
Schneesturm war angesagt, Schulunterricht fiel vorsorglich aus, von längeren Fahrten wurde abgeraten und vor gesperrten Straßen und Schneeverwehungen gewarnt. Wer es sich leisten konnte, blieb zu Hause, doch wer zur Arbeit musste, hatte diese Wahl in der Regel nicht.
Vor allem viele Pendler standen am vergangenen Freitagmorgen, als Wintersturm Elli in der Region angekommen war, vor der Frage: Wie komme ich jetzt nach Hannover? Oder später wieder zurück, wenn es auch am Nachmittag noch einmal so richtig glatt werden soll?
Den Älteren – und den Jüngeren, wenn sie die alten Reportagen von früher gesehen haben – kommt dabei der Winter 1978/1979 in den Sinn – ein Katastrophenwinter. Das Problem damals: Ein überraschender Temperatursturz, viel Schnee und dazu Sturm. Autos auf Straßen und Autobahnen wurden unter Schnee regelrecht begraben und waren eingeschlossen, Hunderte mussten am Ende aus ihren Fahrzeugen gerettet werden. Es gab Tote.
So schlimm kam es ab dem 9. Januar 2026 nicht. Der Schneefall war stark und Wind vorhanden, aber es entstand kein Blizzard. Hohe Schneeverwehungen, die vorab nicht ausgeschlossen werden konnten, blieben in der Region aus. Dennoch reichten die Schneemengen und die Dauer des Niederschlags, um den Verkehr plötzlich und kräftig in den Wintermodus zu schalten, vor allem auch auf der Autobahn.

Bus und Bahn waren keine echte Alternative. Der Busverkehr hatte dieselben Schwierigkeiten wie der übrige Verkehr und ähnliche Schwierigkeiten wie LKW-Fahrer, die bereits zahlreich auf schneeglatten Fahrbahnen feststeckten. Der S-Bahnbetrieb wurde sogar am Morgen ganz eingestellt. Der übrige Bahnverkehr war ebenso gestört und kämpfe mit massiven Verspätungen und Zugausfällen. Schneeverwehungen auf den Strecken waren das Hauptproblem.
Wer sich deshalb trotzdem auf die Autobahn wagte, fuhr in keine alltägliche Fahrsituation, aber dennoch nicht ins absolute Chaos. Der Winterdienst der Autobahnmeistereien hatte letztlich zwei Spuren der jeweils dreispurigen Autobahn geräumt: Hauptspur und erste Überholspur wurden von zwei versetzt fahrenden Räumfahrzeugen vom Schnee befreit, der geräumte Schnee dabei auf die äußerste Überholspur geschoben.
Der Verkehr floss daher auf den geräumten Fahrbahnen fast normal – maximal zweispurig je Fahrtrichtung. Auch die Standstreifen blieben in der Regel schneebedeckt. Die Höchstgeschwindigkeit auf der geräumten Strecke wurde für alle Verkehrsteilnehmer auf 80 km/h begrenzt. Schneller durfte nicht gefahren werden auf der A2.

Die dritte Spur wurde über das elektronische Verkehrsleitsystem als komplett gesperrt angezeigt. Das hinderte manchen Fahrer nicht daran, die Spur dennoch im Einzelfall zu benutzen und regelrecht durch den Schnee zu pflügen – obwohl dies nicht nur gefährlich war, sondern auch wie ein Rotlichtverstoß geahndet wird.
Die Sichtverhältnisse hingen stark davon ab, ob es gerade schneite oder nicht. Im wirbelnden dichten Schnee sank die Sicht drastisch, vergleichbar, als würde man durch Nebel fahren. Ohne Niederschlag war die Sicht dagegen eisig klar – und die Autobahn wirkte idyllisch zwischen schneebehangenen Bäumen in der Winterlandschaft.

Kein Wetter scheint jedoch zu schlecht zu sein, um nicht durch waghalsige Manöver oder Ignorieren der Verkehrsregeln doch noch ein paar Sekunden herausholen zu wollen. Das Befahren der schneebedeckten gesperrten Überholspur blieb nicht das einzige Wagnis. Trotz schlechter Sicht hatten manche Fahrzeuge das Licht nicht eingeschaltet. Trotz Überholverbot kam es zu „Elefantenrennen“ zwischen LKW, es gab gefährliche Überholmanöver und viel zu geringe Sicherheitsabstände.

Zu Unfällen im Bereich Wunstorf kam es jedoch nicht. Als Achillesferse im Winterwetter entpuppte sich am Ende nicht die Autobahn selbst, sondern es waren die Anschlussstellen mit den Auf- und Abfahrten sowie die Umgebungsstraßen, die zum Problem wurden: In der Abfahrt Luthe hatten sich etwa mehrere LKW bei leichter Steigung festgefahren und kamen ohne fremde Hilfe nicht weiter. Mit demselben Problem kämpften die Sattelzüge auch auf den Landstraßen.
Mancher LKW- und Autofahrer, der dort deshalb im Stau stand, wünschte sich trotz Winterwetter direkt wieder zurück auf die Autobahn.
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