Wunstorfer Auepost
[Anzeige]

Bei der Motorradkontrolle in Steinhude

15.09.2025 • Daniel Schneider • 5 Min.Kommentare: 1

Zum zweiten Mal in diesem Jahr führte die Wunstorfer Polizei eine Motorrad-Schwerpunktkontrolle durch – in Steinhude wurden einen Tag lang sämtliche Biker am westlichen Ortsrand zur Überprüfung gebeten. Manche gleich mehrmals.

15.09.2025
Daniel Schneider
5 Min.
Motorradpolizist Henning Düerkop am Kontrolltag in Steinhude | Fotos: Schneider

Am Sonntag, den 14. September 2025, war am Ortseingang von Steinhude etwas anders als gewohnt: Wer auf der Straße über Altenhagen in den Ort hineinfuhr, sah in der Kurve nahe der Gärtnerei kurz vorm Ortseingang plötzlich 30er-Schilder. Der Grund dafür zeigte sich wenige Meter später: Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte standen an der Straße und winkten alle Zweiräder heraus. Eine groß angelegte Schwerpunktkontrolle fand in Steinhude statt.

Damit es hinter der Kurve zu keinen gefährlichen Situationen mit nachfolgendem Verkehr kam, wenn die Motorräder auf den Kontrollbereich einbogen, war die Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt worden. Auch die Motorräder in Gegenrichtung wurden herausgewunken, doch auf gerader Strecke waren hier keine zusätzlichen Maßnahmen zum Tempolimit nötig.

Einmal alle Zweiräder bitte

Die Motorräder wurden ohne bestimmten Anlass gleichermaßen zur Kontrolle gebeten – es wurde nicht nach auffälligen Fahrweisen, bestimmten Motorradarten oder bestimmten Fahrern Ausschau gehalten. Jeder, der am Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr als Zweiradfahrer durch Steinhude fuhr, hatte die gleiche Chance, in die Polizeikontrolle zu geraten. Auch Motorrollerfahrer wurden zur Kontrolle gebeten. Nur in einem kleinen Zeitfenster blieb der Verkehr unbeobachtet: während der gemeinsamen Brötchenpause der Beamten.

Alle Zweiräder im fließenden Verkehr werden herausgewunken

Auf der Straße standen ansonsten durchgehend ein oder zwei Beamte und nahmen die nahenden Motorräder ins Visier und winkten sie zur Kontrolle heraus. Auf dem Schotterplatz gegenüber der Gärtnerei an einem Feldwegbeginn war die Kontrollstelle aufgebaut. Dort traten dann die übrigen Kollegen an die Fahrer heran: „Allgemeine Verkehrskontrolle“, bekamen die Herausgewunkenen zu hören.

Allgemein kontrolliert wurde an diesem Tag jedoch nicht der Zustand der Fahrer, sondern der Zustand ihrer Maschinen. Schwerpunkt war die technische Kontrolle der Motorräder. Maschinen, Reifenprofile, mögliche Manipulationen – all das konnte in den Fokus geraten. Aber auch die Kleidung der Biker. Wer mit ungeeigneter Bekleidung unterwegs war, bekam Tipps und Hinweise zum Gefahrenpotential dieses Aspekts von der Polizei mit auf den Weg.

Kontrollpunkt am Ortseingang von Steinhude

Gegen 14 Uhr hatte man 60 Maschinen in der Kontrollstelle gehabt, am späteren Nachmittag schon knapp das Doppelte. Bis zum Abend sollten es noch über 120 Maschinen werden, die in Steinhude kontrolliert wurden. Das Bild in der Kontrollstelle wechselte sich ab: Meist standen gleich über ein halbes Dutzend Fahrer in der Kontrolle – oder auch gar niemand. Motorradfahrer waren oft in Gruppen unterwegs – beziehungsweise starteten nach einer Kontrolle wieder grüppchenweise.

Wer zum zweiten Mal an der Kontrollstelle – etwa später auf dem Rückweg wieder aus Steinhude hinaus – vorbeikam, wurde auch ein zweites Mal herausgewunken, dann aber meist sofort erkannt und weiterfahren gelassen.

Freiwillige und unfreiwillige Lärmmessungen

Die entdeckten Verstöße blieben am Sonntag überschaubar: In drei Fällen entsprach etwa die Auspuffanlage nicht den gesetzlichen Anforderungen – der „Dezibelkiller“ war nicht vorhanden, ein kleines rohrartiges Bauteil, das im Schalldämpfer des Abgasstranges die Lärmemissionen vermindert.

Manchmal konnten die Beamten das Fehlen schon durch bloßes Betrachten der Motorräder erkennen, in einem Fall brachte jedoch erst die Lärmmessung Gewissheit. Für die Betroffenen war zumindest das Motorradwochenende damit zu Ende: Nicht nur eine drohende Geldbuße und ein Punkt in Flensburg waren angesagt, sondern die Motorräder durften ohne dieses Bauteil auch nicht mehr weiterbewegt werden – wegen erloschener Betriebserlaubnis.

Auch wer sein Motorrad deswegen in Steinhude stehen lassen musste: Mitleid von der Polizei gab es in diesen Fällen nicht. Wer dieses Bauteil entferne, wisse, was er tue – und fahre sein Motorrad dann bewusst mit dem Risiko, dass es bei einer Kontrolle stillgelegt werde, erzählte der Leiter der Kontrolle der Auepost.

