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Wenn Florentine Vollgas gibt: Mit der Wasserrettung auf dem Steinhuder Meer

27.07.2025 • Daniel Schneider • 5 Min.Kommentare: 0

Schwimmweste statt Feuerwehrhelm: Die Freiwillige Feuerwehr Steinhude ist rund um die Uhr erreichbar – ehrenamtlich auch auf dem Wasser. Wer auf dem Steinhuder Meer Hilfe braucht, bekommt sie von „Florentine“: Das Feuerwehrboot ist permanent am See stationiert.

27.07.2025
Daniel Schneider
5 Min.
Feuerwehrboot Florentine 4 auf dem Steinhuder Meer | Fotos: Deppe/Dombrowski/Schneider

Woran denkt man bei dem Stichwort Freiwillige Feuerwehr? An Feuerwehrautos, die zur Brandbekämpfung und zu Unfällen ausrücken? Das gibt es auch in Steinhude, aber hier kommt ein weiteres Bild hinzu, mit dem man die Feuerwehr verbindet: die Wasserrettung auf dem Steinhuder Meer.

Auch Steinhude hat eine typische Freiwillige Feuerwehr wie in vielen anderen Orten auch, und doch hat sie aufgrund ihrer Lage eine ganze besondere Rolle. Das Steinhuder Meer fällt in ihren Einsatzbereich und bringt oftmals ganz andere Rettungsszenarien mit sich. Wo andere Wehren ins „Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug“ steigen oder mit der „Drehleiter“ ausrücken, machen die Steinhuder Feuerwehrleute oft direkt das Feuerwehrboot klar.

Kleinere Einsatzboote kennt man ebenfalls bei der Feuerwehr Wunstorf und der Feuerwehr Luthe, aber das größte Boot in der Stadt Wunstorf haben die Steinhuder. Denn hier ist es eben kein Fluss oder kleineres Gewässer, auf dem man eventuell einmal Hilfe leisten muss, sondern Niedersachsens größter See. Der ist zwar nicht besonders tief, aber deswegen trotzdem nicht zu unterschätzen, wie die zahlreichen Einsätze beweisen, in die die Feuerwehr involviert ist. Wasserrettungseinsätze werden somit zur Routine.

Notruf: 112

Dabei sind die Feuerwehrleute im Ort nicht einmal die Einzigen, die sich um die Sicherheit der Touristen, Badegäste und Wassersportler kümmern. Auch die Wettfahrtvereinigung, ein Zusammenschluss der Segelvereine, oder die DLRG leisten Hilfe, wenn jemand die Notrufnummer 112 gewählt hat und mitteilt, dass es auf dem Steinhuder Meer Schwierigkeiten gibt. Primär ist es jedoch die Feuerwehr, die auf Steinhuder Seite bei Notrufen ausrückt.

Starke Angelegenheit: Das Einsatzboot startet in Steinhude
Blaulicht und Suchscheinwerfer
Marcel Nellesen und Franziska Hartmann von der Feuerwehr Steinhude

Dazu stehen den Steinhuder Rettern verschiedene Spezialfahrzeuge zur Verfügung. Für Einsätze im Winter – bei zugefrorener Wasseroberfläche – geht man mit dem Hovercraft in den Einsatz. Das Luftkissenboot schwebt sozusagen über dem Steinhuder Meer und kann auch bei brüchiger Eisdecke jede Einsatzstelle erreichen. Manchmal kommt es auch darüber hinaus zum Einsatz, um schwierig erreichbare Orte zu befahren, etwa im Moorgebiet. Denn es fährt über Wasser und Boden hinweg.

Während das Hovercraft im Ernstfall jedoch wie bei anderen Feuerwehren erst mit dem Fahrzeuganhänger an die Wasserkante gebracht und einsatzbereit gemacht werden muss, ist das Feuerwehrboot der Steinhuder Feuerwehr permanent am See stationiert: Die „Florentine 4“ ist damit das Standardgefährt – im Feuerwehrdeutsch: das Standard-Rettungsmittel – der Feuerwehr auf dem Steinhuder Meer. Es ist im Wasser wendiger und schneller – und kann auch mit nicht laufendem Motor für längere Zeit im Einsatz bleiben.

Ausnahmeboot

Die Feuerwehrleute haben damit ein besonderes Privileg auf dem Steinhuder Meer, denn Verbrennungsmotoren sind dort normalerweise streng verboten – und auch Elektroaußenborder über 10 PS. Für solche Antriebe wird immer eine Ausnahmegenehmigung benötigt. Die neue Florentine bringt etwas mehr Leistung als dies: 225 PS schafft der Yamaha-Außenborder. Echolot und Navi sind an Bord, und Blaulicht hat man natürlich ebenfalls – aber kein Martinshorn.

Nur ein kleines Schild und das Feuerwehremblem am Bootshaus verraten, dass hier die Steinhuder Feuerwehr einen Außenposten hat
Im Bootshaus festgemacht, ist Florentine 4 direkt einsatzbereit
Mit dem Bergenetz lassen sich über die Bordwand Personen aus dem Wasser retten
Startklar
Das Bootshaus: Von hier aus geht das Feuerwehrboot in den Einsatz
Es liegt direkt an der Promenade und Wiese neben den Strandterrassen

Seit 2023 ist das jetzige Boot im Einsatz, nach bald 20 Jahren Dienstzeit des Vorgängerbootes war ein moderner Nachfolger beschafft worden. Die inzwischen vierte Version von Florentine, wie alle Feuerwehrboote hier genannt werden, ist dabei das bislang größte Boot der Steinhuder Feuerwehr. Es ist etwas länger als der Vorgänger und umfangreicher ausgestattet.

