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SPD wählt Bürgermeister-Kandidat

Piellusch und Ehlerding steigen in den Ring

Gut acht Monate vor der Kommunalwahl fällt in der nächsten Woche eine wichtige Entscheidung. Die SPD wählt ihren Bürgermeister-Kandidaten. Die Genossen haben die Wahl zwischen zwei Juristen: Carsten Piellusch, Erster Stadtrat im Rathaus, und Ratsherr Martin Ehlerding treten an. Der Ausgang der Wahl gilt als völlig offen. In der CDU wird nur ein Name genannt, wenn es um den Kandidaten geht: Martin Pavel. Auch die Grünen wollen einen eigenen Vorschlag präsentieren, suchen aber noch.

Eberhardt, Piellusch
Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt (links) geht in den Ruhestand. Carsten Piellusch hält sich bereit | Foto: Achim Süß

Wunstorf (as). Mit der Wahl im September geht in der Stadt eine Ära zu Ende: Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt (CDU) scheidet aus Altersgründen aus dem Amt – nach 22 Jahren. In seiner Partei und in der Politik-Szene der Stadt ist nur noch ein Name zu hören, wenn es um den neuen Kandidaten geht. Es ist der des 35-jährigen Martin Pavel.

Pavel hält sich zurück

Der Betriebswirt arbeitet beim Energiekonzern E.on und führt den CDU-Stadtverband unangefochten seit zehn Jahren. Pavel leugnet seine Ambitionen nicht, hält sich aber mit der offiziellen Bewerbung zurück. Die CDU werde im März Entscheidungen treffen, erklärt er. So sehe es der langfristige Zeitplan vor, und man werde sich auch nicht drängen lassen, selbst wenn andere Parteien vorher Kandidaten benennen. Lange galt in der CDU auch der 56-jährige Axel Brockmann als ein möglicher Kandidat. Brockmann ist Wunstorfer und sitzt für die CDU im Rat der Stadt. Seit seiner Ernennung zum Landespolizeipräsidenten 2018 gilt eine Kandidatur als unwahrscheinlich.

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Der SPD-Ortsverein will am Mittwoch, den 13. Januar, von 19 Uhr an in der Otto-Hahn-Schule unter Corona-Bedingungen eine Reihe von Entscheidungen zur Bundestagswahl treffen. Aus lokaler Sicht von größter Bedeutung ist aber die Entscheidung der Mitglieder über den Bürgermeister-Kandidaten. Anders als bei vergangenen Kommunalwahlen, als die SPD keinen eigenen Bewerber gegen Eberhardt ins Rennen schickte, soll im September ein SPD-Mann versuchen, an die Tradition der sozialdemokratischen Bürgermeister Rusche, Pabst, Meine und Brandes anzuknüpfen.

Martin Ehlerding
Martin Ehlerding | Foto: privat

SPD hat die Qual der Wahl

Jahrelang um Kandidaten verlegen, hat die SPD jetzt sogar die Qual der Wahl. Mit Ehlerding und Piellusch stehen zwei profilierte Köpfe bereit. Beiden wird in der Partei und auch außerhalb zugetraut, die Roten nach 22 schwarzen Jahren im Rathaus wieder an die Spitze zu bringen. Ehlerding – 34 Jahre alt und Rechtsanwalt – ist in der SPD-Fraktion im Rat Stellvertreter der Vorsitzenden Kirsten Riedel, die dieses Amt am Ende der Wahlperiode aufgeben will. In Großenheidorn ist Ehlerding ein anerkannter und beliebter Ortsbürgermeister. Freunde wie Gegner loben seine Redegewandtheit und bescheinigen ihm, ein guter Netzwerker zu sein. Als Referendar hat er auch im Rathaus gearbeitet.

„Schon ein Traum“

Dort hat der 53-jährige Carsten Piellusch seinen Dienst als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters 2015 begonnen. Für den Wunstorfer ist es eine „tolle Sache“, in der Heimatstadt zu arbeiten. Nach seinem Studium der Rechts- und Sozialwissenschaften hat er „Gesellen- und Wanderjahre“ im öffentlichen Dienst absolviert. Schnell führte sein Weg in die Staatskanzlei, wo er direkt für die Ministerpräsidenten Gabriel, Wulff, McAllister und Weil arbeitete. Allgemein wird ihm Kompetenz und Engagement bescheinigt. Immer freundlich, wird Piellusch bei einem Thema stets ernst und nachdenklich: Schon als Student hat er sich intensiv mit rechtsradikalen Tendenzen in der deutschen Gesellschaft befasst. Über seine Kandidatur hat er lange nicht gern gesprochen, wollte seinen Hut nicht zu früh in den Ring werfen. Aber es in seinem Wunstorf auf den Bürgermeisterstuhl zu schaffen, wäre „schon ein Traum“, sagt er im Februar 2020 im Gespräch mit der Auepost.

Rehkopf tritt nicht mehr an, Grüne gegen Absprachen

Spannend ist die Situation der FDP. In der Ratsfraktion geht ebenfalls eine Ära zu Ende: Kurt Rehkopf tritt im September nicht wieder an, nachdem er dem Rat seit 53 Jahren ohne Unterbrechung angehört hat. Der 81-Jährige, in vier Legislaturperioden auch Landtagsabgeordneter, beendet seine politische Arbeit. Seine Kandidaturen waren stets wie eine Stimmen-Bank für die Liberalen, und wie sie Rehkopfs Abschied verkraften, ist unklar. Derzeit hat die FDP zwei Mandate im Rat. Neben Rehkopf sitzt dort Thorben Rump, obwohl er Anfang 2020 aus der FDP ausgetreten ist.

„Das machen wir nicht mit!“

Fragezeichen bestimmen auch die Zukunft der Fraktion der Grünen. Zur Zeit stellen die Grünen vier Ratsmitglieder, darunter die stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Mares. In der Koalition mit SPD und FDP haben sie sich stets um Eigenständigkeit bemüht. Das will der Ortsverband auch bei der Kommunalwahl demonstrieren: Ein eigener Bürgermeister-Kandidat soll Stimmen gewinnen. Allerdings ist noch kein Bewerber gefunden. Zwei Wunstorfer Grüne waren im Gespräch, stehen aber nicht mehr zur Verfügung. So sucht die Partei weiter und ist dabei auch offen für Personen, die keine Mitglieder sind. Fraktionschefin Anne Dalig dazu: „Wer Interesse hat, soll uns ansprechen.“ Auch die AfD sucht noch nach einem geeigneten Kandidaten und wird wohl auf einen Bewerber von außerhalb setzen.

Ob die Grünen ihre Zusammenarbeit mit der SPD fortsetzen, bleibt offen. Dazu gibt es keine Erklärungen. Aber eines ist denn doch klar: Dalig erteilt einem Denkmodell eine deutliche Absage, die aus der SPD kolportiert wird. Danach könnte es zu einer Absprache kommen, wonach Carsten Piellusch zum Bürgermeister-Kandidaten ausgerufen wird, und Martin Ehlerding sein Nachfolger als Erster Stadtrat wird, wenn Piellusch gewinnt. Das werde nicht klappen, sagt Dalig. Die SPD sei nicht mehr in der Position, solche Deals einzufädeln. Dalig: „Das machen wir nicht mit!“

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