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Frust und Zorn am Poller: Stadt verärgert Steinhuder Anlieger

28.07.2023 • Achim Süß • 4 Min.Kommentare: 3

Die Verkehrslenkung im Steinhuder Zentrum bleibt ein heißes Eisen: Mit dem plötzlichen Einbau versenkbarer Poller an der Graf-Wilhelm-Straße und nahe der Krananlage hat die Stadtverwaltung die Anlieger gegen sich aufgebracht. Die Arbeiten waren nur mit einer Pressemitteilung angekündigt worden – eine knappe Woche, bevor die Bagger kamen. „Völlig sinnfrei“ nennt Gerrit Schweer vom „Fischerhus“ die Installation während der Hauptsaison. Eine Woche lang sollte die Aktion dauern. Das hat nicht geklappt. Auch an Deichstraße und Neuer Winkel gibt es Ärger.

28.07.2023
Achim Süß
4 Min.
An den Barrikaden: Michael Lange (links) und Gerrit Schweer sind sauer auf die Stadt | Foto: Achim Süß

Steinhude/Wunstorf (as). Gereizte Stimmung herrscht im Ort, und es fallen böse Worte. Wie die Rohrspatzen schimpfen Steinhuder, die an der Graf-Wilhelm-Straße, am Alten oder Neuen Winkel wohnen oder arbeiten, seit am Montag vor einer Woche eine Wunstorfer Tiefbaufirma zwischen Schaumburger Hof und Arztpraxen das Pflaster aufgerissen und die seit Jahren diskutierten Poller eingesetzt hat. Sie beklagen sich hinter vorgehaltener Hand über die Sperrung, rufen im Rathaus an oder machen sich öffentlich Luft wie Gerrit Schweer und Michael Lange, dessen Frau Tanja das Hotel Kranenborgh betreibt.

Die heftige Kritik richtet sich gegen die Poller an sich, gegen den Zeitpunkt der Bauarbeiten mitten in der Hochsaison, gegen die Informationspolitik der Stadt und dagegen, dass die ferngesteuerten Poller zunächst versenkt bleiben und die Anlage nach dem Einbau erst einmal nicht in Betrieb genommen werden soll. In weiteren Beratungen soll entschieden werden, wie und von wem die vier Poller gesteuert werden sollen. Es gibt mehrere technische Varianten, und der Ortsrat Steinhude soll nach der Sommerpause darüber entscheiden.

Versenkbarer Ärger

Ortsbürgermeisterin Christiane Schweer (CDU) ist nach eigenen Worten froh, dass die Poller „jetzt endlich“ eingebaut werden. Sie hält auch den Weg für richtig, nach der Sommerpause – in Abstimmung mit den Betroffenen – im Ortsrat die technischen Details zu klären. Insofern nimmt sie die Stadtverwaltung in Schutz und teilt nicht die Empörung von Anliegern. Allerdings räumt sie ein, dass die Installation während der Hochsaison eine schlechte Lösung sei. Schweer: „Ich verstehe den Frust! Das ist sehr ärgerlich.“ Aber wie die Verwaltung weist sie darauf hin, dass alle Grundstücke, wenn auch auf einem Umweg, stets erreichbar seien. Sie erinnert im Gespräch mit der Auepost daran, dass der Ortsrat eindrücklich den Einbau vor oder nach der Saison verlangt habe.

Statt Genussmoment Baulärm: Wegen der Installation von zwei Pollern hatte der „Hafenblick“ vorübergehend geschlossen | Foto: Achim Süß

Dazu die Pressestelle der Stadt: Man sei „bestrebt gewesen“, die Poller vor der Saison einzubauen. Eine feste Zusage sei nicht möglich gewesen, da die Stadt von der Baufirma abhängig sei. Lieferschwierigkeiten und langwierige Verhandlungen zwischen Hersteller und ausführendem Unternehmen über den Einbau seien die Gründe dafür, dass der frühe Termin nicht realisiert werden konnte. „Sehr hohe Mehrkosten“ wären entstanden, so die Pressestelle weiter, wenn das Bauvorhaben bis nach Saisonende verschoben worden wäre. Und: Der Vertrag lasse die Verschiebung nicht zu.

Das Projekt wird seit Dezember 2021 diskutiert, soll zur Verkehrsberuhigung im Ortskern beitragen und 100.000 Euro kosten. Ortsrat und Ratsausschüsse haben der Beschlussvorlage aus dem städtischen Fachbereich Tiefbau weitgehend einvernehmlich zugestimmt, aber in den intensiven Beratungen etliche Änderungswünsche diskutiert und beschlossen. Mit dem Bau soll der Bereich Graf-Wilhelm-Straße, Alter Winkel, Neuer Winkel bis hin zur Deichstraße an den Wochenenden für Fahrzeuge gesperrt werden, damit im Steinhuder Ortskern eine Art Fußgängerzone entsteht. Diese Regelung besteht bereits, konnte aber bislang nur mit hohem Personaleinsatz durchgesetzt werden. Auch Nicht-Anwohner befuhren die Straßen weiterhin. Auf Höhe der Hausnummer Graf-Wilhelm-Straße 22, zwischen "Hafenmeisterei" und "Hafenblick" entsteht deshalb die hydraulische Polleranlage. Gesteuert werden kann sie über Telefonanruf oder Vorhalten eines Chips, die das Versenken der Poller auslösen. Nach Durchfahrt eines Fahrzeuges fahren die Poller automatisch wieder nach oben. 

