Assistenzhunde

Besondere Helfer auf vier Pfoten für Menschen im Rollstuhl

Assistenzhunde ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigungen ein unabhängigeres Leben. Für viele Rollstuhlfahrer ist ein Assistenzhund ein Herzenswunsch, doch ein solcher Hund ist teuer und oftmals nicht finanzierbar. Der Wunstorfer Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Menschen im Rollstuhl einen Assistenzhund zu finanzieren.

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Ziel des Ver­eins ist es, Spon­so­ren und Spen­der zu fin­den, um die Aus­bil­dung von Assis­tenz­hun­den zu finan­zie­ren und die Arbeit mit Assis­tenz­hun­den in Deutsch­land bekann­ter zu machen. | Foto: Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V.

Luthe (nr). Als ich an die­sem son­ni­gen Tag an der Tür im Pirol­weg 12 in Luthe klin­ge­le, höre ich hin­ter der noch geschlos­se­nen Tür ein auf­ge­weck­tes, freu­di­ges Bel­len. Clau­dia Bod­mann und Tom erwar­ten mich schon. Wenn ich mir den Labra­dor-Gol­den-Retrie­ver-Mix so anschaue, wie er sich freu­de­strah­lend von mir strei­cheln lässt und beson­ders treu guckt, wenn Frau­chen die Lecker­lis zückt, könn­te man den­ken, dass Tom wie fast jeder ande­re Hund ist. Aber Tom ist kein gewöhn­li­cher Hund, er ist ein aus­ge­bil­de­ter Assis­tenz­hund. Ein Freund, ein Hel­fer, ein Beschüt­zer, ein Brü­cken­bau­er und vie­les mehr.

Und sein Frau­chen ist Clau­dia Bod­mann, die Grün­de­rin und ers­te Vor­sit­zen­de des Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V. Ziel des Ver­eins ist es, Spon­so­ren und Spen­der zu fin­den, um die Aus­bil­dung von Assis­tenz­hun­den zu finan­zie­ren und die Arbeit mit Assis­tenz­hun­den in Deutsch­land bekann­ter zu machen.

Aber wie kommt man dazu, einen solchen Verein zu gründen?

Frau Bod­mann hat schon immer den Wunsch nach einem Hund gehabt. Im Alter von 18 Jah­ren hat­te sie einen Ver­kehrs­un­fall und sitzt seit­dem im Roll­stuhl. Zunächst dach­te sie, ihre neue Lebens­si­tua­ti­on als Roll­stuhl­fah­re­rin wür­de die Hal­tung eines Hun­des nicht zulas­sen. Als Mensch im Roll­stuhl sei es anders, einen Hund zu füh­ren, erklärt mir Frau Bod­mann. Und wenn ich mich an die Gas­sirun­den mit mei­nem eige­nen Hund erin­ne­re, so ist es mir doch manch­mal so vor­ge­kom­men, dass nicht der Mensch den Hund führt, son­dern der Hund das Sagen hat. Des Öfte­ren sah ich Men­schen, die mit aus­ge­streck­tem Arm hin­ter ihrem Hund hin­ter­her stol­per­ten. Die­se Art des Gas­si­ge­hens sei natür­lich für jeman­den der im Roll­stuhl sitzt, schwie­rig, wit­zelt Frau Bod­mann.

Vom Gegen­teil über­zeug­te die Rol­li­fah­re­rin eine Freun­din aus Frank­reich. Die­se Freun­din hat­te einen aus­ge­bil­de­ten Assis­tenz­hund. „Ich habe immer gedacht, na ja so ein Hund ist für jeman­den, der viel beein­träch­tig­ter ist. Aber das ist gar nicht so, son­dern Assis­tenz­hun­de sind gut aus­ge­bil­de­te Hun­de und kön­nen hel­fen“, erklärt Frau Bod­mann. Und so kam es, dass sie, beein­druckt von den Fähig­kei­ten eines sol­chen Hun­des, auch so einen Assis­ten­ten auf vier Pfo­ten haben woll­te und Kon­takt zu einem fran­zö­si­schen Assis­tenz­hund-Aus­bil­dungs-Ver­ein auf­nahm.

Damals hat sie 13.000 Euro für einen sol­chen Assis­tenz­hund auf­brin­gen müs­sen. Die­ses Geld hat­te Frau Bod­mann jedoch nicht und auch die Spon­so­ren­su­che gestal­te­te sich für eine erwach­sen­de Frau im Roll­stuhl als sehr schwie­rig. Trotz aller Bemü­hun­gen konn­te sie das Geld nicht zusam­men­krat­zen. Doch Frau Bod­mann hat­te Glück im Unglück. „Die­ser Ver­ein [zur Aus­bil­dung von Assis­tenz­hun­den, Anmer­kung der Autorin] hat­te aber immer Hun­de über und weil ich kein Geld zur Ver­fü­gung stel­len konn­te, habe ich einen Hund bekom­men, der so über war“, berich­tet Frau Bod­mann.

Dar­über war sie sehr dank­bar, denn ihr Leben soll­te sich mit einem Assis­tenz­hund an der Sei­te posi­tiv ver­än­dern. Oft­mals tre­ten Men­schen Roll­stuhl­fah­rern mit Vor­be­hal­ten ent­ge­gen, sind unsi­cher und wenn sich ein Gespräch ent­wi­ckelt, wird nach der Behin­de­rung gefragt. „Das ist auch nicht immer spa­ßig und man hat nicht immer Lust über sei­ne Behin­de­rung zu spre­chen“, erklärt Frau Bod­mann. Nach ihrem Umzug von Köln nach Wunstorf-Luthe habe sie wenig Kon­takt zu Leu­ten im Ort gehabt. Aber mit ihrem ers­ten Assis­ten­ten auf vier Pfo­ten, Tele­ma­que, an der Sei­te war sie nicht mehr die Roll­stuhl­fah­re­rin, son­dern die Frau mit dem tol­len Hund.

