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Elterntaxis haben übertrieben: Jetzt wurde in Wunstorf die erste Straße für Autos gesperrt

29.01.2026 • Redaktion • 3 Min.Kommentare: 15

In Wunstorf gibt es nun zum ersten Mal eine Schulstraße: Die Rubensstraße darf zu Schulbeginnzeiten und Schulschlusszeiten nur noch von Besitzern einer Ausnahmegenehmigung befahren werden. Grund: Eine Handvoll rücksichtslos fahrender Elterntaxis.

29.01.2026
Redaktion
3 Min.
Neue Verbotsschilder an der Rubensstraße | Foto: Schneider

Wunstorf (red). Die Erwartung schwingt in der öffentlichen Debatte seit Jahren mit, in Richtung der Verantwortlichen wird gefragt: Warum unternehmt ihr nicht endlich etwas gegen die Elterntaxis? Das Phänomen des innerfamiliären Schülertransports kam in den zurückliegenden Jahren vor allem bei den Grundschulen in der Wunstorfer Kernstadt auf: Kinder im Grundschulalter bewältigen ihren Schulweg nicht mehr ausschließlich selbst, sondern werden von den Eltern per PKW möglichst bis nahe zur Schuleingangstür gefahren und dort abgesetzt.

Dies führt zu Problemen, die sich gegenseitig verschärfen und am Ende nicht selten in einem Teufelskreis münden: Straßen um die Schulen verstopfen, Anwohner kommen nicht mehr von ihren Parkplätzen und Grundstücken herunter – und Kinder, die auf den Gehwegen zur Schule unterwegs sind, werden durch Elterntaxis blockiert oder gefährdet. Dies kann dazu führen, dass noch mehr Eltern überlegen, ihre Kinder nicht mehr zu Fuß auf den Schulweg zu schicken.

Doch nun hat die Politik in Wunstorf reagiert und schafft Fakten: Die vom Elterntaxiverkehr am stärksten betroffene Straße – die Rubensstraße an der Albert-Schweitzer-Grundschule – wurde nun für den motorisierten Verkehr zu Schulanfangs- und Schulschlusszeiten komplett gesperrt. Auch Anwohner dürfen nicht mehr in die Straße hineinfahren, außer sie haben eine Sondergenehmigung erhalten.

Eine Teilzeit-Schulstraße

Damit ist nun probeweise eine Schulstraße eingerichtet. Pünktlich noch vor den Halbjahresferien Anfang Februar, zu denen die Umsetzung geplant war, wurden die entsprechenden Verkehrsschilder aufgestellt. Am Beginn der Rubensstraße weisen sie zu beiden Seiten der Fahrbahn auf das neue Einfahrtverbot hin.

Zwischen 7 und 9 Uhr am Morgen und zwischen 12 und 14 Uhr nachmittags sind Autos und Motorräder dort jetzt verbannt. Ein Jahr soll der Versuch dauern, an dessen Ende die Maßnahme evaluiert wird. Interessant wird dabei vor allem sein, ob der Elterntaxiverkehr abnehmen oder sich nur in andere Straßen verlagern und alternative Formen annehmen wird. Nach einem Jahr werden die jetzt aufgestellten Schilder aber nicht automatisch wieder abgebaut – sie sollen danach weiterhin stehen bleiben, bis auch die Evaluierung abgeschlossen ist.

Anwohner, die gemäß Schild bei Vorliegen einer Ausnahmegenehmigung weiterhin zu Parkplätzen und Einfahrten gelangen dürfen, sollten die entsprechende Erlaubnis bereits erhalten haben: Mittels Hauswurfsendung war die kostenlose Ausnahmegenehmigung verteilt worden. Auch Lehrer und beispielsweise Pflegedienste erhalten Ausnahmegenehmigungen.

Verbot der Einfahrt während Schulbeginn und Schulschluss | Foto: Schneider

Betont wird seitens der Verwaltung, dass das Fehlverhalten nicht von der breiten Masse der Elternschaft verursacht wurde. Es gebe zahlreiche Eltern, die sich beim Bringen der Kinder vollkommen korrekt und vorsichtig verhielten. „Es gibt aber leider einen Kreis an Eltern, die die bisher gemachten Angebote der Hol- & Bringzone nicht nutzen. Durch teilweise rücksichtsloses Fahren kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Werden die Fahrzeugführenden auf ihr Fehlverhalten, z. B. von der Polizei, den Lehrkräften, dem Schulhausmeister oder dem Verkehrsaußendienst angesprochen, reagieren diese teilweise mit abwertenden Reaktionen oder Ignoranz. Regelmäßige Kontrollen haben bisher keine Verbesserung der Situation in der Rubensstraße ergeben“, hieß es in der Vorlage. Insbesondere im Bereich der Rubensstraße sei es deswegen immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen, wenn Elterntaxis die Schulwege kreuzten.

