
Verwaltungssitz der Diakonischen Altenhilfe Leine-Mittelweser in Wunstorf, im Hintergrund das Haus Johannes | Foto: Daniel Schneider
Wunstorf (as/ds). Vor etwa vier Wochen sind die Bewohner der Einrichtungen der Diakonischen Altenhilfe Leine-Mittelweser (DALM) gegen Corona geimpft worden, ebenso das Pflegepersonal. Am „Haus Johannes“ und beim „Haus am Bürgerpark“ fuhren wie überall in der Region die mobilen Impfteams vor. Allerdings ließen sich auch Geschäftsführer und die Vorstände impfen – mitsamt Ehepartnern. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hatte die Vorgänge vergangene Woche zuerst öffentlich gemacht.
Bei der Auepost waren Anfang Februar erste anonyme Hinweise eingegangen: Vorstände samt Ehefrauen hätten sich bei den Impfungen in den Pflegeheimen impfen lassen, obwohl sie nicht an der Reihe gewesen wären. Dazu, hieß es in einem der Schreiben, hätten sich die „betriebsfremden Personen“ auf die Mitarbeiterliste setzen lassen, bevor die mobilen Impfteams der Region in den Einrichtungen auftauchten, um Bewohner und Mitarbeiter zu immunisieren – die mobilen Teams erhalten generell vorher Listen mit den zu impfenden Personen, damit ausreichend Impfstoff mitgeführt wird. Die Vorstände und ihre Partner seien dann gemeinsam mit dem tatsächlichen Personal der Heime geimpft worden; der „knappe Impfstoff“ würde so „nicht sachgerecht“ eingesetzt werden, lautete der Vorwurf. Die Geimpften hätten damit alten und kranken Berechtigten den Impfstoff weggenommen. Nicht nur in Wunstorf, auch außerhalb Wunstorfs sei so verfahren worden, beschwerten sich die Hinweisgeber.
Die Anschuldigungen hat Michael Hagen der Auepost teilweise bestätigt. Hagen ist stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der DALM. Die beschriebene Gruppe von Mitarbeitern habe „sehr intensiven Kontakt“ mit Bewohnern und „in die Heime hinein“. Hagen: „Zudem wurde hiermit vor vier Wochen – als die Skepsis gegenüber den Impfungen noch groß war – auch das Signal gesetzt, dass Impfen sicher und gut ist.“ Er tritt damit dem Vorwurf entgegen, dass Vorstände und Geschäftsführer nicht hätten geimpft werden sollen. Das Impfkonzept ist nach seinen Angaben innerhalb der DALM unstrittig.
„Dass unter diesem Druck auch Fehler gemacht werden, halte ich für menschlich“ Michael Hagen
„Nicht richtig ist allerdings die Impfung der unmittelbar Angehörigen gewesen! Dafür haben sich unsere Vorstände entschuldigt und dies klar kommuniziert. Diese Entschuldigung akzeptieren wir und bitten alle unsere Verantwortlichen in der Altenpflege, die seit Monaten vor großen Herausforderungen stehen und mit allen Mitarbeitenden in den Einrichtungen unter Aufbietung aller Kräfte die Folgen der Coronapandemie eindämmen, zu unterstützen. Dass unter diesem Druck auch Fehler gemacht werden, halte ich für menschlich.“
Nach Darstellung von Gunnar Schulz-Achelis handelt es sich um insgesamt drei Fälle in Wunstorf und Lehrte. Der Pressesprecher der DALM nennt einen Fall in der Lehrter Einrichtung, wo die Ehefrau eines pflegenden Ehrenamtlichen ebenso geimpft worden sei wie ihr Mann. In Lehrte arbeite die Einrichtung „etwas anders“ als in Wunstorf. Leitende Mitarbeiter seien dort von der Impfdrängelei nicht betroffen. Die Angelegenheit sei ein großer Fehler, die Wirkung in der Öffentlichkeit für die Altenhilfe „verheerend“.
In Wunstorf sei der Vorschlag, auch die Ehepartner der beiden Vorstände zu impfen, vom mobilen Impfteam gekommen, berichtet Schulz-Achelis. Trotzdem sei es ein Fehler gewesen, den Ehemann von Pastorin Dagmar Brusermann zu impfen, die als Theologischer Vorstand fungiert, sowie die Ehefrau von Joachim von der Osten, dem Kaufmännischen Vorstand der DALM. Dazu der Superintendent: „Frau Brusermann ist ihr Fehlverhalten höchst unangenehm.“ Sie habe sich „offiziell entschuldigt“. Finanzvorstand von der Osten genieße im Übrigen das vollste Vertrauen des Kuratoriums.