Ein Kon­takt über den Hund ist ein­fach ganz nor­mal. Unter Hun­de­hal­tern halt. Da geht es um den Hund“, berich­tet Clau­dia Bod­mann lächelnd und erzählt wei­ter: „Ich fand das alles so posi­tiv, dass ich dann die Idee hat­te, die­se Erfah­run­gen mit einem Hund ande­ren Men­schen auch so zur Ver­fü­gung zu stel­len“

Gesagt, getan. Im Jahr 2005 grün­de­te Frau Bod­mann zusam­men mit sie­ben Freun­den den Ver­ein Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V. Ange­fan­gen haben die ehren­amt­li­chen Mit­glie­der das Appor­te e.V. mit selbst­ge­mach­ten Papp­schil­dern und ohne rich­ti­ge Spen­den­do­se. Auf allen Märk­ten der Regi­on hat sich der Ver­ein vor­ge­stellt. „Wir haben gezielt Leu­te ange­spro­chen, von der Idee erzählt und Tele­ma­que hat sein Kön­nen gezeigt“, berich­tet Clau­dia Bod­mann. Das The­ma Hund und Mensch mit Behin­de­rung sprach Men­schen an und die ehren­amt­li­che sowie gemein­nüt­zi­ge Tätig­keit des Appor­te e. V. über­zeug­te. Das Inter­es­se am Assis­tenz­hun­de-Ver­ein stieg. Immer mehr Unter­neh­men und Men­schen zeig­ten sich spen­dier­freu­dig. Mitt­ler­wei­le konn­te der Ver­ein 37 Hun­de finan­zie­ren und somit das Leben von 37 Men­schen glück­li­cher machen. Die Moti­va­ti­on ist bis heu­te geblie­ben. „Ich habe jedes Team [Mensch und Assis­tenz­hund wer­den als Team bezeich­net, Anmer­kung der Autorin] vor­her erlebt und danach. Es ist so unglaub­lich, was sich in die­sen Leben ver­än­dert und wie glück­lich die Leu­te dann sind. Zum Teil sind die Leu­te vor­her völ­lig iso­liert oder haben auch depres­si­ve Antei­le, das ist alles hin­ter­her weg“, berich­tet mir die 1. Vor­sit­zen­de glück­lich. Frau Bod­mann schil­dert mir die Geschich­te eines Man­nes, der auf Grund eines Berufs­un­falls im Roll­stuhl sitzt. Nach einem Unfall war der Freun­des­kreis des Man­nes weg­ge­bro­chen. Dann bekam der Mann sei­nen Hund, über den Hund lern­te er sei­ne Frau ken­nen und jetzt hat er ein Kind. „Es sind über­all sol­che schö­nen Geschich­ten“, so Clau­dia Bod­mann

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„Bär­ti ist der Bes­te“, er ist mehr als Char­lot­tes Haus­tier. Er ist ihr bes­ter Freund, ein treu­er Beglei­ter an den sie sich anleh­nen kann. | Foto: Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V.

Was macht Tom und seine Assistenzhundkollegen so besonders?

Men­schen im Roll­stuhl haben es im Leben und in der Gesell­schaft oft nicht leicht. Durch ihr Han­di­cap kön­nen sie all­täg­li­che Din­ge ohne mensch­li­che Hil­fe nicht erle­di­gen. Der Roll­stuhl wirkt oft­mals als zwi­schen­mensch­li­che Bar­rie­re. Hier kön­nen Assis­tenz­hun­de hel­fen. Assis­tenz­hun­de geben ihren Hal­tern die Mög­lich­keit, aktiv, selbst­be­stimmt und unab­hän­gi­ger von mensch­li­cher Hil­fe am Leben teil­zu­ha­ben. So kann er Türen, Schrän­ke und Schub­la­den öff­nen und wie­der schlie­ßen, Din­ge (wie ein Tele­fon oder eine Fern­be­die­nung) brin­gen, Gegen­stän­de auf­he­ben, beim Tra­gen hel­fen, beim An- und Aus­zie­hen hel­fen, um Hil­fe bel­len, Licht­schal­ter betä­ti­gen und die Wasch­ma­schi­ne ein- und aus­räu­men.

Für einen Men­schen, der auf Grund einer fort­schrei­ten­den Mus­kel­er­kran­kung nur noch einen Ärmel anzie­hen kann oder der sich beim Zubett­ge­hen nicht eigen­stän­dig aus­zie­hen und zude­cken kann, bedeu­tet ein Assis­tenz­hund ein eigen­be­stimm­te­res und unab­hän­gi­ge­res Leben. Der Hund kann den ande­ren Ärmel über die Schul­ter zie­hen, so dass man sich eigen­stän­dig anzie­hen kann. Ein Assis­tenz­hund kann einem beim Zubett­ge­hen aus­zie­hen und im Bett zude­cken. Zumin­dest am Abend ist man so nicht auf einen Pfle­ge­dienst ange­wie­sen und kann eigen­be­stimmt ins Bett gehen.

