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Innenstadt: Würfel gefallen – Piellusch sieht guten Tag für Wunstorf und viele Chancen

07.03.2026 • Achim Süß • 6 Min.Kommentare: 7

Die ersten Würfel sind gefallen: Der Rat hat Aufträge
erteilt, um die Innenstadt zu sanieren und umzugestalten. Das Votum des Rates bedeutet auch: Ein Moratorium gibt es nicht. Bürgermeister Carsten Piellusch spricht von einem „guten Tag für Wunstorf“ und sieht große Chancen.

07.03.2026
Achim Süß
6 Min.
Kommen goldene Zeiten für die Fußgängerzone? | Foto: Schneider

Wunstorf (as). Der Rat der Stadt hat am Mittwochabend – wie in der Kommunalverfassung vorgeschrieben – unter Ausschluss der Öffentlichkeit Planungsbüros aus Hannover und Wiesbaden die Aufgaben übertragen, innerhalb des Integrierten Stadtentwicklungkonzepts (ISEK) für die gesamte Innenstadt von Wunstorf eine weitreichende Sanierung zu entwerfen.

„Eine Pause macht null Sinn“

Der Mittwoch mit dem Votum des Rates sei ein guter Tag für ihn gewesen, kommentierte Bürgermeister Carsten Piellusch am Donnerstag die Auftragsvergabe vor Journalisten: „Unsere Stadt hatte gestern einen guten Tag!“ Und zwar, „weil es weitergeht und konkret wird“. Allen, die guten Willens seien, biete sich jetzt die Chance, mitzuwirken.

Piellusch erklärte erneut, jetzt sei es an der Zeit, zu handeln. Eine Pause einzulegen mache „null Sinn“, denn alle Fakten seien jetzt bekannt. Eine Unterbrechung der Planung um Monate bedeute in der Konsequenz, dass das „Projekt tot“ sei. Kein Büro werde einem monatelangen Moratorium zustimmen.

Piellusch: „Phantomdebatte“

Die von Teilen des Rates geführte Diskussion um eine Planungspause nannte Piellusch am Donnerstag eine „Phantomdebatte“. Eine Fristverlängerung „hätte zu nichts geführt“. Er erinnerte an den Appell des Stadtplaners Frank Schlegelmilch vom Bremer Büro BPW, der die Wunstorfer aufgefordert habe: „Handeln Sie jetzt!“

Schlegelmilch hatte während einer Informationsveranstaltung im Stadttheater erläutert, wie sich Zustand und Akzeptanz einer Fußgängerzone erfahrungsgemäß entwickelten. Einer Phase der Prosperität folge stets nach ein paar Jahren eine Talsohle. Einen solchen Tiefpunkt zu überwinden sei „unglaublich schwer“. Wunstorf müsse gegensteuern, bevor es zu spät sei.

Die Auepost berichtete bereits, dass eine Mehrheit aus SPD und Grünen die beiden Aufträge vergeben und damit den Weg frei gemacht hat, die auf die Jahre bis 2038 ausgelegte Sanierung zu beginnen. Die CDU – bis vor wenigen Wochen Koalitionspartner der SPD – scheiterte mit dem Versuch, den Beschluss zu den Aufträgen zu vertagen und in einem Moratorium offene Fragen zu klären.

Wiesbadener Büro plant Sanierung

Teil des langfristigen Projekts ist der Umbau der Fußgängerzone, bei dem die gestalterische Neuordnung mit Reparaturen der Kanalisation und der Installation eines Leitungsnetzes zur Wärmeversorgung verzahnt werden soll. Damit soll Zeit und Geld gespart und vermieden werden, die Beläge in der Innenstadt mehrfach aufzunehmen.

Für die Sanierung wird künftig laut Ratsbeschluss von Mittwoch das Wiesbadener Büro DSK zuständig sein.

DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG: Die DSK berät und unterstützt nach eigenen Angaben öffentliche und private Auftraggeber seit mehr als 50 Jahren in allen städtebaulichen Aufgabenstellungen. Dabei biete sie maßgeschneiderte Komplettdienstleistungen bei Stadterneuerung, Stadtumbau, Konversion, städtebaulicher Beratung und Baugebietsentwicklung an. Darüber hinaus ist die DSK Träger und Investor von diversen städtebaulichen Maßnahmen. Sie wurde 1957 auf Initiative des späteren Bundeswohnungsbauministers Paul Lücke gegründet. Als Marktführer im Bereich der Stadtentwicklung betreut die DSK-Gruppe mit 260 Mitarbeitern an 18 Standorten und ihrem Hauptsitz in Wiesbaden 560 Projekte und verwaltet knapp fünf Milliarden Euro an Treuhandvermögen.

Dessen Arbeit soll von einem Sanierungsbeirat begleitet werden. Das Gremium muss noch gebildet werden.

Hannoversche Experten erhalten Auftrag

Die Fußgängerzone wird vom Büro Kerck und Partner federführend umgestaltet. Das hannoversche Unternehmen hat den städtebaulichen Wettbewerb der Stadt gewonnen. Auf der Internetseite der Stadt wird der siegreiche Entwurf wie folgt beschrieben: „Das Konzept knüpft an die historische Lage der Altstadt an, die geprägt war durch das klar erkennbare Kreuz aus Nord-, Süd- und Langer Straße, dessen Mittelpunkt der Marktplatz mit der Stadtkirche bildet.“

„Grünräume“ sollen vernetzt werden

Der landschaftsarchitektonische Entwurf verstehe sich als Bindeglied im „städtischen Freiraumgefüge“: Er vernetze „die Grünräume“ von Nord nach Süd – vom Bürgerpark bis zur Alten Südaue – und öffne eine Ost-West-Verbindung vom westlichen Stadteingang bis hin zur Stiftskirche.

Barrierefreie Gestaltung, grüne Inseln und „ein harmonisches Zusammenspiel aus Bestandsgehölzen, neuen Materialien und urbaner Möblierung“ würden die Grundlage für einen „zukunftsfähigen und einladenden Stadtraum“ bilden. Die Arbeit der Landschaftsarchitekten soll vom Arbeitskreis Fußgängerzone ergänzt werden.

Kerck und Partner: Das Unternehmen geht auf die Gründung eines Büros im Jahr 1957 zurück. Hausgärten, Freianlagen an Schul-, Krankenhaus- und Verwaltungsbauten waren anfänglich die Schwerpunkte. Das Arbeitsspektrum wurde kontinuierlich erweitert. Ein Blick auf die Internetseite des preisgekrönten Büros zeigt: Es ist renommiert und erfahren.

In einer „Nachlese“ mit Lokaljournalisten haben Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD), Stadtbaurat Alexander Wollny und Sanierungskoordinator Alexander Stockum am Morgen nach dem Ratsbeschluss Details der Auftragsvergabe und der bevorstehenden Schritte erläutert.

Nach Wollnys Worten war außer dem siegreichen Entwurf im Wettbewerb in der zweiten Phase der Auftragsvergabe die Flexibilität des Büros Kerck ein entscheidender Faktor für den Zuschlag.

Änderungswünsche möglich

Das hannoversche Unternehmen habe während der intensiven Bietergespräche seine Bereitschaft erkennen lassen, seine Gestaltungsvorschläge im weiteren Beratungsverfahren anzupassen: Wenn in den Diskussionen im Arbeitskreis Fußgängerzone, in dem die direkt betroffenen Anlieger mitwirken können, Änderungswünsche formuliert werden sollten, sei eine Abstimmung mit den Planern möglich.

Schon vor einigen Wochen hatte Stockum erklärt, nicht alle Details der Entwürfe seien „in Stein gemeißelt“: Die Grundideen müssten erhalten bleiben, aber über viele Einzelheiten könne und solle im Zusammenwirken von Arbeitskreis und Planern Einvernehmen erzielt werden.

