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Rennstreckenoptik zur Verkehrsberuhigung: Neue Poller stehen jetzt an der Wunstorfer Rubensstraße

06.03.2026 • Redaktion • 3 Min.Kommentare: 12

An der Einfahrt zur Rubensstraße in der Wunstorfer Kernstadt wurde ein neues Verkehrssicherheits-Projekt installiert. Fußgänger sollen damit einfacher über die Straße kommen, der Gehwegbereich vergrößert sich. Allerdings erinnert der Anblick nun etwas an Kurven bei Autorennen.

06.03.2026
Redaktion
3 Min.
Neue Verkehrssicherheitsmaßnahme in Wunstorf | Fotos: Schneider

Wunstorf (red). Die Anwohner der Wunstorfer Rubensstraße haben sich in diesen Tagen an einiges Neues zu gewöhnen. Erst wurde ihre Straße im vergangenen Monat in einem Versuchsprojekt zur Teilzeit-Schulstraße umfunktioniert und darf zu bestimmten Tageszeiten nur noch mit Ausnahmegenehmigung befahren werden. Dann wurde ein Straßenabschnitt mit einem zusätzlichen Halteverbot belegt, wodurch Parkmöglichkeiten entfallen sind.

Am gestrigen Donnerstag kam eine weitere Maßnahme hinzu, die ebenfalls zu den übrigen Modifikationen mitgeplant war: Im Einmündungsbereich der Straße, an der Ecke zur Rembrandtstraße, wurden gleich 12 Pollerelemente neu installiert. Gemeinsam bilden diese eine Barriere auf der Straße und verkleinern die Fahrbahn künstlich – und erweitern im Gegenzug den Gehwegbereich.

Hintergrund der verkehrslenkenden Maßnahme ist der Fußgängerschutz. Vor drei Jahren hatte es den von der Region Hannover angebotenen „Fußverkehrs-Check“ in der Barne gegeben: Anwohner, Politiker und Fachleute waren durchs Viertel gewandert und hatten sich angesehen, an welchen Stellen man die Situation für Fußgänger verbessern könnte. Auch einen Workshop gab es, bei dem Ideen zur Verbesserung der Gehwegsituation gesammelt oder Schwächen benannt wurden. Darauf aufbauend wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt – und auch die jetzige Anpassung an der Rubensstraße geht auf die damaligen Ideen zurück.

Fahrbahnverengung = Fußwegerweiterung

Konkret sollen damit zwei Effekte erreicht werden: Erstens soll sich die Distanz, die Fußgänger beim Überqueren der Fahrbahn zurücklegen müssen, verringern. Zweitens sollen die Poller verhindern, dass an dieser Stelle vor dem Gehweg geparkt und gehalten wird – und die Sicht auf Fußgänger für abbiegende Fahrzeuge eingeschränkt ist.

Was bis vorgestern noch Fahrbahn war, gehört jetzt zum Gehweg – der sich an dieser Stelle mehr als verdoppelt. Die Distanz zum gegenüberliegenden Bordstein schrumpft entsprechend, das Überqueren der verbleibenden Fahrbahn soll einfacher werden.

Immer wieder gab es auch direkte Beschwerden über die Verkehrssituation an dieser Stelle. Auch dies spielte mit hinein, die Straße nun auf diese Weise für Fahrzeuge künstlich zu verengen. Die Sichtachsen für abbiegende Fahrzeuge sollen damit ebenfalls verbessert werden. Querende Schulkinder werden nicht mehr von parkenden Autos verdeckt und früher wahrgenommen.

Plastik statt Beton

Aus der Entfernung wirken die Pollerelemente wie aus Beton – in Wirklichkeit sind sie jedoch aus recyceltem Kunststoff gefertigt. So hatten die Mitarbeiter des Baubetriebshofes auch keine Schwierigkeiten, die Elemente auf der Fahrbahn zu platzieren – die Poller wurden einfach von der Ladefläche des Arbeitsfahrzeuges genommen und auf die Straße gestellt.

Dort mussten die Elemente dann nur noch positioniert und verbunden werden. Die einzelnen Poller werden dazu einfach ineinandergesteckt. In den Vertiefungen dafür befinden sich außerdem Aussparungen, durch die Schrauben geführt werden können. Auf diese Weise werden die Poller fest auf dem Asphalt verschraubt und sind trotz ihres vergleichbar geringen Gewichtes dann nicht mehr verschiebbar.

Aufbau der Pollerreihe
Wirkt wie bemalter Beton, ist aber Kunststoff
Diese massiven Schrauben halten die Poller auf dem Asphalt
Haltestangen für Warnbaken kommen hinzu

Rund zwei Stunden dauerten die Arbeiten am Vormittag, dann war die Pollerreihe komplett aufgebaut und auf der Straße befestigt. Zusätzlich wurden noch Halterungen für Warnbaken aufgesteckt, so dass die Sperrfläche auch von Weitem nicht übersehen werden kann.

Dass mobile Poller gewählt wurden und nicht etwa die Straße direkt umgebaut wurde, hat den Hintergrund, dass auf diese Weise die Maßnahme schneller und kostensparender umgesetzt werden konnte.

Wieder ein Schildbürgerstreich?

Rein optisch könnte man das Ergebnis für einen Schildbürgerstreich halten: Die auffälligen und abwechselnd rot und weiß gefärbten Sperrelemente erinnern aufgrund ihrer geschwungenen Anordnung etwas an die Begrenzungsmarkierungen von Rennstrecken, an die engen Kurven bei Autorennen. Dort sollen sie den Fahrern aber höchstmögliche Geschwindigkeiten ermöglichen, statt den Verkehr zu beruhigen.

