Assistenzhunde

Besondere Helfer auf vier Pfoten für Menschen im Rollstuhl

Assistenzhunde ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigungen ein unabhängigeres Leben. Für viele Rollstuhlfahrer ist ein Assistenzhund ein Herzenswunsch, doch ein solcher Hund ist teuer und oftmals nicht finanzierbar. Der Wunstorfer Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Menschen im Rollstuhl einen Assistenzhund zu finanzieren.

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Ziel des Vereins ist es, Sponsoren und Spender zu finden, um die Ausbildung von Assistenzhunden zu finanzieren und die Arbeit mit Assistenzhunden in Deutschland bekannter zu machen. | Foto: Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V.

Luthe (nr). Als ich an diesem sonnigen Tag an der Tür im Pirolweg 12 in Luthe klingele, höre ich hinter der noch geschlossenen Tür ein aufgewecktes, freudiges Bellen. Claudia Bodmann und Tom erwarten mich schon. Wenn ich mir den Labrador-Golden-Retriever-Mix so anschaue, wie er sich freudestrahlend von mir streicheln lässt und besonders treu guckt, wenn Frauchen die Leckerlis zückt, könnte man denken, dass Tom wie fast jeder andere Hund ist. Aber Tom ist kein gewöhnlicher Hund, er ist ein ausgebildeter Assistenzhund. Ein Freund, ein Helfer, ein Beschützer, ein Brückenbauer und vieles mehr.

Und sein Frauchen ist Claudia Bodmann, die Gründerin und erste Vorsitzende des Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. Ziel des Vereins ist es, Sponsoren und Spender zu finden, um die Ausbildung von Assistenzhunden zu finanzieren und die Arbeit mit Assistenzhunden in Deutschland bekannter zu machen.

Aber wie kommt man dazu, einen solchen Verein zu gründen?

Frau Bodmann hat schon immer den Wunsch nach einem Hund gehabt. Im Alter von 18 Jahren hatte sie einen Verkehrsunfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Zunächst dachte sie, ihre neue Lebenssituation als Rollstuhlfahrerin würde die Haltung eines Hundes nicht zulassen. Als Mensch im Rollstuhl sei es anders, einen Hund zu führen, erklärt mir Frau Bodmann. Und wenn ich mich an die Gassirunden mit meinem eigenen Hund erinnere, so ist es mir doch manchmal so vorgekommen, dass nicht der Mensch den Hund führt, sondern der Hund das Sagen hat. Des Öfteren sah ich Menschen, die mit ausgestrecktem Arm hinter ihrem Hund hinterher stolperten. Diese Art des Gassigehens sei natürlich für jemanden der im Rollstuhl sitzt, schwierig, witzelt Frau Bodmann.

Vom Gegenteil überzeugte die Rollifahrerin eine Freundin aus Frankreich. Diese Freundin hatte einen ausgebildeten Assistenzhund. „Ich habe immer gedacht, na ja so ein Hund ist für jemanden, der viel beeinträchtigter ist. Aber das ist gar nicht so, sondern Assistenzhunde sind gut ausgebildete Hunde und können helfen“, erklärt Frau Bodmann. Und so kam es, dass sie, beeindruckt von den Fähigkeiten eines solchen Hundes, auch so einen Assistenten auf vier Pfoten haben wollte und Kontakt zu einem französischen Assistenzhund-Ausbildungs-Verein aufnahm.

Damals hat sie 13.000 Euro für einen solchen Assistenzhund aufbringen müssen. Dieses Geld hatte Frau Bodmann jedoch nicht und auch die Sponsorensuche gestaltete sich für eine erwachsende Frau im Rollstuhl als sehr schwierig. Trotz aller Bemühungen konnte sie das Geld nicht zusammenkratzen. Doch Frau Bodmann hatte Glück im Unglück. „Dieser Verein [zur Ausbildung von Assistenzhunden, Anmerkung der Autorin] hatte aber immer Hunde über und weil ich kein Geld zur Verfügung stellen konnte, habe ich einen Hund bekommen, der so über war“, berichtet Frau Bodmann.

