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THW Wunstorf und Regionsfeuerwehr weiter im Einsatz in NRW

18.07.2021 • Redaktion • Aufrufe: 992

Katastrophenhilfe: Die Regionsfeuerwehrbereitschaft I sowie Kräfte des THW sind weiterhin in NRW im Einsatz und sehen sich teils verstörenden Bildern gegenüber.

18.07.2021
Redaktion
Aufrufe: 992
THW-Einsatz
Leerpumpen einer Tiefgarage | Foto: THW

Euskirchen/Lindlar/Leichlingen/Schleiden (red). Es sind erschreckende Bilder: Autos, die teilweise mehrere Orte weit gespült wurden. Gebäude, in denen das Wasser meterhoch gestanden hat. Unterspülte Weg- und Straßenränder mit gefährlichen Abgründen. Zusammengebrochene Wohnhäuser und haufenweise zerstörtes Inventar am Straßenrand. So berichtet Martina Fachmann, Pressesprecherin der Regionsfeuerwehrbereitschaft I, vom Einsatz im Überschwemmungsgebiet. Kräfte der hiesigen Feuerwehren sowie des THW unterstützen die Aufräum- und Sicherungsarbeiten in Nordrhein-Westfalen.

THW im Einsatz

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden Einheiten des THW-Ortsverband Wunstorf alarmiert, um mit weiteren THW-Einheiten aus Hameln, Hannover/Langenhagen, Springe und Stadthagen mit der ersten Welle an niedersächsischen Hilfskräften in den von den Unwettern stark betroffenen Regionen in NRW zu helfen. Zwölf ehrenamtliche THW-Helfer aus Garbsen, Neustadt und Wunstorf machten sich mit vier Allrad-LKW, einem Lichtmastanhänger, einer Großpumpe und zwei Anhängern voller Einsatzmaterial auf den Weg in das benachbarte Bundesland.

Chaos auf den Straßen
Chaos auf den Straßen | Foto: Region Hannover/Martina Fachmann

Die ersten Einsätze warteten auf die Katastrophenschützer in der Gemeinde Lindlar im Bergischen Land. Hier musste ein übergelaufenes Becken der Kläranlage eines Lebensmittelherstellers leergepumpt werden, um die zusammengebrochene Betriebselektrik wieder instand setzen zu können. Die verstärkte Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung sowie die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen konnten durch den Einsatz von drei Tauchpumpen mit etwa 3.000 Liter/Minute Förderleistung den Wasserstand in den unterkellerten Gebäuden so weit senken, dass die firmeneigenen Pumpen den Wasserstand kontrollieren können.

Trinkwasser, Stromversorgung, Verkehr

Am Freitag wurde der Wunstorfer Verband nach Leichlingen bei Leverkusen verlegt, wo tags zuvor die gesamte Innenstadt überflutet worden war. Auftrag für die THW-Helfer war das Leerpumpen eines Schwimmbades sowie das Auspumpen von vier Tiefgaragen in Wohngebieten, damit im Anschluss diese Gebiete wieder mit Strom versorgt werden können. Bis Samstag konnten mit einer Großpumpe mehr als eine Million Liter Wasser abgepumpt werden, damit die Stadtwerke wieder Strom in den Ort schalten können. Um die Tiefgaragen trockenzulegen, kommen dutzende verschiedene Elektrotauchpumpen zum Einsatz. Damit diese mit ausreichend Strom versorgt werden konnten, wurde am Samstag die Fachgruppe Elektroversorgung des THW-Ortsverband Wunstorf zusammen mit frischen Kräften und einem LKW mit Netzersatzanlagen-Anhänger nach Leichlingen verlegt.

THW-Einsatz
Einsatz des THW | Foto: THW

Die ehrenamtlichen THW-Helfer – viele erleben eine Großschadenslage dieses Ausmaßes zum ersten Mal – arbeiten vor Ort eng mit der Feuerwehr zusammen und werden sehr gut von DRK und Anwohnern versorgt. Die Verbundenheit und der Zusammenhalt in dieser Ausnahmesituation sind beispielhaft. Die Einsätze dauern weiter an, inzwischen sind über 2.500 THW-Helfer in NRW im Einsatz – Tendenz stark steigend. In den kommenden Tagen und Wochen werden das Ausmaß der Schäden erst ersichtlich und alle betroffenen Bereiche erreichbar sein. Die Aufräumarbeiten und die Instandsetzung der Infrastruktur vor Ort wird viel Zeit und Kraft in Anspruch nehmen. Das THW unterstützt hierbei örtliche Behörden, Firmen und Anwohner, um möglichst bald wieder selbstverständliche Dinge des Alltags, wie Strom, Trinkwasser oder Verkehr sicherstellen zu können.

