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Vor 100 Jahren: Polizei verhaftet Demonstranten vor Wunstorfer Rathaus

07.12.2022 • Aufrufe: 784

Die Menschen in Wunstorf vor 100 Jahren setzten ihre Proteste wegen der hohen Preise fort. Wieder kam es zu Demonstrationen – und dieses Mal griff die Polizei hart durch …

Pressespiegel 100 Jahre

Der Aufstand in Wunstorf, der zur Erstürmung des Rathauses und zu Körperverletzungen und Plünderungen geführt hatte, lag erst ein paar Tage zurück. Die Obrigkeit bemühte sich, die Ordnung in der Stadt wiederherzustellen und die Situation zu beruhigen. Dazu war auch verstärkende Polizei aus Hannover nach Wunstorf geschickt worden. Doch die Lage beruhigte sich nicht, sondern drohte im Gegenteil weiter zu eskalieren. Aufgebrachte Demonstranten versammelten sich erneut vor dem Rathaus. Die Polizei griff durch …

Wir schreiben das Jahr 1922. Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt noch nicht lange zurück, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Man ist auf dem Weg in die „Goldenen Zwanziger“. Das Deutschlandlied wird erstmals zur Nationalhymne erklärt. In Berlin wird der Stummfilm Nosferatu uraufgeführt. In Ägypten wird das Grab von Pharao Tutanchamun entdeckt. Die Sowjetunion wird gegründet.

Am 6. Dezember 1922 berichtete die Leine-Zeitung über die anhaltenden Aufstände und warnte ihre Leserschaft vor der Teilnahme an Demonstrationen:

Einer der Viehhändler, die auf dem Ferkelmarkt in der Viehhalle am Montag, den 27. November, von den durch die Kommunisten aufgehetzten Massen misshandelt wurden, liegt schwer verletzt im Krankenhause. Trotzdem die Kommunisten durch ihre Treibereien schon eine Anzahl von Familien ins Unglück gestürzt haben, weil die Verleiteten, die Ausschreitungen verübten, gerichtliche Bestrafung treffen wird, beriefen die Kommunisten doch wieder zum Freitagabend auf dem Platz vor dem Rathause in Wunstorf eine öffentliche Versammlung ein. In der Dunkelheit hätte es erneut zu Ausschreitungen kommen können. Deshalb wurde die Versammlung polizeilich verboten und das Verbot durch Ausrufen und Anschlag bekanntgegeben. Unbekümmert darum versammelte sich laut dem Hannoverschen Kurier eine ganze Anzahl von Personen vor dem Rathause, darunter wie in solchen Fällen üblich auch jugendliche Burschen. Um erneute Ausschreitungen unter allen Umständen zu verhindern, war zur Unterstützung der Ortspolizei und der Landjäger ein Kommando hannoverscher Schutzpolizei in Stärke von 20 Beamten unter Führung eines Offiziers nach Wunstorf geschickt worden. Der Aufforderung der Beamten, den Platz zu räumen, wurde längere Zeit nicht nur nicht entsprochen, sondern die Beamten wurden in unflätiger Weise beschimpft und verhöhnt. Darauf ist eine Anzahl von Personen festgenommen worden. Als dabei Widerstand geleistet wurde, ist unter Gewaltanwendung, aber ohne Waffengebrauch, dem Ansehen der Behörde nachdrücklich Geltung verschafft worden. Weitere Bestrafungen werden die Folge sein, und wieder wird manche Familie in große Not kommen, wenn der Familienvater ins Gefängnis wandert! Die kommunistischen Führer, die sich vorsichtig im Hintergrunde hielten, schreien natürlich über polizeiliche Roheit.



veröffentlicht am: 07.12.2022 • Aufrufe: 784
Redaktion
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Kommentare


  • Lydia Bertani sagt:

    Dank des neuen „Wunstorf-Smileys“ sind solche Dinge zukünftig zum Glück nicht zu erwarten.
    Da kann man schon mal dankbar sein!

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