Wollny und der Bürgermeister gingen auch auf den Änderungsantrag ein, der auf Wunsch der Grünen vom Rat in den Beschluss zur Auftragsvergabe aufgenommen worden sei: die sogenannte „Phase Null“. Dieser vor die üblichen Planungsschritte der Leistungsphasen 1 bis 4 des gesamten Vorhabens eingefügte Abschnitt ist formaljuristisch nicht vorgesehen und in der Honorarordnung für Projektplaner nicht enthalten.

Wollny lobt „Phase Null“

Dabei soll eine Bestandsaufnahme mit allen Akteuren angesetzt und alle zentralen Themen zusammengefasst werden. Die Grünen mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Marvin Nowak haben sich dafür stark gemacht, um vor dem eigentlichen Beginn der Planungen „Interessen, Unsicherheiten und Abhängigkeiten“ in einer Bestandsaufnahme zu sammeln. Wichtig dabei: „lokale Akteure“ aus Bürgerschaft, Gewerbe und Verbänden sollen beteiligt werden.

„Sand im Getriebe vermeiden“

Dieses Vorgehen, so Wollny, sei nicht ganz klar definiert, aber „inhaltlich ganz gut“, um die Kritiker der Auftragsvergabe „ein Stück weit abzuholen“: „Wo drückt der Schuh? Wo sind die Hintergründe?“ Erst nach diesen Gesprächen werde die offizielle Planungsphase beginnen. Das sei sinnvoll, um „mit etwas weniger Sand im Getriebe“ zu starten.

Piellusch bezeichnete die Phase Null als Vorphase, als Erweiterung des vom Rat bereits beschlossenen Auftrags an die Planer. Er beschrieb auch noch einmal die beiden Vorschläge, die er vor kurzem präsentiert hatte, um die politische Kontroverse um die Aufträge mit einem Kompromiss zu entschärfen: die Förderrichtlinie für Gewerbetreibende und Gastronomen sowie die Möglichkeit eines sogenannten Ratsbürgerentscheids.

„Wir wollen helfen“

Der städtische Hilfsfonds, so Piellusch, sei das Ergebnis vieler Gespräche. Es habe sich herausgestellt, dass einige Betriebe schon jetzt in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Sollte sich das in der Bauphase verstärken, werde die Stadt eingreifen: „Wir wollen helfen.“

Die Bauarbeiten werden zu Beeinträchtigungen für die Geschäftsinhaber führen. Daran könne kein Zweifel bestehen, sagte Piellusch. Aber der Arbeitskreis biete die Möglichkeit, die Abläufe mit den Anliegern zu besprechen. Pielluschs Ziel: „Belastungsminimierung“. Die Förderrichtlinie zu formulieren sei eine der wesentlichen Aufgaben, die sich jetzt stellten.

„Viele, viele Gespräche“ habe es auch zum Thema Ratsbürgerentscheid gegeben. Er habe diesen Vorschlag präsentiert, um die Möglichkeiten der Mitwirkung zu erweitern. Sollte der Rat sich für diesen Weg entscheiden, hindere das die Bürgerinitiative nicht, erneut ein Bürgerbegehren zu initiieren.

„Völlig normaler Prozess“

Der Bürgermeister wies in der Nachlese am Donnerstag entschieden die Darstellung zurück, die Auftragsvergabe in der Sondersitzung des Rates sei unter großem oder gar unangemessenem Zeitdruck erfolgt. Es sei „gängiges Geschäft“, eine Entscheidung zu vertagen.

Er habe in einem „völlig normalen Prozess“ die Auftragsvergabe von der Tagesordnung der Ratssitzung herunter genommen, als offenkundig geworden sei, eine Entscheidung sei zu diesem Zeitpunkt nicht gewollt. Außerdem habe es „noch eine Latte von Fragen“ gegeben, die nicht sofort zu beantworten waren. „In dem Kontext“ sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als die Vorlage zurückzuziehen.

Man komme jetzt „ins Handeln“. Im Diskurs mit vielen werde es möglich sein, alle Fragen zu klären und Gegensätze abzubauen. Am Ende gebe es „eine große Chance, eine funktionierende Innenstadt zu behalten“. Das große Ziel sei doch, Gastronomie und Einzelhandel zu unterstützen „und dass die Menschen einen Ort, einen Treffpunkt haben im Herzen der Stadt, wo sie sich gern aufhalten“.