Regionsfeuerwehr I wird am Montag abgelöst

Feuerwehr beim Ausladen der Geräte
Feuerwehr beim Ausladen der Geräte | Foto: Region Hannover/Martina Fachmann

Nach der Ankunft am Samstagfrüh am Messegelände in Düsseldorf wurden die 150 Einsatzkräfte der Feuerwehrbereitschaft aus der Region gemeinsam mit den Kräften der Landeshauptstadt Hannover und des Landkreises Osnabrück nach Euskirchen geschickt, um dort die heimischen Kräfte abzulösen. „Zwei Züge wurden direkt in der Stadt Euskirchen zum Pumpen und Räumen eingesetzt. Zwei Züge wurden ins 20 Kilometer entfernte Schleiden geschickt, um dort die heimischen Rettungskräfte abzulösen, die teilweise bereits mehrere Tage im Einsatz waren“, berichtet Fachmann. „Insbesondere in Schleiden und den umliegenden Orten konnte man den starken Gegensatz zwischen Idylle im Sonnenschein und größtem Unglück deutlich sehen: Während mancher Straßenzug nichts abbekommen hatte und schick aussah, fand man um die Ecke das große Chaos vor. Anwohnerinnen und Anwohner berichten von Autos, die mehrere Orte weitergespült worden waren und in denen man immer wieder ertrunkene Menschen gefunden hatte. Große Teile von Schleiden und den umliegenden Orten waren evakuiert worden, häufig ist auch die Stromversorgung unterbrochen. Für die Einsatzkräfte war es zum Teil ein unheimliches Bild, in stockdunklen Straßen zu arbeiten, deren Häuser und Straßen völlig menschenleer sind“, erzählt Fachmann weiter.

„Für die Einsatzkräfte waren es zum Teil unheimliche Bilder“

Martina Fachmann

Die Männer und Frauen, die in Schleiden im Einsatz waren, konnten im Ort Herhahn übernachten, dort war in einem Bürgerhaus im Saal ein Lager mit 60 Matratzen eingerichtet worden. Die örtliche Feuerwehr habe die Versorgung mit Essen, Getränken und Hygieneartikeln hervorragend organisiert. Die anderen drei Züge der Regionsfeuerwehrbereitschaft fanden an einer Grundschule in Euskirchen ausreichend Platz auf Schulhof und Parkplätzen, um die Einsatzleitung, die Küche und alle weiteren Fahrzeuge unterzubringen. Für die Einsatzkräfte standen Sporthalle und Klassenräume als Unterkünfte und auch Sanitäranlagen zur Verfügung.

Regionsfeuerwehr
Unterbringung der Feuerwehrleute | Foto: Region Hannover/Martina Fachmann

Die Regionsfeuerwehrbereitschaft I, die sich aus den Feuerwehrkräften der Orte Neustadt, Garbsen und Wunstorf speist, ist im Rahmen der überörtlichen Hilfeleistung für 48 Stunden im Einsatz und wird am Montagfrüh wieder Richtung Heimat aufbrechen. „Auch wenn es eine sehr anstrengende Nacht war: Die Kameradinnen und Kameraden sind froh, hier sofort zum Einsatz zu kommen, und wir hoffen, auch am heutigen Sonntag noch an vielen Stellen helfen zu können“, so Fachmann.

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Kommentare


  • Grit D. sagt:

    Wir, die die Bilder der Katastrophe lediglich im Fernsehen fakultativ am Rechner o.ä. sahen und sehen, können nur ansatzweise erahnen, mit welcher Tragik die Einsatzkräfte- egal von welchem Ort diese zur Unterstützung anrück(t)en- konfrontiert werden.

    Dieser vermutlich schwerste Hilfseinsatz im gesamten Einsatzleben der Angehörigen von Polizei, Feuerwehr, THW und weiteren Rettungsorganisationen dürfte sich auf ewig in deren Köpfen und Seelen einbrennen.

    Übermenschliches, was in den Krisengebieten geleistet wird!

  • Basti g. sagt:

    Nun sind die Helfer wieder zuhause und dort liegt immer noch alles voll ! War das eine sinnvolle Aktion oder was ?

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