Ein Beamter in Zivil nimmt eine Lärmmessung vor

Der große überwiegende Teil der Motorradfahrer hatte jedoch keine Probleme in der Kontrolle. Einmal fiel etwa ein defekter Scheinwerfer auf, doch das war am helllichten Tag natürlich kein Grund, das Motorrad gleich aus dem Verkehr zu ziehen. Auch wer keinen Führerschein dabeihatte, stieß auf keine größeren Probleme. Solange eine Identifizierung des Fahrers möglich war, blieb alles unkompliziert.

Manche Motorradfahrer baten sogar freiwillig um eine Lärmmessung: Sie nutzten die Chance, um einmal den genauen Geräuschpegel ihrer Maschinen ermitteln zu lassen. Denn vor allem im Ausland wie Österreich kann das mittlerweile relevant werden, wenn wie dort die zulässigen Höchstwerte gesenkt sind. Dort drohen dann Probleme, selbst wenn in Deutschland mit der entsprechenden Maschine noch legal gefahren werden kann.

Genau das war auch mit das Ziel der Polizeiaktion: Nicht nur Verstöße aufspüren, sondern auch mit den Verkehrsteilnehmern in den Austausch kommen zum Thema Motorrad-Verkehrssicherheit. Der Servicegedanke der Polizei war dann auch deutlich spürbar – aus der Kontrollsituation heraus entwickelte sich manches interessante Gespräch. Selbstverständlich nicht immer. Auch Kleinlichkeit wurde den Beamten stellenweise vorgeworfen – vornehmlich von denen, bei denen ein Verstoß gefunden wurde. Hier hätten einige dann auf den staatlichen Service lieber verzichtet.

Mit dem Auto in die Motorradkontrolle

Als Freund und Helfer betätigten sich die Polizisten ohnehin auch außerhalb der eigentliche Kontrolle: Etwa bei dem Senior, der mit dem Auto in die Kontrollstelle fuhr und sich kurzerhand erkundigte, welche Straße auf dem kürzesten Wege nach Mardorf führen würde. Den Tipp der Polizei schlug er dann aber doch aus – und fuhr in die entgegengesetzte Richtung weiter. Vorher erkundigte er sich noch nebenbei, ob hier „die Motorradraser“ angehalten würden. Mit Geschwindigkeitskontrollen hatte das Ganze jedoch nichts zu tun.

Von der Kontrollstelle unabsichtlich beeinflusst wurde auch der Radverkehr, der sich vom Feldweg aus dem aufgebauten Kontrollpunkt näherte: Ein Radfahrer gab plötzlich schon mitten im Feld vorbildlich Handzeichen, um seinen späteren Abbiegewunsch an der Kontrollstelle auf jeden Fall rechtzeitig zu signalisieren. Für Radfahrer interessierte sich die Polizei an diesem Tag jedoch weniger, auch deutlich rücksichtsloseres Abbiegen wäre wohl nicht geahndet worden.

Durchgeführt wurden die Verkehrskontrollen von Beamten des Wunstorfer Kommissariats. Unterstützung bekam man aus Hannover: Motorradpolizisten und -Experten sowie zwischenzeitlich auch ein externer Sachverständiger standen parat, um zu beraten und Zweifelsfälle zu begutachten. Die Motorradpolizei erfüllte auch noch eine weitere Funktion: Hätte jemand versucht, sich der Kontrolle durch Weiterfahren zu entziehen, die rote Polizeikelle ignorierend, hätte er die Beamten auf zwei Rädern in den Rückspiegeln gehabt.

Motorräder werden begutachtet

Außerdem waren die Motorradpolizisten auch abseits der Kontrollstelle in Steinhude unterwegs – somit bestand auch für die Motorräder, die nicht „Im Sandbrinke“ unterwegs waren, eine gewisse Kontrolldichte.

Einer dieser Beamten war an diesem Tag Henning Düerkop. Seit 36 Jahren ist er bei der Polizei Hannover – fast die Hälfte davon als Motorradpolizist. Normalerweise fährt er im Stadtgebiet von Hannover, seltener in den Umlandkommunen. Radarkontrollen, Demonstrationsbegleitung oder Eskorten sind Tagesgeschäft. In Wunstorf war Düerkop aber nicht zum ersten Mal, und auch der letzte Einsatz vor dem Kontrolltag lag noch gar nicht so lange zurück. Beim Festlichen Wochenende Ende August stand er fast genau an der Stelle, an der jetzt stationär die Motorräder kontrolliert wurden.

Vor drei Wochen hatte er zum Feuerwerk über dem Steinhuder Meer an dieser Stelle verhindert, dass Ausparkende in der provisorisch eingerichteten Einbahnstraße zu Geisterfahrern wurden. Als nun die erneute Anforderung aus Wunstorf kam und der Kontrolltag geplant wurde, konnte der hannoversche Polizist die hiesigen Kollegen mit unerwarteter Ortskenntnis beeindrucken: „Also gegenüber von Wilhelm Blume, sagt das doch gleich!“

Aufrufe: 2635
[Anzeigen]




[Anzeigen]
Auepost wird unterstützt von:

Kommentare


  • Mofafahrer sagt:

    Man bin ich froh das ich nur bis steinhude und nicht weiter gefahren bin!
    Sonst hätten die mich wahrscheinlich rausgezogen und das wäre nicht gut für mich geendet.
    Ich frage mich ob sie einen Rollenprüfstand hatten

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Kontakt zur Redaktion

    Tel. +49 (0)5031 9779946
    info@auepost.de

    [Anzeigen]

    Artikelarchiv

    Auepost auf …