Hagen kündigte an, dass das Kuratorium die Impfdrängelei in der nächsten Sitzung aufgreifen werde. Von weiteren Konsequenzen ist nicht die Rede. Allerdings werde überlegt, ob künftig die Liste der Impfkandidaten der Heimaufsicht zur Genehmigung vorgelegt werde. „Wir haben wenig Verständnis“, heißt es, gemünzt auf die Impfvordrängler, in der Überschrift einer Presseerklärung des Vorstands der Diakonie in Niedersachsen. Deren Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke wörtlich zu solchen Vorkommnissen: „Es stört den gesellschaftlichen und betrieblichen Zusammenhalt.“
Die für die Impfteams zuständige Region Hannover teilt jedoch mit, dass die Teams von sich aus keine Vorschläge zum weiteren Impfen unterbreiten würden. Wie Pressesprecher Christoph Borschel der Auepost sagte, gelangten Impfstoffreste, die vor Ort nicht genutzt werden können, zurück in die Logistik des gemeinsamen Impfzentrums und würden in den Folgetagen regulär verwendet. Für Reste aus bereits geöffneten Ampullen komme eine Nachrückerliste entsprechend der Impfverordnung zum Einsatz, damit kein Impfstoff verschwendet werde. Zu den Nachrückern zählen z. B. andere Beschäftigte aus medizinischen Einrichtungen oder des Rettungsdienstes, die ein hohes Expositionsrisiko haben oder Personen behandeln, die von einer COVID-19-Erkrankung stark gefährdet wären, beispielsweise in der Krebstherapie oder Transplantationsmedizin. Ehepartner zählen dabei nicht zum berechtigten Personenkreis.
[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]Die Diakonische Altenhilfe Leine-Weser beschäftigt 837 Mitarbeiter und unterhält an sieben Standorten 15 Einrichtungen, in Wunstorf etwa das Haus am Bürgerpark und das Haus Johannes. Zentrale ist der Neubau am Barnemarkt. Die Arbeit steht laut Internetseite unter der Überschrift: „Die DALM bildet ein schützendes Dach für Nächstenliebe“.[/box]
Und wieder einmal nichts anderes als hohles- sehr hohles „Bla-Bla“ und „Entschuldigungen“, die als Rechtfertigung für ein Verhalten der Vordrängler*innen her halten müssen dass schlichtweg mit zutiefst verwerflich zu bezeichnen ist.
Mit Verlaub: ich krieg‘ ’n Kotzanfall hoch drei!!!
Das ein Impfteam da überhaupt mitmacht ist sehr bedenklich, die haben doch sicher ihre Vorgaben gehabt wer geimpft werden darf nach Priorisierung
Vielleicht sollten die Kommentatoren hier die Sache mal von einer anderen Seite betrachten:
Wenn unser Bankkaufm… äääh Krankheitsminister bzw. die Landes-/Bundesregierung fähig wären, würde es zu so einem „Fehlverhalten“ doch gar nicht kommen! Aber man kümmert sich ja lieber um seine Immobilien-Geschäfte und andere Dinge. Und dann soll auch noch Maut-Versager-Andi Scheuer mitwirken! Das ist in etwa so dass die brennende Hindenburg der sinkenden Titanic zu Hilfe kommt!! Von daher nehme ich es niemandem übel wenn die Gelegenheit zur Impfung ergriffen wird. Schließlich sind es dann einige weniger die andere anstecken könnten!
Meine Leserbriefe an die haz und die Leine Zeitung wurden bisher nicht veröffentlicht ich habe jetzt Strafanzeige gestellt wegen Amtsmissbrauch und Vorteilnahme im Amt merke: nicht überall wo Diakonie draufsteht ist auch Diakonie drin
Ich finde es einerseits ja sehr bedauerlich, dass ich schon wieder ein Wortzitat „aufspießen“ muss nach meinem Kommentar zur Bürgermeisterkandidatenwahl der SPD, aber das Zitat des Superintendenten und stv. Vorsitzenden des Kuratoriums der DALM, Herrn Hagen, „schreit“ förmlich danach: „Zudem wurde hiermit vor vier Wochen….. auch das Signal gesetzt, dass Impfen sicher und gut ist.“ Werter Herr Hagen, ich gehe einmal davon aus, dass auch Ihnen der Inhalt des Begriffes „Signal“ durchaus geläufig ist: Ein Signal, sei es optisch oder akustisch, wird vom „Signalgeber“ ausgesendet, um eine möglichst große Zahl an „Signalempfängern“ auf einen bestimmten Sachverhalt aufmerksam zu machen. Nun frage ich Sie, wo hier die in Rede stehenden „Impfvordrängler“ ein solches für möglichst viele Mitbürger*innen wahrnehmbares Signal verbreitet haben? Das Gegenteil ist doch der Fall: Sie haben sich klammheimlich vorgedrängelt, und hätte es nicht die anonymen Hinweise hierauf gegeben, dann würde dieser Sachverhalt noch heute im Verborgenen liegen. Ich denke, dass Sie diese Folgerungen nicht wirklich ernsthaft infrage stellen können. Dies vorausgeschickt, frage ich Sie: Entspringt diese Ihre Aussage einem Übermaß an – Pardon! – Naivität, oder wollten Sie hier ein Fehlverhalten von Ihnen verbundenen Personen zu rechtfertigen versuchen, das sich jedenfalls meinem Verständnis nach nicht im Geringsten rechtfertigen lässt?
