Nut­zung der Wohn­welt bleibt umstrit­ten

Die Nut­zung der „Wohn­welt“, offi­zi­ell städ­ti­sches Kul­tur- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum für jun­ge Leu­te und fak­tisch der links-alter­na­ti­ve Mit­tel­punkt in Wunstorf, ist wei­ter­hin Gegen­stand der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Stadt – als Eigen­tü­me­rin des Hau­ses – und den Haupt­nut­zern. Der Ver­ein „Lebens­traum“ nutzt der­zeit die kom­plet­te unte­re Eta­ge, in der sich ein Café, Kon­zert­saal, eine Küche und ein Geträn­ke­raum befin­den.

Kulturzentrum "Wohnwelt" | Foto: Lebenstraum e. V.
Kul­tur­zen­trum „Wohn­welt“ | Foto: Lebens­traum e. V.

Das war nicht immer so. Bis 2011 hat­te der Ver­ein das gesam­te Gebäu­de zur Ver­fü­gung, auf zwei Eta­gen wur­den Frei­räu­me pos­tu­liert und auch gelebt. Doch die Stadt Wunstorf woll­te auch ande­ren Grup­pen die Nut­zung des Hau­ses ermög­li­chen – seit­dem steht die Wohn­welt streng­ge­nom­men nicht mehr syn­onym für den Ver­ein, son­dern nur noch für das Gebäu­de als sol­ches.

Unfreie Frei­räu­me

Die „Wohn­welt“ im enge­ren Sin­ne hat seit­dem mit Platz­pro­ble­men zu kämp­fen. Denn Mate­ri­al und Tech­nik müs­sen eben­falls irgend­wo unter­ge­bracht wer­den und kon­kur­rie­ren mit dem Raum­an­ge­bot für die Besu­cher. Gera­de bei grö­ße­ren Ver­an­stal­tun­gen mit viel Publi­kums­ver­kehr stößt die Wohn­welt mit der unte­ren Eta­ge an ihre Gren­zen, Platz und Stau­raum wer­den knapp.

Als Lager­stät­te und Abstell­kam­mer dient aktu­ell ein Band­raum – und bis vor Kur­zem auch ein Ver­sor­gungs­raum. An eben die­sem ent­zün­de­te sich nun der erneu­te Streit. Den ca. 10 qm gro­ßen Band­raum hät­te der Ver­ein lie­ber als Pro­be­raum oder Büro genutzt, und den Ver­sor­gungs­raum als pro­vi­so­ri­sches Lager ein­ge­spannt.

Krea­ti­vi­tät oder Ver­mül­lung?

Das ging der Stadt jedoch zu weit, da die Gebäu­de­si­cher­heit gewähr­leis­tet sein muss. Die Stadt zählt dazu bei­spiels­wei­se auf, dass das Dach nicht betre­ten oder beschä­digt wer­den darf, dass Flucht­we­ge frei­ge­hal­ten wer­den müs­sen und auch selbst­ge­bas­tel­te Lam­pen kein Sicher­heits­ri­si­ko dar­stel­len dür­fen. Im Ver­sor­gungs­raum sei­en immer wie­der brenn­ba­re Flüs­sig­kei­ten wie Lacke und Far­ben gela­gert wor­den, was an die­ser Stel­le ein erhöh­tes Gefah­ren­po­ten­ti­al dar­stell­te. Die Nut­zung als Abstell­raum hät­te über­dies not­wen­di­ge War­tungs­ar­bei­ten an der Haus­tech­nik, z. B. dem Siche­rungs­kas­ten, erschwert oder sogar ver­hin­dert. Bei zwei Bege­hun­gen hat­te die Ver­wal­tung star­ke Ver­mül­lung fest­ge­stellt und den Ver­ein ent­spre­chend ermahnt.

Abmah­nung und Kün­di­gung

Die Stadt schick­te dem Ver­ein Ende Juli zudem eine Abmah­nung – zum ins­ge­samt schon drit­ten Mal wegen ver­gleich­ba­rer Grün­de. Denn auch im März und im April wur­de wegen ähn­li­cher Vor­komm­nis­se bereits abge­mahnt. Der Ver­ein räum­te nach Erhalt der neu­er­li­chen Abmah­nung den Ver­sor­gungs­raum frist­ge­recht auf, so dass z. B. der Siche­rungs­kas­ten wie­der pro­blem­los zugäng­lich war, schaff­te es wegen besag­tem gene­rel­lem Platz­man­gel und einer in den Zeit­raum der Frist­set­zung fal­len­den Ver­an­stal­tung jedoch nicht, den Raum kom­plett frei­zu­ma­chen.

