
Wunstorf (ds). Das hatte die Freiwillige Feuerwehr Kolenfeld anders geplant. Am Donnerstagabend sollte eigentlich eine gemeinsame Übung mit dem Johanniter-Rettungsdienst in Kolenfeld stattfinden. Ein Auto war bereits als Unfallwagen präpariert, ein Verletztendarsteller stand bereit.
Doch kurz vor dem angesetzten Übungsbeginn wurde aus dem Übungsdienst ein Ernstfall: Auf einmal löste die Leitstelle Vollalarm für die Feuerwehr Kolenfeld aus. Gegen 18.45 Uhr heulten die Sirenen in Kolenfeld. In einer nahen Altpapierverwertungsfirma war Feuer ausgebrochen.
Statt zum Übungsort zu fahren, fuhren die Feuerwehrleute nun direkt daran vorbei zum gemeldeten Brandort in der Adolf-Oesterheld-Straße. Über der L332 lag bereits wahrnehmbarer Brandgeruch. Eine Papierpresse war in Brand geraten, Rauch drang aus der Halle des Recyclingbetriebes.
Weil viele Feuerwehrleute sich auf die Übung eingestellt hatten, waren die ersten Kräfte entsprechend schnell vor Ort. Die Kolenfelder Feuerwehr ging in Stellung und baute eine Wasserversorgung über den nächsten Hydranten an der Straße auf. Die Zufahrten entlang der jüngst neugestalteten Kreuzung an der Mittellandkanalbrücke wurden für den Verkehr gesperrt.





Währenddessen befanden sich weitere Feuerwehren auf Anfahrt: Alarmiert worden waren auch die Feuerwehren der Kernstadt, Luthe und Blumenau, dazu die Einsatzleitungsgruppe. Aus allen Richtungen steuerten somit Feuerwehrfahrzeuge auf den Einsatzort zu und bezogen ihre Positionen. Atemschutztrupps gingen in Bereitschaft, um sich bei der Brandbekämpfung abzulösen. Insgesamt seien 87 Feuerwehrleute im Einsatz, sagte Feuerwehrsprecher Marvin Nowak vor Ort der Auepost. Im weiteren Verlauf des Einsatzes wurden auch noch die Logistik-Einheit der Feuerwehr Klein Heidorn und Nachschub über die Feuerwehrtechnische Zentrale aus Neustadt bereitgestellt.
Der ebenfalls eingetroffene Rettungsdienst, der mit zwei Rettungswagen der Johanniter im Einsatz war, behandelte zwei Mitarbeiter der Papierverwertungsfirma. Diese hatten giftige Dämpfe des Feuers eingeatmet und dadurch eine Rauchgasvergiftung erlitten.

Aus diesem Grund war auch ein Notarzt zur Einsatzstelle alarmiert worden. Einer der Verletzten musste schließlich zur Überwachung ins Krankenhaus gebracht werden.
Die Gefahr einer Rauchvergiftung, fachlich Rauchgasintoxikation genannt, wird bei Bränden regelmäßig unterschätzt, Brandqualm kann viele hochgiftige Stoffe enthalten. Die ersten Merkmale wie Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot, Husten oder sogar Bewusstlosigkeit können auch mit Verzögerung auftreten. Sogar wenn sich die Betroffenen noch gut fühlen, kann die Vergiftung bereits eingetreten sein. Rettungsdienste müssen daher nicht selten Überzeugungsarbeit leisten, damit sich Menschen, die Brandrauch ausgesetzt waren, untersuchen lassen. Bei hoher Konzentration der Giftstoffe im Rauch besteht unmittelbare Lebensgefahr. Es kann zu einem innerlichen Ersticken kommen, die Atmung wird blockiert. Behandelt wird eine Rauchgasvergiftung mit Sauerstoffgabe und Gegengiften.

Nach gut anderthalb Stunden konnten die ersten Feuerwehrkräfte wieder abgezogen werden. Der Einsatz dauerte aufgrund der schwierigen Verhältnisse beim Brandgut – gepresstem Papier – jedoch an. Die Presse wurde nach und nach leergefahren und Glutnester abgelöscht. Die Zufahrten zur Adolf-Oesterheld-Straße blieben während des Einsatzes gesperrt.
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