Autorennen-Optik in Rubens- und Rembrandtstraße

Am Donnerstagvormittag zog die neue Verkehrssituation dann auch einige verwunderte Blick auf sich. Passanten zückten ihre Handys, um die auffällige Veränderung im Straßenbild zu fotografieren. Einige betrachteten es mit Achselzucken, andere mit eindeutiger Ablehnung: „Irrsinn“, kommentierte es ein Anwohner. Nicht gut aufgenommen wurde, dass aufgrund der Maßnahme nun weniger Parkmöglichkeiten an der Straße zur Verfügung stehen. Auch das provisorische Erscheinungsbild war Thema.

Alte Idee zur Verkehrslärm-Senkung wird beerdigt

Mit der Installation der Fahrbahnverengung wird erneut das ursprüngliche Verkehrskonzept, nach dem das Barneviertel in den 1960er Jahren ganz bewusst entstand, aufgeweicht oder sogar ins Gegenteil verkehrt. Die sanft geschwungene, „organische“ Kurve zum Abbiegen in die Rubensstraße war damals absichtlich so gebaut worden: Sie sollte Kraftfahrzeugen ein sanftes Einbiegen ohne zu abruptes Abbremsen und Wieder-Beschleunigen ermöglichen. Rechtwinklige Kanten wie bei typischen Kreuzungen wurden vermieden. Verkehrslärm sollte auf diese Weise für die Anwohner minimiert werden. Mit der Begradigung des Straßenverlaufs wird dieses Konzept nun aufgegeben.

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Kommentare


  • Joachim Begerow sagt:

    Erst der rot-weiß dekorierte „Slalom-Parcour“ in der Luther Ahornstraße, nun der rot-weiße „rubenesque“ Fußgängerschutzbogen in der Barne – welcher rot-weiße Verkehrsberuhigungs(alb)traum wird uns als nächstes in Verzückung versetzen? Ich schlage vor: der graue Barnekreisel sollte unbedingt durch eine rot-weiße „Ummantelung“ optisch aufgewertet werden.
    Aber mal ganz im Ernst: Unbeschadet der Frage der Effizienz dieser Maßnahmen gäbe es doch sicherlich optisch ansprechendere Alternativen.

    • Andreas sagt:

      @Joachim Begerow:
      In der Ahornstraße im Luthe war das ganze doch als Provisorium gedacht, um den Effekt zu testen. Diese Provisorien ziehen doch jetzt nach Großenheidorn.
      Sofern das Provisorium gezeigt hat, dass der Effekt nicht eintritt, ist die ganze Sache aufgrund praktischer Erfahrungen verworfen. Wenn der erwartete Effekt eintritt, kommen optisch ansprechende feste Einbauten.

      • Joachim Begerow sagt:

        O.K., das wäre ja dann schön, wenn es so kommen sollte! Aber vielleicht sollte sich die Stadtverwaltung einmal Gedanken darüber machen, ob es nicht sinnvoll wäre, solche Aktionen v o r der Installation gegenüber der Bevölkerung zu kommunizieren, um solche Kommentare wie den meinen präventiv zu verhindern! Wohin konkret in Großenheidorn sollen denn die rot-weißen Bodeninstallationen aus der Ahornstraße versetzt werden?
        Übrigens: Ich habe mir den Pressebericht zwar leider nicht aufbewahrt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Anfang diesen Jahres irgendwo gelesen habe, dass das quasi unmittelbar neben der Sparkassenfiliale in Luthe – ebenfalls probeweise – installierte „Parklet“ (nennt man das so?) zeitnah wieder demontiert werden solle. Geschehen ist dies jedenfalls bis heute nicht…

        • Andreas sagt:

          Die Provisorien sind in Großenheidorn im Pickertsberg, an den Einmündungen Schlesierweg und Fuhrenweg geplant. Zumindest im Stadtanzeiger wurde darüber berichtet, hab grad nochmal nachgeschaut.

  • fred sagt:

    Parklets, überwege 9n der Barne und andere Schildbürgerstreiche, wollte ihr nicht langsam mal mit der Zeit gehen und auch die Optik mit einbeziehen. Es muss nicht immer billig sein und sowas sieht auc wie auf der A7 eine Baustelleabsperrung. Wie sieht das aus und was soll das? Ich vermute das Konzept ist die Barne so zu gestallten das die Leute wegziehen, dann hat sich das Autoproblem auch gelöst.

    • Ich sagt:

      Für jede Weggezogene Familie des Barneviertels kommt eine neue größere Familie mit noch mehr geleasten Mercedes dazu! Die Rechnung geht nicht auf!

  • Rüdiger sagt:

    Wenn dadurch die ignoranten Autofahrer (so ca. 80%) dazu gebracht werden dort auch „Rechts vor Links“ zu beachten, hätte es ja auch etwas.

  • Nicole sagt:

    Ich verstehe durchaus, was hier erreicht werden sollte. Das Ergebnis ist aber: Wer auf die Absenkung des Bordsteins angewiesen ist, der muss jetzt einen recht langen Weg auf der Fahrbahn zurücklegen um durch die Lücke zwischen den Pollern zu gelangen. Die Lücke führt genau auf die Mitte der Kreuzung, was die Überquerung der Fahrbahn für alle beteiligten gefährlicher macht, als es vorher je war. Idee 1, Ergebnis 6! wie leider so vieles was in den letzten Monaten ausgeheckt wurde.

    • Anonym sagt:

      @Nicole: genau richtig beobachtet.
      Diese Maßnahmen werden immer lächerlicher.
      Ich bin gespannt, wann es zu schweren Unfällen führen wird.
      Nicht, dass ich das gut finden würde, aber es gäbe dann eine Handhabe, juristisch gegen diesen Irrsinn vorzugehen.

  • fred sagt:

    Die Handhabe der Bürger heißt Wahl.

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