
Wunstorf (nd/ds/dd/ll). Noch etwas Zeit wollte man dem zukunftsträchtigen Projekt geben, damit sich die Wunstorfer daran gewöhnen können, Fahrräder vollautomatisch und sicher am Bahnhof mittels App im modernen Fahrradparkhaus abzustellen. Zuletzt wurde noch einmal mit zahlreichen Maßnahmen und publikumswirksamen Aktionen versucht, mehr Radfahrerinnen und Radfahrer für die Nutzung der Fahrradparktürme zu gewinnen. Aber die Begeisterung blieb aus, die Menschen blieben skeptisch. Viel zu wenige Fahrradbesitzer wollten dem als Leuchtturmprojekt der Verkehrswende bezeichneten Prestigebau ihre Fahrräder auch nur kurzfristig anvertrauen.
Die Türme standen die meiste Zeit über einfach leer. Schuld sind offenbar die Pannen vor allem in der Startphase. Die Kinderkrankheiten hatten den Ruf der Anlage nachhaltig ruiniert: Manchmal waren dort eingestellte Räder einfach zu Würfeln gepresst worden. Andere Nutzer beschwerten sich darüber, ein teures E-Bike eingeparkt zu haben, beim Wiederabholen dann aber ein klappriges Hollandrad erhalten zu haben.
„Seien Sie froh, dass Sie überhaupt wieder irgendwas rausbekommen haben“
Der Techniker vom Notdienst
Der benachrichtigte Techniker des Außendienstes konnte das später nicht mehr nachvollziehen – und hatte nur den guten Rat, dass Hollandradfahren doch auch ganz nett sei und Fahrradwürfel beim Wertstoffhof kostenlos als Altmetall abgegeben werden könnten.
Bei Neumond war außerdem regelmäßig die App, die zum Bedienen der Türme benötigt wurde, ausgefallen. Für Irritation hatte ebenfalls gesorgt, dass Fahrräder offenbar zur vollen Stunde auch willkürlich ausgeworfen worden waren, obwohl niemand einen Ausparkvorgang eingeleitet hatte. Zeugen wollen gehört haben, wie die Computerstimme der Anlage dazu „Kuckuck-kuckuck!“ rief.
Die Verwaltungen von Wunstorf und der Region Hannover ziehen daher nun die gemeinsame Reißleine und haben das Projekt endgültig beerdigt. Die Politik will keine weiteren Steuergelder versenken oder gar riskieren, mit einem weithin sichtbaren leerstehenden Fahrradparkhaus die Verkehrswende zu verunsichern. Bereits seit einiger Zeit konnten deshalb keine Fahrräder mehr neu geparkt werden, und die wenigen noch nicht abgeholten Räder gingen vergangene Woche in die öffentliche Versteigerung.

Doch leer stehen lassen kann man die Türme auch nicht, denn dann würde eine Rückforderung der EU-Fördermittel drohen. Deswegen nun der Umbau. Ein WC- und Dusch-Center entsteht in den ehemaligen Fahrradtürmen.
Denn während zwar niemand das Fahrradparkhaus wirklich brauchte, vermissten umso mehr Menschen nach wie vor eine ordentliche Toilette am Bahnhof. Diese ist zwar bereits seit den 1960er Jahren im Bau, die Fertigstellung kommt aber weiterhin nur schleppend voran. Nun, mit den ausgedienten Türmen, geht es auf einmal ganz schnell – und die bereits vorhandene Bauweise schafft ganz neue Möglichkeiten. Auf der linken Seite, in Turm 1, entstehen Unisex-Toiletten. Auf verschiedenen Etagen wird man dann austreten können – und dabei gleichzeitig einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt genießen. „Turmpinkeln“ könnte sogar zur neuen touristischen Attraktion werden und Besucherverkehr von Steinhude in die Kernstadt umlenken, so die Hoffnung.