Für Men­schen mit Post­trau­ma­ti­scher Belas­tungs­stö­rung (PTBS) bedeu­tet ein Assis­tenz­hund Teil­ha­be an der Gesell­schaft. Er gibt Sicher­heit, hält Men­schen auf Abstand oder gibt an, wenn Men­schen von hin­ten her­an­tre­ten.

Aber ein Assis­tenz­hund ist nicht nur eine Haus­halts­hil­fe und ein Beschüt­zer, er ist vor allem auch ein Brü­cken­bau­er. Trotz Inklu­si­on erle­ben die meis­ten Men­schen im Roll­stuhl einen Teil Iso­la­ti­on inner­halb der Gesell­schaft. Für vie­le – gera­de für Kin­der – ist der Assis­tenz­hund ein Part­ner­er­satz, der bes­te Freund, an den man sich anleh­nen kann. Der unglaub­lich treu ist, der einen nicht bewer­tet, egal wie man aus­sieht und wie schwer behin­dert man ist. Der Assis­tenz­hund beglei­tet sei­nen Besit­zer über­all­hin, man hat immer sei­nen bes­ten Freund an der Sei­te und erfährt dar­über sehr viel Auf­wer­tung. Der Blick­kon­takt zwi­schen gehen­den Men­schen und Roll­stuhl­fah­rern ist durch­weg posi­ti­ver und häu­fi­ger, wenn beein­träch­tig­te Men­schen einen Hund an der Sei­te haben. Die­se posi­ti­ven Bli­cke haben vie­le Roll­stuhl­fah­rer vor­her nicht erlebt. „Man wird posi­tiv wahr­ge­nom­men“, berich­tet mir Frau Bod­mann.

Vie­le Leu­te haben Hem­mun­gen, Roll­stuhl­fah­rer anzu­spre­chen, dies erlebt auch Clau­dia Bod­mann, obwohl sie voll inte­griert ist und arbei­ten geht.

Man geht gar nicht davon aus, dass man anders wahr­ge­nom­men wird. Trotz­dem haben vie­le Leu­te Hem­mun­gen, mich anzu­spre­chen, aber mit Hund ist dies anders“, erzählt Clau­dia Bod­mann.

Wie bekommt man einen ausgebildeten Assistenzhund?

Der Weg zu einem Assis­tenz­hund führt immer über eine schrift­li­che Bewer­bung beim Ver­ein. Mitt­ler­wei­le kom­men nicht nur aus Wunstorf Bewer­bun­gen, son­dern aus ganz Deutsch­land. Vie­le kom­men aus Mün­chen, es gibt aber auch Bewer­bun­gen vom Boden­see oder aus Ost­deutsch­land. Zur­zeit hat der Ver­ein sechs Bewer­ber und es gehen immer wie­der Bewer­bun­gen ein.

Die Bewer­ber müs­sen glaub­haft machen, dass sie in der Lage sind, einen Hund zu ver­sor­gen und ihm eine art­ge­rech­te Frei­zeit zu ermög­li­chen. Fer­ner müs­sen sie bereit sein, für vie­le Jah­re die Ver­ant­wor­tung für den Hund zu über­neh­men. Eini­ge Bewer­ber unter­schät­zen die Bedürf­nis­se eines Hun­des und den­ken, sie bekom­men ein Hilfs­mit­tel, einen Assis­tenz­hund, der immer nur neben dem Roll­stuhl sitzt und kei­nen Aus­lauf braucht. Die­se Auf­fas­sung ist falsch, denn auch ein Assis­tenz­hund braucht, wie jeder ande­re Hund, eine gute Pfle­ge und Zuwen­dun­gen.

Wenn sei­ne Bedürf­nis­se nicht befrie­digt wer­den, arbei­tet er nicht mehr und wird krank. Es ist für den Hund auch anstren­gend, den gan­zen Tag im Büro oder auf Arbeit zu sein und für den Men­schen zu arbei­ten. Da braucht er in sei­ner Frei­zeit Abwechs­lung“, erklärt mir Clau­dia Bod­mann.

Ein Assis­tenz­hund kommt für jeden Men­schen mit Beein­träch­ti­gung in Fra­ge. Dabei ist die Schwe­re der Beein­träch­ti­gung uner­heb­lich, sofern man einen Unter­stüt­zer im Hin­ter­grund hat, der den Hund füh­ren und ver­sor­gen kann.

Wie geht es weiter, wenn die Bewerbung durch Apporte angenommen wurde?

Der Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V. bil­det nicht selbst Assis­tenz­hun­de aus. Der Ver­ein arbei­tet eng mit dem Ver­ein Part­ner-Hun­de Öster­reich zusam­men. In der Assis­tenz­hun­de­schu­le von Eli­sa­beth Fär­bin­ger wird geschaut, was für einen Hund der Bewer­ber über­haupt braucht. Jeder Hund wird indi­vi­du­ell anhand des Bedarfs­pro­fils des Bewer­bers aus­ge­bil­det. Jeder Mensch hat ande­re Bedürf­nis­se und Wün­sche. Die War­te­zeit für einen Assis­tenz­hund beträgt im Durch­schnitt 6–15 Mona­te.

Clau­dia Bod­mann bspw. arbei­tet in einer För­der­schu­le mit dem Schwer­punkt geis­ti­ge Ent­wick­lung. Ihr der­zei­ti­ger Assis­tenz­hund Tom beglei­tet sie immer zur Schu­le und muss daher beson­ders belast­bar sein. Tom trifft fast täg­lich auf Kin­der, die sich nicht an Regeln hal­ten kön­nen, die beson­ders laut schrei­en oder knei­fen. Auch Tom kann mal zum „Opfer“ wer­den und muss sich in die­sen Situa­tio­nen tadel­los beneh­men. Neben Tom kamen noch zwei wei­te­re Hun­de für Frau Bod­mann in Fra­ge, alle drei Hun­de wur­den immer wie­der in ein sozi­al­päd­ia­tri­sches Zen­trum mit­ge­nom­men und es wur­de geschaut, wie die Hun­de reagie­ren „und Tom war der­je­ni­ge, der das alles toll fand und dann wur­de er mein Hund“, berich­tet Frau Bod­mann lächelnd.

