Warnhinweise scheinen Wirkung zu verfehlen

Unfall­zah­len in der Lan­gen Stra­ße wei­ter­hin hoch

Die für par­ken­de Auto­fah­rer in der Lan­gen Stra­ße ange­brach­ten Warn­hin­wei­se schei­nen zumin­dest teil­wei­se zu wir­ken. An den Unfall­zah­len hat sich dadurch jedoch nicht viel geän­dert – und vie­le Fahr­zeu­ge wer­den auf Kos­ten der Fuß­gän­ger nun über­vor­sich­tig abge­stellt.

Emp­feh­lun­gen der Poli­zei an den Stra­ßen­la­ter­nen | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Vor etwas über einem hal­ben Jahr, Ende Juni 2017, wur­den zylin­der­för­mi­ge Hin­weis­schil­der in der Lan­gen Stra­ße ange­bracht – weil es hier immer wie­der zu Sach­be­schä­di­gun­gen mit anschlie­ßen­den Fah­rer­fluch­ten gekom­men war. Die Maß­nah­me führ­te jedoch nicht schlag­ar­tig dazu, dass die Unfäl­le abnah­men. Auch in den ers­ten Wochen nach Anbrin­gen der blau­en Ban­de­ro­len gab es wei­ter­hin Zwi­schen­fäl­le, und es kam auch wei­ter­hin zu Fah­rer­fluch­ten, wie Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Micha­el Fie­ber im ver­gan­ge­nen Jahr mit­teil­te. Seit­dem hat sich wenig geän­dert.

Info: Nadel­öhr Lan­ge Stra­ße
In dem für Auto­fah­rer befahr­ba­ren Teil der Lan­gen Stra­ße, kurz vor der Fuß­gän­ger­zo­ne, kracht es regel­mä­ßig. Etwa 5 Mal im Monat ver­liert ein Auto dort sei­nen Außen­spie­gel oder bekommt Krat­zer in den Lack, denn seit der letz­ten Umge­stal­tung der Stra­ße 2011 begeg­nen sich Auto­fah­rer dort sehr eng. Wer Fah­rer­flucht begeht, wird zu etwa 50 % von der Poli­zei ermit­telt, die Auf­klä­rungs­quo­te beträgt im Stadt­durch­schnitt sonst ca. 40 %. Ide­en, für den Bereich eine Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lung zu schaf­fen, wur­den bis­lang nicht wei­ter­ver­folgt.

Prak­tisch kei­nen Effekt auf die Unfall­zah­len

Belast­ba­re Zah­len über den Erfolg der Akti­on lie­gen noch nicht vor, Sta­tis­ti­ken wer­den bei der Poli­zei in Jah­res­zeit­räu­men ange­legt. Eine vor­läu­fi­ge Bilanz fällt im Wunstor­fer Kom­mis­sa­ri­at jedoch ver­hal­ten aus. Es zeich­net sich schon jetzt ab, dass die Maß­nah­me nicht die erhoff­te Wir­kung ent­fal­tet, denn an den Unfall­zah­len hat sich offen­bar wenig geän­dert. Es kommt wei­ter­hin häu­fig zu Unfäl­len zwi­schen Fahr­zeu­gen im ruhen­den und flie­ßen­den Ver­kehr in der Lan­gen Stra­ße, wie der für Ver­kehrs­de­lik­te zustän­di­ge Beam­te Rag­nar Tie­fen­bach gegen­über der Auepost sag­te. Auch in den letz­ten Wochen kam es wie gehabt zu Blech-, Lack- oder Spie­gel­schä­den.