Darüber war sie sehr dankbar, denn ihr Leben sollte sich mit einem Assistenzhund an der Seite positiv verändern. Oftmals treten Menschen Rollstuhlfahrern mit Vorbehalten entgegen, sind unsicher und wenn sich ein Gespräch entwickelt, wird nach der Behinderung gefragt. „Das ist auch nicht immer spaßig und man hat nicht immer Lust über seine Behinderung zu sprechen“, erklärt Frau Bodmann. Nach ihrem Umzug von Köln nach Wunstorf-Luthe habe sie wenig Kontakt zu Leuten im Ort gehabt. Aber mit ihrem ersten Assistenten auf vier Pfoten, Telemaque, an der Seite war sie nicht mehr die Rollstuhlfahrerin, sondern die Frau mit dem tollen Hund.

„Ein Kontakt über den Hund ist einfach ganz normal. Unter Hundehaltern halt. Da geht es um den Hund“, berichtet Claudia Bodmann lächelnd und erzählt weiter: „Ich fand das alles so positiv, dass ich dann die Idee hatte, diese Erfahrungen mit einem Hund anderen Menschen auch so zur Verfügung zu stellen“

Gesagt, getan. Im Jahr 2005 gründete Frau Bodmann zusammen mit sieben Freunden den Verein Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. Angefangen haben die ehrenamtlichen Mitglieder das Apporte e.V. mit selbstgemachten Pappschildern und ohne richtige Spendendose. Auf allen Märkten der Region hat sich der Verein vorgestellt. „Wir haben gezielt Leute angesprochen, von der Idee erzählt und Telemaque hat sein Können gezeigt“, berichtet Claudia Bodmann. Das Thema Hund und Mensch mit Behinderung sprach Menschen an und die ehrenamtliche sowie gemeinnützige Tätigkeit des Apporte e. V. überzeugte. Das Interesse am Assistenzhunde-Verein stieg. Immer mehr Unternehmen und Menschen zeigten sich spendierfreudig. Mittlerweile konnte der Verein 37 Hunde finanzieren und somit das Leben von 37 Menschen glücklicher machen. Die Motivation ist bis heute geblieben. „Ich habe jedes Team [Mensch und Assistenzhund werden als Team bezeichnet, Anmerkung der Autorin] vorher erlebt und danach. Es ist so unglaublich, was sich in diesen Leben verändert und wie glücklich die Leute dann sind. Zum Teil sind die Leute vorher völlig isoliert oder haben auch depressive Anteile, das ist alles hinterher weg“, berichtet mir die 1. Vorsitzende glücklich. Frau Bodmann schildert mir die Geschichte eines Mannes, der auf Grund eines Berufsunfalls im Rollstuhl sitzt. Nach einem Unfall war der Freundeskreis des Mannes weggebrochen. Dann bekam der Mann seinen Hund, über den Hund lernte er seine Frau kennen und jetzt hat er ein Kind. „Es sind überall solche schönen Geschichten“, so Claudia Bodmann

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„Bärti ist der Beste“, er ist mehr als Charlottes Haustier. Er ist ihr bester Freund, ein treuer Begleiter an den sie sich anlehnen kann. | Foto: Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V.

Was macht Tom und seine Assistenzhundkollegen so besonders?

Menschen im Rollstuhl haben es im Leben und in der Gesellschaft oft nicht leicht. Durch ihr Handicap können sie alltägliche Dinge ohne menschliche Hilfe nicht erledigen. Der Rollstuhl wirkt oftmals als zwischenmenschliche Barriere. Hier können Assistenzhunde helfen. Assistenzhunde geben ihren Haltern die Möglichkeit, aktiv, selbstbestimmt und unabhängiger von menschlicher Hilfe am Leben teilzuhaben. So kann er Türen, Schränke und Schubladen öffnen und wieder schließen, Dinge (wie ein Telefon oder eine Fernbedienung) bringen, Gegenstände aufheben, beim Tragen helfen, beim An- und Ausziehen helfen, um Hilfe bellen, Lichtschalter betätigen und die Waschmaschine ein- und ausräumen.

Für einen Menschen, der auf Grund einer fortschreitenden Muskelerkrankung nur noch einen Ärmel anziehen kann oder der sich beim Zubettgehen nicht eigenständig ausziehen und zudecken kann, bedeutet ein Assistenzhund ein eigenbestimmteres und unabhängigeres Leben. Der Hund kann den anderen Ärmel über die Schulter ziehen, so dass man sich eigenständig anziehen kann. Ein Assistenzhund kann einem beim Zubettgehen ausziehen und im Bett zudecken. Zumindest am Abend ist man so nicht auf einen Pflegedienst angewiesen und kann eigenbestimmt ins Bett gehen.

