Wunstorfer Auepost
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„Wir haben noch alle Chancen!“

15.09.2021 • Achim Süß • Aufrufe: 661

Er lächelt von Plakaten, obwohl er aktuell nicht kandidiert, geht auf Menschen zu und kennt seinen Wert: CDU-Spitzenmann Bernd Althusmann im Auepost-Quartiergespräch über Teamgeist, Laschets Ausdauer, Scheinriesen, linke Irrwege und Chancen für Wunstorf.

15.09.2021
Achim Süß
Aufrufe: 661
Bernd Althusmann
Bernd Althusmann | Foto: Achim Süß

Bernd Althusmann sitzt in der Redaktion der Auepost in der Nordstraße. Er ist auf dem Weg zum Info-Stand der Wunstorfer Parteifreunde. Der Chef der Niedersachsen-CDU – auch stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister, Mitglied des Präsidiums der Bundes-CDU, Vertrauter der Kanzlerin – will den Wahlkämpfern Mut machen und mit Bürgern ins Gespräch kommen. Nicht zuletzt hat er Martin Pavel beim Bürgermeisterwahlkampf unterstützt. „Wir haben alle Chancen, aber es ist ein harter Kampf.“

Die CDU habe es in der Hand, zu zeigen, „dass sie nach wie vor die stabile Kraft sei“, die das Land durch Krisen führe. „Eine linke Alternative oder ein Linksrutsch“, formuliert Althusmann behutsam und lenkt den Blick gleich auf die Bundestagswahl, sei schädlich für das Ansehen des Landes. Es drohe eine neue Schuldenpolitik, die den Wohlstand aller gefährde. „Die einen“ wollten den Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben, während die CDU Angebote präsentiere, „wie wir leben wollen“. Bei einer Beteiligung der Linken an einer Regierung werde die Nato als stabiles Sicherheitsbündnis in Frage gestellt. Die Sicherheit Europas wäre in Gefahr. Althusmann: „Ein Irrweg.“ Auch die „Vergemeinschaftung von Schulden“ südeuropäischer Länder sei nicht im Sinne deutscher Steuerzahler.

Verzerrte Darstellungen

Althusmann gibt die Wahlen für die CDU nicht verloren. Prognosen sehen die Partei bei weniger als 20 Prozent. Den Landesvorsitzenden scheint das nicht anzufechten. Umfragen sind für ihn Momentaufnahmen: „Die CDU will keine Umfragen gewinnen, sondern Wahlen. Und dass wir das können, haben wir gerade bei der Kommunalwahl bewiesen!“ Entscheidend sei das Ergebnis am Wahltag. Er nennt Beispiele dafür, dass die CDU verloren geglaubte Wahlen in den letzten Tagen und Stunden noch gewonnen hat. Das gelte auch für Laschet. Bei den Landtagswahlen 2017 in Nordrhein-Westfalen sei der Sieg von Hannelore Kraft (SPD) für viele eine ausgemachte Sache gewesen – gewonnen habe CDU-Mann Laschet. „Der kämpft bis auf den letzten Meter.“

Laschet sei ein gewiefter, starker Wahlkämpfer. Er werde in den Medien viel kritisiert, aber einige Darstellungen seien verzerrt und „unfair“. Vom Lob für den eigenen Bewerber schwenkt er zum Gegenkandidaten von der SPD: Olaf Scholz sei „überhaupt kein neues Gesicht“, eher ein „Scheinriese“, der von der „gemischten Stimmung“ profitiere, von dem verbreiteten Wunsch nach Veränderung und nach neuen Gesichtern. Zu oft gehe es um Nebensächlichkeiten im Wahlkampf, um Lebensläufe, Lächeln und Versuchskaninchen. Sachfragen und Konzepte seien überlagert worden.

Selbstkritisch bemängelt Althusmann, dass in 16 Jahren mit Angela Merkel die innerparteiliche Debatte zum Teil auf der Strecke geblieben sei. Zu viele hätten sich zu lange auf die Kanzlerin verlassen. Althusmann: „‚Mutti macht das schon‘ ist vorbei!“ An deutlicher Kritik an der „Schwesterpartei CSU“ will er sich nicht unbedingt beteiligen. Er spricht von der Wichtigkeit, geschlossen aufzutreten. Aber die CSU sollte doch „ihre Sticheleien“ sein lassen. Die internen Auseinandersetzungen haben viel Unruhe in der Partei erzeugt, meint er. Die Union befasse sich viel zu viel mit sich selbst. Es fehlte manchmal an Teamgeist.

Falsche Wahlplakate?

Stichwort Team, Stichwort Plakatierung. Wochenlang hat Althusmann im ganzen Land das Wahlvolk angestrahlt von großen Wänden – obwohl er jetzt nirgendwo kandidiert. Das sei ein „klares Signal“: „Wir treten als Team an.“ Die Werbeagentur habe langfristig geplant, berichtet er später beim Gang durch die Marktstände. Sie habe schon den Urnengang im Herbst 2022 im Blick, wenn der Landtag gewählt wird. Sein Porträt im Großformat soll signalisieren, dass die CDU als geschlossene Partei um Stimmen kämpft. So hat es der neue Generalsekretär Sebastian Lechner aus Neustadt immer wieder in Interviews erklärt. Davon hatte er einige zu bewältigen, denn die Plakataktion hat in vielen Orten irritiert.

