 Punkten habe man in der Verwaltung „akribisch zusammengetragen“, an denen man zur Energieeinsparung ansetzen könne, so Wollny. Hierzu zählen Schulungen für Hausmeister, Lichtverzicht und besseres Lüften. Die Verbrauchswerte will man dokumentieren, um Schwachstellen zu finden. Der Betrieb von Ventilatoren, Elektroheizgeräten und auch Tassenwärmern soll untersagt werden. Die Kaffeemaschinen dürfen aber weiterlaufen, wie sich nach Rückfrage im Bauausschuss herausstellte. An z. B. Freitagen könnte es aber auch im Rathaus keinen Kaffee mehr geben – wenn es komplett geschlossen bliebe: Mit einem zusätzlichen Tag Homeoffice könnte man das Wochenende entsprechend von Donnerstagabend auf Montagfrüh strecken zum Energiesparen, so die Überlegung.

Noch ist viel Licht im Bürgerbüro (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Der Strom könnte generell ab 19 Uhr abgeschaltet werden, die Heizzeiten auf zwischen 7.30 Uhr und 18 Uhr beschränkt. Den Einwand von Torben Klant (SPD), dass die Energiekosten damit womöglich nur auf die Mitarbeiter zu Hause verlagert würden, sah Wollny nicht als stichhaltig an: Die Energiespareffekte würden vor allem durch die Bündelung erreicht, und zu Hause würde die Heizung ohnehin nicht so stark abgesenkt werden, wie es dann im Rathaus der Fall wäre. Zu einer Auskühlung käme es trotzdem nicht, nur zu einer größeren Absenkung, so dass das Wiederbeheizen nicht mehr Energie verbrauche als die Einsparung.

Spartipps, geöffnetes Hallenbad und Warmwasser in Turnhallen

Energiespartipps will man auch über die Presse vermitteln, und auch die Flüchtlinge in der Stadt sollen mitsparen: Angedacht sind Flyer mit Energiespartipps in mehreren Sprachen. Dass sich das Bewusstsein zum Energiesparen wohl erst noch entwickeln muss, war auch im Bauausschuss zu beobachten. Am Donnerstag jedenfalls wurden Energiesparpotentiale verschenkt: Ein leistungsstarker Beamer lief auch im Stillstand, und obwohl die Sonne schien, war die Deckenbeleuchtung voll eingeschaltet.

Die städtischen Wasserspiele sollen Mitte September abgeschaltet werden (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

An die Heizungen und das Duschwasser der städtischen Turnhallen will man keine Hand anlegen, man soll sich nach dem Sport auch im Winter warm duschen können. Es werde aber Hinweise zur sparsamen Nutzung geben. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass die Temperatur des Hallenbadwassers noch weiter gesenkt werde, und auch über die Reduzierung der Saunabereiche könne nachgedacht werden. Eine völlige Schließung des Wunstorf Elements ist hingegen nicht geplant, der Vereinsbetrieb soll gewährleistet werden. Auch aus Gebäudeschutzgründen sei eine Hallenbadschließung nicht sinnvoll. Die städtischen Brunnen werden dagegen wohl Mitte September abgeschaltet.

Sicherlich nicht alle der angedachten Maßnahmen werden kurzfristig umgesetzt werden können. Die Pläne werden nun weiter von der Verwaltung ausgearbeitet, gehen teilweise in Abstimmung mit den Personalvertretungen und werden dann in nächster Zeit konkretisiert werden.

von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Lydia Bertani sagt:

    Zuallererst sollten diese „Sparer im Namen Dritter“ erst einmal den Stecker ihres eigenen Kühlschrankes sowie ihrer eigenen Kühltruhe rausziehen.
    In deren eigenem Treppenhaus ist Licht auch nächtens strikt verboten.
    Das spart! Koste es, was es wolle!
    Es gab mal jemanden, der ein Buch mit dem Titel „Der neue Tugend-Terror“ schrieb.

