Wunstorf und die feh­len­den Park­plät­ze

Die Poli­tik will sich nun end­lich der schlech­ten Park­platz­si­tua­ti­on rund um die Wunstor­fer Innen­stadt anneh­men. Die „Ampel­ko­ali­ti­on“ kann sich ein Park­deck vor­stel­len; die CDU spen­det Bei­fall und hofft auf bal­di­ge Taten, will aber noch wei­ter gehen.

Park­platz neben dem Schüt­zen­platz | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Ver­kehrs­si­tua­ti­on ist und bleibt ein Nega­tiv­merk­mal von Wunstorf. Es ist nicht nur der Durch­gangs­ver­kehr, der mit der Nord­um­ge­hung irgend­wann ein­mal aus der Kern­stadt ver­bannt wer­den soll, um die chro­nisch über­las­te­ten Innen­stadt­stra­ßen zu ent­las­ten – es ist auch die Park­platz­si­tua­ti­on, die vie­le Auto­fah­rer zur Ver­zweif­lung treibt. Wunstorf, das für sich bean­sprucht, die schöns­te Innen­stadt der Regi­on zu haben, ver­prellt die mit dem Auto anrei­sen­den Besu­cher eher, als dass es sie park­platz­tech­nisch beson­ders hofie­ren wür­de.

Die Park­ge­büh­ren sind zwar ein Schnäpp­chen und die­nen im End­ef­fekt nur dazu, Lang­zeit­par­ker abzu­schre­cken, und am spä­te­ren Nach­mit­tag oder den weni­ger zen­tra­len Park­plät­zen parkt man gene­rell kos­ten­los, doch es gibt ein­fach zu weni­ge davon. Dort, wo sie gebraucht wer­den, jeden­falls. Sogar der Nord­wall-Park­platz, der größ­te Park­platz in der Wunstor­fer Innen­stadt, ist oft voll belegt. Vor allem an Markt­ta­gen oder Ver­an­stal­tun­gen in der Innen­stadt fin­det man hier nicht aus­rei­chend freie Plät­ze.

Feh­len­de Park­plät­ze brem­sen die Wirt­schaft

Im Fall des neu­en Fit­ness­stu­di­os Limit­less, das Ende Dezem­ber in der Lan­gen Stra­ße eröff­ne­te, zeich­ne­te sich exem­pla­risch ab, wie Park­platz­man­gel die Ent­wick­lung der Fuß­gän­ger­zo­ne aus­brem­sen kann. Wenn sich neu­es Gewer­be in der Fuß­gän­ger­zo­ne ansie­deln will, kön­nen man­geln­de Park­flä­chen zu einem Haupt­hin­der­nis wer­den.

Fast naht­lo­ser Anschluss an die Fuß­gän­ger­zo­ne: Park­platz Alter Markt | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Park­plät­ze, die unmit­tel­bar an die Fuß­gän­ger­zo­ne gren­zen, wie etwa der Alte Markt, sind zu Geschäfts­zei­ten prak­tisch per­ma­nent voll belegt. Der nächst­nä­he­re grö­ße­re Park­platz, am Nord­wall, ver­spricht zwar mehr Aus­wahl, platzt jedoch eben­falls aus allen Näh­ten, sobald grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen anste­hen oder ein­fach nur Markt­tag ist. Wer am Schüt­zen­platz parkt, muss hin­ge­gen schon wie­der einen län­ge­ren Fuß­weg zurück­le­gen.

Wunstorf ist Auto-Ein­kaufs­stadt

Das ist dop­pelt tra­gisch, denn es gibt auch kei­nen Bahn­hof, der so zen­tral läge, dass man bequem aufs Auto ver­zich­ten könn­te. Mit der Bahn anrei­sen, um in der Fuß­gän­ger­zo­ne bum­meln zu gehen, das ist jeden­falls nicht die Stär­ke von Wunstorf – dazu liegt der Wunstor­fer Bahn­hof zu weit außer­halb der Innen­stadt. Es kommt vor, dass Orts­un­kun­di­ge erst über die Hoch­stra­ße fla­nie­ren, um zur Alt­stadt zu gelan­gen. Doch auch der Fuß­weg über die Hin­den­burg­stra­ße ist viel zu weit. Zum Ein­kau­fen in die schöns­te Innen­stadt der Regi­on kommt man daher wirk­lich bequem nur mit dem Regio­bus oder dem eige­nen Fahr­zeug. Für Fahr­rad­fah­rer stellt sich die Fra­ge allen­falls noch, wenn sie in der Kern­stadt woh­nen – die dezen­tra­le Struk­tur Wunstorfs macht das Auto auch für die umlie­gen­den Orts­tei­le zur ers­ten Wahl.