Verkehrsunfälle in der Kernstadt Wunstorf 2016
Die alte Sta­tis­tik für das Jahr 2016: Die Lan­ge Stra­ße gilt nicht als Unfall­schwer­punkt, deut­lich erkenn­bar ist aber die Häu­fung von Unfäl­len im ruhen­den Ver­kehr | Gra­fik: Poli­zei Wunstorf

Die Auf­klä­rungs­quo­te sei zwar etwas höher als bei Unfäl­len an ande­ren Stel­len, was auch dar­an läge, dass es bei Fah­rer­fluch­ten in der Lan­gen Stra­ße oft Zeu­gen­hin­wei­se gebe, nach denen die Unfall­ver­ur­sa­cher dann ermit­telt wer­den könn­ten. Pro Jahr gibt es allein in der Lan­gen Stra­ße 60 bis 70 der­ar­ti­ge Ver­kehrs­un­fäl­le. Etwa die Hälf­te aller Unfall­flüch­ti­gen wird ermit­telt, im Stadt­durch­schnitt sind es ca. 40 Pro­zent. Von einer nen­nens­wer­ten Ent­las­tung der Poli­zei, die bei jeder Fah­rer­flucht ein Ver­fah­ren ein­lei­ten muss, kann jedoch kei­ne Rede sein – an der schie­ren Zahl der Unfäl­le hat sich wenig geän­dert. Manch­mal wür­den die blau­en Hin­weis­schil­der von den Park­platz­su­chen­den auch gar nicht wahr­ge­nom­men, wie Tie­fen­bach wei­ter anmerk­te. Direkt von der Poli­zei nach einem Unfall dar­auf ange­spro­chen, wür­den sich eini­ge Geschä­dig­te erst dann ver­wun­dert nach die­sen umbli­cken.

Es wird vor­sich­ti­ger geparkt, aber nicht von allen

Dabei wirkt es auf den ers­ten Blick in der Lan­gen Stra­ße durch­aus so, als ob die Warn­hin­wei­se funk­tio­nie­ren wür­den und sich posi­ti­ve Effek­te erzie­len las­sen. Bei unse­ren Stich­pro­ben wäh­rend der letz­ten Mona­te zeig­te sich aller­dings auch stets ein durch­wach­se­nes Gesamt­bild. Der Auf­for­de­rung, den Spie­gel beim Par­ken ein­zu­klap­pen, kom­men die Auto­fah­rer zumin­dest teil­wei­se nach. Vie­le Autos par­ken mit ein­ge­klapp­tem Außen­spie­gel. Mehr noch wird aller­dings der Auf­ruf befolgt, sei­nen Wagen mög­lichst weit rechts in den Park­buch­ten abzu­stel­len. Auf­fäl­lig vie­le Fahr­zeu­ge wer­den seit­dem mit gehö­ri­gem Abstand zur Stra­ße abge­stellt, der Spie­gel dabei aber aus­ge­klappt gelas­sen. Dazu kom­men dann die­je­ni­gen, die weder mög­lichst rechts noch mit ein­ge­klapp­tem Spie­gel par­ken – weil sie die Hin­wei­se nicht gese­hen haben oder sie igno­rie­ren.

Dop­pelt wirkt am bes­ten: Ganz weit rechts par­ken und den Spie­gel ein­klap­pen | Foto: Dani­el Schnei­der

Auf Kos­ten der Fuß­gän­ger?

Es fällt seit dem Auf­hän­gen der Hin­wei­se außer­dem auf, dass nicht nur vor­sich­tig, son­dern oft auch über­vor­sich­tig geparkt wird. Denn vie­le Wagen par­ken viel wei­ter rechts, als eigent­lich erlaubt ist – und ste­hen nun mit den Rädern oder mit­un­ter schon ein­mal mit einem Drit­tel der Wagen­brei­te auf dem Geh­weg. Die Umris­se der Park­buch­ten wer­den offen­bar nicht mehr so ernst genom­men. Das führt dann oft zu dem Ergeb­nis, dass Autos zu gro­ßen Tei­len auf dem Geh­weg ste­hen, zur Stra­ßen­sei­te viel Platz las­sen – aber wei­ter­hin die Spie­gel aus­ge­klappt las­sen.

