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Gefährliche Schutzstreifen: Radfahrer werden in Wunstorf nun noch deutlicher an den Bordstein gedrängt

06.06.2023 • Daniel Schneider • 3 Min.Kommentare: 18

Eigentlich sollen Schutzstreifen auf Fahrbahnen der Sicherheit von Radfahrern dienen. In Wunstorf wird mit ihnen stellenweise das Gegenteil erreicht: Radfahrer werden zu dicht an Bordsteine gelenkt. Die Idee des Schutzstreifens wird zur Farce.

06.06.2023
Daniel Schneider
3 Min.
Die neuen Markierungen an der Netto-Kreuzung – Sicherheitsbewusste Radfahrer fahren zu Recht nicht darauf, sondern neben ihnen. Stattdessen fahren Autos darauf, obwohl ausreichend Platz auf der übrigen Fahrbahn wäre | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Nach dem Neueinfärben der Fahrradspuren im Kreuzungsbereich von B441 und Düendorfer Weg wurde nun auch an anderer Stelle in der Kernstadt neue Farbe verteilt: Seit heute sind etwa auch die Spuren im Kreuzungsbereich an der „Netto-Kreuzung“, wo sich Düendorfer Weg und Barnestraße schneiden, in der Nähe des „Barnetunnels“ frisch markiert.

Bislang waren die Markierungen für Radfahrer nur durch weiß gestrichelte Linien und Fahrradpiktogramme markiert. Das leuchtende Rot lenkt auch hier die Aufmerksamkeit nun stärker auf die Radspuren, genauer gesagt die Radschutzstreifen. Denn anders als echte Radspuren dürfen Fahrbahnmarkierungen wie diese auch vom Kraftfahrzeugverkehr befahren werden, zum Beispiel beim Ausweichen im Begegnungsverkehr. Rechtlich haben Radschutzstreifen darüber hinaus vor allem Auswirkungen auf den ruhenden Verkehr: Auf ihnen darf nämlich nicht gehalten oder geparkt werden.

Themenschwerpunkt: Radfahren in Wunstorf

Diese Markierungen haben daher überwiegend hervorhebende und empfehlende Wirkung: Autofahrer sehen dadurch, wo sie mit Radverkehr rechnen müssen, und Radfahrer sehen, wo sie idealerweise fahren sollten. Zumindest in der Theorie.

Markierte Spuren für Radfahrer gefährlich

Gerade darauf kann man sich als Radfahrer jedoch nicht immer verlassen, das zeigt nun ausgerechnet das Wunstorfer Beispiel: Das leuchtend frische Rot an der Netto-Kreuzung lässt auf einmal deutlich sichtbar werden (weil der Rinnstein nicht mit angemalt wurde), dass die Schutzstreifen im Kreuzungsbereich in der Realität tatsächlich viel zu schmal dimensioniert sind. Der Streifen wirkt an dieser Stelle wie abgebissen.

Fahrradfahrer, die sich an diese Empfehlung halten, werden so nah an die Fahrbahnrinne geführt, dass schon bei kleinen Unachtsamkeiten eine Kollision mit dem Bordstein oder ein Fahren in den Gully droht. Bereits die Kante zwischen Fahrbahndecke und Rinnstein wird bei dünnen Reifen zur Sturzgefahr. Die Mindestbreite des Streifens von 1,25 Metern wird hier nur erreicht, weil der Rinnstein miteinbezogen wurde. Das jedoch ist nicht der Sinn von sicheren Spuren für Radfahrer.

Im Bereich der Netto-Kreuzung kommt hinzu, dass Radfahrer stadteinwärts genau in Richtung der querenden oder abbiegenden Autos gelenkt werden, die sich zur besseren Sicht in die Kreuzung hineintasten. Der Schutzstreifen zielt somit praktisch oft direkt auf die Motorhauben der wartenden Fahrzeuge.

Radfahrer werden an den Rand geleitet, statt den nötigen Sicherheitsabstand zu halten – und in den querenden Verkehr gelenkt | Foto: Daniel Schneider

Rechtlich betrachtet müssen Radfahrer den Schutzstreifen aber auch nicht befahren, es gilt lediglich das normale Rechtsfahrgebot. Auch Überholen anderer Radfahrer ist erlaubt. Sind die Fahrbahnverhältnisse auf dem Schutzstreifen nicht zumutbar, dürfen Radfahrer auch links neben ihnen fahren. Das ist auf den gezeigten Bildern schon von vornherein der Fall. Als guter Mindestabstand zum Fahrbahnrand gilt die Entfernung von mindestens einem Meter. Damit würde man auf der Barnestraße in diesem Bereich tatsächlich durchgehend links neben dem Schutzstreifen landen.

Das sagt das Verkehrsrecht zu Schutzstreifen: Fahrzeugführer dürfen auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren, insbesondere um dem Gegenverkehr auszuweichen. Der Radverkehr darf dabei nicht gefährdet werden. Auf durch Leitlinien markierten Schutzstreifen für den Radverkehr darf nicht gehalten werden. Fahrräder selbst dürfen halten, auch Elektrokleinstfahrzeuge im Sinne der eKFV.

Dennoch könnten sich Fahrradfahrer dazu gedrängt sehen, auf den nun noch auffälligeren Spuren zu bleiben – und würden sich damit selbst in Gefahr bringen, zu stürzen. Die Idee zum verbesserten Radfahrerschutz verkehrt sich dadurch ins Gegenteil. Wenn dann regelmäßig auch noch Autos die freizuhaltenden Schutzstreifen befahren oder gar blockieren, wird die Sache zur Farce.

