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Das Echte-Ding: Lob und Tadel beim Gerichtstag

12.04.2021 • Achim Süß • Aufrufe: 1058

Der inzwischen etablierte Neubürgerempfang hatte einen Vorgänger: Den Echte-Ding-Tag. Dieser uralte Brauch aus dem Mittelalter wurde Ende der 1980er Jahre in Wunstorf wiederbelebt, konnte sich aber nicht durchsetzen …

12.04.2021
Achim Süß
Aufrufe: 1058

Die 1980er Jahre gehen langsam zu Ende, da wird im Heimatverein Wunstorf die Idee aufgegriffen, das „Echte-Ding“ wieder zu beleben. Es sind vor allem Armin Mandel und Peter Bertram, die den Brauch aus dem Hochmittelalter in Erinnerung rufen. Die Idee ist, der Bürgerschaft einmal im Jahr die Gelegenheit zu geben, die Arbeit des Stadtrates öffentlich zu loben und zu tadeln. 1989 lebt der Echte-Ding-Tag wieder auf. Insgesamt achtmal werden Rat, Verwaltungsspitze und Bürger zu Kritik, Gedankenaustausch und Mahlzeit zusammengeführt. Dann gehen der modernen Ausgabe dieses uralten Volksgerichtstags die Befürworter und die Ehrengäste aus.

Echte Ding

Eine typische Momentaufnahme: hier das Echte-Ding von 1990: Im Saal des Klinikum-Sozialzentrums hören die Teilnehmer einem Redner zu. Gespeist und geklönt wurde später. | Foto: Stadtarchiv Wunstorf

Schon 1988 versucht der Heimatverein, das Echte-Ding wieder zu etablieren. Es herrscht eine Stimmung, in der sich viele in der Stadt auf Althergebrachtes besinnen. Allerdings ist die Vorbereitungszeit zu knapp. Doch im April 1989 läuft es gut an. Über die Jahre kann die Idee mit Leben gefüllt werden. Die per Los ausgewählten Bürgerinnen und Bürger, gemäß der überlieferten Praxis Schöffen genannt, haben viel zu sagen zur Arbeit von Rat und Stadtverwaltung.

Die scheinbar kleinen Dinge

Sie füllen die Formulare aus, die sie mit der Einladung erhalten haben. Lob und Tadel halten sich etwa die Waage. Die Kommentierung der kommunalpolitischen Arbeit bereichert das Stadtleben – und wird im Rathaus zum großen Teil ernst genommen. Es sind oft die scheinbar kleinen Dinge, die die Menschen beschäftigen. Da gibt es den Radweg, der nicht ausgeleuchtet ist, und den, auf dem es viel zu hell ist. Da ist die für den einen schön gestaltete Wasserzucht, deren Pflaster aber dem anderen zu huckelig ist. Da wird der Rufbus gelobt, der damals in Wunstorf ausprobiert wird, oder das Müllkonzept kritisiert, das nicht überzeugt.

Und da sind die Bratkartoffeln: Bei jedem Echte-Ding im Sozialzentrum des Landeskrankenhauses wird nach den Reden ein „bescheidenes Essen“ gereicht. So haben es Stadt und Heimatverein am Anfang vereinbart. Dem Verein wird die Organisation übertragen. Die Auswahl der Mahlzeit gehört dazu. Einmal sind die erwähnten Kartoffeln die Beilage – kommen aber erst nach 22 Uhr auf die Tische: zu spät nach dem Geschmack vieler Teilnehmer. Dieses Problem kann gelöst werden, aber viele andere nicht.

Das Los entscheidet

Logo Echte Ding

Logo des Echte-Ding-Tages

Oft werden Anregungen gegeben oder Forderungen gestellt, die die Zuständigkeit der Stadt überschreiten. Für die immer wieder verlangten Toiletten am Bahnhof kann das Rathaus nur begrenzt verantwortlich gemacht werden, und auch die Organisation der Polizeipräsenz in Steinhude ist nicht Sache der Kommunalpolitik. Als gelungen wird, zumindest anfangs, die Mischung des Teilnehmerkreises angesehen. Einmal im Jahr bestimmt der Bürgermeister per Los ein Datum. Die Namen aller, die an diesem Tag Geburtstag haben, kommen in einen Lostopf.

