Vorstellung der Polizei-Kriminalstatistik

Weniger Straftaten in Wunstorf

Am Freitag wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik für Wunstorf im Kommissariat vorgestellt. Die Zahlen überraschen nicht, bieten im Einzelnen aber einige Auffälligkeiten.

Polizei Wunstorf
Tho­mas Broich, Thors­ten Bösert, Micha­el Fie­ber und Rüdi­ger Wlo­ka | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Man könn­te mei­nen, in Wunstorf wird nur noch gestoh­len und ein­ge­bro­chen, stän­dig gibt es Mel­dun­gen über PKW-Dieb­stäh­le, Fahr­rad­klau und Woh­nungs­ein­brü­che. Doch die nack­ten Zah­len spre­chen eine ande­re Spra­che: Dem­nach hat die Kri­mi­na­li­tät in Wunstorf im ver­gan­ge­nen Jahr merk­lich abge­nom­men: 2350 Straf­ta­ten regis­trier­te die Poli­zei 2018 in Wunstorf, das sind 120 weni­ger als im Vor­jahr – ein Rück­gang um fast 5 Pro­zent. In fast allen Delikts­be­rei­chen gin­gen die Fall­zah­len zurück, und die Auf­klä­rungs­quo­ten stie­gen. Es gab 95 weni­ger Dieb­stäh­le, die Fahr­rad­dieb­stäh­le nah­men sogar um 22 Pro­zent ab. Raub ist mit ins­ge­samt 3 Fäl­len prak­tisch „nicht erwäh­nens­wert“.

Dem Ein­zel­nen, dem das Auto gestoh­len oder bei dem ein­ge­bro­chen wur­de, dürf­te das natür­lich kaum ein Trost gewe­sen sein – vor allem, wenn es ihn zwei­mal nach­ein­an­der getrof­fen hat, denn auch das regis­trier­te die Poli­zei: Es gab Fäl­le, bei denen ein hoch­wer­ti­ges Auto gestoh­len wur­de – und das Ersatz­fahr­zeug ein paar Wochen spä­ter gleich wie­der. Das sprä­che dafür, dass bestimm­te hoch­wer­ti­ge Fahr­zeu­ge gezielt „aus­bal­do­wert“ wür­den, sag­te Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Micha­el Fie­ber. Ent­ge­gen der übri­gen Sta­tis­tik nah­men die Fahr­zeug­dieb­stäh­le in Wunstorf auch etwas zu: ins­ge­samt 28-mal ver­schwan­den Autos, 18 mehr als im Vor­jahr.

65 Fäl­le für eine Stadt wie Wunstorf, das sind 5 bis 6 pro Monat, fin­de ich trotz­dem noch zu hoch“Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Micha­el Fie­ber zu den Woh­nungs­ein­bruchs­zah­len

Bei den Woh­nungs­ein­brü­chen (65-mal, jeder zwei­te bleibt ein Ver­such) sei zu beob­ach­ten, dass auf einen fehl­ge­schla­ge­nen Ein­bruch nicht zwangs­läu­fig mehr ein wei­te­rer Ein­bruchs­ver­such fol­ge, wie es frü­her oft der Fall gewe­sen sei. Es sei aller­dings mög­lich, dass es die Täter dann ganz woan­ders noch ein­mal ver­such­ten.

Fahrraddiebe geschnappt

Mit dem Auf­kle­ber ist das Rad dezent, aber doch gut erkenn­bar für ande­re regis­triert | Foto: Dani­el Schnei­der

Ins­ge­samt lässt sich anhand des Daten­ma­te­ri­als jedoch sagen, dass Wunstorf ein klei­nes biss­chen siche­rer gewor­den ist. Die zurück­ge­gan­ge­nen Fahr­rad­dieb­stäh­le führt Dienst­stel­len­lei­ter Tho­mas Broich dabei auf die ver­stärk­te Prä­senz der Poli­zei auf der Stra­ße zurück: So sei­en mehr­mals Die­be mit gestoh­le­nen Fahr­rä­dern bei Kon­trol­len gestellt wor­den, die Kon­trol­len sei­en sehr effek­tiv gewe­sen. Er beton­te, wie nütz­lich dabei die Fahr­rad­co­die­run­gen sei­en, die Dieb­stahl nicht immer ver­hin­dern, aber im Fall der Fäl­le eine schnel­le Zuord­nung eines gestoh­le­nen Fahr­ra­des ermög­li­chen. Auch 2019 wird es wie­der Fahr­rad­co­dier­ak­tio­nen geben, eben­so wei­te­re Schwer­punkt­maß­nah­men, um Fahr­rad­die­be fest­zu­neh­men.