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Was darf es sein? Eine Tür öff­nen, das Tele­fon oder die Fern­be­die­nung brin­gen, beim Tra­gen hel­fen oder beim An- und Aus­zie­hen hel­fen? Assis­tenz­hun­de sind Hel­fer auf vier Pfo­ten. | Foto: Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V.

Was kostet ein Assistenzhund und wie wird er finanziert?

Ein kom­plett aus­ge­bil­de­ter Assis­tenz­hund kos­tet der­zeit 18.000 Euro. Das ist eine ganz schö­ne Haus­num­mer. Eini­ge fra­gen sich jetzt bestimmt, wie soll man so viel Geld auf­trei­ben? Da der Assis­tenz­hund im Gegen­satz zu einem Blin­den­führ­hund kein aner­kann­tes Hilfs­mit­tel nach § 33 SGB V ist – er ersetzt kein Organ, so die Begrün­dung der Kran­ken­kas­sen – wird er nicht von den Kran­ken­kas­sen oder ande­ren Kos­ten­trä­gern finan­ziert. Genau aus die­sem Grund bie­tet der Appor­te e. V. Unter­stüt­zung an und finan­ziert einen Betrag von 16.000 Euro. Von den 18.000 Euro muss der Bewer­ber daher nur 2.000 Euro selbst bezah­len.

Um die Finan­zie­rung von Assis­tenz­hun­den für Men­schen im Roll­stuhl mög­lich zu machen, ist der Ver­ein neben För­der­mit­glie­dern – der­zeit 80 Mit­glie­der – auf Spen­der und Unter­neh­mens­spon­so­ren ange­wie­sen. Zu den wich­tigs­ten Aus­ga­ben des Ver­eins gehört daher die Öffent­lich­keits­ar­beit. Und da unter­stüt­zen auch die Mensch-Assis­tenz­hund-Teams sehr gern. Regel­mä­ßig berich­ten die Ver­eins­mit­glie­der von ihrem neu­en Leben mit Hund.

Der­zeit wer­den auch die Bewer­ber in die Spon­so­ren­su­che mit ein­ge­bun­den. Die Bewer­ber sol­len Spon­so­ren vor­schla­gen, mit denen der Ver­ein in Kon­takt tre­ten kann. So kann der Kreis der Unter­stüt­zer und Spon­so­ren immer wei­ter­wach­sen. Grund­sätz­lich sei­en vie­le Unter­neh­men sowie auch Freun­de und Bekann­te der Bewer­ber bereit zu spen­den.

Anfangs konn­te der Ver­ein maxi­mal zwei Bewer­ber finan­zi­ell unter­stüt­zen, der­zeit kön­nen sogar schon 4 Hun­de im Jahr finan­ziert wer­den. Bei der­zeit 6 Bewer­bern ist jedoch noch viel Spiel­raum nach oben.

Aber was ist, wenn der Bewerber auch den Eigenbetrag von 2.000 Euro nicht aufbringen kann?

Appor­te bie­tet nur finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für die Anschaf­fung und Aus­bil­dung des Hun­des an, nicht aber für die Hal­tungs­kos­ten. Die Bewer­ber müs­sen daher in der Lage sein, einen Hund zu ver­sor­gen. Wer einen Hund hat, weiß, dass die Hal­tung des Tie­res nicht güns­tig ist. Neben Kos­ten für Fut­ter, Körb­chen, Spiel­zeug, Lei­nen und Hals­bän­der ent­ste­hen auch schnell Tier­arzt­kos­ten im drei­stel­li­gen Bereich. Kann ein Bewer­ber die 2.000 Euro Eigen­be­trag nicht auf­brin­gen, liegt die Ver­mu­tung nahe, dass er nicht über Jah­re hin­weg gut für sei­nen Hund sor­gen kann. Frau Bod­mann merkt zudem an, dass man einen kom­plett aus­ge­bil­de­ten Hund bekom­men wür­de, der schon beim Züch­ter als Wel­pe 1.800 Euro kos­ten wür­de. Zudem erhal­te man eine zwei­wö­chi­ge, hoch­wer­ti­ge Aus­bil­dung.

Aber auch wenn das Geld mal knapp ist, muss kein Mit­glied befürch­ten, sei­nen gelieb­ten Vier­bei­ner zu ver­lie­ren. Steht bspw. eine gro­ße OP des Hun­des an und Herr­chen oder Frau­chen kann das Geld nicht allein auf­brin­gen, springt Appor­te auch mal ein. Muss ein Ver­eins­mit­glied für län­ge­re Zeit ins Kran­ken­haus, fin­det sich immer jemand, der den Hund für die­se Zeit auf­nimmt und sich um ihn küm­mert.

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Die Aus­bil­dung eines Assis­tenz­hun­des dau­ert bis zu zwei Jah­re und erfolgt anhand der Bedürf­nis­se und Wün­sche sei­nes zukünf­ti­gen Besit­zers. | Foto: Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V.

Wie erfolgt die Ausbildung eines Assistenzhundes?

