Wunstorfer Auepost
[Anzeige]

Zu teuer, zu kompliziert? Mieter zurückhaltend bei Balkonsolaranlagenförderung

06.03.2023 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1586

Bei der städtischen Balkonsolaranlagenförderung herrscht großer Andrang: Rund 300 Haushalte haben sich bislang für die 250 Euro Zuschuss angemeldet. Es scheinen jedoch vor allem Hausbesitzer mit Balkon zu profitieren. Mieter sind zurückhaltend, denn bei Balkonen in Mietwohnungen wird die Sache komplizierter. Das Problem sind nicht die Anschaffungs-, sondern die Installationskosten.

06.03.2023
Daniel Schneider
Aufrufe: 1586
Genug Sonne wäre vorhanden: Mietwohnungen in Wunstorf

Wunstorf (ds). Bis Ende letzter Woche waren es schon 300 Interessierte, die sich für die Balkonsolaranlagenförderung bei der Stadt haben eintragen lassen – die ersten 80 davon erhalten nun die Förderung zugesagt.

Alle anderen landen zunächst auf einer Warteliste. Denn aus Politik und Verwaltung wird signalisiert, dass die Fördersumme aufgestockt werden könnte – die Chancen stehen gut, dass auch Förderungen über die ersten 80 Haushalte hinaus möglich werden. Genaueres ist jedoch noch nicht beschlossen. Aktuell ist das Förderangebot damit zu mehr als 200 Prozent überzeichnet, würde man an der Börse sagen.

Die Befürchtungen von Ratsherr Klaus-Jürgen Maurer (FDP) scheinen sich allerdings zu bestätigen: In Anspruch genommen wird das Fördergeld nicht unbedingt von denjenigen, die es wahrscheinlich am dringendsten bräuchten: Mieterinnen und Mieter scheinen die Förderung bislang nicht abzurufen. Darauf lässt die Hochrechnung einer Stichprobe schließen.

Für Mieter wenig attraktiv

Eine Anfrage bei Wunstorfs größtem Anbieter von Mietwohnungen, dem genossenschaftlichen Wunstorfer Bauverein, ergab ein ernüchterndes Ergebnis. Vereinzelte Anfragen nach den Bedingungen für die Anbringung einer Balkonsolaranlage habe es zwar gegeben, tatsächlich um Erlaubnis gebeten habe bislang aber kein einziges der Genossenschaftsmitglieder, sagte Vorstandsmitglied Kathrin Tietz der Auepost. Rund 1.500 Wohnungen hat die Genossenschaft im Bestand, das entspricht gut 7,5 Prozent aller Haushalte in Wunstorf.

Dabei ermöglicht der Bauverein jedem Mieter grundsätzlich den Einbau auch einer privaten Balkonsolaranlage, wenn man sich vorher die Erlaubnis holt. Aber so einfach, wie es nun z. B. die städtischen Förderbedingungen suggerieren, ist es dann eben doch nicht, eine Balkonsolaranlage in Betrieb zu nehmen. Mit dem Kauf und der Anmeldung beim Netzbetreiber ist es nicht getan. Gerade bei Mietwohnungen kommen weitere Punkte hinzu, die beachtet werden müssen – und die weitere Kosten verursachen.

Solarmodule sind auf Mieterbalkonen bislang nicht zu finden

Das habe letztlich mit der Haftung zu tun, erklärt Tietz: Ein Vermieter sei verantwortlich für eine in seinem Bestand betriebene Anlage. Deswegen muss sichergestellt sein, dass von Balkonsolaranlagen keine Gefahr ausgeht, bevor die Anbringung erlaubt wird.

Solche Gefahren können schon bei der bloßen Installation entstehen, wenn sie nicht fachgerecht ausgeführt wird. Man denke daran, was passieren könnte, wenn ein Solarpanel sich von einem Balkon aus einem höheren Stockwerk löst und auf die Straße fällt. Auch das Hausstromnetz darf nicht überlastet werden, es dürfen keine zusätzlichen Brandlasten entstehen. Durch unsachgemäß betriebene Anlagen hervorgerufene Brandgefahren würden auch andere Mieter gefährdet. Der Betrieb an einer normalen Steckdose oder die Selbstmontage auf dem Balkon scheiden damit praktisch von vornherein aus.

Verdoppelung der Anschaffungskosten

Der Bauverein hat ein ausführliches Merkblatt für seine Mitglieder zusammengestellt, welche Anforderungen zu beachten sind, bevor eine Genehmigung zur Anbringung erteilt wird. In der Regel bedeutet das für die Mieter, die sich eine eigene Balkonsolaranlage wünschen, die Beauftragung einer oder gar mehrerer Fachfirmen: Stromanschlüsse müssen verlegt und die Anlage professionell verbaut werden.

ein Tropfen auf die heiße Balkonfliese

Konkret kann man damit kalkulieren, dass sich die Anschaffungskosten einer der günstigeren Balkonsolaranlagen dann direkt verdoppeln. Damit rechnet sich die Anschaffung jedoch kaum noch, auch die städtische Förderung wäre dann nur ein „Tropfen auf die heiße Balkonfliese“. Fasst man Anschaffungs-, Installations-, aber auch Rückbaukosten zusammen, bedeutet es, dass sich eine solche Anlage für Mieter wohl frühestens nach 10 Jahren amortisiert – zumindest beim derzeitigen Strompreisniveau.

