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Biederbeck und Brieden – zwei Mahner mit unterschiedlichen Ansätzen

30.05.2023 • Achim Süß • Aufrufe: 1563

Wer sind Gerhard Biederbeck und Hubert Brieden? Die zentralen Figuren in der Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf. Ihre Art des Eintretens für Frieden und gegen Militarismus unterscheidet sich merklich voneinander. Während Biederbeck die Sorge vor einer kriegerischen Zukunft zu treiben scheint, schaut Brieden in die Vergangenheit.

30.05.2023
Achim Süß
Aufrufe: 1563
Gerhard Biederbeck demonstriert | Foto: privat

Gerhard Biederbeck und Hubert Brieden sind für ihre Detailkenntnisse und ihre sehr gründliche Recherche bekannt. Sie sind bei ihrem jahrzehntelangen Einsatz für Frieden ergraut, haben ihre Energie aber nicht eingebüßt. Ihre Friedensinitiative bleibt sich treu, singt ihre Lieder wie eh und je, malt Plakate und demonstriert. Seit der Krieg die Ukraine verwüstet und Deutschland spaltet, kommt sie regelmäßig im Neustädter Ratskeller zusammen, um zu informieren und aufzurütteln.

So sehr die beiden Protagonisten in Zielrichtung und Entschiedenheit übereinstimmen, ihr Auftreten ist doch unterschiedlich. Biederbeck hat in den vergangenen Jahren an Konzilianz gewonnen, Brieden polemisiert und polarisiert nach wie vor mit der Interpretation der von ihm gesammelten Fakten.

Biederbeck ist ein akribischer Faktensammler, der seine Daten und Bewertungen ruhig, aber entschieden präsentiert. Er erträgt Kritik, Anfeindungen, Ausgrenzungen und Häme – seit langem. 1991 schreibt er mit Monika Ganseforth, der Neustädter SPD-Politikerin, Autorin und frühen Befürworterin des Atomausstiegs, ein Buch über Abrüstung und Konversion an der Basis. Jetzt bereitet er mit seiner Neustädter Initiative und Gleichgesinnten weit über die Region hinaus eine Demonstration am Haupttor des Fliegerhorstes vor. Ein starkes Zeichen soll gesetzt werden für diplomatische Lösungen und gegen Säbelrasseln.

Brieden, oft an Biederbecks Seite, wirkt bisweilen eher wie ein Agitator. Unverdrossen tischt er immer wieder seine These von der zweifelhaften Traditionspflege der Bundeswehr auf. Der Regionalgeschichtler ordnet die deutschen Soldaten des 20. und des 21. Jahrhunderts wie Bannerträger der Werte der Wehrmacht ein und liefert seit Jahrzehnten die immer gleiche Geschichte von der Rolle der Legion Condor während des Spanischen Bürgerkrieges 1936 bis 1939.

Er spricht von einem NS-Fliegerhorst und verweist stets auf die Beteiligung deutscher Maschinen an der Bombardierung der baskischen Stadt Guernica, den Einsatz von Soldaten und Flugzeugen aus Wunstorf an diesem Verbrechen. Von Wunstorf aus seien zudem Angriffe auf Coventry und auf Warschau geführt worden, zielgerichtet auf jüdische Bezirke. Diese Verbrechen seien jahrelang vertuscht worden. Das Unrecht von Guernica und anderer Städte bleibe aber auf immer mit dem Fliegerhorst Wunstorf verbunden. Brieden ist aktiv als Autor des Arbeitskreises Regionalgeschichte, schreibt für das „neue deutschland“ oder arbeitet für Radio Flora. Als Vortragsredner ist er weit über die Region Hannover aktiv. Seit 1981 forscht er engagiert über den Umgang der Neustädter mit der NS-Geschichte.

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Kommentare


  • Andere Ansichten sagt:

    Die beiden Herren sollten sich doch einmal mit den Soldaten in einer offnen Diskussionsrunde zusammensetzen.

    • Peter Schweigert sagt:

      Die beiden Herren haben wiederholt Vertreter der Bundeswehr zu ihren Vorträgen in Neustadt eingeladen. Es ist aber kein Soldat erschienen. Da gab es die offene Diskussionsrunde.

      • René Clermont sagt:

        …welcher Soldat will sich das auch antun?Sich noch als Nazi betiteln lassen?Nein danke.Aber wir kämpfen auch dafür, das man gegen uns sein darf.Sollen die Herren derartiges doch mal in Russland oder Nordkorea versuchen…

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