Mit Schwimmweste statt Helm

Zwei bis drei Male im Monat kommt das Boot zum Einsatz, manchmal auch deutlich öfter. Stürmisches Wetter ist nahezu eine Garantie dafür, dass die Feuerwehr Steinhude die Leinen losmacht. Nicht selten werden dann entkräftete Wassersportler aus dem See geholt, wenn Stehpaddler und Surfer ihre Kondition überschätzt oder die Wetterverhältnisse unterschätzt haben. Auch bei Unfällen auf der Insel Wilhelmstein rückt das Boot aus, wenn beispielsweise der Rettungsdienst auf die Insel gebracht werden muss oder Verletzte oder Erkrankte ans Festland zu transportieren sind. Manchmal fährt der Rettungsdienst deshalb auch direkt mit im Boot. Florentine 4 ist so geräumig, dass Patienten und Gerettete nun auch liegend im Boot transportiert werden können.

Den dramatischsten Einsatz hatte das Boot bislang beim Sturmereignis während des Festlichen Wochenendes, als Dutzende Boote in der Dunkelheit manövrierunfähig wurden oder sogar kenterten.

Außenborder
Kartenanzeige am Steuerstand
Blick vom Boot auf Steinhude

Die Wasserrettung macht grob ein Viertel der Steinhuder Feuerwehreinsätze aus. Eine besondere Wasserrettungsabteilung innerhalb der Feuerwehr gibt es auch deswegen gar nicht: Den Bootsführerschein haben fast alle bei der Steinhuder Feuerwehr – einen Mangel an Steuermännern und Steuerfrauen lässt man gar nicht erst entstehen. Fahrten mit dem Rettungstransportboot, wie Florentine offiziell heißt, sind Normalität im Steinhuder Feuerwehralltag. Die Feuerwehrmitglieder, die nach Alarmierung als Erstes den Bootsschuppen erreichen, bilden in der Regel auch die Mannschaft des Einsatzbootes und machen „klar Schiff“.

Familienangelegenheit

Das Boot und den Bootsschuppen zeigen der Auepost an diesem Tag Marcel Nellesen und Franziska Hartmann – Bruder und Schwester. Dass sich ganze Generationen der Feuerwehr verbunden fühlen, das ist ebenso nichts Ungewöhliches bei den Wehren. Nellesen ist seit Ewigkeiten dabei, Hartmann schon seit der Kinderfeuerwehr. Inzwischen ist Marcel Nellesen sogar zum Ortsbrandmeister von Steinhude aufgerückt – er ist nun der örtliche Feuerwehrchef. Den Posten hat er von seinem Vater Ralph Nellesen übernommen. Nur die Mutter in der Familie gehört nicht zur aktiven Feuerwehr. „Einer muss ja zu Hause aufpassen, wenn alle ausgerückt sind“, sagt Hartmann mit einem Lächeln.

Auf Kurs
… zum Bootshaus
Blick aus dem Bootshaus bei geöffnetem Tor auf die Promenade

Innerhalb von Minuten ist man einsatzbereit. Das Boot ist so vertäut, dass es sofort starten kann. Ein Rolltor gibt den Weg zum Wasser frei, die Leinen werden losgemacht, der Motor gestartet und die Fender eingeholt – und schon ist man im Einsatz auf dem Steinhuder Meer. Vollgas gibt man erst abseits der Uferbereiche – der Wellenschlag ist nicht zu unterschätzen. Der Motor ist der alte geblieben. Doch das neue Boot ist anders konstruiert und fährt sich schon aufgrund der Größe deutlich anders als das Vorgängermodell.

In Minuten an jedem Ort

Bei Vollgas heult der Außenborder auf und schiebt das Boot dröhnend über die Wasseroberfläche. Die Bootsinsassen werden in die Bänke gedrückt. Bestünde keine Schwimmwestenpflicht, würde man spätestens jetzt eine haben wollen. Nellesen steht dagegen so sicher und aufrecht am Steuer, als wäre er am Boden angeschraubt.

In Minuten hat man vom Steinhuder Südufer auch den nördlichen Bereich des Sees auf Mardorfer Seite erreicht. Die Wendigkeit des großen Motorbootes ist beeindruckend – bei Kurvenfahrten mit hoher Geschwindigkeit bleibt der Rumpf überraschend stabil. Wer im Bug sitzt und Ausschau hält, dem pfeift der Fahrtwind ordentlich ins Gesicht. Mittschiffs und im Heck ist es entspannter – die Windschutzscheiben schützen Piloten und Passagiere.

Das gesamte Steinhuder Meer inklusive Insel Wilhelmstein zählen zum Einsatzgebiet

Nach dem Einsatz geht es stets direkt zurück zum Bootshaus, unter den anerkennenden und interessierten Blicken vieler Touristen auf der Promenade. Eingeparkt wird rückwärts, um beim nächsten Einsatz keine Zeit zu verlieren. Mit dem Bug voran schaut Florentine aufs Steinhuder Meer.

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