Quartiergespräche

Ein Riesenfest für alle Wunstorfer Kinder

Zu Gast bei den Auepost-Quartiergesprächen: Bilsad und Carola Ramović, die die Idee zum bald stattfindenden Kindersommerfest hatten.

Bilsad und Carola Ramović
Zwei der Köp­fe hin­ter dem Wunstor­fer Kin­der­som­mer­fest: Bilsad und Caro­la Ramo­vić | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Wunstorf (red). So etwas gab es noch nie in Wunstorf: Am 11. August wird sich der Bereich rund um „Alten’s Ruh“ am Wald­rand in ein rie­si­ges Kin­der­fest ver­wan­deln. Es soll ein groß­ar­ti­ges Fest für alle jun­gen Wunstor­fer wer­den, vor allem – aber nicht nur – für die­je­ni­gen, die in den Som­mer­fe­ri­en zu Hau­se geblie­ben sind. Ver­gan­ge­ne Woche besuch­ten uns Caro­la und Bilsad Ramo­vić in der Redak­ti­on im Quar­tier No. 6 und erzähl­ten, was es mit dem Fest auf sich hat, war­um und für wen es ver­an­stal­tet wird.

Geschicklichkeitsspiele und Spaß

Die Lis­te an Attrak­tio­nen ist lang, die am kom­men­den Sonn­tag auf alle Kin­der war­ten. Pony­rei­ten im Wald und eine Pfer­de­show gehö­ren zum Pro­gramm, vor allem aber vie­le Geschick­lich­keits­spie­le, nach deren Absol­vie­rung es immer eine klei­ne Beloh­nung gibt: Im Tor­wand­schie­ßen, Dosen­wer­fen oder beim Hei­ßen Draht kön­nen sich die Kin­der ver­su­chen. Auch gebas­telt wird viel wer­den: Pus­te­bil­der, Insek­ten­ho­tels zum Mit­nach­hau­se­neh­men, Arm­bän­der und Stei­ne­be­ma­len. Die „Ziel­grup­pe“ sind Kin­der von 0 bis 16 Jah­ren.

Vie­le Ver­ei­ne und Orga­ni­sa­tio­nen sind mit ein­ge­bun­den. Die Pfad­fin­der machen Lager­feu­er-Stock­brot mit den Besu­chern, die Pfer­de­freun­de Wöl­ping­hau­sen zei­gen eine ihrer Vor­füh­run­gen, die Feu­er­wehr Klein Hei­dorn wird mit einem Feu­er­wehr­wa­gen vor Ort sein, eben­so die Poli­zei und die Johan­ni­ter, die auch gleich eine Hüpf­burg mit­brin­gen – um nur eini­ge zu nen­nen.

Pferdeshow
Auch die Pfer­de­freun­de Wöl­ping­hau­sen, hier auf dem Wunstor­fer Wirt­schafts­wo­chen­en­de, wer­den dabei sein | Foto: Dani­el Schnei­der

Essen und Getränke für alle Kinder kostenlos

Es wird gegrillt, es gibt Pop­corn, Zucker­wat­te und allein 30 Kuchen und Tor­ten, und alles ist für Kin­der natür­lich kos­ten­los. Die Wald­gast­stät­te stellt die Infra­struk­tur bereit, die Brat­würs­te wer­den von zwei ört­li­chen Metz­ge­rei­en gespen­det. Geträn­ke (man beschränkt sich auf Was­ser und Saft und ver­zich­tet bewusst auf Soft­drinks) gibt es natür­lich auch gra­tis. Die Erwach­se­nen wer­den natür­lich eben­falls ver­sorgt, aber nicht zum Null­ta­rif. Das Gelän­de bei Alten’s Ruh hat man aus­ge­sucht, weil es idea­le Bedin­gun­gen bie­tet – und sich die Gast­stät­te selbst natür­lich auch gleich am Kin­der­fest betei­ligt: Der Päch­ter steu­ert Tor­ten bei, für die Brat­wüs­te kann man die Grills des Lokals nut­zen – und auch den Geträn­ke­aus­schank über­nimmt prak­ti­scher­wei­se gleich die Alten’s‑Ruh-Crew.