Der Bürgermeister nutzte die Gelegenheit, „Verschwörungstheorien den Boden zu entziehen“: Es habe in der vertraulichen Sitzung eine klare, breite Mehrheit gegeben für die Auftragsvergabe. Auch wenn der Rat komplett gewesen wäre, hätte es kein anderes Ergebnis gegeben.

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Kommentare


  • Richard sagt:

    „Die Wuerfel sind gefallen“ setzt voraus, dass vorher ueberhaupt noch gewuerfelt wurde.

    Wenn die Richtung faktisch laengst feststand und der spaetere Beschluss nur noch der nachtraeglichen Legitimierung diente, dann ist diese Formulierung keine neutrale Beschreibung, sondern rhetorisches Schminken.

    Wo das Ergebnis vorher feststeht, fallen keine Wuerfel – dort wird nur noch so getan, als sei etwas offen gewesen.

    • Anonym sagt:

      Tipp: die Vokale a, u und o länger gedrückt halten, dann klappts auch mit ä, ü und ö

    • Schaffner sagt:

      Für viele Bürger fühlt sich das inzwischen an wie auf einem Bahnhof mit mehreren Fahrkartenschaltern: Man bekommt verschiedene Fahrscheine angeboten, aber am Ende fahren fast alle Züge in dieselbe Richtung und kommen am selben Ziel an.

      Und der eine Zug, der angeblich ein anderes Ziel hätte, darf faktisch nie abfahren. Mal ist er blockiert, mal defekt, mal scheitert er an sich selbst – aber das Ergebnis ist immer dasselbe: Er kommt gar nicht erst in Bewegung, weil er das „Geheimnis“ offenlegen würde.

      Dann gibt es zwar auf dem Papier Auswahl – aber praktisch keine echte Alternative.

  • Wunni sagt:

    Und wieder mal zeigt sich, dass implizit ein informelles rot-grünes Linksbündnis über diese Stadt herrscht und versucht, jeden Widerspruch im Keim zu ersticken – und sei er noch so groß. Der Bürgermeister versucht verzweifelt sich vor der nächsten Kommunalwahl zu profilieren, was wohl auch bitter nötig ist, wenn man sich die vergleichsweise überaus schwache bisherige Bilanz weiner Amtszeit anschaut. Gespannt bin ich, ob vor der Wahl dann doch mal die Kostenseite seiner hochtrabenden Pläne beleuchtet wird: Kompletter Neubau der Fußgängerzone und der Versorgungsnetze dort, Umbau des Hallenbades zu einem opulenten Spaßbad, Umstellung fast aller Schulen auf verlässlichen Ganztagsbetrieb, etc. pp.

    • Anonym sagt:

      DDR 2.0

    • Aus Wunstorf sagt:

      Jeder kann bei der nächsten Kommunalwahl doch sein Kreuzchen für oder gegen eine Partei setzen. Und damit kann man einen Bürgermeister abwählen und neue Mehrheiten wählen. Eigentlich total einfach… :-)

      • Radost sagt:

        Ganz so einfach ist es leider nicht.

        Eine demokratische Auswahl lebt nicht nur davon, dass man irgendwo ein Kreuz setzen darf, sondern davon, dass damit auch tatsächlich unterschiedliche politische Richtungen erreichbar sind. Genau daran zweifeln inzwischen viele Bürger.

        Das Problem ist nicht die formale Möglichkeit zu wählen, sondern der Eindruck, dass selbst angebliche Alternativen am Ende oft im selben politischen Korridor landen. Dann bleibt vom Wahlakt zwar die Form erhalten, nicht aber zwingend eine echte Richtungsentscheidung.

        Darum greift der Hinweis auf das Kreuzchen allein zu kurz. Die eigentliche Frage lautet, ob damit überhaupt noch ein spürbar anderer Kurs erreichbar ist.

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