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Leine und Westaue in Wunstorf: Woher kommt auf einmal das ganze Wasser?

05.01.2024 • Redaktion • Aufrufe: 11033

Woher kommt aktuell all das Wasser, das Wunstorf zur Hochwasserkommune macht? Wie lange braucht das Harzwasser bis hierher? Und kann das Steinhuder Meer überlaufen? Ein Blick auf die unterschiedlichen Hochwasserursachen, die alle miteinander verwandt sind.

05.01.2024
Redaktion
Aufrufe: 11033
Überlaufturm der Innerstetalsperre (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Die vergangenen Jahre waren in Wunstorf eher von deutlicher Trockenheit und Hitzesommern geprägt, und nun kommt auf einmal das Wasser wie bei einer Alpenschneeschmelze in die Stadt, obwohl nicht einmal Schnee lag? Woher kommt denn eigentlich das ganze Wasser, das derzeit die Westaue und die Leine über die Ufer treten lässt und die Felder überschwemmt? Steigt in der Kernstadt das Wasser ebenfalls, wenn die Leine Hochwasser hat? Und warum läuft das Steinhuder Meer nicht ebenfalls über?

In Zeiten großflächiger Überschwemmungen geraten derzeit die Dinge manchmal etwas durcheinander, denn wie hoch das Wasser in Idensen, Bokeloh, Blumenau, Luthe, Steinhude oder sonst wo in Wunstorf steht, hat teils ganz verschiedene Ursachen. Allen gemeinsam ist nur eines: es hat mit zu viel Regen zu tun.

Die Leine

Wasser aus dem Harz hat Anteil am Leine-Hochwasser, aber nicht ausschließlich. Okertalsperre und Innerstetalsperre waren zuletzt in den Schlagzeilen, hier musste Wasser abgelassen werden bzw. die Notüberläufe waren infolge des hohen Füllstandes bereits erreicht. Die Entlastung der Talsperren führt dazu, dass entsprechend mehr Wasser in die dahinterliegenden Flüsse gelangt. Doch nicht alle Talsperrenauslässe führen auch in die Leine und damit in die Region Hannover. Das Wasser der Okertalsperre fließt etwa über die Oker Richtung Braunschweig und schließlich in die Aller, aber das Wasser der Innerstetalsperre gehört tatsächlich zum Gewässersystem der Leine. Was dort durch die Talsperre geschickt wird, landet nach einer Weile dann tatsächlich in der Leine, und damit auch in Wunstorf. Das Wasser aus der Innerstetalsperre braucht dabei rund zweieinhalb Tage, bis es hier ankommt.

Die Leine bei Luthe überschwemmt Straßen, Felder und Wiesen | Foto: Deppe/Dombrowski

Als direkte Ursache und Wirkung darf man sich das Ganze aber nicht vorstellen, denn es passiert noch viel mehr auf dem Weg hierher: Weitere Quellen münden vorher in die Leine, und so kommt es auch darauf an, wie viel Regenwasser zusätzlich in den Fluss gelangt und wie stark andere Zuflüsse bereits angewachsen sind. Außerdem verteilt sich das Wasser auf dem Weg hierher durch Überschwemmungen der Ausweichflächen oder wie jetzt bei Überflutungen stark – ein Ablass an der Innerstetalsperre sorgt daher für einen messbaren Anstieg der Wassermassen in den Flüssen, führt aber nicht eins zu eins zu einem entsprechenden Pegelanstieg an weiter entfernten Orten.

Talsperren wie die Innerstetalsperre dienen vor allem dem Hochwasserschutz, aber z. B. auch der Stromerzeugung und stauen das Wasser zu einem großen künstlichen See an. Wird die Talsperre zu voll, wird Wasser kontrolliert stärker in den Fluss Innerste abgelassen, der in die Leine mündet. Ein Überlaufturm im Stausee verhindert, dass die Talsperre selbst überschwemmt werden kann: Auch ohne manuelles Eingreifen würde das Wasser bei einer zu vollen Talsperre dann - ähnlich wie bei einem Überlaufschutz eines Waschbeckens - über ein Rohr unter der Talsperre hindurch ebenfalls auf die andere Seite der Staumauer in den Fluss geleitet.
Innerstetalsperre bei Langelsheim im Harz (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Die Westaue

