Luther Weg

Der Bahnübergang soll weg

Am Mittwoch gab der Wunstorfer Ortsrat grünes Licht für ein mögliches Ende des beschrankten Bahnübergangs am Luther Weg: Die Deutsche Bahn soll mit der Vorplanung beginnen, wie der Bahnübergang beseitigt werden kann. Am Ende könnte ein Tunnelneubau stehen.

Bahnübergang Luther Weg
Bahnübergang Luther Weg | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Sie sind ein Anachronismus, und eigentlich sollte es sie längst nicht mehr geben, wenn es nach dem Willen der Deutschen Bahn geht: Bahnübergänge, die direkt über die Schienen verlaufen. Die Deutsche Bahn arbeitet seit Jahren daran, dass das Schienennetz in Deutschland nach und nach ein in sich geschlossenes System wird, in dem Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger nicht mehr die Strecken von ICE & Co. kreuzen.

Bahnübergänge verschwinden

Viele Bahnübergänge verschwanden daher bereits in der Vergangenheit. Denn sie sind wartungssaufwändig, verursachen dadurch Kosten und stellen ein immanentes Sicherheitsrisiko dar: Immer wieder kommt es auch an beschrankten Bahnübergängen zu schweren Unfällen zwischen Zügen und dem Straßenverkehr.

Aber ausgerechnet mitten in Wunstorfs Kernstadt, zwischen Ost- und Altstadt, gibt es noch einen beschrankten Bahnübergang – quasi ein doppelter Anachronismus. Daher hat die für die Bahn-Infrastruktur zuständige DB Netz nun bei der Stadt Wunstorf angefragt, ob der Bahnübergang am Luther Weg beseitigt werden kann.

INFO: Gut frequentierter Bahnübergang
Im Jahr 2014 ergab eine Zählung, dass der Weg über den Bahnübergang viel befahren wird: 1384 Kraftfahrzeuge und knapp 1000 Radfahrer ergab die Zählung nach 8 bzw. 10 Stunden. Auch wurden viele Fußgänger registriert.

Die Stadtverwaltung steht dem grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, denn es würde nicht nur für die Bahn, sondern auch für die Kernstadt einige Vorteile bringen: Die Wartezeiten – die sich in Zukunft auch noch erhöhen werden, weil die Züge in engeren Takten fahren –, wenn die Schranken geschlossen sind, würden entfallen. Und die Lücke im Lärmschutzkonzept könnte damit auch gleich geschlossen werden, im Bereich z. B. des Vion-Geländes würde es schlagartig sehr viel ruhiger werden.

Tunnel oder Brücke?

Als Alternative zum sogenannten höhengleichen, also dem beschrankten Bahnübergang kommen zwei Bauten in Frage: Ein Tunnel unter den Gleisen hindurch oder eine Brücke über die Gleise hinweg. Die Verwaltung favorisiert klar die Tunnelvariante, denn sie bietet mehrere Vorteile gegenüber einer Brücke: Der vom Straßenverkehr ausgehende Lärm ist geringer, und für Radfahrer ist ein Tunnel bequemer, da sie „den Schwung mitnehmen“ können, statt erst eine Anhöhe erklimmen zu müssen. Auch bautechnisch wäre ein Tunnel leichter zu realisieren, da durch die vorhandene Neigung am Luther Weg eine Brücke nur mit zusätzlichen Rampen gebaut werden könnte – denn Steigungen über 6,1 % sind nicht erlaubt.

Es sollte jedenfalls kein „dunkles Loch“ werden, sondern eine helle und freundliche Unterführung. Hier zeigte man sich aus den Reihen der CDU-Fraktion jedoch skeptisch: Cornelia Fricke gab zu bedenken, dass die Gefahr bestünde, dass der Bereich am Ende wie die Unterführung unter der Hochstraße zum Plantagenweg aussehen könnte, und wollte von der Verwaltung wissen, wer später für die Reinigung verantwortlich zeichnen würde – was diese jedoch noch nicht beantworten konnte. Kirsten Riedel (SPD) sprach dagegen optimistischer von einer kleinen Sensation und zeigte sich erfreut, dass der Ortsrat geschlossen für die Idee sei.