Geschätzte Gesamtkosten einer Balkonsolaranlage für Mieter in Euro | Graphik: Auepost

Das ist gerade für Menschen mit wenig Einkommen, obwohl sie damit laufende Stromkosten reduzieren könnten, kein echter Anreiz zum Einstieg in die Solarenergie. Das Risiko, dass man am Ende statt Stromkosten zu sparen sogar draufzahlt, steigt. Ausgerechnet an den Balkonen der Mietshäuser, die aufgrund der höheren Stockwerke eine gute Sonnenausbeute hätten, werden deswegen wohl so schnell nicht viele Solaranlagen zu sehen sein.

Pausenlos klingeln die Telefone

Auf die sichtbaren Auswirkungen der Solarförderung freut sich unterdessen schon Wunstorfs Klimaschutzmanagerin Franziska Dröge, die mit der Organisation der städtischen Balkonsolarförderung betraut ist. Bei ihr im Rathaus klingelt seit der Ankündigung der beschlossenen Förderung pausenlos das Telefon für Rückfragen und Anmeldungswünsche. Dröge ist von der starken Resonanz selbst überrascht, verrät sie im Gespräch mit der Auepost. Dass in den ersten Tagen schon 300 Interessierte eine Interessensbekundung einreichen, damit habe sie nicht gerechnet.

„Damit habe ich selbst nicht gerechnet“

Klimaschutzmanagerin Franziska Dröge

Angeschafft würden offenbar vor allem günstigere Anlagen, um die 700 bis 800 Euro. Entsprechend schnell würden sich die Solarkraftwerke dann amortisieren, zusammen mit der Förderung noch schneller, sagt die Klimaschutzmanagerin. Statt in 5 bis 6 Jahren womöglich bereits in 3 bis 4. Vorausgesetzt, man vermeidet zusätzliche Installationskosten und montiert in Eigenregie.

Interessierte an der Balkonsolaranlagenförderung in Wunstorf | Grafik: Auepost

Die Ergebnisse der Solarförderung wird Dröge dann demnächst tatsächlich im Stadtbild entdecken können, wenn auch nicht flächendeckend an den großen Hausfassaden. Obwohl Vermieter wie der Bauverein ihre Mieter bei der Energiewende unterstützen, scheinen die Rahmenbedingungen für Mieter in Sachen Solartechnik noch nicht zu stimmen. Der Schluss liegt nahe: Wer als Mieter derzeit in eigene Balkonsolartechnik investiert, tut dies aus Überzeugung, um regenerative Energien zu nutzen – und nicht, um Energiekosten zu sparen.

Ob eine Einkommensprüfung samt Vorrangregelung für Einkommenschwächere, wie von Maurer gefordert, dazu führen würde, dass mehr Mieter von der Förderung profitieren, darf deswegen bezweifelt werden. Um für Mieter einen echten Anreiz zu setzen, Solaranlagen auf Balkonen installieren zu lassen und den Anschaffungsaufwand zu rechtfertigen, müsste gleichzeitig auch die Fördersumme für den Einzelnen höher ausfallen.

[Anzeige]

[Anzeigen]
Auepost wird unterstützt von:

Kommentare


  • Stefan sagt:

    Gerechtigkeit ist eine Illusion! Und es gibt mindestens ebenso viele Wahrnehmungen von Gerechtigkeit, wie es Menschen gibt. Ich wundere mich sehr, warum nun darüber und so eine Art sozialer Komponente diskutiert wird. Eigentlich dachte ich, die Balkonkraftwerke sollten ein bescheidener Beitrag zur Rettung unseres Planetens und seines Klimas sein. Und da hilft grundsätzlich jede Kilowattstunde Strom, die nicht durch die Verbrennung fossiler Energieträger etc. erzeugt wurde. Ich finde die aktuelle Förderung gut, wie sie ist. Unkompliziert! Aber einige müssen ja immer alles schlecht reden und können sich nicht zufrieden geben, ehe nicht das nächste Bürokratiemonster geschaffen wurde. Bis Anträge so kompliziert werden, dass normale Menschen davon verschreckt werden und nur noch einige Spezialisten profitieren. Wäre das nicht auch wieder ungerecht?

  • Wolfgang Stemme sagt:

    Wie vermutet, starb das Kind bereits vor der Zeugung. Die Mieter in Deutschland darüber, STÖHN, Mieter im Ausland, LACH. Als Beispiel, hier in Cebu gibt es Straßen, auf denen kleine Solarlampen im Asphalt verbaut sind, sehr vorteilhaft bei Dunkelheit. Hier undenkbar, macht man sich Gedanken über Brandgefahr etc. Auch ein Grund, warum Deutschland in die Bedeutungslosigkeit verschwand und kaum noch wahrgenommen wird. Jeder kann auf den Philippinen seine Anlage montieren, egal ob Balkon, oder Dach, Genehmigung unnötig. Brände dadurch gab es bisher nicht. Und noch etwas………… es gibt bei vielen Mehrfamilienhäusern keinen Blitzschutz, das wiederum stört nicht in Germany.

  • Basti g. sagt:

    Pro Jahr spart man mit einer minianlage ca . 150 € bei einer Anschaffung von 800€ dafür zerbohre ich mir nicht den ganzen Balkon!!!

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Kontakt zur Redaktion

    Tel. +49 (0)5031 9779946
    info@auepost.de

    [Anzeigen]

    Artikelarchiv

    Auepost auf …