Für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) bedeutet ein Assistenzhund Teilhabe an der Gesellschaft. Er gibt Sicherheit, hält Menschen auf Abstand oder gibt an, wenn Menschen von hinten herantreten.

Aber ein Assistenzhund ist nicht nur eine Haushaltshilfe und ein Beschützer, er ist vor allem auch ein Brückenbauer. Trotz Inklusion erleben die meisten Menschen im Rollstuhl einen Teil Isolation innerhalb der Gesellschaft. Für viele – gerade für Kinder – ist der Assistenzhund ein Partnerersatz, der beste Freund, an den man sich anlehnen kann. Der unglaublich treu ist, der einen nicht bewertet, egal wie man aussieht und wie schwer behindert man ist. Der Assistenzhund begleitet seinen Besitzer überallhin, man hat immer seinen besten Freund an der Seite und erfährt darüber sehr viel Aufwertung. Der Blickkontakt zwischen gehenden Menschen und Rollstuhlfahrern ist durchweg positiver und häufiger, wenn beeinträchtigte Menschen einen Hund an der Seite haben. Diese positiven Blicke haben viele Rollstuhlfahrer vorher nicht erlebt. „Man wird positiv wahrgenommen“, berichtet mir Frau Bodmann.

Viele Leute haben Hemmungen, Rollstuhlfahrer anzusprechen, dies erlebt auch Claudia Bodmann, obwohl sie voll integriert ist und arbeiten geht.

„Man geht gar nicht davon aus, dass man anders wahrgenommen wird. Trotzdem haben viele Leute Hemmungen, mich anzusprechen, aber mit Hund ist dies anders“, erzählt Claudia Bodmann.

Wie bekommt man einen ausgebildeten Assistenzhund?

Der Weg zu einem Assistenzhund führt immer über eine schriftliche Bewerbung beim Verein. Mittlerweile kommen nicht nur aus Wunstorf Bewerbungen, sondern aus ganz Deutschland. Viele kommen aus München, es gibt aber auch Bewerbungen vom Bodensee oder aus Ostdeutschland. Zurzeit hat der Verein sechs Bewerber und es gehen immer wieder Bewerbungen ein.

Die Bewerber müssen glaubhaft machen, dass sie in der Lage sind, einen Hund zu versorgen und ihm eine artgerechte Freizeit zu ermöglichen. Ferner müssen sie bereit sein, für viele Jahre die Verantwortung für den Hund zu übernehmen. Einige Bewerber unterschätzen die Bedürfnisse eines Hundes und denken, sie bekommen ein Hilfsmittel, einen Assistenzhund, der immer nur neben dem Rollstuhl sitzt und keinen Auslauf braucht. Diese Auffassung ist falsch, denn auch ein Assistenzhund braucht, wie jeder andere Hund, eine gute Pflege und Zuwendungen.

„Wenn seine Bedürfnisse nicht befriedigt werden, arbeitet er nicht mehr und wird krank. Es ist für den Hund auch anstrengend, den ganzen Tag im Büro oder auf Arbeit zu sein und für den Menschen zu arbeiten. Da braucht er in seiner Freizeit Abwechslung“, erklärt mir Claudia Bodmann.

Ein Assistenzhund kommt für jeden Menschen mit Beeinträchtigung in Frage. Dabei ist die Schwere der Beeinträchtigung unerheblich, sofern man einen Unterstützer im Hintergrund hat, der den Hund führen und versorgen kann.

Wie geht es weiter, wenn die Bewerbung durch Apporte angenommen wurde?

Der Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. bildet nicht selbst Assistenzhunde aus. Der Verein arbeitet eng mit dem Verein Partner-Hunde Österreich zusammen. In der Assistenzhundeschule von Elisabeth Färbinger wird geschaut, was für einen Hund der Bewerber überhaupt braucht. Jeder Hund wird individuell anhand des Bedarfsprofils des Bewerbers ausgebildet. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Wünsche. Die Wartezeit für einen Assistenzhund beträgt im Durchschnitt 6-15 Monate.