Die Aus­bil­dung eines Assis­tenz­hun­des dau­ert bis zu zwei Jah­re. Der poten­ti­el­le Assis­tenz­hund muss ein rich­ti­ger Wor­k­a­ho­lic sein. Der Hund muss ein hohes Maß an Gelas­sen­heit, Geduld, Tole­ranz, Freund­lich­keit, Anpas­sungs­fä­hig­keit sowie Hilfs­be­reit­schaft haben. Daher kom­men vor allem Labra­do­re, Gol­den Retrie­ver, Flat Coated Retrie­ver und Misch­lin­ge aus die­sen Ras­sen in Fra­ge. Die­se Ras­sen sind schon ihrem Cha­rak­ter nach sehr anhäng­lich, auf­merk­sam und gut­mü­tig. Am Ende wer­den nur die­je­ni­gen Hun­de aus­ge­wählt, die am zuver­läs­sigs­ten reagie­ren.

Die Aus­bil­dung beginnt bereits kurz nach der Geburt, mit dem soge­nann­ten Pup­py­trai­ning. In regel­mä­ßi­gen Kurz-Trai­nings-Ein­hei­ten wer­den die Wel­pen mit ver­schie­de­nen Geräu­schen und Unter­grün­den kon­fron­tiert. Zudem erhal­ten sie bereits Kon­takt zu vie­len Men­schen. Nur Wel­pen die die­se Situa­tio­nen ohne Angst meis­tern und Inter­es­se am Men­schen zei­gen, kom­men für die wei­te­re Aus­bil­dung in Fra­ge.

Mit 10–12 Wochen kom­men die Wel­pen in eine Gast­fa­mi­lie. Die Gast­fa­mi­li­en leis­ten bei der Aus­bil­dung des Assis­tenz­hun­des wich­ti­ge ehren­amt­li­che Arbeit. Durch die Gast­fa­mi­li­en erfolgt die ers­te Erzie­hung. Den Wel­pen wird ein Grund­ge­hor­sam bei­gebracht. Zudem wird der Assis­tenz­hun­de­nach­wuchs mit ver­schie­de­nen, auch unge­wöhn­li­chen, All­tags­si­tua­tio­nen ver­traut gemacht. So gehört die Benut­zung von öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln und Fahr­ten im Fami­li­en-PKW genau­so zur Aus­bil­dung, wie der Besuch von über­füll­ten Ein­kaufs­zen­tren und Kon­zer­ten. Der Hund muss in der Lage sein, wirk­lich über­all­hin mit­ge­nom­men wer­den zu kön­nen.

Nach ca. 10 Mona­ten zie­hen die zukünf­ti­gen Assis­ten­ten auf vier Pfo­ten von ihren Gast­fa­mi­li­en auf den Hun­de­hof der Assis­tenz­schu­le. Nun erfolgt die spe­zi­el­le Aus­bil­dung am Roll­stuhl anhand der Bedürf­nis­se und Wün­sche sei­nes zukünf­ti­gen Besit­zers. Mit ca. 15 Mona­ten ist der Assis­tenz­hund fer­tig aus­ge­bil­det.

Assis­tenz­hun­de kön­nen 50 unter­schied­li­che Kom­man­dos ver­ste­hen und aus­füh­ren. Die Aus­bil­dung erfolgt in einem Spra­chen-Mix aus ita­lie­ni­schen, latei­ni­schen und eng­li­schen Begrif­fen. Deut­sche Kom­man­dos erler­nen die Hun­de nicht. Dadurch soll ver­hin­dert wer­den, dass der Hund von frem­den Per­so­nen beein­flusst oder abge­lenkt wird. Er soll schließ­lich nicht Platz oder Sitz machen, wenn er sei­nem Herr­chen oder Frau­chen assis­tie­ren soll. Da vie­le Men­schen im Roll­stuhl auch in der Moto­rik im Ober­kör­per ein­ge­schränkt sind, erler­nen Assis­tenz­hun­de nur Sprach­be­feh­le. Man­che Hun­de wer­den aufs Flüs­tern trai­niert, wenn das zukünf­ti­ge Frau­chen oder Herr­chen im lau­ten Spre­chen ein­ge­schränkt ist und nur flüs­tern kann.

Nicht nur der Hund hat wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung viel zu erler­nen. Auch die zukünf­ti­gen Besit­zer und deren Umfeld (vor allem die Fami­lie) müs­sen pau­ken und zwar die ver­schie­de­nen Kom­man­dos. Die­se müs­sen spä­tes­tens zur Team­prü­fung, mit der die Aus­bil­dung abge­schlos­sen wird, sit­zen. „Sonst kann man sich mit dem Hund nicht unter­hal­ten, weil der Hund die gän­gi­gen deut­schen Kom­man­dos ja nicht kennt“, erklärt mir Clau­dia Bod­mann. In einem 14-tägi­gen Trai­nings-Kurs wer­den die Bewer­ber inten­siv auf ihre zukünf­ti­ge Auf­ga­be als Hun­de­füh­rer geschult. Nun ler­nen die Bewer­ber end­lich ihre zukünf­ti­gen Assis­tenz­hun­de ken­nen.

Wur­de die Team­prü­fung bestan­den, kön­nen Mensch und Hund in ihr neu­es Leben star­ten. Jedes Team erhält einen Assis­tenz­hun­de-Aus­weis und eine Kenn­de­cke, als opti­sche Kenn­zeich­nung des Assis­tenz­hun­des.

