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Stadtkirche: Gerüst und Netz sollen Passanten und Marktkunden schützen

05.11.2023 • Redaktion • Aufrufe: 1877

Die Gefahr, die derzeit vom Stadtkirchturm ausgeht, wird offensichtlich unterschätzt. Nun wurde die Turmumgebung weiträumiger und stabiler eingezäunt. Teile des vergangenen Freitagmarktes fanden noch im Gefahrenbereich statt. Marktgilde, Werbegemeinschaft und Stadtverwaltung kamen zum Krisengespräch zusammen.

05.11.2023
Redaktion
Aufrufe: 1877
Markt vor der Wunstorfer Stadtkirche | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (as/ds). Die Gefahrenstelle ist aufwändig gesichert – und die Kirchengemeinde richtet sich auf teure und langwierige Reparaturen ein: Die Stadtkirche wird wegen der schadhaften Maueranker zur Baustelle. Ein Gerüst wird rund um den Turm aufgestellt – mit Sicherheitsnetz. Der Haupteingang ist bis auf Weiteres gesperrt, aber die Nutzung des Kirchenschiffs soll nicht eingeschränkt werden. Während Stifts-Gemeinde, Landeskirche und Stadt die Bauschäden sehr ernst nehmen, scheint die drohende Gefahr nicht allen bewusst zu sein.

Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs haben am Freitag sofort nach dem Abzug der Marktbeschicker einen Bauzaun aus mannshohen Metallgittern um den Turm der Stadtkirche herum aufgestellt. Die provisorisch angebrachten rot-weißen Flatterbänder wurden entfernt. Vor dem Portal stehen die Absperrungen sogar in Doppelreihe. Mit dem Zaun und dem Warnhinweis soll verhindert werden, dass sich weiterhin Passanten in dem Bereich am Fuß des Turms aufhalten, in den eventuell weitere marode Teile von Kreuzankern fallen könnten.

Händler in Lebensgefahr beim Wochenmarkt

Das war vor einigen Tagen während einer stürmischen Nacht geschehen. Ein etwa 10 Kilogramm schweres Eisenteil hatte sich gelöst und war direkt vor dem Haupteingang herabgestürzt. Die Einschlagstelle ist in den Sandsteinplatten deutlich sichtbar. Ein Unglück ist nur zufällig vermieden worden. Die detaillierte Inspektion am Donnerstag dieser Woche hat den Ernst der Situation gezeigt: Alle Kreuzanker der vor 180 Jahren eingebauten Stabilisierung sind marode und müssen ersetzt werden.

Ein Lastwagen steht im Gefahrenbereich | Foto: Achim Süß

Dass sich in Lebensgefahr begibt, wer sich direkt am Kirchturm aufhält, war am Freitagmorgen beim Aufbau des Wochenmarkts den Händlern und auch der Marktleitung nicht bewusst. Mit Zustimmung der Marktmeister räumte ein auswärtiger Gemüsehändler die provisorischen Absperrungen zur Seite und stellte seinen Verkaufsanhänger wie gewohnt an den Turm.

Marktmeister werden im Unklaren gelassen?

Marktmeister Uwe Schreiner bestätigt im Gespräch mit der Auepost, dass die Erlaubnis ergangen sei, den gesperrten Bereich zu nutzen, anders sei die Bestückung des entsprechenden Standes nicht möglich gewesen. Von einer Gefahrensituation am Kirchturm habe er zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nichts gewusst. Er sei vom Baubetriebshof zuvor lediglich über eine Baustellensituation am Turm informiert worden, von Lebensgefahr sei keine Rede gewesen. Von der Tragweite habe er erstmals bei einem folgenden Gespräch mit der Stadt erfahren.

Erst ein zufällig vorbeikommendes Vorstandsmitglied des Forums Stadtkirche machte Händler und Aufsicht auf die drohende Gefahr aufmerksam – daraufhin wurde der Anhänger ein kleines Stückchen versetzt. Eine „offizielle Ansprache“ aus dem nahen Rathaus war von den Händlern zuvor nicht richtig eingeordnet worden – obwohl der für die Leitung des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung zuständige Mitarbeiter den Marktbeschicker und sein Personal über die Gefahr und das Betretungsverbot informierte, ging der Verkauf bis zum Marktende weiter.