Claudia Bodmann bspw. arbeitet in einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Ihr derzeitiger Assistenzhund Tom begleitet sie immer zur Schule und muss daher besonders belastbar sein. Tom trifft fast täglich auf Kinder, die sich nicht an Regeln halten können, die besonders laut schreien oder kneifen. Auch Tom kann mal zum „Opfer“ werden und muss sich in diesen Situationen tadellos benehmen. Neben Tom kamen noch zwei weitere Hunde für Frau Bodmann in Frage, alle drei Hunde wurden immer wieder in ein sozialpädiatrisches Zentrum mitgenommen und es wurde geschaut, wie die Hunde reagieren „und Tom war derjenige, der das alles toll fand und dann wurde er mein Hund“, berichtet Frau Bodmann lächelnd.

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Was darf es sein? Eine Tür öffnen, das Telefon oder die Fernbedienung bringen, beim Tragen helfen oder beim An- und Ausziehen helfen? Assistenzhunde sind Helfer auf vier Pfoten. | Foto: Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V.

Was kostet ein Assistenzhund und wie wird er finanziert?

Ein komplett ausgebildeter Assistenzhund kostet derzeit 18.000 Euro. Das ist eine ganz schöne Hausnummer. Einige fragen sich jetzt bestimmt, wie soll man so viel Geld auftreiben? Da der Assistenzhund im Gegensatz zu einem Blindenführhund kein anerkanntes Hilfsmittel nach § 33 SGB V ist – er ersetzt kein Organ, so die Begründung der Krankenkassen – wird er nicht von den Krankenkassen oder anderen Kostenträgern finanziert. Genau aus diesem Grund bietet der Apporte e. V. Unterstützung an und finanziert einen Betrag von 16.000 Euro. Von den 18.000 Euro muss der Bewerber daher nur 2.000 Euro selbst bezahlen.

Um die Finanzierung von Assistenzhunden für Menschen im Rollstuhl möglich zu machen, ist der Verein neben Fördermitgliedern – derzeit 80 Mitglieder – auf Spender und Unternehmenssponsoren angewiesen. Zu den wichtigsten Ausgaben des Vereins gehört daher die Öffentlichkeitsarbeit. Und da unterstützen auch die Mensch-Assistenzhund-Teams sehr gern. Regelmäßig berichten die Vereinsmitglieder von ihrem neuen Leben mit Hund.

Derzeit werden auch die Bewerber in die Sponsorensuche mit eingebunden. Die Bewerber sollen Sponsoren vorschlagen, mit denen der Verein in Kontakt treten kann. So kann der Kreis der Unterstützer und Sponsoren immer weiterwachsen. Grundsätzlich seien viele Unternehmen sowie auch Freunde und Bekannte der Bewerber bereit zu spenden.

Anfangs konnte der Verein maximal zwei Bewerber finanziell unterstützen, derzeit können sogar schon 4 Hunde im Jahr finanziert werden. Bei derzeit 6 Bewerbern ist jedoch noch viel Spielraum nach oben.

Aber was ist, wenn der Bewerber auch den Eigenbetrag von 2.000 Euro nicht aufbringen kann?

Apporte bietet nur finanzielle Unterstützung für die Anschaffung und Ausbildung des Hundes an, nicht aber für die Haltungskosten. Die Bewerber müssen daher in der Lage sein, einen Hund zu versorgen. Wer einen Hund hat, weiß, dass die Haltung des Tieres nicht günstig ist. Neben Kosten für Futter, Körbchen, Spielzeug, Leinen und Halsbänder entstehen auch schnell Tierarztkosten im dreistelligen Bereich. Kann ein Bewerber die 2.000 Euro Eigenbetrag nicht aufbringen, liegt die Vermutung nahe, dass er nicht über Jahre hinweg gut für seinen Hund sorgen kann. Frau Bodmann merkt zudem an, dass man einen komplett ausgebildeten Hund bekommen würde, der schon beim Züchter als Welpe 1.800 Euro kosten würde. Zudem erhalte man eine zweiwöchige, hochwertige Ausbildung.

Aber auch wenn das Geld mal knapp ist, muss kein Mitglied befürchten, seinen geliebten Vierbeiner zu verlieren. Steht bspw. eine große OP des Hundes an und Herrchen oder Frauchen kann das Geld nicht allein aufbringen, springt Apporte auch mal ein. Muss ein Vereinsmitglied für längere Zeit ins Krankenhaus, findet sich immer jemand, der den Hund für diese Zeit aufnimmt und sich um ihn kümmert.