Alte Sachen versteigert zur Finanzierung

Die Vor­be­rei­tun­gen dafür lau­fen schon seit Mona­ten. Keim­zel­le der Ver­an­stal­tung ist die Face­book-Grup­pe „Wir sind Wunstorf – gemein­sam sind wir stark“, die jüngs­te der drei gro­ßen all­ge­mei­nen Wunstorf-Grup­pen im sozia­len Netz­werk, die aber schon bald 650 Mit­glie­der bei sich ver­sam­melt hat. Zur Finan­zie­rung des Kin­der­fes­tes hat man sich Anfang des Jah­res eine Cha­ri­ty-Akti­on aus­ge­dacht: Grup­pen­mit­glie­der spen­de­ten gebrauch­te Gegen­stän­de, die von den ande­ren erstei­gert wer­den konn­ten. Aller­hand Din­ge kamen unter den vir­tu­el­len Ham­mer, die dann im Gegen­zug die Kin­der­fest­kas­se füll­ten. Einer der Mit­bie­ter freu­te sich beson­ders: er sahn­te einen gro­ßen neu­wer­ti­gen Flach­bild­fern­se­her für 80 Euro ab.

gera­de die Klein­be­trie­be sind am spen­da­bels­ten“

Große Spendenbereitschaft

Mög­lich machen das Fest aber auch unzäh­li­ge Spen­der aus Wunstorf und dar­über hin­aus. Die Spen­den­be­reit­schaft auch außer­halb der Grup­pe ist rie­sig – und vie­le Wunstor­fer Unter­neh­men und Pri­vat­leu­te sind schon mit im Boot. Denn neben dem Decken der Grund­kos­ten will man den Kin­dern natür­lich viel bie­ten – und sam­melt daher eben­falls seit Wochen Prä­sen­te und Spiel­zeug ein, die man ver­lo­sen oder als Gewinn bei den Mit­mach-Spie­len ver­tei­len kann.

Material für das Kindersommerfest
Mate­ri­al­samm­lung für das Kin­der­som­mer­fest | Foto: pri­vat

Neben Wer­be­ge­schen­ken kamen dabei auch vie­le „unge­bran­de­te“ Din­ge zusam­men. Bilsad Ramo­vić war vor allem erstaunt über die Spen­den­be­reit­schaft der Fir­men und Geschäf­te. Knapp 3.000 Tei­le haben er und sei­ne Hel­fer inzwi­schen zusam­men­ge­tra­gen. Kaum jemand sag­te Nein, als er von der Akti­on erfuhr, und stell­te bereit­wil­lig Mate­ri­al oder Geld zur Ver­fü­gung. Natür­lich nicht nur aus der Kern­stadt – von Kolen­feld über Klein Hei­dorn bis Stein­hu­de kam die Unter­stüt­zung aus allen Wunstor­fer Ecken – und eben­so aus dem Umland. Neu­stadt, Reh­burg-Loc­cum, Sach­sen­ha­gen … über­all ist man von der Idee des pri­va­ten Kin­der­som­mer­fes­tes begeis­tert.

Schwupps, schon ist man im Radio

Die schöns­ten Reak­tio­nen erleb­ten die Kin­der­fest-Orga­nisia­to­ren nach eige­ner Aus­sa­ge vor allem bei den klei­ne­ren loka­len Ein­zel­händ­lern und Betrie­ben: Nicht nur brei­te Spen­den­un­ter­stüt­zung erfuh­ren die Kin­der­fest-Macher, son­dern eini­ge der Ange­spro­che­nen stell­ten sich auch gleich als Mit­hel­fer für den gro­ßen Tag zur Ver­fü­gung, um mit­an­zu­pa­cken bei Orga­ni­sa­ti­on und den Abläu­fen. Aber auch gro­ße Fir­men, die nor­ma­ler­wei­se sol­che Aktio­nen in die­ser Form nicht unter­stüt­zen, mach­ten wegen des beson­de­ren Cha­rak­ters der Ver­an­stal­tung aus­nahms­wei­se mit.