Autos kur­ven auf der Suche nach einer Park­lü­cke auf dem Nord­wall-Park­platz in Wunstorf | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Wil­des Par­ken und unnö­ti­ges Her­um­kur­ven

So geht der Wunstor­fer Innen­stadt poten­ti­el­le Kund­schaft ver­lo­ren, die es sich zwei­mal über­legt, ob sie sich die Park­platz­su­che wirk­lich antun will. Denn die­se ist immer wie­der zu beob­ach­ten: Wer am Alten Markt kei­nen Park­platz fin­det, umfährt die gesam­te Fuß­gän­ger­zo­ne Rich­tung Nord­wall – und wer auch dort nicht fün­dig wird, geht mit oft lau­fen­dem Motor in War­te­stel­lung oder dreht wei­ter Run­den rund um die Alt­stadt. Auch Falsch­par­ken scheint zuzu­neh­men, was vor allem die Anwoh­ner ärgert.

Die Beschwer­den von Besu­chern wie auch Anwoh­nern in der Innen­stadt Wunstorfs und in Stein­hu­de haben zuge­nom­men.“Mar­tin Ehler­ding, bau­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD

Park­platz­ab­bau

Die Situa­ti­on dürf­te sich in Zukunft sogar noch ver­schär­fen, wenn der Super­markt­platz an der Küs­ter­stra­ße ent­fal­len wird. Der­zeit kön­nen 50 von den 60 dort ver­füg­ba­ren Park­plät­zen dank einer Ver­ein­ba­rung mit der Stadt auch von der Öffent­lich­keit genutzt wer­den, was die Park­platz­su­che rund um die Süd­stra­ße ent­schärft. Anstel­le des Super­mark­tes sind jedoch hoch­wer­ti­ge Wohn­ge­bäu­de geplant.

Lokal­po­li­tik geht die Sache an …

Die Ange­le­gen­heit scheint nun aber lang­sam ins Rol­len zu kom­men. Nach­dem sich vor allem SPD und CDU im ver­gan­ge­nen Kom­mu­nal­wahl­kampf für eine ver­bes­ser­te Ver­kehrs­in­fra­struk­tur stark­mach­ten, will sich jetzt die Wunstor­fer Mehr­heits­grup­pe der Sache anneh­men. SPD, Grü­ne und FDP haben für die Sit­zung des Bau­aus­schus­ses bean­tragt, dass die Ver­wal­tung einen Bericht zur aktu­el­len Park­platz­si­tua­ti­on vor­le­gen soll. Denn die Beschwer­den von Besu­chern und Anwoh­nern wür­den zuneh­men.

Wir kön­nen uns den Bau eines Park­decks auf dem heu­ti­gen Nord­wall-Park­platz vor­stel­lenKirs­ten Rie­del, SPD

Die Koali­ti­on will ange­sichts höhe­rer Besu­cher­zah­len in Wunstorf mög­lichst schnell Lösun­gen ent­wi­ckeln, wie die ange­spann­te Ver­kehrs­si­tua­ti­on auf­ge­löst wer­den kann. Dabei favo­ri­siert die Mehr­heit im Wunstor­fer Rat ein zusätz­li­ches Park­deck, das auf dem Are­al des Nord­wall­park­plat­zes ent­ste­hen könn­te. Städ­te­bau­lich betrach­tet bestün­de dabei sogar wenig Gefahr einer Archi­tek­tur­sün­de, denn der Nord­wall-Park­platz liegt bereits abschüs­sig und wür­de bei einer Auf­sto­ckung die Umge­bung kaum gra­vie­rend über­ra­gen oder gar domi­nie­ren.

Der Nord­wall-Park­platz liegt über­wie­gend unter­halb der umge­ben­den Stra­ßen­ebe­ne | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Grü­nen im Stadt­rat ver­spre­chen sich vor allem viel von den Ergeb­nis­sen einer Unter­su­chung von Stu­den­ten der Ost­fa­lia-Hoch­schu­le, die ab März 2017 zum Mobi­li­täts­ma­nage­ment in Wunstorf durch­ge­führt wird. Dabei sol­len auch die Park­platz­pro­ble­me in der Innen­stadt unter die Lupe genom­men wer­den. Die Wis­sen­schaft­ler dürf­ten Vor­schlä­ge machen, wie die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur in die­sem Punkt zu opti­mie­ren ist.