Marktgilde, Werbegemeinschaft und Stadtverwaltung im Krisengespräch

Noch während des Markts haben dann am Freitag Vertreter der Stadtverwaltung, der Marktgilde und der Werbegemeinschaft einen zur Weihnachtsmarktplanung anberaumten Gesprächstermin genutzt, um über die Konsequenzen zu beraten, die sich nun aus der Turmsituation ergeben.

Das Ausmaß der Einschränkungen für Wochen- und Weihnachtsmarkt hängt unter anderem davon ab, welchen Platz das Gerüst beansprucht, das auf Veranlassung der Landeskirche in den nächsten Tagen am Turm aufgestellt werden soll. Es dient zunächst als Absperrung und Schutz, später den Bauarbeitern als Arbeitsplattform. Kirchenvorstand und Pastoren bereiten sich auf eine Bauphase vor, die bis zu zwei Jahre dauern könnte.

Das Plateau vor dem Turm ist nun vollständig eingerüstet | Foto: Achim Süß

Das Kirchenschiff soll für kirchliche Termine ebenso weiter genutzt werden wie für Veranstaltungen des Forums Stadtkirche und der Stadt. Auch der Marktmeister geht davon aus, dass der Wochenmarkt dann ohne größere Umstellungen wie gewohnt wieder möglich sein wird. Allerdings bereiten die Kosten der Sanierung allen Beteiligten große Sorgen. Die Ausgaben für die umfangreichen Reparaturen übersteigen die Möglichkeiten der Stifts-Kirchengemeinde.

Ohne Zuschüsse von der Landeskirche werde das Projekt nicht zu bewältigen sein, heißt es im Kirchenvorstand. Dessen Vorsitzender Reinhard Bruns hat Bürgermeister Carsten Piellusch über die Lage informiert. Dazu Stadtsprecher Alexander Stockum: „Wir stehen bereit. Die Stadt ist bereit, zu helfen.“

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Kommentare


  • Basti g. sagt:

    Warum macht wunstorf nicht den Anfang und baut mal eine neue Kirche

  • Michael Evers sagt:

    Kirche ist Religion. Damit darf und kann eine Stadt nichts zu tun haben.
    Die Kirchen bekommen doch genug Geld vom Fiskus, daraus können sie doch eine neue bauen. Wenn das nicht reichen sollte, kann die Kirche ihre Mitglieder um Spenden bitten.

    • Georg Braunroth C D U Butteramt sagt:

      Das „Dritte Reich“ entschied sich 1933 für den Abschluss des Reichskonkordats aus taktischen Gründen, um die Katholiken für sich einzunehmen, doch unter dem Vorbehalt seiner Aushöhlung. Die Weltanschauungsdiktaturen verfolgten die K., weil sie diese als Glaubensmacht ablösen statt nur dem S. unterordnen wollten. Die Wahl zwischen Verfolgung und Anpassung, die sie nur ließen, fiel aus der vielgestaltigen Normalität der bisherigen staatlich-kirchlichen Beziehungen heraus. Die BRD und nach 1990 die neuen Bundesländer gewährten der K. wieder Autonomie im Rahmen des GG gemäß dem Staatskirchenrecht, das die K.n als öffentlich wirksame Kräfte der Gesellschaft und Vertragspartner anerkannte, wobei übergeordnete staatliche Souveränität fraglos vorausgesetzt war. Die Europäisierung des Staatskirchenrechts birgt allerdings Probleme für die Ausdehnung und den Schutz der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, speziell auf den Gebieten der Konkordate und Staatskirchenverträge, der kirchlichen Selbstverwaltung, des kirchlichen Arbeits- und Vergaberechts und der wirtschaftlichen und karitativen Tätigkeit, sofern diese dem Wettbewerbsrecht der EU unterworfen wird. Zudem ist das Verhältnis zwischen kirchlicher Lehre und staatlicher Gesetzgebung durch postmoderne (Postmoderne) Veränderungsprozesse vor neue Herausforderungen gestellt. Vertreter nicht-christlicher Religionen, militanter Dechristianisierung, kirchenferner Auffassungen von Ehe, Familie, ungeborenem Leben, Sexualität und Gender erheben, auch im erklärten Gegensatz zur K., den Anspruch auf (totale) gesetzliche Normgebung.

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