
Wunstorf (as). Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses haben es am Montagnachmittag erfahren, am Dienstag hat Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) die Nachricht publik gemacht: Die Niedersächsische Vergabekammer braucht mehr Zeit, um die Frage zu klären, ob der Ratsbeschluss zum Planungsauftrag an Kerck + Partner einwandfrei war – oder ob Rechte und Ansprüche des Wettbewerbssiegers Planorama aus Berlin missachtet worden sind.
Die Kammer hat nach Pielluschs Angaben mitgeteilt, dass wegen der Vielzahl von Prüfungsverfahren erst Anfang Juni mit einer Entscheidung im Wunstorfer Verfahren zu rechnen sei. Außerdem sei angeboten worden, auf eine mündliche Verhandlung zu verzichten und ohne Anhörung der Beteiligten zu entscheiden.
Die Stadt habe zugestimmt, erklärte der Bürgermeister. Das könne den Vorgang beschleunigen. Ob auch das Büro Planorama auf eine mündliche Erörterung verzichtet, ist nach Pielluschs Angaben im Rathaus nicht bekannt.
Die Verschiebung der richterlichen Entscheidung bringt den Zeitplan für die Sanierung der Fußgängerzone weiter in Verzug: Solange die Prüfung andauert, darf die Stadt den Auftrag an das Büro Kerck nicht erteilen.
Rückblick:
4. März 2026: In einer vertraulichen Sondersitzung beschließt der Rat der Stadt mit Mehrheit, den Auftrag zur Planung der Neugestaltung der Innenstadt an das Büro Kerck zu vergeben.
9. März 2026: Das Büro Planorama, das den städtischen Wettbewerb zur Fußgängerzone in der ersten Runde gewonnen hatte, reicht bei der Vergabekammer in Lüneburg eine Rüge ein. Das Unternehmen greift die Kriterien an, mit denen die Stadt in der zweiten Phase des Wettbewerbs operiert hat und die ausschlaggebend dafür waren, dass nicht Planorama als Sieger den Zuschlag erhielt, sondern Kerck als Zweitplatzierter. Die Stadt weist die Kritik von Kerck + Partner zurück. Die Vergabekammer beginnt mit dem Prüfungsverfahren.
Die Auepost berichtet am 25. März unter der Überschrift „Innenstadt und Schulbau: Rügen bremsen zwei Millionen-Projekte der Stadt Wunstorf vorerst aus“.
An einer anderen Front zeichnet sich für die Befürworter des Projekts Fußgängerzone eine Entspannung ab: Die Bürgerinitiative „Freunde der Innenstadt“ hat ihre Absicht zu den Akten gelegt, die Pläne der Stadt gerichtlich zu stoppen.
Die Gruppe will sich nach Informationen der Auepost darauf konzentrieren, konstruktiv und kreativ in der sogenannten Phase 0 der bevorstehenden Planungsschritte mitzuwirken und vertraut auf die entsprechenden Beschlüsse und Zusagen. Außerdem sei ein Bürgerentscheid nach Abschluss der Planungen zugesagt worden. Die Initiative war in den vergangenen Wochen nicht untätig: Einzelne Mitglieder haben Städte in der Region besucht, die vergleichbare Projekte hinter sich haben.
Eine weitere Exkursion soll in zwei Städte in der Nachbarschaft führen und Eindrücke bringen. Zu der Aktion Anfang Juni sollen interessierte Bürger eingeladen werden. Die Ergebnisse der Besuche sollen ebenso ausgewertet und verwendet werden wie ein Gedanken- und Ideenaustausch mit Vertretern aller politischen Lager des Stadtrats und ein Treffen mit Befürwortern einer umfangreichen Neugestaltung der Innenstadt.
Schreibe einen Kommentar