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Die Ausbildung eines Assistenzhundes dauert bis zu zwei Jahre und erfolgt anhand der Bedürfnisse und Wünsche seines zukünftigen Besitzers. | Foto: Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V.

Wie erfolgt die Ausbildung eines Assistenzhundes?

Die Ausbildung eines Assistenzhundes dauert bis zu zwei Jahre. Der potentielle Assistenzhund muss ein richtiger Workaholic sein. Der Hund muss ein hohes Maß an Gelassenheit, Geduld, Toleranz, Freundlichkeit, Anpassungsfähigkeit sowie Hilfsbereitschaft haben. Daher kommen vor allem Labradore, Golden Retriever, Flat Coated Retriever und Mischlinge aus diesen Rassen in Frage. Diese Rassen sind schon ihrem Charakter nach sehr anhänglich, aufmerksam und gutmütig. Am Ende werden nur diejenigen Hunde ausgewählt, die am zuverlässigsten reagieren.

Die Ausbildung beginnt bereits kurz nach der Geburt, mit dem sogenannten Puppytraining. In regelmäßigen Kurz-Trainings-Einheiten werden die Welpen mit verschiedenen Geräuschen und Untergründen konfrontiert. Zudem erhalten sie bereits Kontakt zu vielen Menschen. Nur Welpen die diese Situationen ohne Angst meistern und Interesse am Menschen zeigen, kommen für die weitere Ausbildung in Frage.

Mit 10–12 Wochen kommen die Welpen in eine Gastfamilie. Die Gastfamilien leisten bei der Ausbildung des Assistenzhundes wichtige ehrenamtliche Arbeit. Durch die Gastfamilien erfolgt die erste Erziehung. Den Welpen wird ein Grundgehorsam beigebracht. Zudem wird der Assistenzhundenachwuchs mit verschiedenen, auch ungewöhnlichen, Alltagssituationen vertraut gemacht. So gehört die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrten im Familien-PKW genauso zur Ausbildung, wie der Besuch von überfüllten Einkaufszentren und Konzerten. Der Hund muss in der Lage sein, wirklich überallhin mitgenommen werden zu können.

Nach ca. 10 Monaten ziehen die zukünftigen Assistenten auf vier Pfoten von ihren Gastfamilien auf den Hundehof der Assistenzschule. Nun erfolgt die spezielle Ausbildung am Rollstuhl anhand der Bedürfnisse und Wünsche seines zukünftigen Besitzers. Mit ca. 15 Monaten ist der Assistenzhund fertig ausgebildet.

Assistenzhunde können 50 unterschiedliche Kommandos verstehen und ausführen. Die Ausbildung erfolgt in einem Sprachen-Mix aus italienischen, lateinischen und englischen Begriffen. Deutsche Kommandos erlernen die Hunde nicht. Dadurch soll verhindert werden, dass der Hund von fremden Personen beeinflusst oder abgelenkt wird. Er soll schließlich nicht Platz oder Sitz machen, wenn er seinem Herrchen oder Frauchen assistieren soll. Da viele Menschen im Rollstuhl auch in der Motorik im Oberkörper eingeschränkt sind, erlernen Assistenzhunde nur Sprachbefehle. Manche Hunde werden aufs Flüstern trainiert, wenn das zukünftige Frauchen oder Herrchen im lauten Sprechen eingeschränkt ist und nur flüstern kann.

Nicht nur der Hund hat während seiner Ausbildung viel zu erlernen. Auch die zukünftigen Besitzer und deren Umfeld (vor allem die Familie) müssen pauken und zwar die verschiedenen Kommandos. Diese müssen spätestens zur Teamprüfung, mit der die Ausbildung abgeschlossen wird, sitzen. „Sonst kann man sich mit dem Hund nicht unterhalten, weil der Hund die gängigen deutschen Kommandos ja nicht kennt“, erklärt mir Claudia Bodmann. In einem 14-tägigen Trainings-Kurs werden die Bewerber intensiv auf ihre zukünftige Aufgabe als Hundeführer geschult. Nun lernen die Bewerber endlich ihre zukünftigen Assistenzhunde kennen.

Wurde die Teamprüfung bestanden, können Mensch und Hund in ihr neues Leben starten. Jedes Team erhält einen Assistenzhunde-Ausweis und eine Kenndecke, als optische Kennzeichnung des Assistenzhundes.