Die „Gewinner“ werden eingeladen und sitzen als Schöffen nach einem ausgeklügelten System mit Ratsmitgliedern, den Spitzen der Verwaltung und Ehrengästen beisammen. Es gibt keinen Honoratiorentisch, kein Präsidium. So kommt eine sehr spezielle Runde zusammen – anders als bei den gewohnten Neujahrsempfängen der Bundeswehr oder der Kirche. Gewollt ungewöhnlich sind auch die „Ehrengäste“. Jedes Ratsmitglied benennt Wunstorfer, die es „verdient“ haben. So trifft die freundliche „Tante Frau Lange“ aus dem kleinen Laden an der Neustädter Straße auf den Herrn Oberkreisdirektor, der emsige Hausmeister auf den früheren Finanzminister.

Rommel ist nicht dabei

Die Drittelung ist gewollt. Nicht Kumpanei oder Beziehungen sollen wichtig sein. Ein Drittel stellen die Ratspolitiker als ständige Mitglieder, ein Drittel bilden die Schöffen als die Repräsentanten der Bürgerschaft, ein Drittel sind Ehrengäste. Die Initiatoren verteidigen dieses Konzept vehement gegen jede Kritik. Eine Zeit lang wird es als Auszeichnung angesehen, dabei zu sein. Das gilt auch für die Festredner. Manfred Rommel, der hoch angesehene Stuttgarter Oberbürgermeister, kommt zwar nicht, aber Landesminister, Landtagspräsident, Staatssekretär, Gemeindebundpräsident oder Landrat lassen sich nicht zweimal bitten.

Silhouette Wunstorf

Eine Zeichnung auf der Einladung zum Echte-Ding-Tag bringt markante Gebäude der Stadt zusammen: Die Festung Wilhelmstein, Feuerwehrturm, Kirchen, Förderturm des Bokeloher Schaftes, Rathaus, Abtei und Mönchehof in Kolenfeld

Die Meinungsäußerungen der Schöffen, ihr Lob oder Tadel, werden dokumentiert, ausgewertet und in detaillierten Rechenschaftsberichten gebündelt. Der Bürgermeister trägt sie beim nächsten Echte-Ding vor. So ist es Tradition. Festredner, Bürgermeister und „Ehrenvögte“ loben diese demokratische Praxis aus dem Mittelalter, bestärken diejenigen, die mit Stolz auf diese Errungenschaft blicken.

Ludwig der Deutsche und das Stift

Wunstorf ist seit 1261 Stadt. Aber der Ort wird schon 390 Jahre zuvor in einer Urkunde erwähnt: Der Franken-König Ludwig der Deutsche stellt das Wunstorfer Stift unter seinen besonderen Schutz. Dass Ratsherren öffentlich Rechenschaft ablegen vor der Bürgerschaft, ist aus mehreren Urkunden zu schließen. Spätestens 1636 ist es belegt. Seit wann ein Rat gewählt wird, ist nicht überliefert. Nachzulesen ist aber, dass es sechs Ratsherren sind, die einmal im Jahr bestimmt werden – am ersten Sonntag nach Ostern, später am Montag nach diesem Sonntag.

Im „Wunstorfbuch“ von Mandel heißt es, es könne als sicher gelten, dass nicht die Bürgerschaft den neuen Rat wählte, sondern der alte Rat die Mitglieder des neuen vorschlug. Eingesetzt und vereidigt werden sie in einer Vollversammlung, das „Echte-Ding“ genannt. Treffpunkt ist ein großer Platz vor der Burg der Wunstorfer Grafen. Ein Rathaus gibt es noch nicht.

Pranger Wunstorf

Am Rathaus stand der Hölzerne Esel, ein Pranger. Passanten konnten den Bestraften beschimpfen oder mit Eiern bewerfen.

