An Wunstorfs Schu­len ver­än­dert sich nichts

Am 11. Sep­tem­ber ist Kom­mu­nal­wahl. Auch in Wunstorf wer­den Regi­ons­ver­samm­lung, die Orts­rä­te und ein neu­er Stadt­rat gewählt. 6 Par­tei­en und ein Ein­zel­kan­di­dat wol­len ins Wunstor­fer Rat­haus ein­zie­hen. Wir haben den Par­tei­en ein knap­pes Dut­zend Fra­gen zu The­men gestellt, die die Wunstor­fer beson­ders inter­es­sie­ren. Wir ver­öf­fent­li­chen täg­lich bis zur Wahl jeweils eine der Fra­gen samt Ant­wor­ten – und geben einen Über­blick, wer wel­che Posi­tio­nen ver­tritt.

Das Wunstorfer Hölty-Gymnasium | Foto: Mirko Baschetti
Das Wunstor­fer Höl­ty-Gym­na­si­um | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Unter­richts­aus­fall, Schul­schlie­ßun­gen, nicht fer­tig­ge­stell­te Räum­lich­kei­ten. In Wunstorfs Schul­land­schaf­ten ging und geht es in jün­ge­rer Zeit etwas tur­bu­lent zu. Die klei­ne­ren Orts­tei­le sor­gen sich zudem um den Erhalt ihrer Grund­schu­len. Eltern, Schü­ler und Leh­rer fra­gen sich, wie es lang­fris­tig wei­ter­geht mit den Schu­len in der Aue­stadt. Denn hier zei­gen sich als Ers­tes die Aus­wir­kun­gen des demo­gra­phi­schen Wan­dels.

wunstorfwaehlt

So zahl­reich die Par­tei­en, so unter­schied­lich fal­len auch die Kon­zep­te aus. Wäh­rend die einen die Schul­schlie­ßun­gen in Stein­hu­de lang­fris­tig als Feh­ler ein­schät­zen, sind sie für die ande­ren alter­na­tiv­los. Wäh­rend für die einen die Gesamt­schu­le das Ide­al dar­stellt, möch­ten die ande­ren das tra­di­tio­nel­le Schul­sys­tem erhal­ten. Bezüg­lich des Unter­richts­aus­falls hat die Kom­mu­nal­po­li­tik kei­ne Druck­mit­tel.

Fra­ge und Ant­wor­ten

Wir haben die Par­tei­en kon­kret gefragt: „Die jüngs­te Ver­gan­gen­heit war geprägt von grö­ße­ren Ände­run­gen in der Schul­land­schaft von Wunstorf. Aktu­ell hat das Höl­ty-Gym­na­si­um einen mas­si­ven Fächereinschnitt/Stundenausfall für das lau­fen­de Schul­jahr ange­kün­digt. Wie wird die Schul­land­schaft nach Ihren Vor­stel­lung lang­fris­tig aus­se­hen und wie wird dem Unter­richts­aus­fall begeg­net?“

Ant­wort von Ste­fan Sau­er: Mit sin­ken­der Schü­ler­zahl auf­grund der demo­gra­phi­schen Ent­wick­lung wer­den die Jahr­gän­ge mit weni­ger Klas­sen aus­kom­men müs­sen. Wich­tig ist der Erhalt der Grund­schu­len. Auf den Unter­richts­aus­fall kön­nen wir mit Ein­ga­ben bei der Schul­be­hör­de ver­su­chen zu errei­chen, Ersatz­leh­rer ein­stel­len zu las­sen.

logo-afdAnt­wort der AfD: Unter­richts­aus­fall kann nur durch mehr Lehr­kräf­te beho­ben wer­den. Die­ses ist Auf­ga­be des Lan­des Nie­der­sach­sen und kann auf kom­mu­na­ler Ebe­ne nicht gelöst wer­den. Die AfD ist von der mehr­glie­de­ri­gen Schul­land­schaft über­zeugt. Nur so kön­nen Schü­ler ihren Fähig­kei­ten nach indi­vi­du­ell unter­rich­tet wer­den. Die ideo­lo­gisch begrün­de­te Zer­stö­rung die­ser Schul­land­schaft wird sich spä­ter nega­tiv bemerk­bar machen. In ande­ren Län­dern, z. B. in Spa­ni­en, suchen Eltern nach Mög­lich­kei­ten ihre Kin­der eben nicht in die „Ein­heits­schu­le“ zu schi­cken, da es sich im Hin­blick auf die spä­te­re Berufs­aus­bil­dung nicht bewährt hat.

logo-cdu-offiziellAnt­wort der CDU: Für den Unter­richts­aus­fall am Höl­ty-Gym­na­si­um ist allein die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung ver­ant­wort­lich, die seit Jah­ren Gym­na­si­en gegen­über Gesamt­schu­len benach­tei­ligt. Kom­mu­nal­po­li­tik hat hier kei­ne Ein­fluss­mög­lich­keit. In Wunstorf tritt die CDU dafür ein, alle bestehen­den Grund­schu­len zu erhal­ten und dort einen Ganz­tags­be­trieb ein­zu­rich­ten. Neben Fer­tig­stel­lung der IGS gilt es auch, opti­ma­le Lern­vor­aus­set­zun­gen am Höl­ty-Gym­na­si­um zu schaf­fen (Reno­vie­rung oder Neu­bau Ober­stu­fen­ge­bäu­de, Aus­stat­tung mit Activ­boards, Räum­lich­keit für Mit­tag­essen). Die Otto-Hahn-Schu­le muss mate­ri­ell und per­so­nell (Sozi­al­ar­bei­ter) bei der Inte­gra­ti­on von Kin­dern mit Migra­ti­ons­ge­schich­te unter­stützt wer­den.