Weitere Schulstraßen könnten folgen

Eine vollständige Sperrung der Straße für Nicht-Anwohnerverkehr zur Erhöhung der Verkehrssicherheit war aus rechtlichen Gründen jedoch nicht möglich. Deshalb wurde nun alternativ die Schulstraße eingerichtet, in Form der aktuellen Beschilderung, die die Einfahrt nur zeitweise verbietet. Der Effekt ist der gleiche: Faktisch handelt es sich damit bei der Rubensstraße während der entsprechenden Zeiten um keine allgemein nutzbare öffentliche Straße mehr.

Die Einrichtung der Schulstraße wird ausdrücklich sowohl von der Albert-Schweitzer-Schule als auch der Otto-Hahn-Schule begrüßt. Die nun vorgegebenen Zeiten wurden entsprechend abgestimmt. Elterntaxis sollen damit ausschließlich die Hol- und Bringzone auf dem Schotterparkplatz an der Rudolf-Harbig-Straße nutzen, die seit Jahren existiert, aber nicht wie erhofft von allen genutzt wird, um die eigenen Kinder zur Schule zu fahren. Dieser Kurzparkbereich befand sich ursprünglich näher an den Schulgebäuden, wurde jedoch zum Schotterparkplatz verlegt, weil er direkt auf der Barnestraße ebenfalls nicht wie vorgesehen funktionierte.

Sollte die Idee der zeitweisen Sperrung einer Straße in der Barne funktionieren, könnten weitere Schulstraßen in der Stadt Realität werden. Die Grundschule Großenheidorn oder die Oststadtschule wären die nächsten Kandidaten.

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Kommentare


  • Frau Lutz sagt:

    Die Straße zu sperren, ist auch keine Lösung. Es ist nunmal die heutige Zeit. Mütter gehen arbeiten und haben nicht noch Zeit vor der Schule die Kinder zu Fuß zu bringen und somit werden sie auf dem Weg zur Arbeit schnell rumgebracht. Alleine laufen in der heutigen Zeit, die leider nicht mehr sicher ist, fällt einfach vielen Eltern schwer. In den USA gibt es Busse für alle und nicht erst für Kinder die über 2km entfernt wohnen oder auch dort werden Kinder von Eltern bis zur Schule gebracht und von Schulassistenten abgeholt.

    • Anonym sagt:

      Genau so sehe ich das auch. Deutsche Politik kann ausschließlich verbieten und bestrafen.
      Deutsche Politik schafft keine Lösungen, sondern immer weitere Probleme.
      Jemand, welcher rücksichtlos bis vor die Schultür fährt, macht das vielleicht deswegen, weil er in der Rush-Hour eine vollkommen bekloppte Ampel-Schaltung durch die Wunstorfer Stadt bis zur Autobahn vor sich hat. Es ist eine einzige rote Welle, vollkommen unzumutbar und unverantwortlich und darüber hinaus auch nicht begründbar, da es ab 18 Uhr ganz anders geht. Exakt zu einem Zeitpunkt, wo eine grüne Welle kein Mensch mehr braucht! Was soll das?

      • Alfred sagt:

        Das erzählen sie mal dem Land Niedersachsen, das zentral die Ampelschaltung auf der Bundesstraße (ja, auch innerorts!) vornimmt. Ich wünsche frohe Verrichtung!

  • Anwohner Barnestraße sagt:

    Das ich nicht lache! Kein Elternteil wird bis zum Schotterparkplatz am Ende der Barnestraße fahren! Da wird sich wohl niemand die Reifen seines (geleasten (bewusst geschrieben)) Autos dreckig machen!
    Es wird dann einfach auf den Anwohnerparkplätzen geparkt und dann schreit das „ Ich bringe meine Kind zu Fuß zur Schule“ Ego ganz groß! Es wird dann ca 200 Meter vorher geparkt, der Roller aus dem Kofferraum geholt und los geht’s! Das erleben wir annähernd täglich! Ich begrüße die Sperrung der Rubensstraße ausdrücklich! Aber es wird dann der Elterntaxi Verkehr nur verlagert , was auch gewollt ist! Leidtragende sind die direkten Anwohner der Barnestraße! Mehr Verkehr, mehr Stau, mehr Aggressivität! Und es wird keine 30 km/h gefahren, weder Elterntaxis noch Busse!!!
    War da noch auch mal ein Parkverbot auf der rechten Seite Richtung der Schulen gedacht? War nicht mal 7 bis 14 Ihr im Gespräch?