Wenn diese Personen e… haben sollten diese sich öffentlich mit Namen entschuldigen
@ Basti G.
Eine öffentliche Stellungnahme unter der Nennung des Namens des sich bei der Impfung Vorgedrängten – die von Ihnen geforderte Entschuldigung ist unnötig, da das Verhalten NICHT entschuldbar ist!- wäre das Mindeste.
Doch darauf hoffen zu wollen, ist nicht mehr als Wunschdenken in seiner Reinform.
Leider.
Ein Zwischenruf: Das Menschen ihre Machtposition missbrauchen, um sich zu Lasten anderer Vorteile zu verschaffen, ist bedauerlich, passiert aber, wo Menschen handelnd tätig sind. Entscheidend ist, wie die Struktur, in der sich dieser Machtmissbrauch abspielt, darauf reagiert. Sanktioniert und unterbindet man das Handeln oder bleibt es für die Beteiligten folgenlos?
Die Evangelische Kirche setzt mit ihren sozialen Einrichtungen der Diakonie das christliche Gebot der Nächstenliebe praktisch um – so zumindest der theologische Anspruch. Entsprechend skandalös und extrem asozial empfinde ich deshalb das Verhalten der „Impfvordrängler“. In der Verantwortung stehende Personen haben hier ihre Stellung dazu missbraucht, sich und ihre näheren Angehörige Vorteile zu verschaffen (zu Lasten anderer!). Ein klarer Fall von (Amts-)Missbrauch.
Für mich wiegt es um so schlimmer, dass Mitglieder der Kontrollinstanzen selbst Teil dieses Missbrauchs sind (Pastorin Dagmar Brusemann, theologischer Vorstand DALM) oder diese Vorteilsnahme im Amt relativieren und nicht die arbeitsrechtlichen Konsequenzen einleiten (Superintendent Michael Hagen, Kuratoriumsmitglied DALM). Ein Schlag ins Gesicht all jener, die mit viel Engagement ihre berufliche oder ehrenamtliche Arbeit für die Diakonie erfüllen und sich der ethischen Maxime verpflichtet fühlen, wie sie im Leitbild der Diakonischen Altenhilfe Leine Mittelweser (DALM) explizit benannt wird: „Selbstloses Geben prägt das Handeln in der Diakonie und ist gelebter Glaube – für hauptberufliche und ehrenamtliche Helfer.“
Frau Pastorin Brusemann, treten Sie als Theologischer Vorstand zurück! Ihre Integrität in dieser Funktion haben sie verspielt. Herr Superintendent Hagen, nehmen Sie den diakonischen Gedanken ernst und handeln Sie (endlich) verantwortungsbewusst.
MarieDurand
@ Marie Durand
Hervorragend geschrieben!
Spätestens zum jetzigen Zeitpunkt ist es mehr als angbracht, dass sich die für diesen Skandal Verantworrlichen ÖFFENTLICH dazu erklären und die nicht zu umgehenden Konsequenzen „aufrecht und in Würde“ tragen.
Um zumindest ein bisschen des verlorenen Rufes noch zu retten, dürfte sich als hilfreich erweisen, wenn die Konsequenzen von den Betreffenden SELBST- ohne Zwang von außen- gezogen werden.
By the way:
Mit dem vermeintlichen christlichen Selbstverständnis der Diakonie stehe ich seit der ersten Corona-Welle im „Krieg“:
Im Wissen um die durch das Pandemiegeschehen zunehmende Vereinsamung der in den beiden örtlichen Pflegeheimen lebenden Damen und Herren hatte ich angeboten- weil persönliche Besuche bekanntermaßen nicht möglich waren-, wenigsten in Form des schriftlichen Kontakts einigen der „Pfleglinnen“ ein bisschen menschliche Nähe zukommen zu lassen.
