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Bürgerinitiative Kolenfeld: ICE-Neubaustrecke schon jetzt viel teurer als geplant

24.10.2022 • Redaktion • Aufrufe: 956

Keine ICE-Trasse durch den Ort ist das Ziel der Bürgerinitiative in Kolenfeld – und man hat überzeugende Argumente: Die Verkehrsbelastung ist bereits jetzt überdurchschnittlich, die bestehende Strecke ist noch nicht ausgereizt – und die geschätzten Baukosten stehen schon jetzt kaum noch im Verhältnis zur angestrebten Fahrzeitverkürzung.

24.10.2022
Redaktion
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Erste Infoveranstaltung der Bürgerinitiative | Foto: privat

Kolenfeld (red). Die neu gegründete „Bürgerinitiative – Wir für Kolenfeld“ hatte Mitte Oktober zu ihrer ersten öffentlichen Informationsveranstaltung im Gasthaus Kuckuck eingeladen. Über 50 Interessierte folgten der Einladung und informierten sich über den Stand des Bahnprojektes Hannover–Bielefeld und die möglichen Auswirkungen für Kolenfeld. Für den geplanten Deutschlandtakt sollen zwischen Hannover und Bielefeld zusätzliche Gleise für Güter- und Hochgeschwindigkeitszüge gebaut werden. Unter den Zuhörern war auch der für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Mitarbeiter der Deutschen Bahn, Volker Vorwerk. So konnten offene Fragen direkt an ihn gerichtet werden – es kam ein konstruktiver Dialog zustande.

Position: Kolenfeld ist schon belastet genug

Anfang des nächsten Jahres soll eine Vorzugsvariante für die weitere Beratung und Entscheidung durch den Bundestag vorgelegt werden. Auch wenn es offiziell noch keine Trassenvorschläge gibt, liegt Kolenfeld zentral im Suchraum der bereits festgelegten Grobkorridore. Auch die bereits untersuchten Ausfädelungen aus der vorhandenen Bahnstrecke bei Seelze, Lohnde, Dedensen und Luthe lassen eindeutige Rückschlüsse auf mögliche Trassen zu. Die Gemarkung Kolenfeld ist dabei von fast allen Optionen betroffen. Lediglich eine Südvariante zwischen Groß Munzel und Barsinghausen und die nördliche Version zwischen Mittellandkanal und Wunstorf Süd würden etwas weiter um Kolenfeld herumführen.

Die Position der Bürgerinitiative ist, dass der Ortsteil von Verkehrsemissionen bereits stark belastet ist: Neben der Autobahn und den tiefen Übungsflügen des Fliegerhorstes liegen direkt über Kolenfeld auch zwei Abflugrouten des Flughafen Hannover. Insbesondere die Autobahn sowie die Abflugrouten sorgen rund um die Uhr für eine Lärm- und Schadstoffbelastung. Der Mittellandkanal dient zwar für viele Wunstorfer und Kolenfelder als Naherholungsgebiet, hat als Linienbauwerk aber auch Nachteile. Ähnlich wie die Autobahn hat auch der Kanal eine Zerschneidungswirkung auf Landwirtschaft, Natur und Tierwelt. Eine ICE-Neubaustrecke mit Dämmen und Brücken würde die Landschaft endgültig zerstören und hätte auch deutliche Auswirkungen auf die ansässige Landwirtschaft.

Zunächst Streckenverdichtung gefordert

Die Bürgerinitiative stellt sich nicht gegen die Steigerung des Schienenverkehrs, fordert jedoch grundsätzlich die zunächst effektivere Auslastung bereits bestehender Strecken, denn auch die Baukosten stiegen drastisch – sie werden derzeit bei fast achteinhalb Milliarden Euro gesehen statt der einst geplanten rund fünf Milliarden: „Bevor (…) Neubaumaßnahmen außerhalb vorhandener Strecken ergriffen werden, sollten digitale Leit- und Steuerungssysteme geprüft werden. Diese Systeme lassen kürzere Abstände zwischen den Zügen zu und erhöhen so die Kapazität auf bestehenden Strecken. Sie sind zurzeit auch schon in der Erprobung. Aber leider nicht auf der Strecke Hannover–Bielefeld“, betonte der BI-Vorsitzende Jörg Nohl. „Erst wenn diese Maßnahmen erwiesenerweise nicht ausreichen, sollte über zusätzliche Gleise nachgedacht werden. Und das muss dann ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll erfolgen“, bekräftigte Nohl noch einmal das Selbstverständnis der Bürgerinitiative.

Seit ihrer Gründung hat die Bürgerinitiative – Wir für Kolenfeld die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit im Dialogverfahren der Deutschen Bahn wahrgenommen und bereits an diversen Regionaltreffen teilgenommen. Die Arbeitsgruppe zur Informationsarbeit wird daher dieses Teilprojekt aus dem Deutschlandtakt weiter intensiv hinterfragen. Ein aktueller Schwerpunkt ist die Auflistung von Raumwiderständen, die für das Gebiet in und um Kolenfeld Relevanz für den weiteren Planungsprozess haben können. Bereits in der kommenden Woche ist ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch mit anderen Bürgerinitiativen in der Region geplant.
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Kommentare


  • Ein Luther (nahe der derzeitigen Strecke) sagt:

    Es wird, wie bei der Y-Straße Bremen Hannover Hamburg, auf einen Status Quote ante hinauslaufen und alle Beteiligten werden die Lösung bejubeln.

  • Bahnpendler sagt:

    Es geht doch bei Hannover-Bielefeld nicht einfach nur darum ein paar Minuten einzusparen. Es geht insbesondere um die notwendigen Fahrzeiten im Fernverkehr für den Deutschlandtakt. Und damit die Fernzüge in Bielefeld, Hamm und Hannover gute Anschlüsse in viele Richtungen haben, braucht es zwischen Hannover und Bielefeld die 31 Minuten. Aber diese Fahrzeit lässt sich mit einem reinen Ausbau nicht erreichen. Die Kurven der Strecke Minden-Bielefeld können nicht begradigt werden da die Bestandsstrecke durch dicht besiedeltes Gebiet führt.
    Außerdem sorgen Neubaustrecken nicht nur für schnelleren Fernverkehr sondern auch für deutlich mehr Nah- und Güterverkehr auf der Bestandsstrecke, weil denen der schnelle ICE nicht mehr im Weg steht. Man sollte mal aufhören, das immer so eindimensional mit der Neubaustrecke zu sehen

  • Ein Luther sagt:

    Auch diese Vorteile hätte die x-Trasse gehabt. Sie ist aber an einer Gemengelage gescheitert, wie sie wahrscheinlich auch hier auftreten wird.

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