logo-linkeAnt­wort von Die Lin­ke: Obwohl die Ver­wal­tung ihre Sicht der Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se vor­ge­ge­ben hat, steht Die Lin­ke dem kri­tisch gegen­über. Wir kön­nen uns auch stei­gen­de Bevöl­ke­rungs­zah­len vor­stel­len, die die Situa­ti­on der Schu­len auf län­ge­re Sicht noch ver­schlech­tert. Dem Unter­richts­aus­fall kann nur durch früh­zei­ti­ge Pla­nung und For­de­rung an das Land Nie­der­sach­sen ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den. Die Schlie­ßung des Gym­na­si­ums Stein­hu­de wird sich in eini­gen Jah­ren als Feh­ler zei­gen.

logo-fdpAnt­wort der FDP: Leh­rer- und Unter­richts­pla­nung liegt in der Hand der Lan­des­schul­be­hör­de und ist von der Kom­mu­nal­po­li­tik nicht beein­fluss­bar. Wir set­zen uns für eine indi­vi­du­el­le Aus­bil­dung unse­rer Kin­der nach den best­mög­li­chen Maß­stä­ben ein. Hier­zu gehört ins­be­son­de­re ein fle­xi­bles Schul­sys­tem, das für alle Kin­der die pas­sen­de För­de­rung bie­tet, aber auch eine aus­rei­chen­de Unter­stüt­zung der Eltern – sowohl bei der Kin­der­be­treu­ung als auch bei der Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf. Dazu gehört der Erhalt des drei­glied­ri­gen Schul­sys­tems genau­so wie auch der des Schul­zen­trums Stein­hu­de. Die schu­li­sche Ganz­tags­be­treu­ung muss dar­über hin­aus bezüg­lich der Rah­men­be­din­gun­gen in allen Schul­for­men gewähr­leis­tet sein. In Wunstorf ist eine brei­te Viel­falt der Wahl der jewei­li­gen Schul­art vor­han­den. Die­se Frei­heit der Wahl begrü­ßen wir als FDP.

logo-spdAnt­wort der SPD: Die Schul­land­schaft ist in Wunstorf wei­ter­hin breit gefä­chert. Struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen hat es nicht gege­ben. Alle all­ge­mein­bil­den­den Schu­len ein­schließ­lich einer IGS sind nach wie vor vor­han­den. Durch die neu­errich­te­te Gesamt­schu­le lief die Scharn­horst­schu­le aus. Der Schul­stand­ort An der Aue wur­de durch die Ansie­de­lung der IGS und dem in Kür­ze bezugs­fer­ti­gen Ergän­zungs­bau nach­hal­tig gestärkt. Aller­dings muss­ten die bestehen­den Schu­len auch an die rück­läu­fi­gen Schü­ler­zah­len ange­passt wer­den. Daher wur­de das Gym­na­si­um in Stein­hu­de als Außen­stel­le dem Höl­ty-Gym­na­si­um ange­glie­dert. Die Graf-Wil­helm-Schu­le wird aus­lau­fen und Teil der Otto-Hahn-Schu­le. Nur durch die­se – sicher­lich schmerz­li­chen – Ent­schei­dun­gen war es mög­lich, auf den demo­gra­phi­schen Wan­del zu reagie­ren und die beschränk­ten Mit­tel der Stadt bedarfs­ge­recht zu ver­wen­den. Die SPD plant kei­ne Ver­än­de­run­gen der Wunstor­fer Schul­land­schaft. Ins­be­son­de­re wer­den wir an dem Kon­zept der wohn­ort­na­hen Grund­schu­len fest­hal­ten. Die Stadt Wunstorf ist als Schul­trä­ger jedoch an das Nie­der­säch­si­sche Schul­ge­setz gebun­den. Heu­te noch nicht abseh­ba­re Rechts­än­de­run­gen könn­ten Struk­tur­ver­än­de­run­gen erfor­dern. Hier­auf hät­te die Kom­mu­nal­po­li­tik jedoch kei­nen Ein­fluss. Der mas­si­ve Stun­den­aus­fall gera­de am Höl­ty-Gym­na­si­um ist sehr ärger­lich und nicht akzep­ta­bel. Für den Ärger von Eltern und Schü­ler haben wir gro­ßes Ver­ständ­nis. Für die Leh­rer­ver­sor­gung ist aller­dings nicht die Stadt, son­dern das Land zustän­dig. Die SPD hat daher bereits um eine Unter­rich­tung durch die Lan­des­schul­be­hör­de im Schul­aus­schuss des Rates gebe­ten.

Die Grü­nen haben uns nicht auf die­se Fra­ge­stel­lung geant­wor­tet.

Alle wei­te­ren Fra­gen, Ant­wor­ten und Posi­tio­nen: Hier in unse­rem Schwer­punkt zur Wunstor­fer Kom­mu­nal­wahl 2016!

- Anzeige -
Andreas Balleier Fotografie

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.