„Das ist ja eine kleine Sensation, die wir hier machen“Kirsten Riedel

Ein zukünftiger Tunnel würde etwa 12 Meter lang sein und damit in etwa den Dimensionen der Unterführung an der Barnestraße entsprechen. Anders als dort müssten aber die Zufahrten angelegt werden, so dass vor und hinter dem Tunnel 90 Meter „verbraucht“ würden. Was das für die unmittelbaren Anwohner und deren Grundstücke bedeutet, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Fest steht nur, dass die Erschließung nicht einfach werden wird, wenn Grundstücke ihre bisherigen Zufahrten verlieren. Hier eine Lösung zu entwickeln, ist nun Aufgabe der Bahn, die nun bald grünes Licht erhalten soll, eine entsprechende Vorplanung anfertigen zu lassen. Der Ortsrat hatte keine Einwände und votierte einstimmig dafür, dass die Bahn mit der Vorplanung beginnt.

Bahnübergang in Wunstorf
Der Bahnübergang am Luther Weg ist gut frquentiert | Foto: Daniel Schneider

Bis die Schranken wirklich fallen, kann es aber noch lange dauern. Mit welchen Zeiträumen zu rechnen ist, kann die Verwaltung noch nicht abschätzen. Die Hölty-Gymnasium-Schüler in der künftigen Außenstelle werden davon jedoch sicher nicht mehr profitieren. Sollte eine Lösung gefunden werden, wie ein Tunnel am Luther Weg realisiert werden kann, würden die Kosten gedrittelt werden: zwischen der Stadt Wunstorf, der Deutschen Bahn und dem Bund. Für die Vorplanung (gemeinsam mit dem Bahnübergang Frachtweg), kommen auf die Stadt jedoch zunächst 60.000 Euro zu. Ein Zuschuss vom Land Niedersachsen ist möglich.

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8 Kommentare
  1. Dirk Regitz sagt

    Florian Ber

  2. Melanie Pöpplau sagt

    Holger Pöpplau

  3. Klaus Pengel sagt

    Mir tun sich da mehrere Fragen auf , was ist ein “ immanentes Sicherheitsrisiko ?“ Ich kenne nur ein permanentes . Wieso steht da “ ubeschrankter Bahnübergang “ ? Meines Wissens ist dort eine Schranke. Ich behaupte auch, dass an der Barnestraße eine Eisenbahnbrücke ist und kein Tunnel .

  4. Andreas Michael Mankus sagt

    Fakt ist, heute ist nicht der erste April.

  5. Paul Treptow sagt

    Auf dieser Seite des BIldes sind ja etwa 4 Einfahrten zu sehen. Wenn ein möglicher Tunnel die Lösung ist, was wird dann aus den ganzen Zufahrten 🙂

  6. Christian Urbeteit sagt

    Dieses Thema kocht schon sooooo lange das man schon nicht mehr daran glauben mag

  7. Karsten Sprung sagt

    Erst bauen sie Tunnel , danach wird Beton eingelassen .

  8. Grit Decker sagt

    Ob’s denn tatsächlich eine Unterführung und keine Brücke werden wird, bleibt abzuwarten:
    denn bis eine Planung endgültig steht, dauert es auch in unserer kleinen Stadt erfahrungsgemäß seeehr lange, von deren Umsetzung möchte ich erst gar nicht sprechen:
    die Nordumgehung zumindest ist länger als ich in Wunstorf meinen Lebensmittelpunkt habe bis dato nicht gebaut worden 🙁 -und das sind inzwischen auf den Tag genau immerhin 30 (!) Jahre.

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