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SPD will Balkon-Solaranlagen in Wunstorf fördern lassen

01.08.2022 • Redaktion • Aufrufe: 642

250 Euro für jeden Wunstorfer Haushalt, der sich eine Mini-Solaranlage für den Balkon kauft – das möchte die Wunstorfer SPD. CDU und FDP in der Region fordern hingegen, mehr Solarstrom auf regionseigenen Gebäuden zu produzieren, um die Klimabilanz zu verbessern.

01.08.2022
Redaktion
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Solarstrom für alle gibt’s in Wunstorf schon an der Handy-Solarladebank am Marktplatz oder in Steinhude – doch Solaranlagen sollen auch privat auf die Balkone | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (red). Der SPD-Ortsverein Wunstorf ist entschlossen, den Ausbau der Photovoltaikanlagen in Wunstorf voranzubringen. „Solarstrom ist günstiger als Strom aus dem Netz, denn die Sonne schickt keine Rechnung“, hebt die Vorsitzende Heike Leitner hervor. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise auch für Strom bieten sie eine gute Ergänzung zur privaten Kostenreduzierung und sind gleichzeitig ein Beitrag zur lokalen Energiewende.

250 Euro Zuschuss für jeden Haushalt

Doch nicht alle können sich eine große Photovoltaikanlage aufs eigene Dach setzen. Die Sozialdemokraten wollen deshalb sogenannte Mini-Photovoltaikanlagen für den Balkon als unkomplizierte Form, eigenen Strom zu produzieren, städtisch fördern lassen. Die Wunstorfer SPD schlägt vor, dass die Stadt hierfür einen Fördertopf von anfänglich mindestens 20.000 Euro bereitstellt. Der mögliche Einzel-Zuschuss für private Haushalte soll bei rund 250 Euro pro Anlage beginnen.

Balkon-Solaranlagen sind vor allem zur ergänzenden Stromerzeugung gedacht und können den Stromverbrauch eines Haushaltes senken: Sie werden oft wie ein beliebiges Elektrogerät über eine normale freie Steckdose in die bestehende Stromversorgung eingeklinkt, liefern jedoch Energie, statt Strom zu verbrauchen. Die Gesamtlast, die ein Haushalt damit aus dem regulären Stromnetz zieht, wird damit verringert - der Stromverbrauch aus externer Quelle wird gesenkt, der Stromzähler dreht sich langsamer. Sie funktionieren nicht autonom, sondern nur im Zusammenspiel mit einer vorhandenen Netzspannung und benötigen daher das Hausnetz.

Für die SPD ist dabei vor allem der soziale Aspekt wichtig. Der Ansatz habe zwei Vorteile: Endlich können auch eine große Gruppe von Mietern von einer Energieförderung profitieren und nicht nur Vermieter und Hauseigentümer, wie das bei großen Photovoltaikanlagen der Fall sei, die meist großflächig auf dem Hausdach installiert würden. Zum anderen sei der Anschaffungspreis für ein solches Modul mit ca. zwischen 500 und 1.000 Euro und die Installation nicht aufwendig.

Einfach anbauen?

„Mini-Photovoltaikanlagen für den Balkon bieten einen einfachen und kostengünstigen Einstieg in das Thema Photovoltaik“, unterstützt der bau- und klimapolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Torben Klant diese Initiative. „Ein wesentlicher Vorteil dieser Mini-Balkonkraftweke besteht darin, dass sie sich unkompliziert installieren lassen und auch bei einem Umzug schnell ab- und wieder angebaut sind“, findet er.

Bürokratische Hürden: In Deutschland sind auch solche privaten Balkonsolaranlagen anmeldepflichtig, sie müssen sowohl beim örtlichen Energieversorger als auch bei der Bundesnetzagentur registriert werden. Ob der Betrieb und das feste Anbringen an einem Balkon vom Vermieter geduldet werden muss, ist rechtlich noch strittig. Auch bei der Anmeldung beim Netzbetreiber lauern Schwierigkeiten, wenn z. B. so viel Strom produziert wird, dass Zähler rückwärts laufen oder die Anlage mit einem einfachen Schukostecker angeschlossen wird. Beim in Wunstorf tätigen Netzbetreiber Avacon etwa ist die Anmeldung von Anlagen mit normalem Stromstecker gar nicht vorgesehen. Manchmal scheitert die Installation aber bereits an der fehlenden Steckdose auf dem Balkon.

CDU und FDP in der Region wünschen sich Solarstrom von Regionsgebäuden

Die CDU/FDP-Gruppe der Region Hannover fordert unterdessen, dem Vorbild der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen zu folgen, die Kooperationsverträge mit Energiedienstleister Enercity abgeschlossen haben, um geeignete Dachflächen mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Auch auf den Dächern regionseigener Gebäude solle dies umsetzbar sein. Deshalb hat die Gruppe einen Antrag gestellt, mit dem die Regionsverwaltung aufgefordert wird, schnellstmöglich zu prüfen, unter welchen Bedingungen auch die Dachflächen regionseigener Gebäude, wie zum Beispiel der Berufsschulen, Sporthallen, Kliniken und Verwaltungsgebäude, mit Photovoltaikanlagen nach dem gleichen Modell in Kooperation mit den Stadtwerken ausgestattet werden können. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, befände sich gerade im Gebäudesektor im Bereich der kommunalen Liegenschaften großes Potenzial, welches noch längst nicht ausgeschöpft sei.

Wunstorf und Neustadt würden besonders davon profitieren, sagt Daniel Farnung, umweltpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion Region Hannover. „Durch die Dachflächen der Klinikgebäude, der Paul-Moor-Schule und der BBS stehen in Wunstorf und Neustadt erhebliche Potentiale für eine PV-Nutzung zur Verfügung. Dadurch würde sich die Klimabilanz beider Städte verbessern, ohne dass sie selbst einen Beitrag dazu leisten müssten“, prognostiziert Farnung, der darin auch eine Vorbildfunktion sieht, die Eigenheimbesitzer, Wohnungsgesellschaften und Betriebe zur Nachahmung bewegen sollte.

Die verfolgen jedoch teils längst eigene Pläne: So hat etwa der Wunstorfer Bauverein angekündigt, gemeinsam mit den Wunstorfer Stadtwerken die Installation von sogenannten Mieterstromanlagen eruieren zu wollen – was wiederum von der Idee der SPD torpediert werden könnte, wenn sich Mieter stattdessen selbst Anlagen auf die Balkone stellen.

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Kommentare


  • Lydia Bertani sagt:

    Wie lange dauert es mit solchen Anlagen, die selbst investierten €250 – €750 wieder heraus zu bekommen (ROI) ?
    Liegt dieser Zeitpunkt innerhalb oder außerhalb der Gerätelebensdauer?

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