Einmal Assistenzhund, immer Assistenzhund – so geht das nicht

Wer nun denkt „super, für 2.000 Euro bekommt man einen fertig ausgebildeten Hund und muss nicht mehr tun“, der irrt sich. Auch ein Assistenzhund braucht – wie jeder andere Hund – ein konsequentes Training. Ohne Training verlernt er sein Können.

Einmal im Jahr wird in einer Teamqualitätsprüfung überprüft, ob der Hund noch als Assistenzhund arbeitet. Funktioniert das Team immer noch einwandfrei oder haben sich Fehler bzw. Schlampereien eingeschlichen? Versteht der Hund noch die Kommandos, die er erlernt hat? Ist er abrufbar? Geht es dem Hund gesundheitlich gut? Ist er zu dick oder zu dünn? Muss der Hund vielleicht etwas Neues hinzulernen?

Wer seinen Assistenzhund – wenn auch unfreiwillig – zum Schmusehund umerzieht, darf die Vorteile, die ein Assistenzhund bietet, nicht mehr nutzen. Kenndecke und Assistenzhunde-Ausweis müssen abgegeben werden. In der 18-jährigen Geschichte von Apporte sei eine solche Situation schon vorgekommen.

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Assistenzhunde geben ihren Haltern die Möglichkeit, aktiv, selbstbestimmt und unabhängiger von menschlicher Hilfe am Leben teilzuhaben. | Foto: Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V.

Ein Assistenzhund darf mehr als andere Hunde, sollte man denken

Ein Assistenzhund darf mehr als andere Hunde, sollte man denken. In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass es in Deutschland – im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarländern – keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen und Standards zur Ausbildung und Tätigkeit von Assistenzhunden gibt. Bei unseren europäischen Nachbarn darf der Assistenzhund mit ins Krankenhaus, in die Oper, ins Restaurant oder in den Supermarkt. In Deutschland besteht offiziell kein Anspruch auf Mitnahme des Assistenzhundes. Es obliegt immer dem Besitzer des Geschäfts, ob er den Assistenzhund toleriert. Oftmals verweigern Unternehmer behinderten Menschen, die von Assistenzhunden begleitet werden, aus hygienischen Gründen den Zutritt zu Restaurants oder Supermärkten. Die Akzeptanz von Assistenzhunden wächst jedoch. In der Deutschen Bahn dürfen Assistenzhunde unentgeltlich mitfahren und bei der Lufthansa dürfen die tierischen Assistenten unentgeltlich in der Kabine mitgeführt werden.

Anfang 2017 forderte der Bundesrat von der Bundesregierung die Anerkennung von Assistenzhunden für Menschen mit Behinderungen und die Gleichbehandlung aller von Assistenzhunden unterstützten Menschen. Ein Gesetzesentwurf wurde jedoch bis heute noch nicht vorgelegt.

Warum arbeitet Apporte nicht mit deutschen Hundeschulen oder Trainern zusammen, sondern mit einer österreichischen Assistenzhundeschule?

Mangels gesetzlicher Regelungen und Standards in der Ausbildung gibt es auch keine Kontrollen der Ausbildung und Ausbilder der Assistenzhunde. Dies birgt die Gefahr von schwarzen Schafen in sich. Da die Ausbildung von Assistenzhunden noch im ungeschützten Rahmen erfolge, wisse man nicht, was man bekommt, berichtet Frau Bodmann. Einige deutsche Trainer bieten Assistenzhunde für bis zu 30.000 Euro an. Immer wieder erhält der Verein Anrufe von Menschen, die viel Geld für einen Assistenzhund gezahlt haben und nun berichten, dass der vermeintliche Assistenzhund nicht das leistet, was versprochen wurde.

„Von daher unterstützen wir den Partner-Hunde-Verein in Österreich. Da wissen wir, was wir kriegen. Die Österreicher sind wie die ganzen anderen europäischen Länder in einer internationalen Organisation. Sie haben sich über Standards verständigt und es gibt Kontrollen. Der Verein wurde national und international zertifiziert. Da wissen wir, wir werden als Personenkreis gut ausgebildet und kriegen top gesunde Hunde, die sehr gut ausgebildet sind“, erklärt Claudia Bodmann.