Diesen Ritus des „Echte-Ding“ praktizieren viele Städte ähnlich wie Wunstorf, und die jährliche Versammlung bleibt sehr lange Teil des städtischen Lebens. Mitte des 17. Jahrhunderts leidet das Land – wie praktisch ganz Mitteleuropa – unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Tilly, oberster General der katholischen Liga, ist tot. Seine Truppen haben in Wunstorf gehaust. Auch Tillys Rivale Wallenstein und der schwedische König Gustav-Adolf leben nicht mehr, aber neue Heerführer führen die zerstörerischen Kämpfe fort.

Wunstorf liegt darnieder

Jede Seite verlangt nicht nur Huldigungen. Plünderungen, Belagerungen, Feuer, Einquartierungen – die Belastungen für Wunstorf und andere Orte im Calenberger Land scheinen kein Ende zu nehmen. Der berühmte kaiserliche Reitergeneral Pappenheim schlägt in Wunstorf sein Hauptquartier auf und verlangt Unterstützung. Ein Jahr später sind die Lasten der Einquartierung der Truppen des Generals von Uslar so groß, dass die Stadt deren Verlegung erbittet.

Wunstorf leidet in diesem Krieg, und den Orten in der unmittelbaren Nachbarschaft geht es nicht besser: Bokeloh, Idensen, Luthe, Steinhude oder Hagenburg liegen 1648 „darnieder“, wie Klaus Fesche in seiner „Geschichte Wunstorfs“ schreibt. Eindrücklich schildert er auch, wie sich der Niedergang der Stadt fortsetzt, und was sich hinter dem Begriff „Verheerung“ verbirgt. Erst zwei Jahrhunderte später erholt sich die Stadt – als Folge des Eisenbahnbooms und des Baus des Bahnhofs.

Das Stift verarmt

Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges sind weitreichend: Das einst bedeutsame Stift, das im nächsten Jahr 1.150 Jahre besteht, eine der Keimzellen von Wunstorf, ist verarmt, und seine wirtschaftliche Bedeutung schwindet. Ähnliches gilt für die Stadt und ihre Finanzen. Dennoch bleiben Strukturen und Regeln weitgehend erhalten. Dazu gehört auch das Echte-Ding. Die Amtsgeschäfte werden – wie auch in der Nachbarstadt Neustadt – von zwei Räten geführt und verantwortet: dem sitzenden und dem ruhenden. Zwei Bürgermeister, vier Kämmerer und sechs Ratsherren lenken die Geschicke Wunstorfs. Von den sechs Ratsherren sind nur drei aktiv. Die drei anderen „ruhen“. Die aktiven werden nach einem Jahr zu „Ruhenden“, und der ruhende Rat scheidet ganz aus dem Amt.

Wenig Kontinuität – viel Alkohol

Dieser jährliche Wechsel geschieht immer am ersten Sonntag nach Ostern. Das große Treffen hat noch eine weitere wichtige Funktion: Die Bürger können die Arbeit des Rates bewerten, können tadeln oder loben. Auch strittige Angelegenheiten und Probleme werden öffentlich angesprochen. Die Versammlung hat etwas von einem Bürgergerichtstag. Die Wurzeln liegen im germanischen Thing.

Echte Ding

Die jährlich erneuerte Selbstverpflichtung der Sprecher der Ratsfraktionen war anfangs ein wichtiger Bestandteil. Diese Aufnahme von 1990 zeigt am Pult Wilfried Fischer (Grüne). Neben ihm (von rechts) Kurt Rehkopf (FDP), Gustav-Adolf Lühr (CDU), Richard Blanke (UWG) und Bürgermeister Harald Brandes | Foto: Stadtarchiv Wunstorf

Die Neuwahl der Ratsherren stellt zwar sicher, dass viele Bürger an den städtischen Amtsgeschäften beteiligt sind. Es fehlt aber an Kontinuität. Fesche berichtet zudem, dass die Stadtväter ein trinkfreudiges Völkchen gewesen zu sein scheinen. Jedenfalls bleiben die Konsequenzen von „Trinkgelagen auf dem Rathaus“, wachsenden Schulden und Kompetenzstreitigkeiten nicht aus: Herzog Ernst-August stellt kleine Städte wie Wunstorf unter die Aufsicht des Fürstentums Calenberg.