Auch bei eini­gen Radio­sen­dern hat­te Caro­la Ramo­vić nach Give-aways ange­fragt, doch dort wink­te man ab. Bei Anten­ne Nie­der­sach­sen lan­de­te sie statt­des­sen gleich im Pro­gramm: Und so erfuhr man neu­lich auch im Radio, dass Wunstorf die „tolls­te Stadt in Nie­der­sach­sen“ ist, weil man hier mit gro­ßem Elan viel für Kin­der auf die Bei­ne stellt.

Kindersommerfestplakat
Pla­kat für das Kin­der­som­mer­fest in der Innen­stadt | Foto: Dani­el Schnei­der

Eine Riesenlogistik für ein Riesenfest

So eine Art rie­si­ges Som­mer­schul­fest soll es letzt­lich wer­den – aber ganz pri­vat orga­ni­siert und für alle Kin­der der Stadt. Wenn Kin­der aus den Nach­bar­ge­mein­den kom­men wol­len, wer­den sie selbst­ver­ständ­lich auch nicht abge­wie­sen. Unter­des­sen lau­fen die letz­ten Vor­be­rei­tun­gen für den kom­men­den Sonn­tag. Unglaub­lich viel muss bis dahin noch orga­ni­siert und abge­stimmt wer­den. Eine Art Ein­wei­sung für die Hel­fer am Mon­tag zuvor gehört auch dazu, so dass am eigent­li­chen Kin­der­fest­tag auch jeder weiß, was er zu tun hat. Auch wird noch immer Unter­stüt­zung und Hil­fe ange­bo­ten. Manch­mal ist es abso­lut ruhig, und dann wür­den wie­der alle auf ein­mal anru­fen, sagt Bilsad Ramo­vić ver­schmitzt. Wer noch mit­hel­fen möch­te oder Mate­ri­al bereit­stel­len kann, wen­det sich am bes­ten über die Face­book­grup­pe an die Orga­ni­sa­to­ren.

Auch die Stadt­ver­wal­tung zeig­te sich hilfs­be­reit und auf­ge­schlos­sen zu den pri­va­ten Kin­der­fest­plä­nen. Es wur­de sogar ange­bo­ten, die Stra­ße zum Hohen­holz für das Kin­der­fest zu sper­ren, doch das woll­te man lie­ber nicht ris­kie­ren – schließ­lich müs­sen die Besu­cher auch irgend­wie zum Fest kom­men. Für die Rei­ni­gung des Gelän­des nach dem Fest woll­te man auch ein­sprin­gen, doch auch das machen die Orga­ni­sa­to­ren selbst. Für einen Ein­trag im städ­ti­schen Ver­an­stal­tungs­ka­len­der war es lei­der schon zu spät – dafür bekam das Pla­kat des Kin­der­fests dann den bes­ten Platz in der Fens­ter­schei­be des Bür­ger­bü­ros.

Alten's Ruh
Rund um die Wald­gast­stät­te Alten’s Ruh wird das Kin­der­fest statt­fin­den – der Betrei­ber spen­det Tor­ten und ermög­licht das Gril­len | Foto: Dani­el Schnei­der

2 Stunden täglich im Einsatz

Zwei Stun­den am Tag wen­den die Ramo­vićs und ihre enge­ren Hel­fer der­zeit und in den letz­ten Wochen für das Kin­der­som­mer­fest auf. Aber die Vor­be­rei­tun­gen und Pla­nun­gen fres­sen nicht nur Zeit, son­dern machen auch Spaß und glück­lich. Spaß sol­len aber am Ende vor allem die Kin­der haben, und dafür wird auch jetzt noch viel getan. Zusam­men mit zwei wei­te­ren Admi­nis­tra­to­ren ihrer Face­book­grup­pe und wei­te­ren Hel­fern wird in den nächs­ten Tagen noch ein­mal Voll­gas gege­ben, damit alles wie am Schnür­chen klappt am Sonn­tag. Mit schlech­tem Wet­ter rech­net man nicht, aber es ist natür­lich ein­ge­plant. Pavil­lons ste­hen bereit. Was übrig bleibt nach Abzug der Kos­ten, wird nicht gesam­melt bis zum viel­leicht nächs­ten Fest, son­dern gleich wie­der gespen­det für einen guten Zweck. Auf Musik will man ver­zich­ten. Einer­seits, um den zu erwar­ten­den Tru­bel nicht zu über­trei­ben, ande­rer­seits auch, um die Gema-Gebüh­ren zu spa­ren.