Unterstützer werden immer gesucht.

Der Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V ist auf Fördermitglieder, Sponsoren und Spenden angewiesen. Egal ob Sponsorenläufe, Unternehmenssponsoring, Geburtstagsspenden und andere Privatspenden, jeder Beitrag ist willkommen und dient dazu, für weitere Bewerber Assistenzhunde zu finanzieren.

Derzeit werden auch ehrenamtliche Helfer mit Social-Media-Kenntnissen gesucht. Der Verein ist vom Finanzamt als mildtätige Körperschaft anerkannt und kann Spendenbescheinigungen ausstellen. Die gesamte Arbeit wird ehrenamtlich geleistet.

Nähere Informationen zum Verein und interessante Erlebnisberichte finden Sie bei:

Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V.
Pirolweg 12, D 31515 Wunstorf
Tel: 05031-706816
Fax: 05031-704358
E-Mail: kontakt@apporte-assistenzhunde.de
www.apporte-assistenzhunde.de

Spenden können auf folgendes Spendenkonto überwiesen werden:

Sparkasse Hannover
IBAN DE21 2505 0180 0900 0948 30
BIC SPKHDE2HXXX

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6 Kommentare
  1. Wunstorfer Auepost meint

    In Luthe gibt es die Besonderheit, dass es zwei Vereine gibt, die bei der Finanzierung von Assistenzhunden helfen. Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e.V. und Assistenzhunde Deutschland e.V.. Die Deckelsammelaktion wurde vom Assistenzhunde Deutschland e.V. ins Leben gerufen. Der Apporte Assistenzhunde e.V. kann man durch eine Fördermitgliedschaft oder durch Spenden unterstützen.

  2. Tanja meint

    Hallo liebe Redaktion von der Auepost,

    ich sitze auf Grund verschiedener Erkrankungen im Elektrorollstuhl und auch ich habe gerade erst einen tollen Assistenzhund von Apporte Assistenzhunde e.V. finanziert bekommen und kann das nur bestätigen, was im Bericht geschrieben steht; sie ist ein toller Partner, Helfer und liebevoller Freund und ich bin unendlich dankbar, dass Apporte Assistenzhunde e.V. mir durch die Finanzierung des Hundes ein sorgenfreieres und unbeschwerteres Leben ermöglicht hat. Durch die außerordentliche und wunderbare Ausbildung der Hunde durch Elisabeth Färbinger von Partnerhunde-Österreich, erhalten gehandicapte Menschen die Möglichkeit, ihr Leben selbständiger und selbstbestimmter zu gestalten. Vielen Dank dafür!!

    Liebe Grüße von
    Tanja und Fanny

    1. Mirko Baschetti meint

      Klasse, dass Ihnen so toll geholfen wurde und Sie einen „Partner fürs Leben“ an Ihrer Seite bekommen haben!

  3. Isabella meint

    Ein toller Artikel, aber es haben sich ein paar Ungenauigkeiten eingeschlichen.

    1. Ein Assistenzhund kommt nur für Menschen mit einer Behinderung in Frage. Zudem muss die Behinderung durch den Hund auf irgendeine Art und Weise gemildert werden. Wer einen Schwerbehindertenausweis von 50% nach einer OP hat und keine schwere Sachen heben darf, benötigt keinen Assistenzhund. Zudem kann man seine Rechte mit dem Assistenzhund nur durch das AGG und die Sozialgesetzbücher durchsetzen. Dafür benötigt man wortwörtlich eine Behinderung, keine Beeinträchtigung.

    2. Die Familien sollen nur in bestimmten Situationen die Hörzeichen/Kommandos lernen. Ein Assistenzhund ist ein Hund, der auf eine spezielle Person zugeschnitten ist und dieser assistieren soll. Daher sollte es nicht Usus werden, dass die gesamte Familie dem Hund ständig Kommandos gibt. Wenn der Assistenznehmer krank ist oder der Hund mal ein Freizeitwochenende bekommt, dann müssen die zwischenzeitlichen Hundehalter natürlich die Hörzeichen kennen. Aber benutzen sollte die Hörzeichen immer nur eine Person. Sobald man also die Haustür öffnet, muss allen klar sein, wer die Leine in der Hand hat und das Sagen hat.