Nun ver­lor die Stadt die Geduld und sprach Anfang Sep­tem­ber die Teil­kün­di­gung für den betref­fen­den Ver­sor­gungs­raum aus – was im Ergeb­nis den Ver­lust eines wei­te­ren Rau­mes für den Ver­ein bedeu­te­te. Die Stadt betont dabei, dass es nicht dar­um gin­ge, den Ver­ein Lebens­traum aus der Wohn­welt zu ver­drän­gen. Die gemein­sam geschlos­se­ne Nut­zungs­ver­ein­ba­rung müs­se jedoch ein­ge­hal­ten wer­den und wäre Grund­vor­aus­set­zung für eine ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit. Das Ober­ge­schoss kön­ne nach Abspra­che mit der Jugend­pfle­ge genutzt wer­den, müs­se aber auch für ande­re Nut­zer zur Ver­fü­gung ste­hen.

Stand­ort der „Wohn­welt“

Wei­te­re Plä­ne des Ver­eins für die Wohn­welt

Dabei wäre dem Ver­ein eher an Expan­si­on statt an einer wei­te­ren Raum­ver­knap­pung gele­gen. Eine zufrie­den­stel­len­de Lösung besteht aus Ver­eins­sicht in der lang­fris­ti­gen Wie­der­her­stel­lung der Selbst­ver­wal­tung auch der obe­ren Eta­ge. Ziel des Ver­eins bleibt es, die Wohn­welt wie­der als Gan­zes aut­ark ohne direk­te Ein­mi­schung sei­tens der Ver­wal­tung betrei­ben zu kön­nen.

Nur so lie­ßen sich die Kon­zep­te der Wohn­welt, wie eine Krea­tiv­werk­statt, ein Info­la­den, Semi­nar­räum­lich­kei­ten, Band- und DJ-Raum, auch dau­er­haft ver­wirk­li­chen. All die­se sozio­kul­tu­rel­len Ange­bo­te lie­ßen sich nicht ohne den dau­er­haf­ten Zugang zur ers­ten Eta­ge umset­zen. Eine Aus­wir­kung auf ande­re Nut­zer­grup­pen hät­te dies nicht, da alle die Räu­me selbst­ver­ständ­lich eben­so wei­ter­nut­zen könn­ten.

Gesprä­che zwi­schen Stadt und Ver­ein

Davon will die Stadt jedoch momen­tan nichts wis­sen, sucht aber wei­ter­hin den Dia­log mit dem Ver­ein und will ihm in der aktu­el­len Aus­ein­an­der­set­zung ent­ge­gen­kom­men. Daher kam es am 27. 9. zu einem Ter­min, bei dem Bür­ger­meis­ter Eber­hardt und Ers­ter Stadt­rat Cars­ten Piel­lusch direkt mit den Ver­eins­ver­tre­tern spra­chen.

Man ver­stän­dig­te sich dar­auf, dass die Teil­kün­di­gung vor­über­ge­hend aus­ge­setzt wird. Der Ver­ein ver­sprach, den Raum zum 1. Okto­ber voll­stän­dig zu räu­men. Dann soll der Ver­sor­gungs­raum mit einem Schloss ver­se­hen wer­den, der Ver­ein erhält aber einen Schlüs­sel für den Zugang – zunächst pro­be­wei­se für ein hal­bes Jahr. Der Ver­sor­gungs­raum darf jedoch nicht län­ger als Lager­raum genutzt wer­den.

Bür­ger­meis­ter Eber­hardt schlug statt­des­sen vor, einen exter­nen Lager­raum zu orga­ni­sie­ren. Das wie­der­um stellt sich der Ver­ein als wenig prak­ti­ka­bel vor, da in der Nähe der Wohn­welt wohl kein sol­cher Raum zu fin­den wäre, und außer­dem als wenig sinn­voll, wenn doch geeig­ne­te Räu­me in der Wohn­welt selbst zur Ver­fü­gung stün­den.

Der Ver­ein sieht das Gesprächs­an­ge­bot der Stadt jedoch als Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung und hofft, die obe­re Eta­ge nicht nur nach Abspra­che tem­po­rär nut­zen, son­dern dort zumin­dest auch Mate­ria­li­en lagern zu kön­nen.

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