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Wunstorf-Video zum Regionsgeburtstag kommt nicht gut an

03.11.2021 • Redaktion • Aufrufe: 1169

Anlässlich 20 Jahre Region Hannover entstanden 21 Videos über die kulturelle Vielfalt der Mitgliedskommunen. Eine Visitenkarte für die Städte und Gemeinden sollen sie sein. Das Video über Wunstorfs Kulturszene löst jedoch keine Begeisterungsstürme aus.

03.11.2021
Redaktion
Aufrufe: 1169
Wunstorf-Video
Der Kuhbrunnen im Wunstorf-Video. Der Film ist einer von 21 Projekten. | Screenshot: Auepost

Wunstorf (red). Zum 20. Jahrestag der Gründung der Region Hannover, die an die Stelle des alten Landkreises trat, hat die Region eine Serie von Städtevideos initiiert und finanziert. Gezeigt und gefördert werden sollte damit der Kulturbereich in den Mitgliedsgemeinden. Für jeden Film stand ein Budget von 9.000 Euro zur Verfügung. Das Geld ging je zur Hälfte an die Filmschaffenden und an die jeweilige Kulturszene vor Ort.

Auch für Wunstorf wurde ein Video produziert, in den vergangenen Monaten wurde dafür an unterschiedlichen Stellen gefilmt. Chorgesang sowie Szenen vom Jugendzentrum Der Bau-Hof sind zu sehen, Ausschnitte von Konzerten wie etwa im Rahmen von Kultur im Bürgerpark, Akteure von Kulturring, Musikschule und Kunstverein sowie viele weitere tauchen im Video auf.

Debatte um inhaltliche Qualität

Mit den Kurzfilmen sollten die Regionskommunen porträtiert, aber insbesondere die Fragen beantwortet werden: Was haben sie kulturell zu bieten? Welche „Kunst-Schätze“ lassen sich in Wunstorf und den 20 weiteren Regionsteilen heben? Wie aktiv ist die Kulturszene vor Ort? Und warum lohnt ein Besuch?

In den Sozialen Medien wird das Wunstorfer Video bereits heiß diskutiert – und von den Kommentatoren bislang überwiegend ablehnend bewertet. Wunstorfer Kulturschaffende üben offene Kritik. Sogar ein im Film zu sehender beteiligter Akteur äußerte sich kritisch. Bemängelt wird im Kern, dass das Video die Vielfältigkeit von Wunstorf nicht transportiere, die Breite der Kulturszene nicht durchdringe. Eine mehrmals geäußerte Meinung war: Die Produktion wirke eher wie ein Musikvideoclip für den zentral dargestellten Chor – der um den Kuhbrunnen tanzt. Der Chorgesang wirke zu dominant. Wunstorf werde auf den Kuhbrunnen reduziert, meinte ein Kommentator.

Es wäre besser gewesen, wenn die Produzenten aus Wunstorf gekommen wären, wurde vorgeschlagen. Doch das war gerade nicht die Absicht der Region gewesen, die Videoersteller kamen – bis auf jene aus Hannover – allesamt nicht aus den jeweiligen Städten und Kommunen, deren Kulturbereiche sie filmisch darstellten, sondern sollten gleiche Bedingungen haben. So konnten sich die Filmemacher keine Stadt oder Kommune aussuchen, sondern es wurden Lose gezogen.

Vielfalt im Vergleich

Es geht bei der Videoserie letztlich aber nicht nur um die Vielfalt von Wunstorf, sondern der Region als solche. Und die tritt bereits durch die Videos selbst hervor: Hannover verbindet Orgelmusik mit Poesie, Neustadt stellt seine berühmte Bahnhofsgalerie in den Mittelpunkt, Seelze beschwört die Kultur als solche („Wir sind Kultur“) und lässt als verbindendes Element eine Vespa mit verdecktem Versicherungskennzeichen durch die Stadt fahren. Gehrden zeigt Luftbilder von allen seinen Ortschaften und lässt die Einwohner zu Wort kommen. Der Film aus Laatzen hat das Video selbst zur Kunst werden lassen – indem die ganze Stadt das eigene Wappen zusammenpuzzelt.

Nur für Barsinghausen hat man das Thema komplett verfehlt und, statt die Kultur zu zeigen, eine Art Stadt-Werbespot gedreht für die Menschen, die bereits dort wohnen. Am dokumentarischsten von allen geht das Lehrter Video vor – nach Anschauen dieses Videos hat man wirklich das Gefühl, zu wissen, wie das kulturelle Angebot in Lehrte aussieht. Geheimtipp ist Langenhagen: Dessen Video besticht nicht mit kultur-, aber dafür kultverdächtigen Dialogen wie: „Was ist denn das Neumoderne da?“ „- Das sind hier die Neubauten.“

Bewertungsfunktion
Videobewertung bei YouTube | Screenshot: Auepost

Im Regionsvergleich steht Wunstorf rein objektiv betrachtet nicht schlecht da. Viel mehr Vielfalt ließe sich in einem zweieinhalbminütigen Spot kaum unterbringen. Die Wunstorfer Version ist eine der mit Ansichten und Akteuren am dichtesten bestückte (auch das wird jedoch stellenweise kritisiert, die Schnitte als zu hektisch eingestuft). Dazu kommt, dass der Chor Twist & Shout Wunstorf auf Plattdeutsch besingt. Das macht es zu einem der anspruchsvollsten im Reigen der Regionsvideos. Offen bleibt am Ende die Frage, ob es wirklich dazu animiert, Kunst-Schätze in der Auestadt zu heben.