Einmal Assistenzhund, immer Assistenzhund – so geht das nicht

Wer nun denkt „super, für 2.000 Euro bekommt man einen fer­tig aus­ge­bil­de­ten Hund und muss nicht mehr tun“, der irrt sich. Auch ein Assis­tenz­hund braucht – wie jeder ande­re Hund – ein kon­se­quen­tes Trai­ning. Ohne Trai­ning ver­lernt er sein Kön­nen.

Ein­mal im Jahr wird in einer Team­qua­li­täts­prü­fung über­prüft, ob der Hund noch als Assis­tenz­hund arbei­tet. Funk­tio­niert das Team immer noch ein­wand­frei oder haben sich Feh­ler bzw. Schlam­pe­rei­en ein­ge­schli­chen? Ver­steht der Hund noch die Kom­man­dos, die er erlernt hat? Ist er abruf­bar? Geht es dem Hund gesund­heit­lich gut? Ist er zu dick oder zu dünn? Muss der Hund viel­leicht etwas Neu­es hin­zu­ler­nen?

Wer sei­nen Assis­tenz­hund – wenn auch unfrei­wil­lig – zum Schmu­se­hund umer­zieht, darf die Vor­tei­le, die ein Assis­tenz­hund bie­tet, nicht mehr nut­zen. Kenn­de­cke und Assis­tenz­hun­de-Aus­weis müs­sen abge­ge­ben wer­den. In der 18-jäh­ri­gen Geschich­te von Appor­te sei eine sol­che Situa­ti­on schon vor­ge­kom­men.

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Assis­tenz­hun­de geben ihren Hal­tern die Mög­lich­keit, aktiv, selbst­be­stimmt und unab­hän­gi­ger von mensch­li­cher Hil­fe am Leben teil­zu­ha­ben. | Foto: Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V.

Ein Assistenzhund darf mehr als andere Hunde, sollte man denken

Ein Assis­tenz­hund darf mehr als ande­re Hun­de, soll­te man den­ken. In Wirk­lich­keit ist es jedoch so, dass es in Deutsch­land – im Gegen­satz zu unse­ren euro­päi­schen Nach­bar­län­dern – kei­ne ein­heit­li­chen gesetz­li­chen Rege­lun­gen und Stan­dards zur Aus­bil­dung und Tätig­keit von Assis­tenz­hun­den gibt. Bei unse­ren euro­päi­schen Nach­barn darf der Assis­tenz­hund mit ins Kran­ken­haus, in die Oper, ins Restau­rant oder in den Super­markt. In Deutsch­land besteht offi­zi­ell kein Anspruch auf Mit­nah­me des Assis­tenz­hun­des. Es obliegt immer dem Besit­zer des Geschäfts, ob er den Assis­tenz­hund tole­riert. Oft­mals ver­wei­gern Unter­neh­mer behin­der­ten Men­schen, die von Assis­tenz­hun­den beglei­tet wer­den, aus hygie­ni­schen Grün­den den Zutritt zu Restau­rants oder Super­märk­ten. Die Akzep­tanz von Assis­tenz­hun­den wächst jedoch. In der Deut­schen Bahn dür­fen Assis­tenz­hun­de unent­gelt­lich mit­fah­ren und bei der Luft­han­sa dür­fen die tie­ri­schen Assis­ten­ten unent­gelt­lich in der Kabi­ne mit­ge­führt wer­den.

Anfang 2017 for­der­te der Bun­des­rat von der Bun­des­re­gie­rung die Aner­ken­nung von Assis­tenz­hun­den für Men­schen mit Behin­de­run­gen und die Gleich­be­hand­lung aller von Assis­tenz­hun­den unter­stütz­ten Men­schen. Ein Geset­zes­ent­wurf wur­de jedoch bis heu­te noch nicht vor­ge­legt.

Warum arbeitet Apporte nicht mit deutschen Hundeschulen oder Trainern zusammen, sondern mit einer österreichischen Assistenzhundeschule?

Man­gels gesetz­li­cher Rege­lun­gen und Stan­dards in der Aus­bil­dung gibt es auch kei­ne Kon­trol­len der Aus­bil­dung und Aus­bil­der der Assis­tenz­hun­de. Dies birgt die Gefahr von schwar­zen Scha­fen in sich. Da die Aus­bil­dung von Assis­tenz­hun­den noch im unge­schütz­ten Rah­men erfol­ge, wis­se man nicht, was man bekommt, berich­tet Frau Bod­mann. Eini­ge deut­sche Trai­ner bie­ten Assis­tenz­hun­de für bis zu 30.000 Euro an. Immer wie­der erhält der Ver­ein Anru­fe von Men­schen, die viel Geld für einen Assis­tenz­hund gezahlt haben und nun berich­ten, dass der ver­meint­li­che Assis­tenz­hund nicht das leis­tet, was ver­spro­chen wur­de.

Von daher unter­stüt­zen wir den Part­ner-Hun­de-Ver­ein in Öster­reich. Da wis­sen wir, was wir krie­gen. Die Öster­rei­cher sind wie die gan­zen ande­ren euro­päi­schen Län­der in einer inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on. Sie haben sich über Stan­dards ver­stän­digt und es gibt Kon­trol­len. Der Ver­ein wur­de natio­nal und inter­na­tio­nal zer­ti­fi­ziert. Da wis­sen wir, wir wer­den als Per­so­nen­kreis gut aus­ge­bil­det und krie­gen top gesun­de Hun­de, die sehr gut aus­ge­bil­det sind“, erklärt Clau­dia Bod­mann.

Unter­stüt­zer wer­den immer gesucht.