Das graue Pflas­ter mar­kiert den Park­be­reich, rotes Pflas­ter ist Fuß­weg | Foto: Dani­el Schnei­der

Kei­ne Knöll­chen von der Stadt

Obwohl streng genom­men eine Ord­nungs­wid­rig­keit began­gen wird, wenn ein Fahr­zeug die Park­bucht­be­gren­zun­gen nicht ein­hält, tole­riert die Stadt Wunstorf das teil­wei­se Benut­zen des Geh­weg­be­reichs durch par­ken­de Fahr­zeu­ge in der Lan­gen Stra­ße. Beschwer­den wegen zuge­park­ter Geh­we­ge habe es seit dem Auf­stel­len der Park­hin­wei­se nicht gege­ben, teil­te Stadt­spre­cher Alex­an­der Stock­um der Auepost mit. Die Situa­ti­on rund um die Park­buch­ten wur­de nach dem Anbrin­gen der Schil­der beob­ach­tet und wird seit­dem auch wei­ter­hin regel­mä­ßig kon­trol­liert. Ein Buß­geld haben die nicht ganz so kor­rekt Par­ken­den an die­ser Stel­le des­we­gen aber offen­bar nicht zu befürch­ten.

Info: Fah­rer­flucht
Wer sich nach einem Unfall dazu ent­schei­det, nicht eine ange­mes­se­ne Zeit zu war­ten und ggf. auch danach nichts sofort unter­nimmt, um sei­ne Per­so­na­li­en fest­stel­len zu las­sen, begeht Fah­rer­flucht (juris­tisch: uner­laub­tes Ent­fer­nen vom Unfall­ort) – eine Straf­tat, die von Poli­zei und Jus­tiz ent­spre­chend ver­folgt wer­den muss. Wer sich inner­halb von 24 Stun­den zu einem spä­te­ren Zeit­punkt z. B. beim Unfall­geg­ner oder der Poli­zei mel­det, besei­tigt nicht die Unfall­flucht, kann aber auf eine deut­lich gerin­ge­re Stra­fe oder sogar Straf­lo­sig­keit hof­fen. Bei Unfäl­len im flie­ßen­den Ver­kehr (wie dem Spie­gel­ab­fah­ren auf der Stra­ße) gilt dies aber nicht. Das rich­ti­ge Ver­hal­ten nach einem sol­chen Unfall ist, an der Unfall­stel­le auf den Geschä­dig­ten zu war­ten oder gleich die Poli­zei zu infor­mie­ren, dass ein ande­res Fahr­zeug beschä­digt wur­de.
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3 Kommentare
  1. SSE
    SSE meint

    „tole­riert die Stadt Wunstorf”… dies ist auch gut so für die @stadtwunstorf . Die Park­flä­chen sind offen… https://t.co/9XwykhKX4K

  2. Grit Decker meint

    Ganz klar ver­tre­te ich die Posi­ti­on, dass nicht immer allem mit der „Rechts-Keu­le” begeg­net wer­den muss und soll­te.

    Und so lan­ge die Fuss­gän­ger nicht ernst­lich behin­dert oder gar gefähr­det wer­den, soll­te wei­ter­hin „Gna­de vor Recht” gel­ten.

    Die Beam­tin­nen und Beam­ten unse­rer Poli­zei müs­sen ihre Kapa­zi­tä­ten nun wirk­lich sinn­brin­gen­der ein­set­zen.
    Auch in unse­rer „schöns­ten Stadt der Regi­on” gibt’s da genug zu tun…

    Als ange­mes­sen hin­ge­gen erle­be ich das Vor­ge­hen gegen in der Fuß­gän­ger­zo­ne aus­ser­halb der dafür frei­ge­ge­be­nen Zei­ten fah­ren­den Rad­ler.

    Erzie­he­ri­sche Maß­nah­men” wie ein auf­klä­ren­des Gespräch bis hin zu aus­ge­spro­che­nen münd­li­chen Ver­war­nun­gen über lan­ge (!) Zeit­räu­me blie­ben bekann­ter­ma­ßen erfolg­los.
    Da ist ein Ord­nungs­geld ange­mes­sen wie ange­bracht.
    (Nicht aus­schließ­lich ich als lei­der nur noch Fuss­gän­ge­rin sehe es so)

    Denn lei­der sind die Leuts nur über deren Liebs­tes -dem Geld- zu errei­chen; wenn über­haupt.

  3. Wolfgang Stemme meint

    Schon beim Neu­bau der „Spie­gel­stra­ße” sprach ich die Enge an. Die Grü­nen woll­ten es so, das Resul­tat sieht man. Dan­ke dafür. Man bekommt, was man wählte,.…..ich par­ke dort nie, der Spie­gel wegen.

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