Die Westaue ist dagegen ein Fall für sich: Mit der Leine hat der größte Fluss durch die Wunstorfer Innenstadt nichts zu tun, auch nicht mit dem Wasser aus dem Harz. Zumindest bis Wunstorf. Erst hinter der Stadt fließt das Westaue-Wasser ebenfalls in die Leine. Doch bis hierhin hat die Westaue noch keinen Harz- oder Leinewasserkontakt gehabt. Das Wasser der Westaue kommt aus der Sachsenhäger Aue. Auch die Rodenberger Aue gibt ihr Wasser an die Westaue weiter.

Westauewiesen
Im trockenen Sommer ist die Westaue mitten im Grün kaum zu sehen …
… jetzt reicht das Wasser bis an die Deiche | Fotos: Daniel Schneider

Die Westaue bekommt ihr Wasser daher vor allem aus den Rehburger Bergen, aber auch aus dem westlichen Deister und aus Richtung Bückeberg – Quellwasser und Regenwasser. Das Wasser der Südaue wird ebenso in die Westaue geführt. Der bestimmende Faktor sind hier also die Niederschläge: Nehmen die Auen sehr viel Wasser aus ihren Einzugsgebieten auf, steigt der Pegel der Westaue sprungartig. Üblicherweise ist das nach Schneeschmelzen im Frühjahr der Fall, aber langanhaltende Starkregenfälle haben denselben Effekt, wie die vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt haben. Der Effekt ließ sich in den vergangenen Tagen bei weiterhin gesättigten Böden noch einmal genau beobachten: Als es nach kurzer Verschnaufpause wieder ergiebig regnete im Schaumburger Land, reichte die Westaue in Wunstorf kaum 12 Stunden später erneut an die Deiche heran.

Vereinfachte Darstellung der Einzugsgebiete: So kommt das Flusswasser nach Wunstorf. (Unten rechts die Innerstetalsperre) | Illustration: Auepost; Kartenmaterial © OpenStreetMap-Mitwirkende unter ODbL-1.0-Lizenz

Idenser Graben und Steinhuder Meer

Luthe oder Blumenau haben mit Überschwemmungen durch Flusswasser zu kämpfen, aber überhaupt nichts mit Flüssen zu tun haben dagegen die entstandenen Wasserflächen in Idensen, Steinhude, Kolenfeld, Bokeloh oder Mesmerode: Hier ist es die Bodenbeschaffenheit, die das Wasser der starken Regenfälle einfach nicht mehr weiter aufnehmen kann. Normalerweise würde es versickern, doch die Böden können kein weiteres Wasser speichern. So bilden sich an der Oberfläche von Feldern und Wiesen nach langem Starkregen die jetzigen Seen. Die dortigen Wasserläufe und Gräben verschärfen die Lage nicht, im Gegenteil, sie transportieren Wasser ab in die Westaue.

Hochwasser rund um den Kaliberg | Foto: Deppe/Dombrowski

Auch das Steinhuder Meer hat lediglich Regenwasser zu verkraften, denn es gibt keine großen Flüsse, die in den Flachsee münden. Westaue und Leine machen einen Bogen um das Steinhuder Meer. Die einzigen natürlichen Zuläufe entspringen kleineren Quellen in der Nähe – und die transportieren bei größeren Regenfällen keine bedeutend größeren Wassermassen und haben somit keinen entscheidenden Effekt auf das Gewässer.

Vor allem das Beispiel Innerstetalsperre zeigt: Auch weit entfernte Ereignisse können den Wasserstand der Flüsse auch in Wunstorf beeinflussen. Letztlich ist es aber genau genommen nur Regenwasser, das vor allem von zwei Flüssen über lange Strecken gesammelt wird und nun geballt in der Stadt ankommt und zu Hochwasser führt. Neben dem Regenwasser, das sich auch ganz ohne übertretende Flussläufe auf vielen Flächen in der Stadt sammelt.

