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Wunstorfer Straßenlaternen erzählen aus 1.150 Jahren Geschichte

13.04.2021 • Daniel Schneider • Aufrufe: 166

Wunstorf bekommt was auf die Ohren: Ab heute erzählen die „klingenden Laternen“ den Passanten in der Altstadt Geschichten aus vergangenen Tagen …

13.04.2021
Daniel Schneider
Aufrufe: 166

Wunstorf bekommt was auf die Ohren: Zum Stadtjubiläumsjahr verwandeln sich acht Straßenlaternen in der Innenstadt in Zeugen der Geschichte – und erzählen den Passanten von vergangenen Zeiten.

Klingende Laterne Wunstorf

Klingende Laterne vor der Abtei | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum können 2021 nur eingeschränkt stattfinden – doch ein Baustein der Festlichkeiten, der die Wunstorfer nun über das Jahr begleiten wird, ging heute in Betrieb: die Installation „Klingende Laternen“ ist aktiv und beschallt nun die Innenstadt. Zum heutigen Start kam Regionspräsident Hauke Jagau nach Wunstorf und eröffnete das Projekt gemeinsam mit Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt, Ortsbürgermeister Thomas Silbermann und Erstem Stadtrat Carsten Piellusch. Begleitet wurde die Einweihung von einem beachtlichen Medienecho: Am Dienstagmorgen war nicht nur die örtliche Presse erschienen, sondern auch einige Radio- und Fernsehsender, die nun über die akustische Zeitreise im Rahmen des gemeinsamen Projektes von Region und Stadt berichten.

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Medienecho

Medienaufgebot zur Einweihung | Foto: Daniel Schneider

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Klingende Laternen

Werben für die Installation | Foto: Daniel Schneider

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Klaus Fesche

Klaus Fesche im Bild | Foto: Daniel Schneider

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Die Klangkästen wurden von der Region Hannover angeschafft und werden für vergleichbare Installationen immer wieder eingesetzt: Erstmals vor drei Jahren in Burgdorf, vor zwei Jahren in Seelze und nun erstmals in Wunstorf. Die Stadt hätte sich um die Installation bemüht und zum Stadtjubiläum eingekauft, nachdem man von der Vorgängeraktion in Burgdorf erfahren habe, berichtete Stadtarchivar Klaus Fesche, der auch im Hintergrund bei der inhaltlichen Ausgestaltung unterstützte und die Autorin der Installationen, Stefanie Krebs von Tonspur Stadtlandschaft, mit den entsprechenden Inhalten zur Wunstorfer Geschichte versorgte.

[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]An insgesamt 8 Stellen in der Altstadt sind die Installationen an den Laternen aufgebaut und erzählen ab sofort zu bestimmten Themen der Stadtgeschichte: Am Stift, am Marktplatz (Steinhuder Meer-Bahn), an der Stadtkirche (Stadtbrand), am Ratskeller (Sport- und Clubleben), am Kuhbrunnen (Markttreiben), an der Abtei, in der Synagogengasse und in der Wasserzucht (Armenhaus) warten die Lautsprecher auf sich nähernde Passanten. [/box]

MP3-Technik

Die Technik in den Klangkästen ist simpel, erklärte Nils Meyer, Projektleiter der Hörregion Hannover: Im Inneren befinden sich MP3-Player, Zeitschaltuhr, Bewegungssensor und Lautsprecher – der Betrieb erfolgt über Akkus, aufgeladen werden die Boxen in der Nacht über die Stromversorgung der Laternen. Geht man an einer klingenden Laterne vorbei, vernimmt man einen ca. dreiminütigen Hörbeitrag, der in Dauerschleife abgespielt wird. Es sind Erzählungen, die sich mit den Gebäuden, Plätzen und den Menschen vergangener Jahrhunderte beschäftigen, die immer genau zu dem Ort passen, an dem die jeweilige Laterne heute steht. So erfährt man etwa am Marktplatz von der alten Eisenbahn, die hier einst fuhr, und zwischen Rathaus und Stadtkirche wird vom großen Stadtbrand berichtet. Blaue Hinweisschilder mit einem Ohr-Logo weisen an den Laternen zusätzlich auf die eher unauffälligen grauen Klangkästen hin.