Auf Youtube selbst sind die Bewertungen des Wunstorf-Videos gemischter: Am Dienstagabend standen 7 negative Bewertungen 13 positiven gegenüber. Lehrte hat hingegen bereits 48 Daumen nach oben erhalten, ohne negative Bewertung. Und für Langenhagen steht es 23:2.

Alle Videos können auf einer Seite der Region oder unter dem Schlagwort 20JRH direkt auf Youtube angesehen werden.

Seit Montag, 1. November 2021, – pünktlich zum 20. Geburtstag der Region Hannover – stehen die Filme zum Abruf bereit. Am vergangenen Sonnabend wurden sie erstmals im Rahmen eines Empfangs zum 20-jährigen Bestehen der Region Hannover vorgeführt. Im Rahmen des Haushaltsbeschlusses für den Etat 2021 hatte die Regionsversammlung im Dezember 2020 entschieden, 200.000 Euro in die Kulturarbeit in den Städten und Gemeinden zu investieren, die ursprünglich für Projekte reserviert waren, falls die Stadt Hannover den Zuschlag für den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 erhalten sollte. Das Team Kultur der Region Hannover entwickelte daraufhin die Idee für das Filmprojekt „20JRH“ zum 20-jährigen Bestehen der Region. Freischaffende Filmemacherinnen und -macher konnten sich bewerben und wurden dann den Kommunen zugelost. Die Städte und Gemeinden können die Filme nach Belieben einsetzen.

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Kommentare


  • Begerow, Joachim sagt:

    Die Videoersteller*innen kamen (ausgenommen Hannover) nicht aus der jeweiligen Gemeinde, sollten aber quasi deren kulturelle Visitenkarte produzieren – so die (groben) Vorgaben der Region Hannover. Da kann man/frau wirklich nur noch den Kopf schütteln! Ein auf Plattdeutsch gesungenes Lied, dessen Text maximal von den wenigen des Plattdeutschen mächtigen Zuschauer*innen des Videos verstanden wird, und selbst dies nur unter der Vorausgesetzung, dass man/frau rein akustisch überhaupt „mitkommt“ (ich leider nicht!)- dass soll also typisch für Wunstorfer Kultur sein??? Wie hoch ist denn der Anteil der Wunstorfer Bürger*innen, die noch Plattdeutsch verstehen, geschweige denn sprechen? Er dürfte sich eher dem Promillebereich nähern denn der Zwei-Prozent-Marke! – Dem/der Videoersteller*in scheint es ja die pinkelnde Kuh besonders angetan zu haben… Oder sollte diese Häufung von Filmsequenzen quasi eine satirische Note beinhalten? – Kurzum: Wenn ich jemandem den Auftrag geben würde, eine Art Steckbrief über mich zu erstellen, dann würde ich doch mit Sicherheit jemanden beauftragen, die/der mich gut kennt und nicht jemandem, der/dem ich fremd bin. Wenn die Region Hannover hier den gegenteiligen Weg beschritten hat, dann zeugt dies bestenfalls von Realitätsferne, schlimmerenfalls kann man/frau sich des Verdachtes nicht erwehren, dass hier möglicherweise eine hannöversche Personengruppe finanziell unterstützt werden sollte, die sich – warum auch immer – zuvor als förderungswürdig erwiesen hatte…
    P.S.: Ich hoffe, ich habe bei meinem Text im Sinne des neuen Regionspräsidenten fehlerfrei gegendert!

  • Begerow, Joachim sagt:

    Nachklapp 1: Dank des Umstandes, dass meine Ehefrau aufgrund ihres Heimatortes noch des Plattdeutschen mächtig ist und dies bei entsprechenden Gelegenheiten auch anwendet, habe ich nun zumindest einiges, vor allem den „anspruchsvollen“ Refrain des Liedes, verstanden. Aber selbst sie vermochte bestenfalls fragmentarisch dessen weiteren Text zu enträtseln.
    Nachklapp 2: a) Das Jugendzentrum „Der Bauhof“ ist sicherlich eines der Top-Vorzeigeobjekte unserer Stadt. Einen Bezug zur Kultur vermag ich insoweit allerdings nicht festzustellen. b) Der Wunstorfer Verein „meervocal“ hat sich um das gleichnamige internationale Jazzchorfestival jahrzehntelang verdient gemacht. Eine Erwähnung in dem Video, geschweige denn eine kurze filmische Sequenz davon habe ich trotz inzwischen mehrmaligem Anschauen des hiesigen Filmbeitrages nicht zu entdecken vermocht. c) In der „Vor-Corona-Zeit“ gab es zwei alljährliche Höhepunkte im kulturellen Terminkalender unserer Stadt, die stets viele tausend Besucher angezogen haben, nämlich das Festliche Wochenende in Steinhude mit illuminierten Booten und Feuerwerk als Höhepunkt, und das Maifest vor der Stadtkirche mit den „Pfund´s Kerlen“ aus Österreich. Egal, ob man nun diese Musik mag oder nicht – es handelte sich stets um wahre Zuschauermagneten, und den „Pfund´s Kerlen“ wurde sogar die (auch von mir belächelte!) Ehre zuteil, sich in das „Goldene Buch der Stadt“ einzutragen, wenn ich mich recht entsinne, sogar auf der gegenüber liegenden Seite von derjenigen, auf der sich eine gewisse Angela Merkel verewigt hat. Zusammengefasst: Jede(r) örtliche Medienschaffende hätte ein repräsentativeres Bild der Wunstorfer Kulturszene zeichnen können! Sorry, liebe Sängerinnen und Sänger von „Twist & Shout“, ich mag Euch und Eure Aktionen nach wie vor trotzdem, aber dies war m.E. wirklich „voll daneben“!

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