  • Anonym sagt:

    Ich würde die gesamte Barne für den Auto- und Motorradverkehr komplett sperren. Für alle, damit sich das alles mal beruhigt. Dort würde ich auch als Allererstes die Gasleitungen aus dem Boden reißen, damit man mal bewundern kann, was das im Winter für Auswirkungen hat und ich würde das gesamte Gebiet zur 15 Minuten-Zone erklären. Natürlich nur mit Zulieferverkehr im Lastenfahrrad, versteht sich.

  • Anonym sagt:

    „Anwohner, die gemäß Schild bei Vorliegen einer Ausnahmegenehmigung weiterhin zu Parkplätzen und Einfahrten gelangen dürfen, sollten die entsprechende Erlaubnis bereits erhalten haben: Mittels Hauswurfsendung war die kostenlose Ausnahmegenehmigung verteilt worden.“

    Dann scannen wir durch die Autoscheibe die Ausnahmegenehmigung und legen sie bei uns ins Auto. Wer kontrolliert dies bitte?

    „Auch Lehrer … erhalten Ausnahmegenehmigungen.“
    Warum? Die Lehrer haben den exakt gleichen Weg zur Schule wie die Kinder. Warum gibt es dann für Lehrer eine Ausnahmegenehmigung?

    Letzte Frage:
    Ist die Stadt in irgendeiner Weise haftbar, wenn ein Schulmädchen auf dem Schulweg vergewaltigt wird. Okay – ich weiß – natürlich nicht. Ich habe nur für einen Freund gefragt…

  • B. sagt:

    „Es ist einmal die heutige Zeit“.
    Pardon, aber ich frage mich manchmal, ob diese Argumentation das Problem verstopfter Straße durch Helikopterschulbringer rechtfertigt.

    Die Kids an diese „heutige Zeit“ zu gewöhnen, um sie für das Leben stark zu machen, ist eine eher die Straßen beruhigende Lösung.

    Es mag hart klingen, ist aber so.

    Vielleicht spielt der Umweltschutz bei Vielen keine besondere Rolle, Autofahren für jeden Zweck, mal eben für ein Brot zum Lidl, Hash Cash die Sonderangebote am Montag und Donnerstag, vollgestopfte Parkplätze.

    Ja, ja, die Elternberufstätigkeit, mal eben schnell noch zur Schule, die Zeit ist knapp, sie drängt. Eine staatlich gemachte Pein oder Egoismus? Oder eine Illusion vom schönen Leben?

    Und in Hannover fahren schon Grundschulkinder mit der Stadtbahn!

    Ist es old school, wenn da irgendwo Gedanken aufkommen, dass es auch anders geht?

  • Norbert R. sagt:

    Was ist mit Taxen, die zu ihrem extra eingerichteten Platz wollen, um kranke Schulkinder abzuholen?
    Ein Zusatzschild „Taxen frei“ müsste installiert werden!

  • FK sagt:

    Ich halte das für absolut richtig und hoffe, dass die Stadt auch noch weitere Straßen sperren wird! Das ist für die Kinder wirklich gefährlich wenn Autos die Straßen versperren und dann rücksichtslos fahren!

  • frd sagt:

    Tolle Aktion, sorgt doch lieber für kostenloses Busfahren und nicht erst ab 2km. Räumt den Schnee von den Geh und Radwegen, das passiert ja auch nur laienhaft. Und baut vernünftige Radweg die breit genug sind. Wenn da endlich mal passiert dann gibts auch weniger Elzerntaxis.

  • Ralf Buchholz sagt:

    Es ist nur noch widerwärtig wie diese Helikoptermütter reagieren.die kinder sind doch nicht mehr in der am Straßenverkehr teilzunehmen

  • Elterntaxifahrer aus Verzweiflung sagt:

    Diese bösen, und rücksichtslosen, Eltern.
    Nur mal angenommen, bitte nicht lachen, wir hätten einen funktionierenden ÖPNV.
    Damit meine ich z.B. Busse die so groß sind, dass alle mitfahren könnten (jetzt muss ich selber lachen)….
    Wenn lediglich an den Symptomen gearbeitet wird passiert immer das gleiche.

    • Anwohner Barnestraße sagt:

      Oh mein Gott… ich kann mir den Bauch vor Lachen nicht halten! Echt jetzt? Aus Verzweiflung? Der ÖPNV in Wunstorf funktioniert! Was möchten Sie? Doppeldecker Busse wie in Berlin oder London? Wenn nur halb so viele Elterntaxis die Barnestrasse befahren würden dann würden die Busse auch durchkommen! Teilweise habe die Eltern nur ca 400 Meter zur Schule und werden doch gefahren!!! Und so weit kann keiner woher kommen um in diese Schulen zu gehen! Schlafen bis 5 vor 8 und dann schnell zur Schule… mit Mama Taxi….aus Verzweiflung… oh mein Gott…..!

  • Anonym sagt:

    Ich find das ist eine gute Idee

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