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Gefahr am Hohen Holz: Radfahrer stürzen über Straßenschwellen

01.08.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1062

Gefährliche Falle für Radfahrer: An den Straßenschwellen am Bahnübergang Hohes Holz hinter der „Obi-Kreuzung“ stürzten am Wochenende unabhängig voneinander gleich zwei Radfahrer – einer davon schwer. Womöglich wird die Höhe der künstlichen Hindernisse falsch eingeschätzt – oder werden sie nicht richtig wahrgenommen?

01.08.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 1062
Schwelle vor dem Bahnübergang | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Sie sollten mehr Sicherheit bringen für die Verkehrsteilnehmer, die sich bislang dem Bahnübergang am Hohen Holz zu schnell näherten, weil sie dort nicht mehr mit regelmäßigem Zugverkehr rechneten – unter anderem gelbe Schwellen verlangsamen dort nun den Verkehr.

Denn die Kleinbahnstrecke nach Bokeloh wurde in den vergangenen Jahren tatsächlich eher unregelmäßig befahren. Das hat sich inzwischen geändert, Kesselwagengüterzüge verkehren in dichterem Takt zum ehemaligen Bergwerk Sigmundshall, um die alten Stollen mit Salzwasser zu verfüllen. Prompt geschah der erste schwere Unfall, ein Zug rammte einen auf den Bahnübergang gefahrenen Kombi.

Höhe der Schwellen kann unterschätzt werden

In der direkten Folge wurden weitere Warnschilder und Markierungen am Bahnübergang installiert und Bodenschwellen auf dem Asphalt verankert, die den mehrachsigen Verkehr unmittelbar vor dem Bahnübergang zum Verlangsamen zwingen sollen. Zusätzlich wurden Betonquader bzw. Poller aufgestellt, um das Umfahren dieser Schwellen über den Fahrbahnrand oder den Gehweg zu unterbinden. Doch die gelben Schwellen, die Unfälle am Bahnübergang künftig verhindern sollen, werden nun selbst zur Gefahr – für Radfahrer.

Eine solche Schwelle brachte nachweislich bereits zwei Radfahrer zu Fall | Foto: Daniel Schneider

Mittlerweile scheint sich durch die Sicherheitsmaßnahme eine neue Gefahr zu manifestieren: Was von Autofahrern, die z. B. zur Waldgaststätte Alten’s Ruh unterwegs sind, nur als lästig empfunden wird, weil die Schwellen relativ steil ausgeführt sind und dadurch tatsächlich zum starken Abbremsen zwingen, wird zur Falle für Fahrradfahrer, die die Strecke zum Wald wohl noch häufiger nutzen als der motorisierte Verkehr. An diesem Wochenende kam es gleich zu zwei Unfällen, bei denen sich Radfahrer verletzten.

Zu steil oder zu schwer erkennbar?

Zweiräder müssen die gelben Bodenschwellen zwar nicht überfahren, sondern können sie – anders als Autofahrer – seitlich umkurven, doch werden die Schwellen offenbar nicht immer rechtzeitig wahrgenommen oder aber in ihrer Wirkung unterschätzt. Dabei wird mit Warnschildern frühzeitig auf die Unebenheiten hingewiesen, neben der Warnung vor Unebenheiten ist auch noch ein allgemeines Gefahrenzeichen unmittelbar vor den Schwellen und Betonflanken aufgestellt. Die Schwellen selbst glänzen in Signalgelb.

Auch Radfahrer können die Bahnstrecke schlecht einsehen, können den Bahnübergang aber in höherer Geschwindigkeit passieren als Autos, indem sie einfach an den Schwellen vorbeifahren | Foto: Daniel Schneider

Weitere Zusatzschilder, die direkt auf die offenbar erhöhte Sturzgefahr für Zweiradfahrer hinweisen oder das Ausweichen empfehlen, gibt es jedoch nicht. Die Beschilderung der Geschwindigkeitsbegrenzung, die an dieser Stelle 20 km/h Höchstgeschwindigkeit erlaubt, könnte ebenfalls tückisch wirken: Wer als Radfahrer mit dieser Geschwindigkeit über die Schwellen fährt, statt daran vorbeizufahren, demoliert sich im besten Fall die Felgen – und stürzt offenbar im schlimmsten Fall. Für Radfahrer, die sich aus Richtung Senator-Kraft-Straße nähern, fehlt überdies ein Hinweis auf die Unebenheit – die Schwellen sind beim Abbiegen dann erst spät erkennbar. Für schneller fahrende Radfahrer, die sich auf den möglichen Zugverkehr konzentrieren, womöglich zu spät.

Zwei Stürze am Wochenende

Dass es sich nicht nur um eine theoretische Gefahr handelt, zeigten zwei Unfälle am zurückliegenden Wochenende: Am Samstagabend gegen 20.15 Uhr stürzte ein 24-jähriger Fahrradfahrer aus Hannover über eine der Anti-Geschwindigkeits-Schwellen. Trotz des getragenen Fahrradhelmes verletzte er sich am Kopf. Ein Rettungswagen brachte den Radfahrer zur Behandlung ins Krankenhaus.

Auf der Nordseite werden Fahrzeuge gleich durch zwei Schwellen, auf der Südseite des Bahnübergangs durch eine Schwelle ausgebremst | Foto: Daniel Schneider

Etwas glimpflicher verlief der Sturz eines Jugendlichen am gestrigen Sonntagnachmittag, obgleich er ohne Helm unterwegs war. Gegen 17.30 Uhr hatte der Wunstorfer die größere der Schwellen übersehen und war mit seinem Rad bei mittlerer Geschwindigkeit leicht schräg auf das künstliche Hindernis aufgefahren. Das Rad rutschte seitlich weg, der Radfahrer kam mit einer Körperseite auf der Fahrbahn auf, konnte sich in der Drehung aber mit den Händen etwas abfangen, so dass der Kopf nicht auf die Fahrbahn prallte – und trug nur Schürfwunden davon. Nach einem Moment der Benommenheit setzte er seine Fahrt fort.