  • Birgit sagt:

    Ein dicker Pullover hat noch niemandem geschadet, im Zeitalter von Gore-Tex und „klimaaktivem Klamottenwahn“ ist ja alles kaufbar, die Notwendigkeit von Tassenwärmern zu erörtern, gleicht einer Frechheit hinsichtlich Klimawandel und seiner Auswirkung, ebenso wie der Gebrauch von Heinlüftern oder Stuhlwärmern. Das Feld für die Annehmlichkeiten des Alltags ist breit. Man kann gut auch ohne diese leben, ohne in ernsthafte Gefahr durch ihr Missing zu geraten.

    Ein gutes Mittel gegen Wohnungsfrieren unter 20 Grad Celsius: Staubsaugen. Oder im Bürohaus auf den netten Fahrstuhl verzichten. Ab und zu mal eine Runde über den Flur laufen setzt neue Energien frei.

    Auch Reduzierung der Festbeleuchtung einer nächtlichen Stadt hinsichtlich Energievermeidung und Lichtverschmutzung würde Früchte tragen, Ampelabstellung hingegen nicht aus im Artikel genanntem Grund. Ab und zu mal frische Luft durchs Fenster, top, und dann bitte keine Befeuerung von Kohle- und Co.-Öfen, denn die sind an Feinstaubbelastung und Gestankausstoß sicherlich kein gutes Mittel, um dem Klimawandel den Kampf anzusagen oder einen Abendspaziergang zu erlauben ohne Smogwolken und erzeugende Hustanfälle. Von Pseudo Krupp ganz zu schweigen.

    Und noch wichtiger: Holzverbrennung ist sicherlich nicht nur Vernichtung der Natur genauso wie die Unsinnigkeit einer Pelletheizung durchaus schon jetzt an den ökologischen Pranger gestellt und hoffentlich dadurch ins dunkle Abseits gerät, aber das scheint noch nicht überall angekommen zu sein, leider, denn Informationen gibt es genug, auch über das Deutsche Fernsehen für alle, die des Internets nicht mächtig sind.

    Die Regelungen und Verbote dafür stehen schon in der Planung.

    Wunderbar.

  • Lydia Bertani sagt:

    Machen wir uns nichts vor: Der Abschaltung der Straßenbeleuchtung folgt mit hoher Wahrscheinlichkeit das Verbot, sich über 22:00 hinaus dort aufzuhalten, weil es dann dem „notwendigen Schutz vor Unfällen“ dient.

    Man darf es dann auch „Ausgangssperre durch die Hintertür“ nennen……..

  • Basti g. sagt:

    Bin mal gespannt wie im Winter die Werkstatt , Büro vom bauhof und Rathaus geheißt werden

  • Basti g. sagt:

    Jetzt eine Frage an die Häuptling der Stadt wunstorf wieso sind keine solarplatten auf dem Rathaus? Heißt ihr mit steuergeldern der Allgemeinheit? Denkt mal nach

  • Grit D. sagt:

    Auf die Schaufensterbeleuchtung der Geschäfte nach 22 Uhr verzichten zu müssen, ist wahrlich kein Verlust.

    An der Straßenbeleuchtung arbeiten zu wollen- in Ornung!

    Doch ganze Straßenzügen „den Stecker zu ziehen“- aus technischen Gründen angeblich nicht anders möglich (?)-, geht mir zu weit- viel zu weit!

    Ich halte Wunstorf zwar für einen der sichereren Orte, doch alle wissen „Das Böse ist immer und überall“.
    Folglich muss aus Sicherheitsgründen eine ausreichende (!) Straßenbeleuchtung gewährleistet sein.

  • Anonymous sagt:

    Selbstverständlich wälzt man die Heizkosten auf die Arbeitnehmer ab, dass weiß auch ein Herr Wollny, auch wenn er es nicht zugeben mag. Ich hoffe, dass man den Arbeitnehmern hier entgegen kommt…

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