Die weitgehende Selbstständigkeit des Rates wird Anfang des 18. Jahrhunderts beendet, als Ernst-Augusts Nachfolger Georg-Ludwig – später König von England – ein Reglement erstellt. Die Rotation des Rates wird endgültig abgeschafft, der Bürgermeister und die Ratsherren von der Regierung auf Lebenszeit eingesetzt.

Ein neues Heimatgefühl

Zeitsprung ins Jahr 1988: Wunstorf ist kommunalpolitisch in vergleichsweise ruhige Fahrwasser gekommen. Die schlimmsten Wunden der Gebietsreform von 1974 sind vernarbt. Die tiefgreifenden Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen des Rates, zwischen dem Rat als Ganzes und der Verwaltungsspitze, schließlich die Konflikte innerhalb der Stadtverwaltung, die die Zeit zwischen 1976 und 1981 mitprägen, sind überstanden. Die Fußgängerzone wird 1982 mit einem großen Fest mitten in der Stadt eröffnet. Tausende feiern und loben die Neugestaltung des Zentrums. Das neue Gesicht der Innenstadt trägt zur Belebung des wirtschaftlichen Lebens bei und erzeugt eine unverdächtige Mischung von Freude, Stolz und Heimatgefühl.

Echte Ding

Zwei Kommunalpolitiker, die viele Jahre die Geschicke der Stadt mitgelenkt haben: Bürgermeister Georg Beier (rechts) und Peter Bertram (SPD) im Jahr 1990 | Foto: Stadtarchiv Wunstorf

In dieser Atmosphäre fällt eine Idee auf fruchtbaren Boden, die 1982 zur Eröffnung der Fußgängerzone erstmals präsentiert wird: In der Broschüre „Stadtbild 82“, von der Stadt zur Neugestaltung der Innenstadt herausgegeben, wird das „Echte-Ding“ beschrieben und eine Neuauflage propagiert. Es dauert sechs Jahre, bis der Heimatverein aktiv wird. Nicht zufällig sind es Armin Mandel und Peter Bertram, die sich für das „Echte-Ding“ starkmachen.

Der Vorsitzende des Heimatvereins und sein Stellvertreter gehören zu denen, die die Diskussion um die Innenstadtgestaltung wesentlich beeinflussen: Mandel als Vorsitzender des Heimatvereins, der immer wieder mit Gestaltungsvorschlägen und Ideen für Veranstaltungen hervortritt, Bertram als ehemaliger Vorsitzender des Arbeitskreises Fußgängerzone. Dieses Gremium – vom Rat eingesetzt, um Planung und Bau der Zone zu begleiten – hat Seltenheitscharakter: Es führt Fachleute der Stadtverwaltung, Vertreter der Ratsfraktionen, Planer und Repräsentanten der Anlieger und der Werbegemeinschaft zusammen. Bertram leitet den Arbeitskreis mit der ihm eigenen Mischung aus Lokalpatriotismus, Sachkunde und diplomatischem Geschick. Die Meinungen liegen vor allem anfangs weit auseinander. Unter Bertrams Ägide und später unter der seines Nachfolgers Karl-Heinz Saak werden aber Lösungen gefunden, die alle mittragen. Das Ergebnis, die autofreie Innenstadt, gefällt.

Lob für das Wohnzimmer

Das wird auch in jedem Jahr beim „Echte-Ding“ deutlich: Zugezogene wie Einheimische loben das neue Wohnzimmer der Stadt, den Mut zur Umgestaltung, die Details und die vielen Sitzmöglichkeiten. Es ist der einzige Aspekt, der von den Schöffen jedes Jahr positiv erwähnt wird. Über die Jahre zeigt sich, dass es die großen, wiederkehrenden Themen gibt, die viele Bürger beschäftigen: Ganz vorn steht die Verkehrssituation, immer wieder wird die Nordumgehung thematisiert. Das Angebot der Stadt für Kinder und Jugendliche – Kindertagesstätten, Spielplätze, Freizeitheim – bleibt ein Dauerthema, ebenso die Abfallwirtschaft. Auch Einzelthemen sind von Jahr zu Jahr im Schöffenurteil zu finden. Das Flugplatzrennen ist so ein Dauerbrenner – und das Wunstorfer Freibad. Bürgermeister Friedhelm Meine verspricht: „Es bleibt!“