In Turm 2, auf der rechten Seite, werden dagegen Duschkabinen und Nasszellen installiert – ebenfalls auf mehreren Etagen. Damit Benutzerinnen und Benutzer nicht in kompromittierende Situationen geraten, sind an der Glasfassade auch Duschvorhänge vorgesehen.
Der neue WC- und Duschpavillon kommt damit vor allem auch den Pendlern zugute, die morgens beim hektischen Verlassen des Hauses das Zähneputzen vergessen haben. Statt einfach nur so auf die verspätete S-Bahn oder den ausgefallenen Regionalexpress zu warten, lässt sich die Morgentoilette dann auch direkt am Bahnhof noch nachholen und die Zeit sinnvoll nutzen. Zahnbürstenautomaten gehören zur Ausstattung.
Beim ersten Testlauf versagte allerdings der Verkaufsautomat für die Duschmarken. Die Duschennutzung wird daher nun gratis angeboten, auch unter dem Aspekt, dass die Duschen im derzeit geschlossenen Hallenbad auch in den nächsten Monaten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein werden. Die Stadt vergibt ab sofort Jahreszugangspässe für den Duschturm, diese können kostenlos im Rathaus, Zimmer 01.04. abgeholt werden.

Willkommener Nebeneffekt: Die für den Schützenplatz geplante öffentliche Toilette, die dieses Jahr errichtet werden sollte, kann damit entfallen, was den Haushalt entlastet. Stattdessen wird ein Shuttle-Bus-Service eingerichtet: Wer künftig am Schützenplatz ein dringendes Bedürfnis verspürt, kann sich im 2-Stunden-Takt zum neuen Turm-WC am Bahnhof fahren lassen.
Aus B+R, das für Bike and Ride stand, wird somit nun D+R: Duschen und Rasieren. Die vorhandene technische Infrastruktur in den Türmen kann einfach weitergenutzt werden. Mit der App bucht man sich eine Duschkabine oder einen Toilettensitz, stellt sich auf die Plattform an den Türen und wird dann vom System automatisch an den nächsten freien Platz verteilt. Damit alle zum Zuge kommen und sich keine Schlangen bilden, wird die Benutzungszeit streng limitiert. Wer sie überzieht, wird automatisch ausgeparkt und zurück auf die Straße gestellt.
Datum beachten: Dieser Artikel ist der jährliche traditionelle Auepost-Aprilscherz und erschien zum 1. April 2025. Es handelt sich um eine absichtliche Falschmeldung. Nach jetzigem Stand ist ein Betriebsende der Wunstorfer Fahrradtürme keinesfalls geplant, die Anlage ist weiterhin regulär in Betrieb.
Einmal im Jahr erfinden wir Nachrichten und schicken die Leserinnen und Leser in den April: Mit einer absurden Meldung, die im Verlaufe der Erzählung immer aberwitziger wird, wird dabei auch getestet, wie es um die Medienkompetenz der Leserschaft bestellt ist: Glaubt man den Zeitungen unbesehen oder behält man seinen kritischen Blick beim Lesen? Als Hilfestellung gibt es zusätzlich im Text stets kleine versteckte Hinweise auf das besondere Datum. So existiert etwa im Rathaus, wo man sich diesmal angeblich Gratis-Duschpässe abholen konnte, in Wirklichkeit natürlich kein "Zimmer 01.04.".
Richtig gute Idee. Ich besorge mir einen Borat-Badeanzug ;-)
Das Team von der Auepost ist zum „Anbduschen und Abduschen“ bestimmt auch dabei. Bitte im Maus-Badeanzug ;-)
Das ist doch mal eine super Idee ! Unsere obdachlosen würden sich sehr freuen und dazu noch eine Kaffeebude damit ich mit Grit Mal einen ordentlichen Kaffee trinken kann
Wenn es kein Aprilscherz ist, wäre es eine sehr gute Idee, denn: Eine Toilette, Dusche oder sogar Sanitärräume zum Wickeln der Kleinkinder, das hätte schon etwas in diesen Zeiten.