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Kommentare


  • wunstorfer sagt:

    Wieder typisch #WTF

  • Grit D. sagt:

    Hervorragendes Beispiel für „Gut gedacht, doch schlecht- ganz schlecht gemacht“…

  • Basti g. sagt:

    Früher gab es keine roten Streifen und haben alles überlebt

    • Lars Schmidt sagt:

      Schon mal vom Überlebenden-Bias gehört?

      All diejenigen, die es nicht überlebt haben (und das sind tausende), können nicht kommentieren und werden deswegen nicht repräsentiert.

  • Silvio sagt:

    Genau an der Kreuzung wurden wir mit Lastenrad und mit Kinder durch einen silbernen AudiA3 bedrängt! Extra beschleunigt und dann gefühlte 30cm vorher abzubremsen!
    Als Dankeschön gab es dann den bösen Finger von der Fahrerin! Mal abwarten was sonst noch so passiert in „WTF“!?

  • Brigitte sagt:

    Ich weiß nicht, warum hier wieder alles so negativ dargestellt wird. An der Breite des Radstreifens hat sich offenbar nichts geändert. Es ist nur rote Farbe drauf gekommen.

  • Mad Max sagt:

    Am besten die ganze Fahrbahn rot anmalen, scheint ja genug Geld da zu sein! Für Autos etc. komplett sperren damit die Fahrrad Stadt Wirklichkeit wird… Die verbliebenen Geschäfte schließen dann auch noch in der Innenstadt!

    • Elke sagt:

      Wie jetzt?
      Geschäfte in der Innenstadt schließen, weil es Radfahrern ein Stück weit sicherer gemacht wird, dort hin zu gelangen?
      Schonmal wahrgenommen, wie viele Räder in der Innenstadt stehen, während die Radler dort konsumieren?

    • Elke sagt:

      Wie jetzt?
      Die Innenstadt leidet, weil das Radfahren ein kleines bißchen sicherer gemacht wird?
      Ist das so zu verstehen? Ist eigentlich klar, wie viele Konsumenten mit dem Rad die Innenstadt aufsuchen?

      Manche Kommentare hier……

  • SA sagt:

    Guckt euch Bokeloh an. Komplette Katastrophe. Diesen Streifen willkürlich auf den Asphalt gemalt.

  • Manschli sagt:

    Schwachsinn der Extraklasse, Hirnverbrannt sowieso & sinnlos verpulvertes Geld

  • centrodelmargine sagt:

    Man muss BRIGITTE zustimmen. Es hat sich eigentlich nichts geändert. Jetzt ist die Schummelei mit dem eigentlich unmöglichen Radschutzstreifen nur rot auf grau zu besichtigen. Ich frage aber, was die Leute, die „Schwachsinn!“ rufen, für eine andere Vorstellung haben. Sollen die Radfahrer halt wegbleiben oder zusehen, wie sie überleben? Die rote Markierung macht unübersehbar aufmerksam, dass hier auch (!) Fahrräder fahren dürfen. Allerdings werde ich instinktiv in der Mitte der Kreuzung auch nicht auf der roten Fläche an den Motorhauben vorbeischrammen wollen. Daniel Schreiber ist auf jeden Fall für seinen einleuchtenden Artikel zu danken.

  • Katja sagt:

    Ich finde es nicht anders als sonst, nur das der Streifen jetzt rot ist. Fahre jeden Tag mehrmals täglich da lang.

  • Berndt Günther sagt:

    Die „Rot“ markierten Fahrradstreifen gab es im Verlauf der Barnestraße bereits vor vielen Jahren! Nur die Farbe hielt nicht lang. Gib es neue Erfahrungswerte?

  • Radstreifengegner sagt:

    Zur Verkehrsordnung: Ihre Angabe zum Überholabstand mit 1 m ist falsch!!! was auch zu anderen Aussagen hätte führen müssen!
    Der Abstand von überholendenden Autofahrern zu Radfahrern soll mindestens 1,50 innerorts und außerorts 2:00 m betragen.
    Mit dem Streifen glauben die Autofahrer diese Vorschrift mit dem Mindestabstand nicht mehr einhalten zu müssen, orientieren sich an der weißen Linie und überholen fast überall viel zu eng!!! Die Streifen in der Barne Strasse müßte sofort beseitigt werden.
    Damit ist die angemalte vermeintliche Sicherheit ins Gegenteil verkehrt.
    Es mag gut gemeint zu sein, ,,, die Wirkung ist ein Sicherheitsverlust und einfach eine Steuergeldverschwendung!!
    Mit den beiden Bike towern haben wir schon ein weiteres Beispiel von Geldverschwendung. In Holland funktionieren diese Systeme schon seit Jahren!!
    Wenn man 5 Autoparkplätz mit Dach versehen und umgewidmet hätte, dann hätte man es sogar in Wunstorf mit einfacher Technology allein hinbekommen.

    Aber in dieser Stadt ist es wir im Großen: Radfahren in der Fußgängerzone wurde wegen weniger SPD Senioren von der SPD abgeschafft, obwohl die Polizei und Verwaltung keinen Handlungsbedarf sahen und keine Auffälligkeiten feststellen konnten.
    Die auto-orientierte Werbegemeinschaft hat immer noch nicht begriffen, dass wir Radfahrer auch in unsere Autos steigen könnten, um anderorts einzukaufen.

    Grüße eines seit Jahrzehnten frustrierten Wunstorfer Radfahrers.

    • Wunstorfer Auepost sagt:

      Die Abstandsangabe hatte nichts mit Autofahrern zu tun, es geht an dieser Stelle im Text um den Abstand, den Radfahrer selbst zum Fahrbahnrand halten. Kraftfahrzeuge haben unabhängig davon größere Abstände zu Radfahrenden einzuhalten.

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