
Die Auepost war im vergangenen Jahr zum ersten Mal bei einem Konzert dabeigewesen – und hatte den Feuerwehrmusikzug aus Kolenfeld kurzerhand und unabgesprochen zur Philharmonie erklärt.
In diesem Jahr feierten die Musiker nun auch noch das 60. Jahr des Bestehens – entsprechend hoch lagen die Erwartungen. Das Stadttheater, in dem das Konzert stattfand, wurde am Sonntagnachmittag geradezu überrannt: Platzreservierungen gab es nicht, und so hatten diejenigen Glück, die bereits frühzeitig Einlass begehrt hatten.
Kurz vor Beginn schien alles bis auf den letzten Platz belegt. Die Ersten gingen bereits wieder, nachdem sie vergeblich nach noch freien Sitzgelegenheiten Ausschau gehalten hatten. „Dann gehen wir halt auf den Weihnachtsmarkt“, wurden manche Konzertbesuchspläne spontan abgeändert.


Sogar auf der Empore, der übliche Geheimtipp bei Überfüllung im Stadttheater, war alles belegt. Noch fünf Minuten bevor sie selbst auf die Bühne traten, organisierten Musikzugmitglieder persönlich einzelne Sitzplätze für die Zuschauer.
In der ersten Reihe unter anderem: Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD), stellvertretender Bürgermeister Martin Pavel (CDU), Kolenfelds Ortsbürgermeister Karsten Grobe (SPD) – versehentlich zuerst als Oberbürgermeister vorgestellt – oder Polizeichefin Britta Schwarz und Stadtbrandmeister Martin Ohlendorf. Kolenfelds Ortsbrandmeister Robert Focke und Bürgermeister Piellusch gratulierten mit Reden zum Jubiläum.
Gleich zu Beginn, als die Musiker die Bühne betreten hatten, ein starker Kontrast zum heutigen Bild: Mit nur zwei Instrumenten, mit Trommel und Naturtonfanfare, wurde gezeigt, wie alles vor 60 Jahren begonnen hatte. 1965 als Fanfarenzug gegründet, Mitte der 1980er Jahre umbenannt in Musikzug, hat die Bläserformation ihr Klangspektrum über die Jahrzehnte immens erweitert und sich immer weiter professionalisiert.


Musikzugleiter Dennis Huth konnte sich diesmal stärker auf seine Rolle als Maestro konzentrieren und überließ den Großteil der Moderation Wilfried Wenzig – der in die Geschichte des Fanfaren- und Musikzuges führte, den Werdegang über die Jahrzehnte nachzeichnete und dabei auch gleich zum Dressman wurde. Er hatte sich in die alten Uniformen gehungert, wie das Publikum erfuhr, und trat wechselnd mit den entsprechenden zeithistorischen Anzügen ans Pult.
Zu Philharmonieklängen kehrten die Kolenfelder mit Wucht zurück – ganz deutlich etwa bei „Auf uns“ von Andreas Bourani in der Blasorchesterversion, das den Anspruch des heutigen Musikzuges offenbarte und mit dem sich die Musiker auch selbst ein Geschenk zum Konzert machten.
Eines der Stücke, mit dem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Großen Zapfenstreich vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr aus dem Amt hatte verabschieden lassen, war ebenso im Repertoire: „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen.
Das Medley von Disney-Melodien wurde zum Quiz. Mit der Titelmusik von der „Gummibärenbande“ oder „Chip und Chap“ hatten die ältesten Semester Probleme – doch beim Dschungelbuch waren alle wieder vereint.
Aber dann stand der Radetzky-Marsch auf dem Programm – und scheinbar unter keinem guten Stern. Denn auf einmal waren die Noten „verschwunden“, und beim Verteilen der eiligst herbeiorganisierten fehlenden Partituren kam Dirigent Dennis Huth ein wenig durcheinander.
Die ersten Takte gelangen noch, jedoch wähnte sich das Schlagzeug auf einmal im Film „Whiplash“ und brachte mit einem krachenden Solo den Rest des Musikzuges zum Verstummen.







Beim erneuten Versuch fehlten dann auf einmal die Perkussionisten komplett. Als sie wieder auf ihren Positionen waren, vergeigten sie zuverlässig die Einsätze – und die übrigen Musiker gerieten völlig aus dem Takt. Am Ende spielten die Musiker einfach irgendwas.
Der einstudierte musikalische Sketch ließ das Publikum Tränen lachen bis in Begeisterungsstürme ausbrechen.
Ganz emotional wurde es, als diejenigen auf die Bühne gebeten wurden, die 1965 den Fanfarenzug ins Leben gerufen oder zu den ersten Musikern gehört hatten. Als Heinrich Gehle senior, Richard Blanke und Wilhelm Mohlfeld langsam die Treppen zur Bühne hochstiegen, standen erst der gesamte heutige Musikzug auf der Bühne auf – und dann das gesamte Stadttheater.



Zu ABBAs „Thank You for the Music“, das den offiziellen Konzertabschluss bildete, griff Dennis Huth noch selbst zur Trompete – und nicht zur Naturtonfanfare.
Ein Angebot, das man kaum ablehnen konnte, hatte Wenzig während des Konzerts allen Besuchern gemacht, die den Musikzug noch nicht über eine Feuerwehrmitgliedschaft fördern: Wer noch im Theater einen Aufnahmeantrag ausfülle und auf die Rückseite drei Musikwünsche dazuschreibe, bekäme einen Wunsch davon beim nächsten Konzert erfüllt. Was daraus geworden ist, wird man – dann im 61. Jahr – zum Jahreskonzert Ende 2026 sehen.
Wie immer die Überschrift erwähnt was schief lief, statt die guten Seiten hervorzuheben typisch Reißerische Headline die man fast überallin Zeitungen findet .. Ich finde das bedrückend, natürlich kann mal was schiefgehen man hat echt schon bei so einer Eröffnungszeile keine Lust mehr weiter zu lesen, alle schauen auf 1 % schlechte Nachrichten wenn 99% vielleicht gute Nachrichten sind, wir fallen immer tiefer in eine pessimistische Haltung, kein Wunder warum so viele aufgeben wir reden uns da hinein… Fängt bei einem kleinen Artikel schon an. Deutschland macht sich kaputt.
Werte Gabriele, schreiben Sie eigentlich gerne Leserkommentare zu Artikeln, die zu lesen Sie keine Lust haben? Nehmen Sie Ihre Brille ab und lesen Sie. Und – lassen Sie Deutschland aus dem Spiel!
Ich find die Überschriften (und manche Artikel) der Auepost auch oft zu reißerisch und wenig sachlich, hier aber war es – denke ich – spaßig gemeint:
„Der einstudierte musikalische Sketch ließ das Publikum Tränen lachen bis in Begeisterungsstürme ausbrechen.“
Ein sehr gelungener, ausführlicher Artikel. Danke. Genauso wie beschrieben und bebildert hat das absolut sehens- und hörenswerte Konzert mit vielen ehrenden und unterhaltsamen Worten stattgefunden. Ich bin froh, dabeigewesen zu sein. Bis zum 06.12.2026.