Wunstorfer Auepost
[Anzeige]

Neuer Zwist: Werbegemeinschaft verlangt „behutsamen Umbau“

19.07.2025 • Achim Süß • 4 Min.Kommentare: 8

Zwischen der Wunstorfer Werbegemeinschaft und der Stadt kündigt sich eine weitere Auseinandersetzung an: Der Zusammenschluss der Gewerbetreibenden wünscht sich „eine respektvolle Weiterentwicklung“ der Fußgängerzone und einen „Umbau, der allen nutzt”. Am 14. August soll es einen „dringlichen Informationsaustausch“ geben.

19.07.2025
Achim Süß
4 Min.
Niklas Suntheim (Mitte) vom steuernden Stadtplanungsbüro während der Innenstadtumbau-Bürgerbeteiligung (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (as). Nach etlichen Gesprächen mit Anliegern der Fußgängerzone und Geschäftsinhabern hat die Werbegemeinschaft Wunstorf (WGW) eine Veranstaltung vorbereitet, bei der es am Donnerstag, dem 14. August, von 18.30 Uhr an in der Abtei um die von der Stadt geplante Umgestaltung der Innenstadt geht. Die Kontakte mit den Betroffenen zeigten, dass viele gar nicht oder nur bruchstückhaft über die Vorhaben der Stadt informiert seien, ist von den Initiatoren der Veranstaltung zu hören.

Bernd Heidorn, der Vorsitzender der WGW, in einem Schreiben an alle Anlieger: „Wenn Sie sich nun fragen, was und in welchem Umfang umgestaltet werden soll, dann sind Sie nicht alleine. Bei fast allen Gesprächen, die wir zu diesem Thema mit Besuchern, Bürgern und Händlern geführt haben, wurde deutlich, dass die wenigsten davon eine Vorstellung haben. Und das, obwohl tiefgreifende Maßnahmen anberaumt sind, die erhebliche Veränderungen bedeuten und viele von uns mit Sorge erfüllen.“

Respekt für das Bestehende

Die Informationstermine, zu denen die Stadt bislang eingeladen hatte, hält der Vorstand der Werbegemeinschaft nicht für ausreichend. Der Verein erwartet mehr Transparenz und mehr Details. In einem Flugblatt, das als Einladung an alle Interessierten gedacht ist, heißt es: „Wir setzen uns ein für einen behutsamen Umbau, der die Innenstadt stärkt – und nicht gefährdet. Mit Respekt vor dem Bestehenden. Mit Verantwortung für morgen.“

Jede Umgestaltung bringe auch Herausforderungen mit sich, erklärt die WGW weiter. Der örtliche Handel dürfe nicht auf der Strecke bleiben. Der Termin in der Abtei richte sich an alle und sei die letzte Gelegenheit, um sich aktiv für die Innenstadt einzusetzen. Es gehe jetzt um „sinnvolle Investitionen“. Gemeint sind „Maßnahmen mit echtem Nutzen für alle“. Prestigeobjekte gelte es zu verhindern: „Show-Elemente ohne echten Mehrwert belasten den Haushalt und helfen niemanden“, schreiben die Initiatoren.

Das Bewährte müsse erhalten und dürfe nicht leichtfertig verändert werden. Die Werbegemeinschaft verlangt, dass Sicherheit und Infrastruktur in den Vordergrund gerückt werden: Barrierefreiheit, Technik für Markt und Feste, Sicherheit für Veranstaltungen, Stellplätze für Rad und Auto – das seien „Investitionen, die bleiben“.

Neue Infoveranstaltung

An der Informationsveranstaltung sollen nach Angaben der Werbegemeinschaft auch Vertreter der Stadtverwaltung und des Planungsbüros teilnehmen, das die Stadt eingeschaltet hat. Heidorn weiter: Ausgangspunkt für das aktuelle Vorhaben sei das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept „ISEK“ – ein Städtebauförderprogramm, das eine Finanzierung für den Erhalt und die Entwicklung der Stadt- und Ortskerne verspricht. Ein Drittel der Kosten des Umbaus zahle die Stadt. Den Rest teilen sich Bund und Land. Fördervoraussetzung für das ISEK sei unter anderem eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. „Für uns etwas erstaunlich“, so Heidorn: Nach dem Zeitplan des Wettbewerbes sei dies bereits erfolgt: mit einer „Beteiligung Politik + Gewerbetreibende“ im Februar 2025, bei der neben 19 Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wettbewerbsorganisatoren auch drei Vertreter der Werbegemeinschaft Wunstorf anwesend gewesen seien, dann mit einer „Partizipation Öffentlichkeit Q2 2025“, die es im Mai 2025 unter dem Titel „Öffentliche lnfoveranstaltung mit Rundgang“ gegeben habe.

