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Nach Polizeieinsatz in Wunstorf: Kann man wirklich in einem Fitnessstudio gefangen werden?

27.07.2026 • Daniel Schneider • 3 Min.Kommentare: 0

Die Videoaufzeichnungen des Fitnessstudios zeigen: Was zunächst wie ein Fehler wirkte, der nicht passieren darf, stellt sich als schlichter Hausordnungsverstoß heraus – garniert mit etwas Unschlüssigkeit seitens der Kundschaft. Das geschah wirklich beim Training mit „hybriden Öffnungszeiten“ …

27.07.2026
Daniel Schneider
3 Min.
Zweifel zum Fitnessstudio-Geschehen in der Industriestraße | Bild: Auepost

Wunstorf (ds). Die Meldung vom Wochenende dürfte das ein oder andere Fragezeichen hinterlassen haben: Kann man als Trainierender wirklich einfach so in einem Fitnessstudio eingeschlossen werden nach Feierabend? Wieso merken die Mitarbeiter nicht, dass noch jemand da ist, und schließen einfach ab? Und gibt es da keine Notausgänge? Kann das wirklich sein?

Die Auepost sprach mit Geschäftsführer Marek Hellmig. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er mehrere Filialen des Fitnessstudios in der Region als Franchisenehmer. Mit dem Wunstorfer Studio in der Industriestraße hatte man vor 7 Jahren das Business begonnen – dort, wo es jetzt zu dem kuriosen Vorfall kam, der Schlagzeilen machte.

Plötzlich ist das eigene Studio in den Nachrichten

Hellmig wurde von dem Geschehen tatsächlich überrascht – und fiel aus allen Wolken, als er am Sonntagabend den Bericht über sein eigenes Studio entdeckte. Denn mit mutmaßlich nachlässigen Mitarbeitern hatte das Ganze überhaupt nichts zu tun – im Gegenteil.

Der Hintergrund: Es gibt sogenannte hybride Öffnungszeiten – eine Mischung aus Personalbetrieb und „Selbstbedienung“. Richtig ist, dass das Studio am Wochenende für die Kunden nur bis zum frühen Abend zur Verfügung steht – aber es gibt unabhängig davon eine Besonderheit: Den Trainierenden wird über eine elektronische Türsteuerung ermöglicht, auch dann noch weiterzutrainieren, wenn das Personal schon Feierabend hat.

Es gibt deshalb niemanden, der dort händisch absperrt, sondern eine Bonuszeitregelung: Wer zum Feierabend des Teams noch weitertrainieren möchte, muss sein Training nicht beenden, sondern kann weitermachen.

Öffnungszeiten zu sehr ausgereizt

Aber auch wer dann zum Ende der Öffnungszeiten – ohne Personal – nicht ganz fertig ist, kann das Gebäude in Ruhe verlassen. Dafür existiert auch extra ein Automatismus: Das Studio wird nicht schlagartig heruntergefahren, sondern es gibt einen großzügig bemessenen Zeitpuffer, in dem noch alles in Betrieb bleibt, erklärt Hellmig. So werde auch nicht etwa das Licht einfach ausgeschaltet, die Eingänge blieben für die aktiven Kunden benutzbar.

Doch auch diesen Extra-Zeitraum hatten die zwei Frauen aus Unkenntnis der Wochenend-Öffnungszeiten überschritten, und zwar um über eine Stunde. Aber selbst dann bleiben die Notausgänge natürlich geöffnet, niemand wird wirklich eingeschlossen im Gebäude. Nur die normalen Eingangstüren lassen sich dann aus Sicherheitsgründen nicht mehr einfach so öffnen.

Die Videoüberwachungsbilder des Fitnessstudios zeigen, was genau geschehen ist. Die beiden jungen Damen waren offensichtlich irritiert von der scheinbar überraschenden Schließung und hielten sich dann unschlüssig im Eingangsbereich auf. Den Hinweis auf die Notfallnummer, die dort ausgehängt ist für solche Fälle, sahen sie womöglich nicht – und trauten sich vielleicht auch nicht, den Notausgang einfach selbst zu öffnen.

Die verständigte Polizei half schließlich von außen, musste dafür aber auch keine Gewalt anwenden: Die eingesetzten Beamten machten die vermeintlich Eingeschlossenen letztlich auf den Notausgang aufmerksam, der dann auch normal benutzt wurde.

Niemand ruft an

Warum das mit dem Notfallkontakt nicht funktioniert habe, verstehen die Hellmigs allerdings nicht: Angerufen worden sei jedenfalls weder bei ihnen noch beim zuständigen Mitarbeiter vor Ort. Dabei liege sogar die Handynummer der Chefin bei der Polizei vor. „Weder wurde seitens der Polizei versucht, Kontakt mit uns aufzunehmen, noch wurde die im Studio gut sichtbar ausgehängte Notfallnummer eines Mitarbeiters genutzt“, sagen die Betreiber. „Aus diesem Grund hatten wir keinerlei Kenntnis von dem Vorfall und konnten entsprechend auch nicht reagieren.“

Dass die regulären Türen verriegelten, wenn noch jemand im Gebäude sei, das sei in den vergangenen Jahren hin und wieder schon vorgekommen. Ein Problem habe sich daraus aber nicht ergeben. Entweder seien dann eben der Notausgang benutzt oder der jeweilige Mitarbeiter angerufen worden.

Hybride Öffnungszeiten

Ein deutliches Überziehen der Öffnungszeiten bleibt deshalb die Ausnahme. Den Mitgliedern seien die Trainingszeiten normalerweise gut bekannt und darüber hinaus für alle überall gut sichtbar. Wer dann trotzdem noch bleibe, verstoße zwar gegen die Hausordnung, aber könne trotzdem jederzeit einfach gehen.

siehe auch: Frauen in Fitnessstudio eingeschlossen

Einen Effekt hat die mediale Aufmerksamkeit aber nun mit Sicherheit: Die Öffnungszeiten im Studio dürften nun noch bekannter geworden sein.

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