Sabotage abgewehrt

Die Klanginstallation soll die Wunstorfer den Sommer über begleiten und ist damit eine coronakompatible Ausgestaltung des Stadtjubiläums. Mit einzelnen Beschwerden werde gerechnet, sagte Bürgermeister Eberhardt, aber man habe im Fall der Fälle auch Möglichkeiten, bei Spieldauer und Lautstärke nachzujustieren. Ohnehin sind die Kästen nicht besonders laut eingestellt: Bei den typischen Umgebungsgeräuschen muss schon genau hingehört werden, um den Erzählungen zu folgen. Die gesprochenen Texte fallen akustisch erst auf, wenn man sich unmittelbar an einer der Laternen befindet.

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Klingende Laternen

Eberhardt, Silbermann, Jagau und Piellusch lauschen | Foto: Daniel Schneider

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Klingende Laterne Wunstorf

Klingende Laterne vor der Stadtkirche | Foto: Daniel Schneider

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Nils Meyer

Nils Meyer, Projektleiter der Hörregion Hannover | Foto: Daniel Schneider

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In den vergangenen Tagen wurden die Kästen aufgehängt und für den Betrieb vorbereitet – doch die heutige Premiere wäre beinahe sabotiert worden: Scherzkekse hatten in der Nacht an drei Laternen die Sicherungen herausgedreht. Der Baubetriebshof setzte die Laternen am Morgen jedoch noch rechtzeitig wieder in Betrieb.

Hören in der Hörregion

Bis in den Spätherbst sollen die Kästen installiert bleiben. In der Nacht bleiben sie ruhig – aktiviert sind sie nur an Werktagen zwischen 9 Uhr und 18 Uhr sowie an den Wochenenden von 11 Uhr bis 20 Uhr. Ein Flyer der Hörregion informiert ebenfalls über Standorte und Hintergrund zu den klingenden Laternen.

[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]Die Hörregion hat nichts mit der Radiolandschaft oder dem Umstand zu tun, dass neuerdings Bokeloh Antennenstandort für einen Radiosender ist: Sie entstand vor allem infolge der Expertise bei Cochlea-Hörimplantaten an hiesigen Kliniken und bildet heute ein branchenübergreifendes Netzwerk für gutes Hören. Der Schwerpunkt liegt weiter auf der Gehörerhaltung und Hörakustik, umfasst jedoch auch vielerlei kulturelle Projekte. Neben der Einbindung von Menschen mit Gehörschäden geht es um die Förderung guten Hörens und die Wissensvermittlung durch Audiomedien.[/box]

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Kommentare


  • Joachim Begerow sagt:

    Eine sehr schöne Idee, durch die der historische Stadtkern – leider nur vorüber gehend – aufgewertet wird.
    Für den „Sabotageakt“ derjenigen, die in dem Beitrag als „Scherzkekse“ bezeichnet worden sind, fehlt mir indes jegliches Verständnis! An sich ist niemand gezwungen, sich die Texte anzuhören und wenn als „Nachbar“ tasächlich doch, dann wird sich die Belästigung im Rahmen halten. Ich wurde in meinem Büro oberhalb des Glockenspiels jahrzehntelang werktäglich viermal mit dessen Spiel „zwangsbeglückt“, habe daran jedoch niemals Anstoß genommen, sondern wusste stets dessen Wert für die Touristen und Kinder (im Zusammenhang mit dem Figurenspiel) zu würdigen. Ein wenig mehr Toleranz stünde den oben genannten „Scherzkeksen“ gut zu Gesicht. Schließlich sollte auch ihnen das Image unserer Stadt gerade in ihrem Jubiläumsjahr ein klein wenig am Herzen liegen!

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