Oppo­si­ti­on will noch wei­ter gehen

Lie­ber spät als nie!“, sagt dazu die oppo­si­tio­nel­le CDU. Denn auch die Christ­de­mo­kra­ten wol­len schnells­tens mehr Park­raum in der (Kern-)Innenstadt und sehen Stand­ort­nach­tei­le gegen­über Ein­kaufs­zen­tren, wenn nicht bald gehan­delt wird – und ver­wei­sen genüss­lich dar­auf, dass die For­de­rung nach einem Park­deck am Nord­wall schon lan­ge im eige­nen Wahl­pro­gramm stand. Die CDU wirft der Mehr­heits­grup­pe dabei vor, das Pro­blem lan­ge Zeit schlicht igno­riert zu haben, zunächst hät­te die SPD/F­DP-Mehr­heit, spä­ter die SPD/Grü­nen-Mehr­heit das The­ma Park­plät­ze ver­schleppt. Umso erfreu­ter gibt man sich nun, dass das The­ma nun par­tei­über­grei­fend Gehör fin­det.

Wenn man ehr­lich ist, droht uns das Pro­blem der feh­len­den Park­plät­ze über den Kopf zu wach­sen – mit kata­stro­pha­len Aus­wir­kun­gen auf die Innen­stadt.“Nico­lai Bal­zer, CDU

Für die CDU ist jedoch offen­sicht­lich, dass es mit einem Park­deck am Nord­wall allein nicht getan ist, unter Berück­sich­ti­gung des Umstan­des, dass in der Küs­ter­stra­ße gleich­zei­tig Park­plät­ze weg­fal­len. Als wei­te­re Alter­na­ti­ve für mehr Park­raum schlägt die CDU daher vor, auch am Stadt­gra­ben neben dem Bau­amt ein oder sogar meh­re­re Park­decks zu errich­ten, da dies auch der der­zeit ver­nach­läs­sig­ten Süd­stra­ße hel­fen wür­de. Anders sei­en die Park­platz­pro­ble­me in der Innen­stadt nicht zu lösen, es brau­che Erwei­te­rungs­bau­ten am Nord­wall und am Stadt­gra­ben. Eine sol­che Lösung wür­de sogar markt­platz­nah für Park­plät­ze sor­gen.

In ganz Wunstorf fehlt Park­flä­che

Aber nicht nur Par­ken in der Alt­stadt ist ein Pro­blem, eben­so feh­len Park­plät­ze am Bahn­hof für die vie­len Pend­ler nach Han­no­ver – und auch in Stein­hu­de ist die Park­platz­si­tua­ti­on immer wie­der unbe­frie­di­gend, wenn die Tou­ris­ten­strö­me kon­zen­triert anrol­len. Am Bahn­hof wird die Situa­ti­on der­zeit durch den Bau eines neu­en Park­be­rei­ches eben­falls ent­schärft, doch gera­de für Stein­hu­de exis­tie­ren noch kei­ne Kon­zep­te, wie Tou­ris­ten­strö­me und Anwoh­ner­in­ter­es­sen unter einen Hut gebracht wer­den kön­nen.

Info: Wunstor­fer Innen­stadt­park­plät­ze
Wunstorfs größ­ter Park­platz in Nähe der Fuß­gän­ger­zo­ne ist der Nord­wall-Park­platz, der von der B 441 gut zu errei­chen ist. Etwas ver­steckt liegt in der Nähe zudem noch der Park­platz neben dem Bau­amt, ent­lang der Bun­des­stra­ße zie­hen sich zudem diver­se Park­buch­ten. Noch näher an der Fuß­gän­ger­zo­ne liegt der Park­platz am Alten Markt, der gemein­sam mit einem anlie­gen­den Sand­platz jedoch nur ver­gleichs­wei­se weni­ge Park­lü­cken bie­tet. Der Park­platz in Schüt­zen­platz­nä­he mit der Bezeich­nung „Zen­trum West“ bie­tet etwas mehr Platz, ist aber schon nicht mehr als fuß­gän­ger­zo­nen­nah zu sehen. Der Super­markt­platz in der Küs­ter­stra­ße ent­fällt lang­fris­tig.

Das The­ma Ver­kehr – und dabei vor allem auch der Aspekt Park­plät­ze – wird die Wunstor­fer noch eine gan­ze Wei­le beschäf­ti­gen. Es scheint aktu­ell zu den drin­gends­ten Pro­ble­men zu zäh­len, die in der Aue­stadt gelöst wer­den müs­sen, wenn Stand­ort­vor­tei­le und die Attrak­ti­vi­tät Wunstorfs als Ein­kaufs- und Aus­flugs­stadt lang­fris­tig nicht gefähr­det wer­den sol­len.

Die grö­ße­ren Park­plät­ze rund um die Wunstor­fer Fuß­gän­ger­zo­ne:

Kar­te zen­trie­ren
Ver­kehr
per Fahr­rad
Tran­sit


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