
Schwertransporte sind nichts Ungewöhnliches in der Stadt. Allein schon die beiden sich in Wunstorf kreuzenden Bundesstraßen und die Autobahn sorgen dafür, dass immer wieder einmal ein Sondertransport über die Straßen der Auestadt rollt – der einfach nur durchfährt, ohne das Ziel Wunstorf zu haben.
Aber es gibt Transporte, die sind doch anders als andere, und meist wollen sie in diesem Fall dann doch direkt nach Wunstorf. Aufsehen erregte zuletzt etwa die Anlieferung von mehreren über 33 Meter langen Betonträgerelementen für das Dach der neu gebauten Barnehalle im vergangenen Herbst. Einen solch großen Transport in Kolonne, so etwas hatte man in der Stadt lange nicht gesehen.
Auch was sich jetzt wieder auf Wunstorfs Straßen tut, zählt zu den außergewöhnlicheren Transporten. Denn auf der Militärbasis des Lufttransportgeschwaders 62, dem Fliegerhorst Wunstorf, wird ein neues Tanklager gebaut. Die einzelnen Tanks dazu werden nun in einem Stück über die Straße angeliefert.
Nicht auf einmal, sondern in mehreren „Lieferungen“ kommen die Tanks am Fliegerhorst an. In der Nacht auf den 18. Juli war es wieder einmal so weit, ein weiterer Schwertransport kam aus Richtung Autobahn nach Wunstorf, durchquerte die Stadt und erreichte das Militärgelände.



Weit nach Mitternacht war es bereits, als das Gespann mit seinem Begleitkonvoi aus Richtung Autobahn die Kernstadt über die B441 erreichte. Über die Hochstraße ging es über den Stadtgraben, dann über die Klein Heidorner Straße zum Fliegerhorst.
Der Schwertransport ist dabei selbst ein spezieller Spezialtransport: Das Tiefladergestell, auf dem der tonnenschwere Tank ruht, ist genau auf das Transportgut angepasst. Die Fahrgestelle liegen diesmal nicht unter dem Transportgut, sondern der Tank fährt tiefergelegt dazwischen. Der Tank „schwebt“ damit sozusagen knapp über den Straßen.
Denn Höhe und Länge sind die beiden Faktoren, die den Schwertransport in diesem Fall kompliziert machen. Während die Hallen-Betonelemente zuletzt zwar äußerst lang, aber vergleichsweise schmal waren, nimmt der Tanktransport nun eine gesamte Fahrbahnbreite ein – und wirkt außerdem wie ein überlanger Eisenbahnwaggon.
Das zeigt sich immer wieder an Kreuzungen und Einmündungen, an denen der Konvoi abbiegen muss. Das sind die schwierigen Stellen auf der Strecke. Bereits zuvor hatten Mitarbeiter des Transportunternehmens viele Straßenschilder vorübergehend abmontiert, um ausreichend Straßenprofil beim Abbiegevorgang zu schaffen. Andernfalls hätte der Transporter die Straßenschilder auf Verkehrsinseln oder am Fahrbahnrand einfach umgerissen.







Hinweisschilder, Verkehrszeichen und Ortstafeln liegen am Straßenrand und warten darauf, nach dem Transport unmittelbar wieder installiert zu werden. Das machen die Mitarbeiter der Transportfirma teils per Hand. Nur bei den größeren Verkehrstafeln wird ein Kran bemüht, der beim Transport direkt mitfährt und die Verkehrsschilder wieder in Position bringen kann.
Nicht die Bundeswehr begleitet den Transport, es ist eine ganz normale Anlieferung in Zivil. Vorneweg fährt ein Polizeifahrzeug, mehrere Begleitfahrzeuge kümmern sich zusätzlich um freie Bahn und sichern den Transport auch nach hinten ab. Wenn der Haupttransport eintrifft, ist die Straße stets schon geräumt.
Am Stadtgraben passiert in jener Nacht jedoch etwas, mit dem die Transporteure nicht gerechnet haben und auf das sie nicht vorbereitet waren: Ein Auto hatte gegenüber des Bürgerbüros eine größere Panne und wird zufällig genau in dem Moment von einem Abschleppwagen geborgen, als sich der Tankschwertransport nähert. Das hätte den gesamten Transport auf der B441 mitten in Wunstorf vorübergehend stoppen können. Doch der Zeitplan gerät nicht in Gefahr, der Abschlepper ist gerade noch rechtzeitig fertig, damit der Transport durchfahren kann.
Die Geschwindigkeit, mit der der Transport nahe des Rathauses über die B441 rollt, wirkt für einen solch großen Anhänger viel zu hoch – es ist keineswegs Schritttempo. Im Nu ist der Konvoi vorbei und bremst erst am Medicum wieder. Für die Fahrer ist das Routine. Wenn keine Hindernisse im Weg sind und die Straße breit und leer, kann fast wie im normalen Stadtverkehr gefahren werden, obwohl man im Grunde die Dimensionen eines kompletten Hauses hinter sich herzieht. Anders wäre die Fahrt auch gar nicht möglich – jedenfalls nicht im Zeitraum von nur einer Nacht.
Das nächste Nadelöhr ist dann wieder wie geplant die Sölterkreuzung mit dem Bahnübergang. Hier ist die Fahrspur sehr eng und viele potentielle Hindernisse ragen in den Straßenraum. Entsprechend vorsichtig tastet sich der Transport in die komplexe Kreuzung im Kurvenbereich hinein. Es sind die Momente, in denen die Begleitfahrer ihre Fahrzeuge auch verlassen müssen, um den Transport genau zu beobachten. Über Funk wird der Fahrer dirigiert und unterstützt.




Das geschieht auch einige Meter später wieder, als der Transport von der Neustädter in die Klein Heidorner Straße abbiegen will. Hier stoppt der Transport einen Moment, bis die Begleiter den gesamten Abzweig gesperrt haben. Aber auch dann biegt der Tank nicht mit Schwung in die Kurve, sondern navigiert nun wirklich noch langsamer als im Schritttempo. Zentimeter für Zentimeter tastet sich der Schwertransportfahrer in die Straße hinein. Der Grund: Die Leitplanken, die am Straßenrand nahe des Zebrastreifens installiert sind. Sie wurden nicht vorher demontiert, da der Abstand gerade noch so ausreichte, aber sie müssen nun entsprechend vorsichtig passiert werden.
Die schwierigste Stelle ist damit in Wunstorf für diese Nacht geschafft. Fast geradlinig geht es dann weiter nach Klein Heidorn, und das Kirschendorf macht auch keine Probleme. Dort war tags zuvor schon Parkverbot an den Straßenrändern angeordnet worden.
Erst hinter dem Ortskern wird es wieder spannend. Die wenigen Autos, die um diese Uhrzeit in der Nacht noch Richtung Großenheidorn fahren, stehen plötzlich mitten im Nirgendwo im Stau und bekommen ein spektakuläres Schauspiel geboten. Am Abzweig nach Poggenhagen nimmt der Transport noch einmal eine letzte enge Kurve auf den Straßen, bevor er am Fliegerhorst seine Bestimmung erreicht.


Die Fahrt durchs Stadtgebiet hat dabei nur gut eine Stunde gedauert – die Nacht hat es möglich gemacht. Die Vorstellung, was geschehen würde, wenn ein solcher Schwertransport im Feierabendverkehr unterwegs wäre … die Wunstorfer können es sich vorstellen.
Ein sehr gut zu lesender, ausführlicher Bericht, klasse Fotos anbei, dankeschön, weiter so! :)