Es warten neue Aufgaben

Dieses Versprechen wird nicht gehalten. Die Prioritäten verschieben sich mehr und mehr. Im Rat stellen die Vertreter des sogenannten Umlandes die Mehrheit, und die betrachten das meiste kritisch bis reserviert, was die „Kernstädter“ für richtig halten. Auch das „Echte-Ding“ wird neu bewertet. Außerdem stellt die Öffnung der Grenze neue Aufgaben. Der Bauausschuss tagt nie häufiger und länger als in der Wendezeit. Auch in Wunstorf heißt es „bauen, bauen, bauen“, sagt Andreas Varnholt, damals Leiter des Planungsamts. Überhaupt weht im Rathaus ein anderer Wind.

Echte Ding

Das Echte Ding ab Ende der 1980er Jahre, eine Gelegenheit zum Gespräch und zur Kritik an der Stadtpolitik | Foto: Stadtarchiv Wunstorf

Der Rat hat Eckhard David zum Nachfolger von Stadtdirektor Günter Kramer gewählt. Der neue Mann hat vor allem eins im Auge. Er will die Stadtverwaltung modernisieren, die Effektivität steigern. Auch das „Echte-Ding“ gerät ins Blickfeld. Der einst 40 Seiten starke Bericht der Verwaltung zu Schöffen-Lob und -Tadel wird drastisch reduziert. Statt des gesamten Rates werden nur noch die Mitglieder des Verwaltungsausschusses zur Teilnahme gebeten. Festredner werden nicht mehr eingeladen. Längst sind auch ernsthaft verdiente Bürger nur noch schwer zu finden, die als Ehrengäste eingeladen werden. Die städtischen Akten zum „Echte-Ding“ – anfangs akribisch und detailliert geführt – werden desto spärlicher, je mehr Jahre vergehen.

Sang- und klangloses Ende

Wird zunächst jede Aktennotiz abgeheftet, findet sich für 1995 wenig und für 1996 nur noch eine vergleichsweise sehr knappe Rede von Bürgermeister Harald Brandes. Der würdigt die Partnerschaft mit der französischen Stadt Flers und das Rathaus-Projekt, spart „Konfliktfelder aber aus“, wie Bernd Riedel in der Leine-Zeitung schreibt. Die Schöffen geben ihre Urteile nur in Einzelgesprächen an ihren Tischen ab, und Reimer Krause, der kommissarische Vorsitzende des Heimatvereins, blickt auf die Geschichte des „Echte-Ding“ zurück. Der offizielle Teil gibt schließlich noch dem Planungsamtsleiter Gelegenheit, die Verkehrspolitik zu beschreiben und egoistisches Denken zu rügen.

Riedels Zeitungskommentar zur Veranstaltung wird zum Schwanengesang: „Zu beliebig“ sei die Angelegenheit geworden, für die dauerhafte Wiederbelebung fehle ein durchgreifendes Konzept. Das ist nicht in Sicht. Die einstigen Protagonisten haben sich wegen ihres Alters oder ihrer Gesundheit zurückgezogen, neue finden sich nicht. So geht die Neuausgabe des „Echte-Ding“ sang- und klanglos zu Ende. Was als Angebot an die Bürgerschaft gedacht war, an der Gestaltung der Stadt mitzuwirken, erweist sich als nicht lebensfähig und nicht mehr zeitgemäß, weil moderne Formen der Mitbestimmung und der Kommunikation entstanden sind. So wird schließlich der Neubürgerempfang aus der Taufe gehoben. Diese Idee von Stadtdirektor David findet allseits Gefallen. Seit 1997 wird sie jährlich in die Tat umgesetzt, nicht allerdings 2020: Die Pandemie verhindert auch das.

[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]Die Schreibweise unterscheidet sich über die Jahre – je nach Autor und Quelle. „Das Echte Ding“, „Echte-Ding“, „Echte-Ding-Tag“ und Echteding finden sich in den Annalen. [/box]

Diese Stadtgeschichte erschien zuerst in Auepost #15 (01/2021).

von Achim Süß
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