
Kolenfeld (ds). Dass Feuerwehrleute Übungen und Präsentationen unterbrechen müssen, weil ein echter Einsatz dazwischenkommt, das ist nichts Ungewöhnliches und kommt immer wieder einmal vor. Aber dass es ausgerechnet dann passiert, wenn eine aufwändige Einsatzübung mit Verletztendarstellern und präparierten Unfallautos vorbereitet wurde, damit hatte man bei der Freiwilligen Feuerwehr Kolenfeld eigentlich nicht gerechnet.
Geplant war eine Verkehrsunfallsimulation am Rande der Ortschaft, bei der es einen eingeklemmten Schwerverletzten aus dem Fahrzeug zu retten galt. Dieses Szenario kommt auch in der Realität immer wieder vor – erst vor einer Woche hatte es in Altenhagen einen schweren Verkehrsunfall mit einem eingeklemmten Fahrer gegeben. Hinzu kommt, dass die Feuerwehr Kolenfeld öfter mit Fahrzeugunfällen zu tun hat als andere Wehren. Zu Unfällen auf dem ihr zugeordneten Autobahnabschnitt auf der A2 Richtung Bad Nenndorf wird sie gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Wunstorf alarmiert.

Rettung von Menschen aus Fahrzeugen müssen alle Feuerwehrleute gleichermaßen beherrschen, und deshalb wird regelmäßig geprobt: Drei- bis viermal im Jahr wird das Befreien von in Fahrzeugen eingeklemmten Verletzten trainiert. Jedoch nicht immer so aufwändig wie für den diesmal geplanten Übungsdienst, bei dem sich ein Verletztendarsteller gefunden hatte: Henning Hesse war gern eingesprungen und hatte sich zur Verfügung gestellt – der Kolenfelder hatte bereits in der Vergangenheit einmal ein Unfallopfer für Ausbildungszwecke gemimt.
Doch als es gerade losgehen sollte, die Feuerwehrleute und der Rettungsdienst sich aus dem Ort auf den Weg machen sollten, heulten die Sirenen in Kolenfeld – alle verfügbaren Feuerwehrleute wurden mit dem sogenannten Vollalarm zu einem echten größeren Einsatz alarmiert. Die Feuerwehrfahrzeuge näherten sich mit Blaulicht und Martinshorn – und fuhren vorbei, nahmen einen anderen Abzweig zu einem Brand in der Adolf-Oesterheld-Straße.
Verletztendarsteller Hesse, mit simulierter Kopfverletzung an der Stirn und aufgemalten Blutspuren am Arm, hatte sich nun quasi selbst aus der Unfallsituation zu retten. Plötzlich stand er ganz allein auf dem Platz und wusste nicht recht, was er tun sollte. Feuerwehrleute und Sanitäter, die bei den Vorbereitungen geholfen hatten, waren fort und kamen auch nicht wieder zurück. Hesse schnappte sich sein Fahrrad und fuhr schließlich samt „Verletzungen“ nach Hause.

Insofern gesehen ist die Überschrift streng genommen falsch: Die Übung hatte noch gar nicht begonnen, als das „Opfer“ sich für seine Rettung bereitmachte. Anfangs bestand Unklarheit, ob die Übung womöglich trotz der Alarmierung doch noch stattfinden könne. Aber als sich der Einsatz bei der Papierrecylingfirma ausgeweitet hatte, war der Übungsdienst eine Stunde nach Alarmierung dann offiziell abgesagt worden.
Auch Martin Lippold hatte sich das wohl anders vorgestellt: Für ihn wurde es der erste richtige Einsatz überhaupt: Der Feuerwehrmannanwärter wurde infolge des Vollalarms mit in den Einsatz gerufen – und war zum ersten Mal im Einsatzgeschehen aktiv. Seinen Feuerwehrlehrgang hatte er im Februar bestanden und zählt seitdem zu den Aktiven bei der Feuerwehr Kolenfeld. Einsatzerfahrung hatte Lippold allerdings schon vorher gesammelt – er ist auch ehrenamtlich bei den Wunstorfer Johannitern aktiv.

Ohne Übung in der Fahrzeugrettung bleiben die Kolenfelder Feuerwehrleute aber nicht: die Übung soll demnächst nachgeholt werden. Das Auto will man bis dahin jedoch wieder vom ausgesuchten Übungsplatz entfernen. Nicht, dass dort noch jemand einen echten Unfall vermutet und die Feuerwehr ruft.
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