Schweer räumt ein, sie kenne die Details nicht, und das sei auch nicht ihre Aufgabe. Sie versteht aber die Kritik der Anlieger. Diese seien nicht gezielt über die Straßensperrungen informiert worden, sondern nur über eine Mitteilung aus dem Rathaus, die in der Presse veröffentlicht wurde. Sie hätte rechtzeitige und direkte Information für richtig gehalten: „Ein kleiner Brief wäre gut gewesen.“

Anlieger gegen Poller

Anlieger wie Schweer und Lange berichten, im Rathaus habe man wenig Verständnis für ihren Ärger und ihre Kritik gezeigt. Der Zugang zu den Häusern sei gewährleistet, sage die Stadtverwaltung, und der erste Bauabschnitt an der Graf-Wilhelm-Straße werde wie der zweite an Neuer Winkel/Deichstraße nur eine Woche in Anspruch nehmen. Das hat sich inzwischen als nicht zutreffend herausgestellt. Die Bauarbeiter sind nach fünf Werktagen ins Wochenende gegangen: das Pflaster noch nicht neu verlegt, die Baumaschinen abgeschaltet, die Straße weiterhin gesperrt. Erst Dienstag war die Fahrbahn wiederhergestellt, und der zweite Bauabschnitt nahe der Krananlage wurde in Angriff genommen.

„Das ist doch sinnfrei“

Gerrit Schweer

Kein Anlieger wolle die Poller, sagen Lange und Schweer. Aber die Stadtverwaltung setze sich darüber hinweg, und die Kommunalpolitiker stellten sich nicht auf die Seite der Bürger. Es sei ein Unding, die Straße in der Hauptsaison eine Woche lang zu sperren. Gastronomie und Hotelerie seien gerade dabei, sich von den Einbußen während der Pandemie zu erholen. Jetzt bereite die Stadtverwaltung den Steinhudern ohne Verständnis für deren Situation und ohne Rücksichtnahme neue Schwierigkeiten, schimpfen Schweer und Lange. Wie man überhaupt auf die Idee kommen könne, die Pläne jetzt umzusetzen, fragt Gerrit Schweer vom traditionsreichen „Fischerhus“, für viele Kenner eines der Aushängeschilder des Ortes: „Das ist doch sinnfrei“. Michael Lange beklagt, die Stadt mache, was sie wolle.

280 Euro die Nacht, Baulärm inklusive

Ins selbe Horn stößt Bodo Senff von der „Hafenmeisterei“ am Neuen Winkel. Am Dienstagmorgen beim Beginn der Bauarbeiten – keine 50 Meter vom Hotel entfernt – hat er nicht nur seine alltäglichen Pflichten im Haus und darumherum zu erledigen, er muss auch die Gäste beschwichtigen, die für ihre Suite 280 Euro pro Nacht bezahlen und denen der Baulärm das Frühstück auf dem Balkon verdirbt. Gegenüber wirbt Torsten Giesler vom „Hafenblick“ mit „Genussmomenten am kulinarischen Hafen“, hat sein Lokal mit großer Terrasse an diesem Morgen aber gar nicht erst geöffnet. Denn: Direkt vor seinem Grundstück irritiert der Lärm eines Trennschleifers Passanten und Anlieger: Zwei Straßenbauarbeiter haben mit dem Aufnehmen des Verbundsteinpflasters begonnen.

Beschwichtigt seine Gäste: Bodo Senff von der „Hafenmeisterei“ | Foto: Achim Süß

„Wieso müssen die da schneiden?“, wundert sich Senff und bringt noch eine Beschwerde an: Für die Lieferanten gebe es an der Einfahrt zur Graf-Wilhelm-Straße keinen Hinweis auf die Bauarbeiten und die Tatsache, dass sie nicht wie gewohnt über Deichstraße und Am Anger aus dem Quartier herausfahren können. Die Fläche vor dem Hotel sei groß genug zum Wenden, habe ihm die Stadtverwaltung erklärt, berichtet Senff kopfschüttelnd: „Na, da möchte ich sehen, was passiert, wenn ein 20-Tonner kommt …“

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Kommentare


  • Honey sagt:

    So kann man Ortsansässige Betriebe auch in den Ruin treiben und hinterher war es wieder keiner. Aber das kennt man ja nur zu gut. Armes Steinhude was kannst Du für die Menschen die alles aus Habgier kaputt machen wollen.

    Die Schulen wurden dicht gemacht und was haben sich da einige eine goldene Nase verdient und heute modern sie vor sich hin. Eine Schande ist das.

  • Hendrik Schweer sagt:

    Wunstorf ist halt die Stadt der Schildbürger

  • Schorsch sagt:

    Die Wunstorfer Händler in der Innenstadt haben Erfahrung damit, wichtige Dinge aus der Zeitung zu erfahren. Wieso sollte es den Steinhudern anders Gehen Sarkasmus) ?

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