
Wunstorf (red). Jetzt legt die SPD in Wunstorf los: Nach der Ankündigung vor rund zwei Wochen, konkrete Vorschläge zu mehr bezahlbarem Wohnraum in Wunstorf machen zu wollen, haben die Sozialdemokraten nun ein umfangreiches Positionspapier veröffentlicht. Das Dokument mit dem Namen „Für einen sozialen und generationengerechten Wohnungsmarkt“ soll die Grundlage bilden für eine wohnungspolitische Zukunft in der Auestadt.
Das Papier aus der SPD-Stadtratsfraktion hat es in sich: Nicht weniger als 1.000 Wohnungen sollen nach diesen Plänen in Wunstorf neu entstehen – innerhalb von 5 Jahren. Mit zusätzlichen Maßnahmen sollen 300 weitere Wohnungen oder Häuser neu bezogen werden können.
Mit der Verwirklichung dieser Pläne würde fast so viel neuer Wohnraum angeboten werden, wie der Wunstorfer Bauverein, Wunstorfs große Wohnungsbaugenossenschaft, derzeit an Mietwohnungen im Bestand hat. Der Bauverein würde nach den SPD-Plänen zudem einen neuen Mitbewerber erhalten: Denn eine städtische Wohnungsbaugesellschaft soll einen Teil der neuen Wohnungen errichten und bewirtschaften. Die Stadt Wunstorf würde damit selbst zu einem größeren Anbieter von Mietwohnungen werden.
Die Wohnungsmarktpläne der SPD setzen jedoch nicht auf eine einzelne Lösung, sondern kombinieren mehrere Ideen zu einem Gesamtkonzept, an dessen Ende die 1.000 Neubauwohnungen stehen sollen. Der Bau in Eigenregie unter dem Dach der Wohnungsbauentwicklung Wunstorf GmbH, an der die Stadt neben der Sparkasse Hannover zu 50 Prozent beteiligt ist, soll zu 200 neuen Wohnungen führen.
Weitere 500 Neubauwohnungen sollen über private Investoren realisiert werden, 300 weitere Wohnungen durch Umbau von leer stehenden Gewerbeimmobilien oder sonstiger Neunutzung bereits vorhandener Gebäude entstehen. Als Beispiel werden ehemalige Schulen, Verwaltungsstandorte oder sonstige Gebäude genannt, ohne dies bereits zu konkretisieren. Auch zu große Einfamilienhäuser könnten in diesem Rahmen zu kleineren Wohneinheiten umgebaut werden.
Denn hierauf liegt der Fokus der Initiative: Man will vor allem viele kleine neue Wohnungen schaffen, denn diese sind es, die bislang in Wunstorf fehlen: Senioren, Berufsanfänger und Einpersonenhaushalte hat man im Blick, diese Gruppen haben es in Wunstorf besonders schwer, geeignete und bezahlbare Wohnungen zu mieten. Nur etwa 2.700 Wohnungen in der Stadt seien kleiner als 60 Quadratmeter, dabei gebe es rund 8.000 Einpersonenhaushalte in der Stadt, heißt es im Positionspapier. Hier will die SPD den Hebel ansetzen, um gezielt benötigten Wohnraum entstehen zu lassen.
Das soll auch zur Entspannung des übrigen Mietmarktes beitragen, denn Maßnahmen wie eine Tauschbörse sollen etwa Senioren ermöglichen, ohne finanzielle Nachteile in kleinere Wohnungen umziehen zu können – wodurch größere Wohnungen für Familien frei würden. Anreize zum Erwerb von sanierungsbedürftigen Altbauten sollen die Wohnungsknappheit in Wunstorf ebenfalls angehen und gleich zwei Probleme lösen: Zu verfallen drohende Altbauten bewahren und jungen Familien Wohneigentum ermöglichen.
Als Instrument zur Ermöglichung günstigen Wohnraums soll das Erbbaurecht genutzt werden: Städtische Grundstücke würden sowohl an die Wohnungsbaugesellschaft als auch an private Investoren nicht verkauft, sondern blieben im städtischen Besitz. Die Einstiegskosten würden damit gesenkt: Die Wohnkosten werden sozusagen von den Grundstückskosten entkoppelt.
Die Steuerungsmöglichkeiten würde Wunstorf dabei nicht aus der Hand geben: Konzeptvergaben sollen sicherstellen, dass nicht der jeweils Höchstbietende automatisch ein Grundstück erhält, sondern diejenigen, die sich an Mietpreisbindung, sozialem Wohnungsbau, Energieeffizienz oder Barrierefreiheit orientieren. Die besten sozialen und städtebaulichen Konzepte sollen zum Zuge kommen.