Betrachtet man die oft verschlossenen oder vollgesch…. Toiletten des Nah- und Fernverkehrs(während meiner Referendariats Zeit musste es ein Mann von Hannover bis Braunschweig mit Durchfall aushalten, alle Klos waren im Regionalexpress dichtgemacht, es war schrecklich für diesen armen Menschen), dann ist diese Idee doch top.
Aber auch für solche Menschen, die kein Zuhause haben, wäre diese neue Einrichtung eine Bereicherung und könnten sich dort frisch machen oder auch Kaffee kochen.
Eine gute Idee!
Hoffentlich kein Fake!
April. April…
Bin drauf reingefallen und halte es weiterhin für möglich. :-)
Super Idee! Und dann noch mit Übernachtung, quasi unter freiem Sternenhimmel.
April April
April, April…
Lächerlich
Sehr lustig! Danke an die Redaktion. Made my day:)
Die Aprilscherze werden auch immer Platter
Super Idee.
Vielleicht kann man aus dem Barnekreisel auch ein Karussell machen.
Ich denke mal 1. April !!!!
Bitte, bitte kein Aprilscherz! Mal ehrlich, warum an einer Stelle ein schier nutzloses Objekt gestalten, und bei anständigen wichtigen Dingen wie Toiletten und Co. nichts tun?
Es scheint so typisch.
Die einzige Meldung, die ich NICHT für einen Aprilscherz gehalten habe.
Dass das nur ein Aprilscherz sein kann, wird wohl jedem sehr schnell klar gewesen sein.
Obwohl angesichts der Notlage vieler mit „menschlichem Bedürfnis“ würde die längst überfällige Tö am Wunstorferer „Haupt“:) Bahnhof wohl allgemein begrüßt werden.
Der Redaktion ist es gelungen, einen Aprilscherz mit einigen wirklich sehr guten Anregungen zu kombinieren.
Sie hat leider nur einen Fehler gemacht: darauf hinzuweisen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Ich wäre auf die Kommentare ohne Hinweis gespannt gewesen.
Ich stelle mir das schon sehr surreal vor. Man kommt als Tourist mit der S-Bahn am ZOB an, geht mit seinem Rollkoffer in Richtung Bus-Haltestelle und sieht in diesen zwei – transparenten – Türmen auf jeder Etage mindestens 10 Toilettenschüsseln im Rondell, auf denen die einheimischen Wunstorfer ihre Notdurft mit Panorama-Blick verrichten. Ich denke, ein Tourist wird sich bei diesem Anblick sofort wie zuhause fühlen. Darüber hinaus trägt die offene Bauweise auch dazu bei, dass Exhibitionisten ihren Interessen nachgehen können und durch die ständige Frischluftzufuhr dürfte sich die Geruchsbelästigung gegenüber geschlossenen Toiletten ebenfalls in Grenzen halten.
Daher haben die Stadtoberen diesmal eindrucksvoll gezeigt, dass sie lernfähig sind und bei einer offen zu Tage getretenen Erfolglosigkeit eines Projektes auch jederzeit in der Lage sind, das Ruder herumzureißen und eine sinnvolle Umnutzung in die Wege zu leiten.
Frei nach dem Motto: „DUSCH DAS!“
Indes gäbe es auch die Möglichkeit, diesen FutureTower vielleicht in den so dringend benötigten Wohnraum für wenig besser Gestellte umzufunktionieren. Das Gerüst steht ja quasi schon, und an Stabilität mangelt es anscheinend auch nicht. Und dann ablehnend den Hausabrissen, die ja leider immer wieder erfolgen, die alten Häuser mit Wohnungen, die bezahlbar für alle sind, anzufüllen.
… ein sehr aufwendiger Artikel für einen Aprilscherz.
Respekt!