 „Die Leute erkennen mich.“

Bürger wundern sich, Journalisten fragen, Parteisprecher antworten: Die Rechnung scheint aufzugehen. Der Landesvorsitzende stehe für die Stärke der Partei im Land und für Geschlossenheit, sagt Lechner immer wieder. Althusmann selbst ist sich der eigenen Zugkraft bewusst. „Die Leute erkennen mich.“ Beim Gang durch Hannover, bei Bürgerkontakten wie in der Wunstorfer Innenstadt wird er gegrüßt. Er erhalte viel Zuspruch, das Konzept wirke. Und es sei auch gar nicht neu: Seit 2001 plakatiere die Partei den Landesvorsitzenden bei Kommunalwahlen: Christian Wulff, David McAllister, nun Bernd Althusmann. Der Mann als Programm, so wie schon in Berlin. Dort ließ die CDU einst Angela Merkel sagen: „Sie kennen mich.“ Althusmann betont, die Kampagne sei eine „Überbrückung“ – und keinem lokalen Kandidaten sei eine Werbefläche weggenommen worden.

Blick auf Wunstorf

Hinab in die kommunale Politik: Wie weit darf eine Stadt wie Wunstorf gehen, um marode Randbereiche der Innenstadt zu retten oder zu revitalisieren? Darf sie auch Gebäude kaufen, um Geschäftsgründungen und Start-ups zu fördern? So wird es aktuell mit Blick auf die Südstraße diskutiert. Der Wirtschaftsminister: Mit seinem Förderprogramm rege das Land an, die „Kommune von morgen zu denken“. Leben, Wohnen, Arbeiten, Kunst, Kultur – das gelte es zu verbinden als „Erlebnisraum“, gerade und vor allem in einer Innenstadt. Leerstände und die Konkurrenz des örtlichen Handels mit dem Internetangebot verlangten nach klugen Lösungen.

Althusmann befürwortet baurechtliche Änderungen und kommunales Immobilienmanagement. Neue Nutzungskonzepte für alte Gebäude seien erforderlich, und die Städte brauchten mehr „freie Hand“. Er denke über einen Wettbewerb um die besten Ideen für die Innenstädte von morgen nach. Die Regeln von heute seien zum Teil hinderlich auf dem Weg in die Zukunft. Vielleicht sei es an der Zeit, Pilotprojekte zuzulassen, und einfach mal die eine oder andere Stadt ganz flexibel etwas ausprobieren zu lassen. Das Leben in den Stadtzentren wandele sich. In dieser „Zeitenwende“ gehe es auch um digitale Lösungen und künstliche Intelligenz. „Ganz wichtig: Wie beliefern wir die Innenstädte? Wie kann der Busverkehr umweltfreundlich, CO2-neutral, gestaltet werden?“ Auch für Wunstorf biete sich da eine Chance.

Er hätte das Quartiergespräch gern fortgesetzt, sagt Althusmann auf dem Weg zum Infostand, wo Kandidaten und Bürger auf ihn warten. Die Gespräche tun ihm sichtlich gut. „Er genießt das“, sagt eine Mitarbeiterin. Auch er sei ein ausgesprochener Wahlkämpfer. So lässt er sich gern bitten, noch ein paar Schritte weiterzugehen: Im Rathaushof ist eine Hochzeitsgesellschaft versammelt – ein Freund von Martin Pavel und dessen Frau haben sich gerade trauen lassen. Althusmann gratuliert und parliert charmant mit dem jungen Paar und ein paar Gästen. Dann schnell weiter ins Kloster: Vor dem Röbbigsturm warten ein Team und Dreharbeiten für ein Video.

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Kommentare


  • Dieter sagt:

    Mein erträumtes Ergebnis der BTW wäre, CDU/CSU 4,2%; SPD 4,2%; FDP 4,2%; B90/Grüne 4,2%; Die Linke 4,2%; AFD 4,2%; Freie Wähler 30%; WG 30%; Nichtwähler 24,8% – Wahlbeteiligung 40%.

    Na das gäbe ein Zähneklappern, Corona wäre sofort besiegt, Klimawandel ( ähhh, wie war das? ) völlig vorbei. Einfach weg wie das Ozonloch, das Waldsterben, die Ölkrise, der Co2 Hype mit Katalisatoren. Einfach weg, nie gesehen, wie? Kann ich mich gar nicht dran erinnern, wann soll denn das gewesen sein?

    Wir haben`s nicht mit bekommen, wir waren mit dem Auto auf dem Steinhuder Meer und hatten Spass ohne Ende. Kam auch keiner der uns das verbieten wollte. Selten war mir vorher so schwindelig vom Kreiseln. Heute wird mir nur noch schwindelig, wenn ich unsere Politiker höre.

  • Dieter sagt:

    So, nun haben wir den Salat. 6 Parteien sind im BT, aber keine so richtig gewählt. Na das wird ein Spass für das „tumbe Stimmvieh“ für die nächsten Jahre.
    Wenn`s nach mir gehen sollte, ich hätte Dieter Bohlen als Kanzler sofort akzeptiert. Dann wüssten wir nämlich innerhalb kürzester Zeit wer nix kann und Bohlen schasst die Nieten und Versager. Kann er ja, mit seiner herrlich großen Unverfrorenheit. Das gäb ein Hauen und Stechen. Aber ach, danach wäre der Bundestag plötzlich um 75% kleiner.
    Nee Bohlen, so geht`s nicht. Wohin dann mit dem ganzen „Expertenmüll“? Anders herum gäbe es dann plötzlich so viel freie Stellen in der Politarena, wen will das Stimmvieh denn dann wählen, wenn keiner mehr da ist?

    Bohlen würde es fertig bringen, die restlichen 25% des BT bei RTL antreten zu lassen und auch ihr Unwissen schonungslos zur Schau zu stellen und wenn er dann anfangen würde, die abgehalfterten EU Schranzen ………….
    Nee, jetzt hör ich auf. Sonst kommt noch die GSG 9 mit ner Hausdurchsuchung.

    Und ach, Harald Juhnke als Aussenminister und Hans Albers für die Verteidigung …… man kann gar nicht aufhören zu träumen.

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