Wunstorfer Auepost
[Anzeige]

Probe-Sirenenalarm entfällt wegen Krieg in der Ukraine

19.03.2022 • Daniel Schneider • 2 Min.Kommentare: 6

Eigentlich wäre heute Probealarmtag gewesen, die Feuerwehr machte vorsorglich sogar darauf aufmerksam. Doch die Sirenen in der Stadt blieben gegen Mittag stumm. Grund ist die Rücksichtnahme auf Kriegsflüchtlinge in der Stadt.

19.03.2022
Daniel Schneider
2 Min.
Alte Zivilschutzsirene auf einem Wunstorfer Hausdach | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). In vielen Gemeinden wurden sie nach dem Ende des Kalten Krieges schleichend abgebaut: in Hannover etwa gingen sie 1994 außer Betrieb – inklusive der regelmäßigen Probealarme. In Wunstorf wurde das System der Sirenen hingegen beibehalten. Es dient jedoch nicht mehr der Warnung der Bevölkerung im Rahmen des Katastrophenschutzes, sondern nur noch zur Alarmierung der Feuerwehr. Ein dreimaliges Aufheulen in kurzer Folge bedeutet für die Einsatzkräfte, die keine Funkmeldeempfänger besitzen: Zum Dienst an der Feuerwache melden. Dieser sogenannte „Vollalarm“ wird bei größeren Einsätzen ausgelöst, wenn viele Einsatzkräfte gleichzeitig benötigt werden. Gesteuert werden die Sirenensignale in Wunstorf zentral von der Feuerwehrleitstelle in Hannover.

Sirenenton derzeit problematisch

Auch der Probealarm in Wunstorf ist erhalten geblieben: Einmal monatlich, an jedem dritten Samstag im Monat um 11.50 Uhr, findet er „traditionell“ statt, um die Funktionsfähigkeit der Sirenen zu testen. Nun aber wird der Sirenenton auf einmal zum Problem, da in Europa tatsächlich Krieg herrscht: Nicht, weil damit derzeit bei einer Kriegs- oder Katastrophenlage in Deutschland nicht gewarnt werden könnte, da nur noch die Feuerwehralarmierung einprogrammiert ist. Sondern weil derzeit auch in Wunstorf viele Geflüchtete ankommen, die mit Sirenen in den vergangenen Tagen und Wochen ganz andere Erfahrungen verbinden. Die Sorge bestand, dass die Sirenen, die ursprünglich einmal vor Gefahr warnen sollten, nun die Gefahr auslösen – indem Menschen traumatisiert werden, die gerade erst aus einem Kriegsgebiet mit realen Sirenenwarnungen geflüchtet sind.

Vor der Warnung gewarnt

Vorsorglich machte die Feuerwehr am gestrigen Freitag über ihre Social-Media-Auftritte auf den heute turnusmäßig anstehenden Problealarm aufmerksam und informierte in deutscher, englischer, ukrainischer und russischer Sprache über die Hintergründe des Sirenentons in Wunstorf – nämlich dass es sich eben nur um einen Probealarm für die Sirenen zur Feuerwehralarmierung handelt – und keinesfalls eine Aufforderung an die Bevölkerung darstellt, Schutz zu suchen.

Aufklärung von der Feuerwehr über den Problealarm | Screenshot: Auepost

Auch an verantwortlicher Stelle war man sich des Problems jedoch noch rechtzeitig bewusst geworden. Denn der Probe-Sirenenalarm am heutigen Samstagmittag blieb aus, die Sirenen im Stadtgebiet sprangen um 11.50 Uhr nicht an. Wie die Feuerwehr auf Nachfrage der Auepost mitteilte, hatte die zuständige Region Hannover gestern entschieden, den heutigen Alarm mit Rücksicht auf die Situation der Ukraine-Flüchtlinge vollständig ausfallen zu lassen.

Aufrufe: 2771
[Anzeigen]
Politische Werbung der Freien Wähler Wunstorf (Transparenzhinweise)

Politische Werbung der SPD Wunstorf (Transparenzhinweise)











Politische Werbung der Freien Wähler Wunstorf (Transparenzhinweise)




[Anzeigen]
Auepost wird unterstützt von:
Politische Werbung der SPD Wunstorf (Transparenzhinweise)
Politische Werbung der Freien Wähler Wunstorf (Transparenzhinweise)
Politische Werbung der SPD Wunstorf (Transparenzhinweise)

Kommentare


  • Grit D. sagt:

    Zwar ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass auf die Flüchtlinge- die teils schwer traumatisiert sind, Rücksicht- sehr viel Rücksicht genommen wird,doch deshalb den so wichtigen Alarm ausfallen zu lassen?

