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Auf der Hochstraßen-Nachtbaustelle

25.03.2026 • Daniel Schneider • 3 Min.Kommentare: 2

Eine Großbaustelle auf der Hochstraße findet seit einigen Nächten in Wunstorf statt. Die Arbeiten laufen gegen die Zeit: Jeweils zum startenden Berufsverkehr am Morgen muss die Strecke wieder frei sein. Das gelingt durch eine minutiös wirkende Baustellenlogistik.

25.03.2026
Daniel Schneider
3 Min.
Eine neue Fahrbahndecke wird auf der teilgesperrten Hochstraße gebaut | Fotos: Schneider

Der Mond scheint am Himmel über dem dunklen Wunstorf kurz nach Mitternacht, doch auf der Hochstraße herrscht Hochbetrieb. Nicht mit dem üblichen Verkehr – nur einzelne Fahrzeuge lassen sich blicken, die in Richtung Bahnhof, Luthe oder Autobahn steuern.

Aber auf den Gegenfahrspuren, die für den Verkehr gesperrt sind, wird emsig gearbeitet. Mehrere Abschnitte der Hochstraße, die auf einer Brücke über die vielen Bahngleise führt, die Wunstorf durchschneiden, sind hell erleuchtet.

Die Landesstraßenbaubehörde lässt während der Osterferien Teile der Fahrbahn erneuern. Damit der Verkehr möglichst wenig gestört wird, wird nachts gearbeitet. Die alte Fahrbahndecke wird abgetragen, eine neue aufgebracht, in einer Fahrtrichtung jeweils zu beiden Seiten des Brückbauwerkes.

Die Fahrtrichtung Innenstadt ist in der Nacht gesperrt
Vom ZOB aus geht es weiter nur nach rechts Richtung Luthe

Arbeiten gegen die Zeit

Die Kommentare waren bei Ankündigung der Arbeiten mitunter vom Schlimmsten ausgegangen, Verkehrschaos wurde befürchtet. Nichts davon ist eingetreten. Die Bauarbeiten verlaufen planmäßig, und die Beschäftigten arbeiten streng gegen die Zeit: Zum einsetzenden Berufsverkehr jeden Morgen muss die Hochstraße wieder befahrbar sein.

Übergang vom Brückenbauwerk mit der alten Fahrbahndecke zur neu enstehenden Hochstraße
Hier fehlt noch die neue Fahrbahndecke

Der Geruch von heißem Teer weht von der Brücke herunter und legt sich über die angrenzenden Straßen. Ab und zu wird auch abseits der Hauptbaustelle ein Trennschleifer angeworfen, doch insgesamt spielt sich das Geschehen erstaunlich leise ab für eine Baustelle in diesen Dimensionen.

Am auffälligsten sind die vielen LKW-Transporte, die das Material für die neue Fahrbahndecke bringen. Über 30 Tonnen Material habe sein Muldenkipper an Bord, erzählt einer der Fahrer.

Lastwagenballett

Jeder der Lastwagen fährt die Tour zweimal in der Nacht. Es gleicht einem Kipplasterballett: Ganz oben auf der Hochstraße sammeln sich die Transporte, rangieren an Wartepositionen und bringen im Rückwärtsgang dann die Ladung direkt zur eigentlichen Nachtbaustelle, die an diesem Abend zwischen dem Abzweig Richthofenstraße und der Hochstraßenbrücke stattfindet.

Ein Muldenkipper hat ausgeliefert
Der nächste bringt sich schon in Stellung
Als würde es brennen: Der Muldenkipper mit aufgerichteter Kippmulde in den Teerschwaden
In der Nähe von Edeka Kappe wird direkt auf die Fahrbahn abgeladen

Dort wird die neue Fahrbahndecke aufgebracht und gewalzt. Man sieht, wie dicht die Abläufe getaktet sind: Die Muldenkipper fahren genau im richtigen Moment an, wenn die nächste Ladung benötigt wird.

Währenddessen wird weiter oben an der Brücke die Fahrbahn weiter vorbereitet, die schon freigelegte untere Tragschicht ist noch zu sehen. Ein Arbeiter prüft die Randbereiche und säubert unter Hochdruck mit Wasser. Währenddessen rückt weiter unten die Nachtbaustelle Zentimeter für Zentimeter weiter voran.

Der Stau kommt aus unerwartetem Grund

Am Dienstag gab es dann wirklich Verkehrschaos, aber dieses hatte nichts mit der Hochstraßenbaustelle zu tun. Zum großen innerstädtischen Stau kam es schon am späten Nachmittag, als die Nachtbaustelle noch gar nicht wieder begonnen hatte.