Weitere Beteiligungen der Öffentlichkeit seien im Wettbewerb nicht vorgesehen, vermutet die WGW. In seinem Brief an alle Anlieger schreibt Heidorn weiter, der städtebauliche Wettbewerb solle „schon im Herbst des Jahres 2025 zu Ergebnissen“ führen. Der vom Preisgericht prämierte Entwurf könne dann „verbindliche Grundlage für den Umbau unserer Innenstadt sein“.

Nicht vor vollendete Fakten stellen

Die WGW meint: „Das kann es noch nicht gewesen sein! Die Bürger und ganz besonders diejenigen, die es unmittelbar betrifft, müssen ausreichend informiert und gehört werden.“ Das Zeitfenster dafür sei jetzt.

Der Wettbewerb zur Umgestaltung der Innenstadt ist nach Informationen der Auepost in der zweiten von drei Phasen. Dieser Abschnitt soll am 8. September 2025 mit der Abgabe der Entwürfe enden. Dazu Daniel Pfingsten, der Sprecher der Stadtverwaltung am Freitag: „Der Wettbewerb wird als nicht offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb gemäß der Richtlinie für Planungswettbewerbe durchgeführt.“ Zwölf qualifizierte Büros seien aufgefordert, ihre Ideen einzureichen.

Das Preisgericht entscheidet nach dem bisherigen Zeitplan am 10. Oktober in einer mehrstündigen Sitzung. Es setzt sich aus elf Personen zusammen: externen Fachleuten aus dem Bereich Garten- und Landschaftsarchitektur und fünf „Sachpreisrichtende“. Das sind Alexander Wollny als Leiter der Wunstorfer Bauverwaltung, Bürgermeister Carsten Piellusch, der Wunstorfer Ortsbürgermeister Thomas Silbermann und Kirsten Riedel, die Vorsitzende des Bauausschusses des Rates. Letztere drei sind Vertreter der SPD. Hinzu kommt ein Vertreter der WGW.

Weitere Gäste

Als Sachverständige sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung aus den Bereichen Stadtplanung, Citymanagement, Klimaschutz, Bauordnung und Denkmalschutz, Straßenbau und Entwässerung im Auswahlverfahren dabei. „Weitere Gäste“, so ist in den Wettbewerbsunterlagen zu lesen, könnten „gegebenenfalls“ Vertreter der Wirtschaft und der Ratsfraktionen sein. Pfingsten dazu am Freitag: „Weitere Gäste wie u. a. die Marktgilde werden themenbezogen hinzugezogen.“ Die Beteiligung von „Politik und Gewerbetreibenden“ ist nach den Wettbewerbsunterlagen im Februar dieses Jahres abgeschlossen worden. Ein „qualifizierter Workshop“ für die Wunstorfer Kommunalpolitiker wird in den Dokumenten als „optional“ bezeichnet. Eine solche Runde hat es nicht gegeben.

Die Federführung bei der Steuerung der geplanten Umgestaltung hat das Bremer Büro BPW Stadtplanung. Von dort aus wird der gesamte Planungsprozess gesteuert und moderiert. Die Vorschläge für die Neugestaltung der diversen Brennpunkte in der Innenstadt sollen von den Planungsbüros kommen, die zurzeit ihre Entwürfe verfassen. BPW hat in einer Reihe von Veranstaltungen über die Absichten und Wünsche der Stadt informiert. Dazu gehörte auch eine groß angelegte Bürgerbeteiligung, bei der 1.500 Wunstorferinnen und Wunstorfer ihre Ideen für eine Umgestaltung des Zentrums per Internet einbringen konnten. Dabei sind die Pluspunkte der Fußgängerzone ebenso thematisiert worden wie die Mängel. 

In der bisherigen Diskussion über die Pläne der Stadt waren oft Einschätzungen zu hören wie „Die Fußgängerzone ist nicht mehr zeitgemäß“ oder „Die Fußgängerzone ist in die Jahre gekommen“. Was konkret mit diesen Bewertungen gemeint ist, ist bislang nicht breit diskutiert worden. Am klarsten hat es Kirsten Riedel einmal formuliert: Sie habe in ihrem Wohnzimmer auch nicht mehr die Möbel von vor 40 Jahren.

Aufrufe: 3385
[Anzeigen]




[Anzeigen]
Auepost wird unterstützt von:

Kommentare


  • Silke B sagt:

    Einen monate-oder jahrelangen Umbau der Fußgängerzone will sicher niemand in Wunstorf, oder will der Bürgermeister samt Verwaltung das riskieren? Eine Umgestaltung der Fußgängerzone in eine graue Betonwüste ohne Bäume, wie es am Barneplatz passiert ist, sicher auch nicht. Ich wünsche den Verantwortlichen ein besseres Händchen in diesem Prozess. Bei den aktuellen Bauvorhaben in Wunstorf hat sich die Verwaltung nicht mit Ruhm bekleckert.
    Der Drucke, Fördergelder abgreifen zu „müssen“ ist für mich nicht nachvollziehbar, der Restbetrag muss von der Stadt aufgebracht werden. Bei einer gestiegenen pro Kopf Verschuldung von ca. 500 auf ca. 4500 Euro in Wunstorf ist es an der Zeit, Ausgaben genau auf Sinn und Notwendigkeit zu prüfen. Kein Bauvorhaben konnte im geplanten Rahmen – weder zeitlich noch finanziell- umgesetzt werden. Kritik wird unter den Tisch gekehrt und nicht ernst genommen. Ich wünsche dem nächsten Bürgermeister und dem nächsten Rat der Stadt Wunstorf ein verantwortungsvolleres Handel im Sinne der Stadt. Und noch mal zur Erinnerung – wer gewählt wird ,vertritt Interessen der Bürger – nicht seine eigenen!