Ladendiebstahl

Laden­dieb­stäh­le sind in Wunstorf weit­ge­hend auf kon­stan­tem Niveau geblie­ben, aller­dings nahm die Auf­klä­rungs­quo­te leicht ab. Die Poli­zei geht davon aus, dass weni­ger Laden­die­be ein­ge­setzt wer­den und die Dun­kel­zif­fer daher höher aus­fällt. Der Rück­gang der Auf­klä­rungs­quo­te hängt eben­falls damit zusam­men: Da Täter immer öfter nur durch Video­aus­wer­tun­gen bemerkt wer­den und dadurch uner­kannt blei­ben, tau­chen sie ent­spre­chend in der Sta­tis­tik auf, sind für die Poli­zei aber nicht greif­bar. Auch erst bei der Inven­tur bemerk­te und ange­zeig­te Dieb­stäh­le sen­ken die Auf­klä­rungs­quo­te.

Drogenanbau wird „privater“

Bei den Dro­gen­de­lik­ten ver­zeich­net die Poli­zei eine Zunah­me der „klei­ne­ren“ Plan­ta­gen. Offen­bar wird immer öfter zum Eigen­ge­brauch Mari­hua­na in Wunstor­fer Woh­nun­gen ange­baut. Auch wenn es ein­zel­ne grö­ße­re Fun­de gab, spielt der gewerb­li­che Dro­gen­an­bau in Wunstorf für die Poli­zei kei­ne wesent­li­che Rol­le.

PKS 2018
Poli­zei­lich erfass­te Straf­ta­ten im Bereich Wunstorf 2018 im Ver­hält­nis | Gra­phik: Aue­post

Drastische Zunahme an Sexualdelikten

Die Sexu­al­straf­ta­ten tre­ten aller­dings in der Sta­tis­tik dras­tisch her­vor: Hier gab es 2018 eine Stei­ge­rung um über 100 Pro­zent: Nach 19 Fäl­len 2017 waren es 2018 nun 43 Sexu­al­de­lik­te, die von der Poli­zei regis­triert wur­den. Der enor­me Sprung erklärt sich durch den Miss­brauchs­fall an der Kita Bokel­oh – jeder ein­zel­ne die­ser Fäl­le floss in die Sta­tis­tik ein. Auch fünf Exhi­bi­tio­nis­ten trie­ben die Zahl wei­ter nach oben.

Flüchtlingskriminalität und häusliche Gewalt

Dras­tisch mutet zunächst auch die Flücht­lings­kri­mi­na­li­tät in Wunstorf an, obwohl es hier kei­ne Ände­run­gen bei den Fall­zah­len gab: Allein das Ver­hält­nis von 125 tat­ver­däch­ti­gen Flücht­lin­gen, die auf etwa 600 in Wunstorf leben­de Flücht­lin­ge kom­men, wären stark über­pro­por­tio­nal. Aller­dings sind auch für 2018 die Zah­len mit Vor­sicht zu betrach­ten: Denn erfasst wur­den natür­lich auch wie­der vie­le Nicht-Wunstor­fer, die in der Stadt Straf­ta­ten ver­übt haben, dazu kom­men diver­se Mehr­fach­tä­ter. Es lässt sich daher nicht sagen, dass Flücht­lin­ge im Ver­gleich zu deut­schen Tat­ver­däch­ti­gen häu­fi­ger in der Sta­tis­tik ver­tre­ten wären. Es sind dabei auch kei­nes­wegs kli­schee­haf­te Mes­ser­ste­che­rei­en, die die Sta­tis­tik bestim­men. Bei den erfass­ten Straf­ta­ten han­delt es sich vor allem um Dieb­stäh­le.

Statt­des­sen regis­trier­te die Poli­zei einen Anstieg bei den Kör­per­ver­let­zun­gen bzw. der häus­li­chen Gewalt, und dies spielt auch in Flücht­lings­fa­mi­li­en eine zuneh­men­de Rol­le: Auch wenn sich die Ermitt­lun­gen für die Poli­zei wegen Sprach­bar­rie­ren oft schwie­rig gestal­ten, ist die Ten­denz erkenn­bar, dass vor allem Frau­en sich den hie­si­gen Frei­hei­ten anpas­sen, wäh­rend ihre Ehe­män­ner in den alt­her­ge­brach­ten Sit­ten ihrer Her­kunfts­län­der und patri­ar­cha­len Struk­tu­ren ver­haf­tet blei­ben. Das dar­aus ent­ste­hen­de Kon­flikt­po­ten­ti­al scheint sich dann in häus­li­cher Gewalt zu äußern. 253-mal wur­de die Poli­zei 2018 ins­ge­samt zu Fäl­len häus­li­cher Gewalt in Wunstorf geru­fen, davon waren 111 Fäl­le Straf­ta­ten.

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