    3. Assistenzhunde dürfen auch in Deutschland mehr als andere Hunde. Leider nur im negativen Sinne. Man hat also zwar kein Gesetz, das die Mitnahme erlaubt, aber man hat Gesetze, die verhindern, dass man mit Assistenzhund rausgeworfen wird. Betritt man einen deutschen Supermarkt mit seinem Assistenzhund und soll rausgeworfen werden, muss man sich zu wehren wissen. Zunächst kann man Verkäufer/Krankenschwester/Geschäftsführer darauf hinweisen, dass es sich um einen Assistenzhund handelt. Viele nehmen das schon mal so hin. Falls nicht, kann man sich darauf berufen, dass man wegen seiner Behinderung nicht rausgeworfen werden darf – ansonsten wäre es Diskriminierung. Würde man einem Rollifahrer sagen, dass er seinen Rollstuhl bitte vorne bei den Rädern draußen anschließen sollte, wäre das eine sehr eindeutige Diskriminierung. Da aber nicht nur der Rollstuhl sondern auch der Assistenzhund „zur Behinderung gehört“ (oder zu deren Bewältigung), muss für den Assistenzhund dasselbe gelten. Ein Hausrecht gegen Assistenzhunde kann im Falle von öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Supermärkte, Ämter, Krankenhäuser) nicht angewendet werden. Denn willkürlich darf man weder Behinderte noch die dazugehörigen Rollstühle, Hörgeräte, Blindenlangstöcke oder Assistenzhunde nicht ausschließen. Wichtig ist, dass man mit ruhiger Stimme diskutiert, denn lautes Herumschreien und Ähnliches wären ein Grund für einen Rauswurf durch Hausrecht.

    4. Es wäre schön gewesen, wenn man durch die Aufmerksamkeit des Artikels andere Menschen für den Umgang mit Assistenzhunden sensibilisiert. Zwar haben auch Assistenzhunde Freizeit und können dann auch gerne mit anderen Hunden, Menschen und Kindern spielen. Aber sollte man einem Assistenzhund begegnen (erkennbar am Geschirr oder Leine), ist es wichtig, dass man den Hund nicht ablenkt. Dazu gehört, dass man den Hund nicht berührt, nicht anspricht oder Lockgeräusche macht. Kinder und andere Hunde sollten ferngehalten werden, damit auch diese den Hund nicht ablenken. Zwar sind die Hunde besonders geschult sich nicht sofort ablenken zu lassen, aber sie sind auch gut sozialisiert und mögen Streicheleinheiten. Daher sind sie nicht reaktionslos auf Ablenkungen und das kann bei dem Besitzer, der ja irgendeine Behinderung hat, eventuell zu gefährlichen Situationen führen. Ein Diabetes-Hund, der den sinkenden Blutzucker verpasst, ein Blindenführhund, der einem riesigen auf ihn zustürmenden Hund ausweichen muss und Herrchen/Frauchen von den Füßen reißt, das ist alles schon passiert. Also bitte Assistenzhunde ignorieren, arbeiten lassen und nur streicheln, wenn man sie im Park trifft und man vom Besitzer zuvor die Erlaubnis erhalten hat.

    Mit freundlichen Grüßen,

  4. Tanja meint

    Also da muss ich zum Teil widersprechen… ich habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht, ganz im Gegenteil, egal wo wir hin kommen – Rewe, Rossmann, dm, Tchibo, Arzt, Kreissparkasse usw.-, werden wir sehr Willkommen geheißen und alle bestaunen und loben meinen Assistenzhund, wie lieb er ist und brav liegen bleibt und nicht bellt!!
    Natürlich bekommt jemand, der in seiner Mobilität nicht eingeschränkt ist oder keine sonstigen Erkrankungen wie z.B. Diabetes hat, keinen solchen Hund, das versteht sich von ja selbst und auch wenn man entsprechend gehandicapt ist und Einschränkungen hat, wird man – bei Apporte Assistenzhunde e.V. und Partnerhunde Österreich ist das so!, Gott sei Dank- auf Herz und Nieren geprüft, ob man auch u.a. charakterlich, mental und finanziell in der Lage ist, für den Hund zu sorgen und ihm ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

    Viele Grüße

  5. […] Bodmann ist Gründerin und erste Vorsitzende des Vereins Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. Seit 2005 engagiert sie sich in ihrer Freizeit für den Verein. Assistenzhunde ermöglichen […]

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