  • Birgit sagt:

    Danke, Silke B.!

  • Britta Bruns sagt:

    Einmal mehr wird konterkariert, was die eigentliche Aufgabe einer Verwaltung ist: für ihre EinwohnerInnen zu arbeiten statt gegen sie.

    Einmal mehr mangelt es an Kommunikation, Transparenz scheint nicht gewünscht.

    Das ist nicht nur die Verschwendung einer wichtigen Ressource, die aus der Verbundenheit mit dem Lebensplatz entsteht.
    Die Identifikation erzeugt und Engagement für Miteinander und auch dann trägt, wenn gemeinschaftliche Kraftanstrengungen gefragt sind.

    Das ist das Gegenteil.

    Denn eine Bürgerbefragung ist nur hilfreich, wenn Antworten berücksichtigt werden.
    Dann kann Selbstwirksamkeit und Miteinander erlebt werden.

    Befragungen und Info-Veranstaltungen, die selbst unmittelbar Betroffene ratlos zurück lassen, erzeugen das Gefühl von „die da oben machen ja doch, was sie wollen“.

    Manche schaffen es dann vielleicht noch, den Kampf aufzunehmen.
    Andere geben resigniert auf.

    Ohnmachtsgefühle fördern kein Miteinander.

    Sie lassen die Verwaltung allenfalls in Ruhe machen, was sie ohnehin vor hatte.

    Solange BürgerInnen mit ihrer Expertise nicht auf Augenhöhe, sondern eher lästig gesehen werden, wird es genau so weiter gehen.

    Vertrauen zerstört, Zuversicht und Kraft abgezogen.

    Wann ändern EntscheidungsträgerInnen Ihre Perspektive?

  • Karin sagt:

    Das wird der nächste Schildbürgerstreich.
    Diese Leute müssen gebremst werden.
    Gruß

  • Badke, Heinz-Dieter sagt:

    Heutzutage sind Info Veranstaltungen und ausgelobte Bürgerbeteiligungen fast nur reine Alibihandlungen. Ideologiehörigkeit und Weltverbesserungsphantasien stehen m.E.
    über dem Wohl der Stadt, und das vorwiegend ohne schlechtes Gewissen, so mein Eindruck. Nicht alles ist schlecht, allerdings gefühlt vieles. Jedenfalls geht es echt nicht unbedingt positiv voran.

    • Britta Bruns sagt:

      ….genau:
      ‚…gefühlt ist es schlecht…‘

      Und das reicht.
      Was zählt, ist genau dieses Gefühl.
      Und wenn es keine guten Gefühle, sondern Ohnmachtsgefühle sind, ist am Ende niemand mehr bereit, sich zu engagieren.

      Was dann wiederum beklagt wird…

      Oder auch nicht?
      Diese provokante Frage stellt sich tatsächlich.

      Denn:
      Alles so schön ruhig hier, wenn keiner was sagt…

  • Birgit sagt:

    Danke, Frau Britta Bruns, für Ihre klaren Worte.

    Das Vertrauen, wie Sie es ansprechen, habe ich schon lange nicht mehr.

    Angst um unsere Natur in dieser Stadt und der angrenzenden Teile, dafür umso mehr.

    Angst um die wiederholte Umgestaltung einer doch gut besuchten Stadt mit vielen Läden einschließlich ihres Angebotes auch.

    Ich hege Furcht davor, dass die eigene Hilflosigkeit, die aus den Fehlschlägen der Versuche einer Unterbindung des Ganzen resultiert, noch größeren Unmut hervorruft. Und ich frage mich, wie diese immer wiederkehrenden „Neuerungen“, deren Sinnhaftigkeit sehr fragwürdig ist, endlich zum Stillstand kommen.

    Gehe ich durch die Innenstadt Wunstorfs, die oft gut besucht und keinerlei Kritik würdig, frage ich mit banger Sorge, ob diesmal Bäume, Bänke und Pflanzungen stehen bleiben dürfen, wie lange das gewohnte Stadtbild bleibt, ohne einer grauen Siedlung im Bratpfannenstil weichen zu müssen, leerstehender Geschäft eingeschlossen.

    Furchtbar.

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Kontakt zur Redaktion

    Tel. +49 (0)5031 9779946
    info@auepost.de

    [Anzeigen]

    Artikelarchiv

    Auepost auf …