Auf Autos zielend

Sollte Letzteres bereits öfter geschehen sein, gäbe es eine Dunkelziffer an Fahrradunfällen an dieser Stelle – und der Bahnübergang mit den erweiterten Sicherheitsmerkmalen wäre womöglich viel unsicherer, als den Verantwortlichen derzeit bewusst ist. Darüber hinaus ergibt sich noch ein weiteres Problem für Zweiradfahrer, die am Bahnübergang die Schwellen einfach an der Seite passieren können und damit nicht gezwungen sind, die Geschwindigkeit zu verringern – sie könnten bei Unachtsamkeit ebenfalls von einem plötzlich auftauchenden Güterzug erfasst werden.

von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Wunni sagt:

    Ich meine da sollte man den Fehler nicht bei dem sehr gut beschilderten Bahnübergang suchen, sondern eher die Eignung der Radfahrer am Straßenverkehr teilzunehmen infrage stellen.

  • Birgit sagt:

    Die Absicherung eines Bahnüberganges durch Kennzeichnung der Gefahr ist hier gegeben. Würde man im gesamten Deutschland jeweis Hindernisschwellen anbringen lassen, damit jeder „merkt“, dass „da ein Zug durchfährt“, würden sich sicherlich viele Autofahrer beschweren, und das mit Recht.

    Also: Augen auf im Straßenverkehr. Das gilt auch für Radfahrer. Vielleicht ein wenig langsamer gefährdende Stellen passieren?

    Und der Hinweis auf die evtl. Geschhwindigkeitsmarge: Eigentlich unnötig bei verkehrsbewusstem Auto- und Radfahren. Meine Güte, wo leben wir eigentlich?

    Es gibt Hinweise durch Beschilderung, gut erkennbar und vorgeschrieben. Also?

  • Wunstorfer sagt:

    Ich fahre dort auch regelmäßig lang, würde aber nie auf die Idee kommen mit dem Fahrrad über die -meiner Meinung nach sehr gut erkennbaren- Schwellen zu fahren. Da fährt man als Radfahrer einfach drum herum…

  • Dieter Bückmann sagt:

    Ein wenig bin ich irritiert, ist doch auf beiden Seiten der Strassenschwellen reichlich Platz, um vorbei zu fahren.
    Kann es sein, das die Radfahrer glauben man müsse darüber hinwegfahren?

  • Gilbert (Gast des Ortsrats) sagt:

    Das sind einfach nur unaufmerksame Radfahrer/ innen gewesen. Die für Kraftfahrzeuge gedachte Geschwindigkeitsberuhigung hätte auch von diesen problemlos umfahren werden können. EINFACH NUR DÄMLICH. AUGEN AUF !!! SELBST SCHULD ! KEIN MITLEID !!!

  • Birgit sagt:

    Man muss es nicht unbedingt gut finden, dass anscheinend die Fahrradfahrer – gleich, welcher Klientel auch immer – anscheinend auf Rosen gebettet werden. Es gibt absolut rücksichtslose Radler, die ein schier spektakuläres Radrennen mit den hinter ihnen im Schritttempo fahrenden Autohaltern betreiben, und quasi ein Überholen unmöglich ist. So geschehen vorgestern in Hagenburg. Kein Vorbeikommen der Autoschlange am wild strampelnden Normalfahrradfahrer, der wohl glaubte, die Tour de France ist auch im Schaumburger Land ansässig. Auch die bösen Blicke mancher Kolonnen, wenn man in der Bleihenstraße, Steinhude, doch an ihnen vorbei MUSS. Es heißt immer, die guten Radfahrer, umwelt- und ökobewusst, und es wird vergesen, dass höchstwahrscheinlich von Denen 70 Prozent nur Freizeitfahrer sind und keine Autoeinsparer. Und nohmals zu den Schwellen: Könnte es nicht sein, dass diese auch als Kick betrachtet werden für Mountainbike und Co.? Pardon, soll keine Wertung sein, eher eine Feststellung.
    Man lebt hier ein Fahrradaufkommen, wo manchmal die Frage auftaucht nach einer Verkehrssicherheit überhaupt. Sie kommen von rechts, sie kommen von links, Kolonnen, nebeneinanderfahrend. Und für Fußgänger durch Klingelvermeidung oder Nicht-Auf-Sich-Aufmerksam-Machen manchmal gefährlich. Man hört sie nicht, sie rauschen schier lautlos heran.
    Nur eine Anmerkung, nichts gegen Radler, die es AUCH wegen der Umwelt tun. Aber nicht immer ständige Weichspülerei für solche, die wirklich ein Verkehrshindernis darstellen. Und ein bisschen Rücksichtnahme. Und Radrennerei ist nun mal keine.

    • G. Taro sagt:

      In seine Sendung „Tegtmeiers Reisen“ griff Jürgen von Manger zum Ende der Sendung immer zur Gitarre und sang: „Was man nicht selber weiß, das muss man sich erklären“. Und was bei diesen Selbsterklärungsversuchen herauskommen kann, ließt man in Ihrem Beitrag: Es lebe das Vorurteil, es triumphiert die Unkenntnis über das Geschehene.
      „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ – „Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.“ (Boëthius). So haben Sie sich ins Abseits geplappert.

    • Tom Netzwerker sagt:

      Das sind die radfahrenden Autofahrer/innen, für die das Setzen des Blinklichtes vor dem Abbiegen nach der Führerscheinprüfung als Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden wird.

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