Der Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V ist auf För­der­mit­glie­der, Spon­so­ren und Spen­den ange­wie­sen. Egal ob Spon­so­ren­läu­fe, Unter­neh­mens­spon­so­ring, Geburts­tags­spen­den und ande­re Pri­vat­spen­den, jeder Bei­trag ist will­kom­men und dient dazu, für wei­te­re Bewer­ber Assis­tenz­hun­de zu finan­zie­ren.

Der­zeit wer­den auch ehren­amt­li­che Hel­fer mit Soci­al-Media-Kennt­nis­sen gesucht. Der Ver­ein ist vom Finanz­amt als mild­tä­ti­ge Kör­per­schaft aner­kannt und kann Spen­den­be­schei­ni­gun­gen aus­stel­len. Die gesam­te Arbeit wird ehren­amt­lich geleis­tet.

Nähe­re Infor­ma­tio­nen zum Ver­ein und inter­es­san­te Erleb­nis­be­rich­te fin­den Sie bei:

Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V.
Pirol­weg 12, D 31515 Wunstorf
Tel: 05031–706816
Fax: 05031–704358
E‑Mail: kontakt@apporte-assistenzhunde.de
www.apporte-assistenzhunde.de

Spen­den kön­nen auf fol­gen­des Spen­den­kon­to über­wie­sen wer­den:

Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN DE21 2505 0180 0900 0948 30
BIC SPKHDE2HXXX

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6 Kommentare
  1. Wunstorfer Auepost sagt

    In Luthe gibt es die Beson­der­heit, dass es zwei Ver­ei­ne gibt, die bei der Finan­zie­rung von Assis­tenz­hun­den hel­fen. Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e.V. und Assis­tenz­hun­de Deutsch­land e.V.. Die Deckel­sam­mel­ak­ti­on wur­de vom Assis­tenz­hun­de Deutsch­land e.V. ins Leben geru­fen. Der Appor­te Assis­tenz­hun­de e.V. kann man durch eine För­der­mit­glied­schaft oder durch Spen­den unter­stüt­zen.

  2. Tanja sagt

    Hal­lo lie­be Redak­ti­on von der Aue­post,

    ich sit­ze auf Grund ver­schie­de­ner Erkran­kun­gen im Elek­troroll­stuhl und auch ich habe gera­de erst einen tol­len Assis­tenz­hund von Appor­te Assis­tenz­hun­de e.V. finan­ziert bekom­men und kann das nur bestä­ti­gen, was im Bericht geschrie­ben steht; sie ist ein tol­ler Part­ner, Hel­fer und lie­be­vol­ler Freund und ich bin unend­lich dank­bar, dass Appor­te Assis­tenz­hun­de e.V. mir durch die Finan­zie­rung des Hun­des ein sor­gen­freie­res und unbe­schwer­te­res Leben ermög­licht hat. Durch die außer­or­dent­li­che und wun­der­ba­re Aus­bil­dung der Hun­de durch Eli­sa­beth Fär­bin­ger von Part­ner­hun­de-Öster­reich, erhal­ten gehan­di­cap­te Men­schen die Mög­lich­keit, ihr Leben selb­stän­di­ger und selbst­be­stimm­ter zu gestal­ten. Vie­len Dank dafür!!

    Lie­be Grü­ße von
    Tan­ja und Fan­ny

    1. Mirko Baschetti sagt

      Klas­se, dass Ihnen so toll gehol­fen wur­de und Sie einen „Part­ner fürs Leben“ an Ihrer Sei­te bekom­men haben!

  3. Isabella sagt

    Ein tol­ler Arti­kel, aber es haben sich ein paar Unge­nau­ig­kei­ten ein­ge­schli­chen.

    1. Ein Assis­tenz­hund kommt nur für Men­schen mit einer Behin­de­rung in Fra­ge. Zudem muss die Behin­de­rung durch den Hund auf irgend­ei­ne Art und Wei­se gemil­dert wer­den. Wer einen Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis von 50% nach einer OP hat und kei­ne schwe­re Sachen heben darf, benö­tigt kei­nen Assis­tenz­hund. Zudem kann man sei­ne Rech­te mit dem Assis­tenz­hund nur durch das AGG und die Sozi­al­ge­setz­bü­cher durch­set­zen. Dafür benö­tigt man wort­wört­lich eine Behin­de­rung, kei­ne Beein­träch­ti­gung.

    2. Die Fami­li­en sol­len nur in bestimm­ten Situa­tio­nen die Hörzeichen/Kommandos ler­nen. Ein Assis­tenz­hund ist ein Hund, der auf eine spe­zi­el­le Per­son zuge­schnit­ten ist und die­ser assis­tie­ren soll. Daher soll­te es nicht Usus wer­den, dass die gesam­te Fami­lie dem Hund stän­dig Kom­man­dos gibt. Wenn der Assis­tenz­neh­mer krank ist oder der Hund mal ein Frei­zeit­wo­chen­en­de bekommt, dann müs­sen die zwi­schen­zeit­li­chen Hun­de­hal­ter natür­lich die Hör­zei­chen ken­nen. Aber benut­zen soll­te die Hör­zei­chen immer nur eine Per­son. Sobald man also die Haus­tür öff­net, muss allen klar sein, wer die Lei­ne in der Hand hat und das Sagen hat.