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Kommentare


  • Maren S. sagt:

    Zitat „Doch nicht alle Talsperrenauslässe führen auch in die Leine und damit in die Region Hannover. Das Wasser der Okertalsperre fließt etwa über die Oker Richtung Braunschweig und schließlich in die Aller, aber das Wasser der Innerstetalsperre gehört tatsächlich zum Gewässersystem der Leine.“

    Auch Wasser, dass nicht direkt in die Leine, sondern in die Aller fließt, wird die Abflussgeschwindigkeit der Leine direkt beeinflussen, das Hochwassergeschehen nachhaltig negativ beeinflussen, da die Leine in die Aller fließt.
    Wenn deren Wasserstand steigt, sinkt die Abflussgeschwindigkeit der Leine und damit auch die der Aue.

    • Karl W. sagt:

      Richtig! Exakt so stellt sich die Sachlage dar!
      Schon ab Sommer, in dem man ständig von angeblicher „Tiefendürre“ sprach, hat man die Talsperren dem widersprechend, mit offensichtlich reichlich verfügbarem Wasser deutlich über Normal für diese Jahreszeit gefüllt.
      Dabei hat man das wichtige Ziel des Hochwasserschutzes solcher Talsperren hintenangestellt.
      War das angemessen?
      Heute redet man sich damit heraus, dass man Wasser hat sparen wollen.
      Fakten jahrelanger Statistiken und Messungen widersprechen dem.
      Nun ist zu klären, ob innerhalb dieses Versagens der auch mögliche Vorsatz auszuschließen ist.

  • Semmler sagt:

    Für alle kleine Flüsse und Bäche sollten kleine / kleinste Rückhaltebecken (auch mehrere am Flusslauf) errichtet werden, die mehr Wasser aufnehmen,als wenn die Fläche als „reine“
    Überflutungsfläche wirken würde.
    Bei Bedarf wird die Schleuse geschlossen und somit werden dem “ großen“ Fluss geringerer
    Wassermengen zugeführt.
    Diese Retentionsmaßnahmen können die Lage punktuell entspannen.
    Mit diesen Vorschlägen und der Kombination mit anderen Maßnahmen habe ich leider bislang
    bei den Verantwortlichen kein Gehör gefunden.
    Auch in den Mittelgebirgen Harz,Solling, Ith,Elm,Deister wären solche Anlagen sinnvoll und nützlich für die umliegenden Täler.
    Wenn die kleinen Rückhaltebecken mit einer ferngesteuerten Schließeinrichtung versehen werden,kann dem Wetter entsprechend disponiert werden.
    So kann der Zufluss für den „großen“ beeinflusst werden.

    Es bleibt nur die Hoffnung, dass jetzt ein Umdenken einsetzt und entschlossen neue
    Maßnahmen umgesetzt werden.

    Der Neubau von Talsperren im Harz kann die Problematik alleine nicht verbessern.
    Auch in den Mittelgebirgen (Harz,Ith,Solling,Elm,Deister)

  • Semmler sagt:

    Letzten Satz bitte streichen.

  • Nanouk sagt:

    Meine Güte, wo kommt das viele Wasser bloß her?? Ah ich weis, da haben Riesen auf Alles gepinkelt!!! Merkt ihr Alle noch, was ihr da fragt, redet & schreibt?? Ich glaube nicht; denn wo das Wasser herkommt, ist doch klar: von dem vielen Regen!!! Wann wird endlich mal mit diesem Gejammer aufgehört?? Das es schlimm ist, keine Frage, aber was diese ollen Medien daraus heutzutage im 21 Jahrhundert machen, ist sooo……!!! Meine Güte, hört mit diesem Gejammer auf, geht lieber los & helft den Feuerwehren & Co beim Sandsäcke stapeln, anstatt ewig dieselbe Leier zu schreiben, herrgott nochmal, werdet erwachsen!!!

    • ZUGEROASTE sagt:

      Ich glaube eher nicht, daß der Artikel einem Gejammer gleicht. Ziemlich “ unglücklich “ ist die Wortwahl im Titel “ auf einmal“ , gebe ich gerne zu!

      Ansonsten fand ich den Bericht informativ und geographisch-hydrologisch interessant. Auch interessant ist es den Lesern klarzumachen, daß die Gräben eine wichtige Rolle spielen und gerade deshalb sorgfältig gepflegt werden müssen…

      Danke an den Berichterstatter. Mir hat der Artikel geholfen

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