
Wunstorf (as). Mit Klant verliert die SPD-Ratsfraktion eines ihrer profiliertesten Mitglieder. Der 49-jährige hat auf sein Mandat verzichtet, weil er seit Mitte des Monats das Dezernat I der Verwaltung der Region Hannover leitet. Er ist damit für die öffentliche Sicherheit, Zuwanderungs- und Gesundheitsfragen sowie Verbraucherschutz zuständig.
Seinen Sitz im Rat übernimmt der junge Blumenauer SPD-Politiker Jan-Frerk Mandel. Somit ist der Ort nach mehrjähriger Unterbrechung wieder direkt im Rat vertreten. Mandel stammt aus Ostfriesland, ist 35 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Der Diplomverwaltungswirt gehört zu den Führungskräften der Stadt Hannover.
Mandel engagiert sich in Blumenau in der Feuerwehr, leitet die SPD-Abteilung und ist stellvertretender Ortsbürgermeister. Sein Ziel: „Ich möchte die kommenden Monate nutzen, um Blumenau und Liethe im Stadtrat wieder eine hörbare Stimme zu geben. Gerade nach rund 20 Jahren ohne sozialdemokratische Vertretung ist mir das persönlich sehr wichtig.“
Mit Selke kommt ein Mann in den Rat, der seit Jahren wegen seines Einsatzes als Schiedsmann und seines energischen Eintretens für die natürliche Gestaltung von Gärten und Städten bekannt ist. Der 77-Jährige ist in Wunstorf geboren und in Luthe aufgewachsen. Er hat Maschinenbau studiert und 34 Jahre lang für IBM gearbeitet.
Selke lebt seit 2002 in Mesmerode und nennt sich selbst „Botschafter für naturnahes Grün“. Sein Ziel ist es, die „Grüne Lunge der Stadt“, den Grünzug entlang der Südaue mit dem ehemaligen Freibadgelände, naturnah zu gestalten.
Außerdem will er sich dafür einsetzen, dass die Stadtverwaltung für städtische Flächen ein ökologisch orientiertes Pflegekonzept einführt, die Innenstadtsanierung zum Musterbeispiel für naturnahe Gestaltung wird und Neubaugebiete nachhaltig gestaltet werden – Blickpunkt Vion-Gelände.

Selke ist in den Rat nachgerückt, weil Dustin Meschenmoser auf sein Mandat verzichtet hat. Der 27-Jährige hat sich wegen einer Erkrankung aus dem Rat zurückgezogen. Dieser Schritt wurde am Schluss der jüngsten Ratssitzung in der Aula des Hölty-Gymnasiums zum Thema.
Marvin Nowak, der aus privaten Gründen ebenfalls seine politische Arbeit im Rat vorerst aufgibt, verurteilte als Fraktionssprecher der Grünen diverse abwertende Kommentare zu Meschenmosers Schritt in den sozialen Medien. Es sei ein mutiger Schritt seines bisherigen Fraktionskollegen gewesen, über seine Krankheit in einem Interview zu sprechen.
Umso besorgniserregender sei es, dass viele Äußerungen in sozialen Medien von Häme, Abwertung und Diffamierung geprägt gewesen seien. Nowak: „Wir stellen klar: Keine politische Differenz rechtfertigt ein solches Verhalten.“ Ein derartiger Umgang sei für eine demokratische Gesellschaft nicht hinnehmbar.
Gerade für eine Stadt, in deren Zentrum seit Jahrzehnten eine große psychiatrische Einrichtung bestehe und in der die Behandlung psychischer Erkrankungen zum Stadtbild gehöre, sei „dieses unwürdige Verhalten und die teils ekelhaften Kommentare auf das Schärfste“ zu verurteilen. Unter dem starken, anhaltenden Applaus des gesamten Rates wünschte Nowak seinem Weggefährten „gute Genesung und für die Zukunft alles Gute“.
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