    3. Assis­tenz­hun­de dür­fen auch in Deutsch­land mehr als ande­re Hun­de. Lei­der nur im nega­ti­ven Sin­ne. Man hat also zwar kein Gesetz, das die Mit­nah­me erlaubt, aber man hat Geset­ze, die ver­hin­dern, dass man mit Assis­tenz­hund raus­ge­wor­fen wird. Betritt man einen deut­schen Super­markt mit sei­nem Assis­tenz­hund und soll raus­ge­wor­fen wer­den, muss man sich zu weh­ren wis­sen. Zunächst kann man Verkäufer/Krankenschwester/Geschäftsführer dar­auf hin­wei­sen, dass es sich um einen Assis­tenz­hund han­delt. Vie­le neh­men das schon mal so hin. Falls nicht, kann man sich dar­auf beru­fen, dass man wegen sei­ner Behin­de­rung nicht raus­ge­wor­fen wer­den darf – ansons­ten wäre es Dis­kri­mi­nie­rung. Wür­de man einem Rol­li­fah­rer sagen, dass er sei­nen Roll­stuhl bit­te vor­ne bei den Rädern drau­ßen anschlie­ßen soll­te, wäre das eine sehr ein­deu­ti­ge Dis­kri­mi­nie­rung. Da aber nicht nur der Roll­stuhl son­dern auch der Assis­tenz­hund „zur Behin­de­rung gehört“ (oder zu deren Bewäl­ti­gung), muss für den Assis­tenz­hund das­sel­be gel­ten. Ein Haus­recht gegen Assis­tenz­hun­de kann im Fal­le von öffent­lich zugäng­li­chen Ein­rich­tun­gen (Super­märk­te, Ämter, Kran­ken­häu­ser) nicht ange­wen­det wer­den. Denn will­kür­lich darf man weder Behin­der­te noch die dazu­ge­hö­ri­gen Roll­stüh­le, Hör­ge­rä­te, Blin­den­lang­stö­cke oder Assis­tenz­hun­de nicht aus­schlie­ßen. Wich­tig ist, dass man mit ruhi­ger Stim­me dis­ku­tiert, denn lau­tes Her­um­schrei­en und Ähn­li­ches wären ein Grund für einen Raus­wurf durch Haus­recht.

    4. Es wäre schön gewe­sen, wenn man durch die Auf­merk­sam­keit des Arti­kels ande­re Men­schen für den Umgang mit Assis­tenz­hun­den sen­si­bi­li­siert. Zwar haben auch Assis­tenz­hun­de Frei­zeit und kön­nen dann auch ger­ne mit ande­ren Hun­den, Men­schen und Kin­dern spie­len. Aber soll­te man einem Assis­tenz­hund begeg­nen (erkenn­bar am Geschirr oder Lei­ne), ist es wich­tig, dass man den Hund nicht ablenkt. Dazu gehört, dass man den Hund nicht berührt, nicht anspricht oder Lock­ge­räu­sche macht. Kin­der und ande­re Hun­de soll­ten fern­ge­hal­ten wer­den, damit auch die­se den Hund nicht ablen­ken. Zwar sind die Hun­de beson­ders geschult sich nicht sofort ablen­ken zu las­sen, aber sie sind auch gut sozia­li­siert und mögen Strei­chel­ein­hei­ten. Daher sind sie nicht reak­ti­ons­los auf Ablen­kun­gen und das kann bei dem Besit­zer, der ja irgend­ei­ne Behin­de­rung hat, even­tu­ell zu gefähr­li­chen Situa­tio­nen füh­ren. Ein Dia­be­tes-Hund, der den sin­ken­den Blut­zu­cker ver­passt, ein Blin­den­führ­hund, der einem rie­si­gen auf ihn zustür­men­den Hund aus­wei­chen muss und Herrchen/Frauchen von den Füßen reißt, das ist alles schon pas­siert. Also bit­te Assis­tenz­hun­de igno­rie­ren, arbei­ten las­sen und nur strei­cheln, wenn man sie im Park trifft und man vom Besit­zer zuvor die Erlaub­nis erhal­ten hat.

    Mit freund­li­chen Grü­ßen,

  4. Tanja sagt

    Also da muss ich zum Teil wider­spre­chen… ich habe noch kei­ne nega­ti­ven Erfah­run­gen gemacht, ganz im Gegen­teil, egal wo wir hin kom­men – Rewe, Ross­mann, dm, Tchi­bo, Arzt, Kreis­spar­kas­se usw.-, wer­den wir sehr Will­kom­men gehei­ßen und alle bestau­nen und loben mei­nen Assis­tenz­hund, wie lieb er ist und brav lie­gen bleibt und nicht bellt!!
    Natür­lich bekommt jemand, der in sei­ner Mobi­li­tät nicht ein­ge­schränkt ist oder kei­ne sons­ti­gen Erkran­kun­gen wie z.B. Dia­be­tes hat, kei­nen sol­chen Hund, das ver­steht sich von ja selbst und auch wenn man ent­spre­chend gehan­di­capt ist und Ein­schrän­kun­gen hat, wird man – bei Appor­te Assis­tenz­hun­de e.V. und Part­ner­hun­de Öster­reich ist das so!, Gott sei Dank- auf Herz und Nie­ren geprüft, ob man auch u.a. cha­rak­ter­lich, men­tal und finan­zi­ell in der Lage ist, für den Hund zu sor­gen und ihm ein art­ge­rech­tes Leben zu ermög­li­chen.

    Vie­le Grü­ße

  5. […] Bod­mann ist Grün­de­rin und ers­te Vor­sit­zen­de des Ver­eins Appor­te Assis­tenz­hun­de für Men­schen im Roll­stuhl e. V. Seit 2005 enga­giert sie sich in ihrer Frei­zeit für den Ver­ein. Assis­tenz­hun­de ermög­li­chen […]

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