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Feiern bis zum Untergang!

23.05.2022 • Horst Koschinsky • Aufrufe: 830

„Das kann doch alles nicht euer Ernst sein!“ Horst ist fassungslos: Während Putin am roten Knopf sitzt, werden in Wunstorf „Atomhappen“ zum Alternativschützenfest gereicht.

23.05.2022
Horst Koschinsky
Aufrufe: 830

Jetzt muss ich mal ein Fass aufmachen. Ja, das war ein schönes kleines Fest am Samstag im Rathausinnenhof … wenn man mal kurz vergisst, dass das die Alternative zum Schützenfest sein sollte. Wo waren denn die üblichen Akteure, für die die Party als kleine Entschädigung eigentlich gedacht war? Wo waren denn die ganzen Schützen und Kompanien? Wollten die sich etwa nicht verarschen lassen? Einen Mini-Altstadtfestabklatsch mit der Spritzigkeit einer Rathaus-Betriebsfeier als Schützenfestalternative zu verkaufen, das ist schon mutig. Ansteckbuttonbasteln statt Autoscooter. Die Leute fragen sich zu Recht, was das eigentlich soll.

Natürlich, man kann auch in schlimmen Zeiten lachen, gesellig sein und Spaß haben – nur sollte man den Spaß nicht erst mit Hinweis auf moralische Bedenken absagen, um ihn dann doch noch irgendwie auf die Beine zu stellen. Wenn man das Ganze dann noch zur Auch-Ukraine-Spendengeld-Sammelaktion umzudeuten versucht, wirkt das ziemlich zynisch. Sich mit dem Motto „In den Farben vereint“ noch schnell ein Ukraine-Deckmäntelchen zu geben, war zu durchschaubar. So ehrenwert die Bemühungen auch sind, den Karren nicht vollends in den Dreck fahren zu lassen: Erst das traditionelle Schützenfest nicht auf die Reihe kriegen, dann Corona und den Ukraine-Krieg als willkommene Absage-Begründung draufpappen und am Ende im Rathausinnenhof alles wegzuschunkeln versuchen – das gibt kein gutes Bild ab.

Die Dörfer, die wie gewohnt ihre Schützenfeste feiern, lachen sich kaputt über Wunstorf.

Bis auf die Hardcore-Partymacher und Schausteller hätte jeder verstanden, wenn man das Schützenfest komplett abgesagt hätte. Die Eltern der Grundschüler sind sogar jetzt noch dankbar, dass sie erneut nicht zur Teilnahme zwangsverpflichtet wurden und am Ende des großen Umzugs ihre Kinder am Schützenplatz einsammeln müssen. Aber es abzusagen, um wenig später eine ausgelassene Light-Version zu feiern – das kann man niemandem erklären. Ist der Ukraine-Krieg also doch nicht so schlimm? Große Party ist verboten, aber kleine Party geht? Wie viele ukrainische Orte müssen noch zerbombt werden, bis auch kleine Partys nicht mehr okay sind? Man hätte auch offen sagen können, dass man trotz der Lage gern lüttje gefeiert hätte, aber es halt nicht hinbekommen hat. Die Dörfer, die wie gewohnt ihre Schützenfeste feiern, lachen sich kaputt über Wunstorf.

Das bisschen Party hätten wir uns hier dann wirklich auch noch sparen können. Die Bundesregierung macht trotz der eigenen deutschen Geschichte einen auf Neville Chamberlain, blamiert uns mit tröpfelnder Militärhilfe in der ganzen Welt (wahrscheinlich sogar in Russland), um die Eskalation zu einem nuklearen Konflikt zu verhindern – und in Wunstorf werden zum Ersatz-Schützenfest „Atomhappen“ gereicht? In einem Hollywood-Drehbuch wäre das als zu unrealistisch gestrichen worden. Oder soll das Galgenhumor sein? Es hätte nur noch der Probe-Sirenenalarm zum Aufmarschieren mit Säbel vorm Flüchtlingsheim gefehlt. Das kann doch alles nicht euer Ernst sein.

Es hätte nur noch der Probe-Sirenenalarm zum Aufmarschieren mit Säbel vorm Flüchtlingsheim gefehlt.

Den Wirten sei es gegönnt, die mit Corona schon genug Umsatzausfälle hatten. Aber es kommt halt nicht nur auf das Ob, sondern auch aufs Wie an. Es wäre so viel Gutes möglich gewesen: Eine echte Alternativveranstaltung. Ein Willkommen für die Ukraineflüchtlinge. Oder ein Fest für die Kinder, die seit jetzt 3 Jahren auf alles verzichten mussten, was Spaß macht. Das Geld, das man sonst ins Schützenfest bläst, komplett an an die Ukraine-Hilfe geben. Oder mal einen Lebensmittelfonds schaffen, damit die Steinhuder Flüchtlinge nicht auch noch zur Tafelausgabe laufen. Stattdessen steht man mit Biergläsern auf den Tischen und schunkelt sich bei den Village People die moralische Verantwortung von den Schultern.

Was macht ihr eigentlich, wenn 2023 immer noch Krieg herrscht in Europa? Oder die Russen vielleicht gerade dann an der finnischen Grenze „Übungen“ abhalten? Oder die Regierung zwar in Corona-Impfdosen ertrinkt, aber zu wenig Pockenimpfstoff bestellt hat? Wird dann erst wieder kurz vor knapp überlegt, wie man es dreht, trotz allem doch irgendwie noch unbeschwert feiern zu können, und dabei jegliche Sensibilität über Bord geworfen? Oder hat dann sowieso auch noch der Letzte das Interesse am Schützenfest verloren? Viel Zeit bleibt nicht mehr: Im nächsten Jahr wird es erstmals eine komplette Schülergeneration geben, die noch nie ein Kinderschützenfest erlebt hat.

Wie es auch weitergeht in der Weltgeschichte: Das Jahr 2022 wird auf jeden Fall in die Geschichte des Wunstorfer Schützenfestes eingehen. Und das nicht sehr ruhmreich.

Mit stattfesten Grüßen
Horst Koschinsky

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Kommentare


  • Dorn sagt:

    chapeau ! Guter Kommentar.

  • Tom Netzwerker sagt:

    Wer hat sich vermutlich dort den Corona-Virus eingefangen?

  • Lydia Bertani sagt:

    Respekt! Sowas erwarte ich eigentlich von jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand.
    Der Rest darf auch gern Hilfspolizist für die Interessen der Pharma-Lobby spielen. Vielleicht springt ja nochmals eine weitere Gratis-Bratwurst dafür raus.

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