Es war ein technischer Defekt am Bahnübergang Sölterkreuzung, der die Stadt verstopfte: Eine Schranke blieb für eine Weile dauerhaft gesenkt – das reichte, um einen entsprechendem Rückstau in der Innenstadt zu produzieren. Der Ausweichverkehr über Barnestraße und Lange Straße, der die Innenstadtroute umgehen wollte, brauchte ebenso lange Nerven. Bis zurück zum Industriegebiet und ins Barneviertel reichte der Verkehr. Der exemplarische Rekord: Eine Stunde Fahrtzeit vom Burger-King-Kreisel bis zur Hagenburger Straße wurde berichtet.

Schwere Maschinen auf der Hochbrücke

Wie lange die Fahrtzeit gedauert hätte, wenn es die Hochstraße nicht gäbe und stattdessen dort auch noch der alte Bahnübergang mit einem Defekt aufgewartet hätte – es wäre in Zeiten des heutigen Verkehrsaufkommens kaum vorstellbar.

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Kommentare


  • Pia sagt:

    Ich finde gerade den Punkt bemerkenswert, dass bei Ankündigung der Arbeiten in den Kommentaren mitunter vom Schlimmsten ausgegangen wurde und Verkehrschaos befürchtet wurde – und nun ausdrücklich betont wird, dass nichts davon eingetreten ist.

    Für mich ist das kein Argument gegen solche Kommentare, sondern eher eines dafür.

    Denn diese Stimmen haben ja nicht einfach böswillig irgendetwas behauptet, sondern nachvollziehbare Befürchtungen geäußert. Und die kommen in Wunstorf nicht aus dem Nichts. Wer erlebt hat, dass aus angekündigten 19 Wochen am Barnekreisel am Ende 60 Wochen wurden, der weiß schlicht, warum viele Menschen bei neuen Baustellen nicht mehr automatisch an einen reibungslosen Ablauf glauben.

    Wenn jetzt also erkennbar großer Wert darauf gelegt wird, dass die Nachtbaustelle auf der Hochstraße sauber organisiert ist und gerade kein Chaos entsteht, dann ist das doch positiv. Aber eben auch deshalb, weil öffentliche Skepsis, Aufmerksamkeit und kritische Kommentare offenbar einen gewissen Druck erzeugen. Anders gesagt: Vielleicht ist es gerade gut, dass es diese skeptischen Stimmen gibt. Denn sie sorgen möglicherweise mit dafür, dass man sich besonders Mühe gibt, damit die befürchteten Probleme eben nicht eintreten.

    Das wäre dann keine Widerlegung der Kritiker, sondern eher ein Beleg dafür, dass kritische Aufmerksamkeit nützlich sein kann.

    Und ganz aus der Luft gegriffen sind solche Sorgen ohnehin nicht. Wenn gleichzeitig der Luther Weg gesperrt ist und für Fußgänger und Radfahrer mit dem Blumenauer Kirchweg eine weitere wichtige Querungsmöglichkeit betroffen ist oder noch betroffen sein soll, dann darf man sich über kritische Reaktionen wirklich nicht wundern. Viele Menschen haben schlicht den Eindruck, dass in Wunstorf seit Jahren immer mehr Verkehrsbeziehungen eingeschränkt, umgebaut oder erschwert werden.

    Dazu kommt, dass die politische Grundrichtung für viele ebenfalls klar erkennbar ist: weg vom Auto, hin zur sogenannten Verkehrswende. Das mag man politisch gut finden oder nicht. Aber man sollte wenigstens so ehrlich sein, dass diese Linie für viele Bürger sichtbar ist – obwohl mir nicht bekannt ist, dass jemals massenhaft Wähler ausdrücklich ihr Kreuz mit dem Wunsch gemacht hätten, das Autofahren in der Stadt Stück für Stück zurückzudrängen.

    Umso besser, wenn es diesmal ausnahmsweise funktioniert. Aber die Skepsis der Leute war nicht absurd, sondern durch die Erfahrungen der letzten Jahre ziemlich gut begründet.

  • Andrea sagt:

    Ich gehöre zu denen, die auch Megastaus erwartet haben. Umso überraschter war ich an jedem Feierabend, an dem ich den Umständen entsprechend gut durchkam. Tausend Dank an die ausführenden Unternehmen, die Straße ist super.

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