Dass die Pläne groß sind, dessen ist man sich bei der SPD bewusst: „Das ist ein ambitionierter Vorschlag, aber wenn wir den Druck auf dem Wohnungsmarkt wirklich verringern wollen, brauchen wir ambitionierte Ziele“, sagt Martin Ehlerding, Vorsitzender der SPD-Fraktion. „Wohnen darf kein Luxusgut sein. Unser Anspruch ist, dass Menschen mit normalen Einkommen, Seniorinnen und Senioren sowie junge Erwachsene auch in Zukunft eine passende und bezahlbare Wohnung in Wunstorf finden können.“
Die Stadt soll dabei die Rolle übernehmen, Vorhaben anzuregen und aktiv zu fördern, wie etwa durch eine kommunale Wohnungstauschbörse oder das Programm „Jung kauft Alt“ für zu sanierendes Wohneigentum. Herzstück bleibt jedoch der Ausbau der städtischen Wohnungsbaugesellschaft: „Mit der neuen Wohnungsbaugesellschaft wollen wir eine treibende Kraft schaffen, die unabhängig von kurzfristigen Renditeinteressen baut und dauerhaft bezahlbaren sowie bedarfsgerechten Wohnraum in Wunstorf sichert“, sagt Torben Klant, baupolitischer Sprecher der SPD.
Gibt es auch schon Pläne wer der Geschäftsführer der zusätzlichen Wohnungsbaugesellschaft wird und welches Parteibuch vorhanden sein muss?
September 2023: Bundes-SPD beschliesst Heizungsgesetz, dadurch Rekord-Preise beim Immobilien-Neubau…
September 2025: Wunstorf-SPD will …“innerhalb von 5 Jahren“ 1000 neue (bezahlbare) Wohneinheiten bauen…
Was bedeutet „…an Mietpreisbindung, sozialem Wohnungsbau, Energieeffizienz oder Barrierefreiheit orientieren“?? Quadratmeterpreis von unter 15€ kalt?? Also ca. 750€ für 50qm?? Natürlich alles Klimaneutral…?!?
Was darf Satire…???
Viel Blendwerk. Mit der SPD wird alles teurer.
Woran machen Sie Ihren 2. Satz bezogen auf die Wunstorfer Kommunalpolitik fest?
„Jung kauft Alt“ und Tauschbörsen, sind bereits versucht worden und gescheitert. Vor allem jetzt, wo beim Kauf von alten Immobilien weitreichende Energieeffizienzmaßnahmen nötig sind, kann sich das eine „junge Familie“ gar nicht mehr leisten. Die Hälfte der Wohnungen sollen private Investoren schaffen. Die müssen aber unter wirtschaftlichen Aspekten agieren und da sind wir wieder beim Thema hohe Baukosten. Wünschenswert wäre es, wenn in leerstehende Gewerbebauten auch wieder Gewerbe einziehen würden, die dann Arbeitsplätze und Geld in die Wunstorfer Kasse bringen. Und das VION Gelände ist auch bis heute nicht zu Wohnraum entwickelt worden – fangt doch da mal an. Bleiben am Ende die 200 Wohnungen, die die neue Wohnungsbauentwicklungs GmbH bauen wird – auf welchen Grundstücken wird dies den erfolgen? Aber auch eine Wohnungsentwicklung Wunstorf GmbH muss am Ende wirtschaftlich arbeiten…
Am Ende wohl nur verfrühtes Wahlkampfgetöse seitens der SPD.
Der SPD-Vorschlag ist ambitioniert. 1.000 Wohnungen in fünf Jahren wären ein starker Impuls für Wunstorf. Das Konzept enthält prinzipiell sinnvolle Elemente.
Doch entscheidende Details bleiben offen: Finanzierung, Zeitplanung, Umsetzung, Kontrollmechanismen, Bindung der Wohnungspreise, soziale Förderkanäle. Ohne konkrete Zahlen, Zeitpläne und gesetzliche oder vertragliche Sicherung steht viel auf dem Papier, wenig in der Praxis. Die Umsetzung bleibt theoretisch.
Erbbaurechtsverträge sind auch nicht ohne Kosten darstellbar und laufen eben irgendwann aus.
Effektiver wäre: klare Meilensteine (z. B. Status Quartalsweise), verbindliche Mietpreisgrenzen bei Investorengebäuden, flankierende Förderprogramme für Tausch und Altbaukäufer, standardisierte Konzepte, die Transparenz gewährleisten.
Auf welchen stadteigenen Grundstücken soll denn gebaut werden?
Ohne Struktur- und Begleitprogramme (z. B. Umzugsbeihilfe, Finanzierungskonzepte) bleiben Ideen Symbolpolitik.
Der Plan wirkt aktuell eher politisch als pragmatisch, denn
die SPD weitet das Thema Wohnen kurz vor der Kommunalwahl 2026 aus. Kritiker bemängeln längst jahrelanges Nicht-Handeln.
Die Einbindung von wirklichen Experten vor der Formulierung durch Sozialphantasien geprägter Ziele wäre sicherlich sinnvoll.