
Wunstorf (ds). Ausgerechnet im Jubiläumsjahr fehlt der Musikschule der Musikschulleiter? Das wäre beinahe passiert. Der bisherige Leiter, der die Musikschule Wunstorf 5 Jahre geführt hatte, war aus familiären Gründen nach Paderborn gewechselt – dort übernahm Matthias Wolf inzwischen die Leitung der dortigen städtischen Musikschule.
Ein Nachfolger für Wunstorf war zwar auserkoren, konnte die Stelle jedoch noch nicht antreten. Deshalb musste Ludger Wiese noch einmal ran: Der ehemalige Leiter und Mitgründer der Wunstorfer Musikschule hatte bis zur Übergabe an Wolf die Musikschule bereits 35 Jahre lang geleitet – und wurde für viereinhalb Monate nun auch noch einmal kommissarisch dessen Nachfolger. Eigentlich war Wiese schon 2021 verabschiedet worden.
„Das kam überraschend, das habe ich nicht erwartet“, beschreibt Wiese rückblickend mit einem Schmunzeln seinen nochmaligen Einsatz.
„Das kam überraschend“
Ludger Wiese
Aber seine alten Tabellen im Computer habe er noch wiedererkannt. Ebenso lächelnd fügt er hinzu: „5 Jahre Ruhestand war auch ’ne schöne Zeit.“ Den kann Wiese nun wieder genießen, denn jetzt, offiziell seit dem 1. April, ist der neue Leiter zur Stelle.
Es ist Jens Enders. Der 43-Jährige ist damit der erst 3. Musikschulleiter in der 40-jährigen Geschichte der Musikschule Wunstorf. Enders wohnt in Hannover und hat in Würzburg Musik studiert.
Die Musikschule bekommt mit ihm eine erfahrene Führungskraft: Vor seinem Wechsel an die Wunstorfer Musikschule leitete der gebürtige Hesse zweieinhalb Jahre die Musikschule Laatzen. Davor war Enders fünfeinhalb Jahre in Springe als Musikschulleiter beschäftigt.
Für Enders ist Wunstorf keine unbekannte Stadt: Engere Berührungen zur Musikschule Wunstorf hatte er zuvor noch nicht, aber seine Frau arbeitet wortwörtlich direkt nebenan: sie ist Lehrkraft am Hölty-Gymnasium.
Die Alte Musik ist Enders’ Steckenpferd. An der Musikschule unterrichtet er selbst Trompete. Dazu befragt, was er an seiner neuen Wirkungsstätte schätzt, nennt Enders auch die Räumlichkeiten: Dass eine Musikschule über ein eigenes Gebäude verfüge, das sei längst nicht überall der Fall.
Auch Ideen für eigene Akzente hat Enders bereits: Die Musikschule könne in den Ortsteilen präsenter werden oder auch erwachsene Musikschüler mehr in den Fokus nehmen. Auch die Umstellung auf den Ganztagsbetrieb in den Grundschulen erfordere eine neue Rolle der Musikschule und mache neue Konzepte nötig.
Der Musikschulleiter darf noch korrekt als Musikschulleiter bezeichnet werden. Bei der Lehrerin verzichtet man dagegen vorsorglich auf die naheliegende und ebenso korrekte Bezeichnung und nennt sie lieber „Lehrkraft“. Genau darin zeigt sich der kleine ideologische Knick im Text: korrektes Deutsch auf der einen Seite, neutralisierende Vermeidungsstrategie auf der anderen.