Der soziale Gedanke war bestimmend

Der initia­le Ein­fall zum Kin­der­som­mer­fest kam den Ramo­vićs, als sie eine Sze­ne in Wunstorf beob­ach­te­ten, als Eltern ihren Kin­dern auf einer Ver­an­stal­tung aus Geld­man­gel kei­nen Snack kau­fen konn­ten – und die Klei­nen in ihrer Ver­zweif­lung dann Gra­tis-Ketch­up­tüt­chen aus­lutsch­ten. War­um also nicht für alle Wunstor­fer Kin­der einen Fest­tag ver­an­stal­ten, bei dem alles gra­tis ist und man sich kei­ne Sor­gen ums Geld machen muss?

Das Fest soll also gera­de auch die­je­ni­gen anspre­chen, die nicht so viel im Fami­li­en­bud­get haben – und ein Som­mer­fe­ri­en-High­light mit vie­len schö­nen blei­ben­den Erin­ne­run­gen zum Null­ta­rif wer­den. Denn vie­le Fami­li­en kön­nen sich einen typi­schen Som­mer­ur­laub gar nicht leis­ten. Ihren eige­nen Jah­res­ur­laub haben Bilsad und Caro­la Ramo­vić für die Akti­on übri­gens abge­bla­sen, erzäh­len sie – Urlaub und Fest­vor­be­rei­tun­gen hät­ten sich sonst zu sehr über­schnit­ten. Damit sich alle lan­ge erin­nern kön­nen (und die Eltern nicht stän­dig mit dem Smart­pho­ne hin­ter ihren Kin­dern her­ren­nen müs­sen) wird sogar ein pro­fes­sio­nel­ler Foto­graf vor Ort sein.

… es gibt kein schlech­tes Wet­ter!“

Auf 200 bis 300 Kin­der ist man ein­ge­stellt, wenn 400 auf­tau­chen, ist auch alles noch in But­ter – und selbst wenn es nur 30 wer­den soll­ten, wird man auch in der klei­nen Grup­pe sehr viel Spaß haben, ist das Orga­ni­sa­ti­ons­team zuver­sicht­lich. Wird es ein Erfolg, wird man über eine Wie­der­ho­lung im nächs­ten Jahr nach­den­ken, ver­spre­chen Ramo­vićs. Dann könn­te es auch ein ande­rer Stand­ort als am Wald­rand des Hohen­holz wer­den – Wunstorf ist schließ­lich groß.

Kindersommerfest
Die Ein­la­dungs­kar­te gilt für alle Kin­der am nächs­ten Sonn­tag | Scan: Aue­post

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1 Kommentar
  1. Grit Decker sagt

    Mit DEM Erfolg wer­den die bei­den für die Kin­der sehr Akti­ven und deren Unter­stüt­zen­den aller Arten mit Sicher­heit nicht gerech­net haben:
    Schließ­lich wur­de die „Ziel­mar­ke“ an Besu­chen­den um etli­che Kin­der, die Spaß und Freu­de am „Fest nur für sie“ hat­ten, über­trof­fen.

    Sich der­art für unse­rer Jüngs­te „ins Zeug zu legen“:
    Cha­peau!!

    So möch­te ich allen Betei­lig­ten und vor allem dem rüh­ri­gen Orga­ni­sa­to­ren-Paar wün­schen, dass auch nun sie ein paar Tage des ganz per­sön­li­chen Ver­gnü­gens, z.B. in Form eines Urlaubs, haben wer­den.
    DAS haben sich alle im Kin­der­fest Invol­vier­ten mehr als ver­dient.

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