Antwort bekommen? Von wegen.
Also mich sehr freundlich in Erinnerung gebracht.
Diesmal eine Antwort? Nix da!
Wie war das mit deren christlichen Weltbild???
Und sich dann medienwirksam zu beklagen…
Sehr geehrte Frau Grit D.
Den Begriff „Pfleglinnen“ gibt es so nicht, wenn dann müsste es Pfleglinge heißen.
Als solche bezeichnet man häufig junge Tiere. In den Pflegeheimen leben Bewohner und Bewohnerinnen, also Menschen. Das ist herabwürdigend wie Sie hier kommunizieren. Meine Geschwister und ich sind „Kriegskinder“. Das war eine sehr schlimme Zeit für uns und alle Menschen, die das durchleben mussten, oder sich weltweit noch in einer solchen Situation befinden. Das Sie sich nun im „Krieg“ befinden, weil man in der Corona Zeit, wahrscheinlich besseres zu tun hatte, als Ihnen zu antworten, nämlich die Bewohner zu schützen, finde ich Ihre Wortwahl ungeheuerlich. Man sollte den Verantwortlichen Dankbar sein, dass man Ihnen nicht geantwortet hat, wer weiß, was Sie den Bewohnern und Bewohnerinnen sonst noch für Abstruse Bekundungen mitgeteilt hätten.
Ursula S.
@ Ursula Schlade
Weil ich mich eines Smartphones mit sehr ausgeprägtes Eigenleben „erfreue“, ist mir der Fehler in der Schreibweise unterlaufen.
Die Sie erzürnenden Worte habe ich ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt, um Fehlinterpretationen wie die Ihrigen zu umgehen.
In der Regel mit dem von mir erwünschten Ergebnis.
Ihrer „kreisenden Keule“ nach ist mir hier dieses Vorgehen misslungen, so dass Sie sich veranlasst gesehen haben, sich zu echauffieren und meinen Kommentar mit erwähnter Verbalattacke quittierten.
Es wird immer und überall Drängler und Vordrängler geben. Zum Vor-drängeln muss man auch an den Impfstoff herankommen. Und diejenigen, die durch Ihre Ämter und Aufgaben diese Möglichkeiten haben ,werden als Begründung vorgeben , sie werden ja gebraucht und dürfen nicht ausfallen..
Aber es wird immer über die Alten und Pflegebedürftigen in Heimen und Pflegeeinrichtungen gesprochen. Das sind nur 20 % . Die meisten der Alten und Pflegebedürftigen ,nämlich 80 % ( auch mit Pflegestufe ) werden zu Hause gepflegt.
Ich habe in meiner Partei und auch in Eingaben , überall ,immer darauf verwiesen : Wir benötigen Impfstoffe. ,Impfstoffe ,Impfstoffe. Es ist die einzige Möglichkeit der Pandemie entgegenzutreten — wie bei der Grippeimpfung.
Zudem habe ich von Anfang an dafür gestimmt ,die Hausärzte ,Werksärzte usw. mit ein zu beziehen.
Außerdem habe ichvorgeschlagen ,Impfungen durch das DRK — Rote Kreuz durchzuführen. Wer in Schulen oder anderen Räumlichkeiten , Blutentnahmen aus der Arterie durchführen kann , der wird einen Impfstoff auch in den Muskel spritzen können. Die Nachfrage bei diversen Ortsgruppen hat ergeben, dass das DRK sich eingebracht hat, aber angeblich nicht gebraucht wird.
Um schnellstens zu unserem gewohnten Alltag zurückzkehren ,müssen mindestens 60 70 % der Bevölkerung geimpft sein.
Alles andere ,so auch das testen , sind Hilfsmaßnahmen , die nichts aals Kosten machen. Wer sich heute testet und negativ ist , kann schon morgen Überträger sein. e
Auch in Gruppen der Regierung wird Immer mehr auf diesen Weg eingeschwenkt..
Wir können damit rechnen in ca. 3 – 5 Monaten zu einem normaleren Leben zurückzukehren da die Impfung auch bei Mutationen vorbeugt.
Auch unsere normale ,jährliche Grippeimpfung hilft nicht beiallen und /oder bei allen Mutationen
Ich wünsche allen : GESUND BLEIBEN
Wenn denn diese Aussagen stimmen, gehören diese Personen strafrechtlich verfolgt