    Hätte sich vermeiden lassen:
    es leben so viele Mirbürger*innen mit den entsprechenden Sprachkenntnissen im Umland, die mit Sicherheit die Neuankömmlige informieren- auch über den Sinn und Zweck des Alarms.

    Wenn wir schon beim Thema #Sirenenalarm sind- eine Frage an die sachkundige Leserschaft:
    spätestens zum jetzigen Zeitpunkt wäre es sehr angebracht, die ABC-Alarmtöne von Anno Dazumal zu reaktivieren.

    Technisch ohne großartige Probleme möglich?

  • D.R. sagt:

    Liebe Grit,
    das ist keine reine Informationsfrage. Wer Sirenenalarm im Zunsammenhang mit traumatisierenden Erlebnissen eingespurt hat, bei dem kommen panische Gefühle hoch, wenn er oder sie Sirenen hört – da helfen auch keine Informationen.
    Der Probealarm ist SO wichtig nun auch wieder nicht. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Sirenen funktionieren, auch, wenn sie einmalig nicht erprobt wurden.
    Wenn darüber schon diskutiert werden muss …? Man kann nicht helfen, ohne etwas wegzugeben.

  • Grit D. sagt:

    @ D.R.

    Weil ich selbst über viele- zu viele Jahre mit einer PTBS leben musste- um ausnahmsweise mal in meinen persönlichen Lebensbereich zu gehen-, ist es mir besser als mir lieb ist durchaus verständlich, dass diese durch deren Kriegserlebnissen teils schwerst (!) Traumatisierten alleine durch die Geräusche einer Sirene in höchste Panik versetzt werden können.

    Klar, SO wichtig ist der Probenalarm tatsächlich nicht, um oben Genanntes verantworten zu wollen.

    Dennoch würde es mich sehr interessieren, Informationen von Fachkundigen bezüglich des von mir in meinem Kommentar angesprochenen ABC-Alarmtons zu bekommen.

    Kein Hering weiß schließlich, wie weit #Putin in seinem- sorry: Größenwahn NOCH gehen wird!

    Ihnen und der gesamten Leserschaft wünsche ich einen angenehmen restlichen Sonntag- insofern die aktuelle ausgesprochen unerfreuliche („beschis***“ trifft eher) Lage das zulässt.

  • Ein Luther sagt:

    Dann lasst uns auch Steinhuder Meer in Flammen ausfallen lassen. Braucht kein Mensch und ist wohl nicht minder traumatisierend.

  • Bernd-Michael Rosenbusch sagt:

    Sirenentestung ausfallen lassen, um im Bedarfsfalle feststellen zu müssen, dass diese nicht mehr funktionieren kann auch keine Lösung sein. So sehr mir die Flüchtlinge leid tun,muss doch auch unsere Sicherheit gewährleistet sein – und dazu gehört nunmal die Alarmierung per Sirene.
    Entweder die Sirenen werden von Zeit zu Zeit getestet, oder man baut sie gleich am besten ab.

  • Marc Ganzhorn sagt:

    Hallo
    Ja muss auch anmerken das die Flüchtlinge traumatisiert sind, aber hat es nicht der Bundes
    Weite warntag gezeigt das wir heftige Defizite in der Sirenen Alarmierung haben.
    Hier in meiner neuen Heimat Hessen versagten alle Sirenen die noch analog gesteuert sterben weil es in der Leitstelle nicht möglich war vorher Maßnahmen zu treffen das es funktioniert. In den kleinen Gemeinden blieben die Sirenen alle ruhig weil zu dem Zeitpunkt noch keine Umstellung erfolgt ist .
    Meiner Meinung nach sollte sodas stattfinden und da die Flüchtlinge ja betreut werden kann man sie darauf vorbereiten das es nichts schlimmes ist und sie keine Angst haben müssen. Hier in den Unterkünften ist zu ständig eine PSNV vor Ort.

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    [Anzeige]
    Kontakt zur Redaktion

    Tel. +49 (0)5031 9779946
    info@auepost.de

    [Anzeigen]
    Politische Werbung der SPD Wunstorf (Transparenzhinweise)
    Politische Werbung der Freien Wähler Wunstorf (Transparenzhinweise)
    Politische Werbung der SPD Wunstorf (Transparenzhinweise)

    Artikelarchiv

    Auepost auf …