Bokel­oh rüs­tet sich für die Zukunft

Bokel­oh fürch­tet die Fol­gen des demo­gra­phi­schen Wan­dels – und tut aktiv etwas für sei­ne Attrak­ti­vi­tät als woh­nens­wer­ter Ort. Unter Feder­füh­rung der „AG Zukunft Bokel­ohs“ orga­ni­sier­ten die Ver­ei­ne und Kir­chen vor Ort nun zum ers­ten Mal ein „Zukunfts­fest“ – für ein net­tes Mit­ein­an­der aller Alters­grup­pen. Es war ein vol­ler Erfolg.

Die Bokel­o­her luden zum ers­ten Mal ein zum Gril­len und Floh­markt unter dem Mai­baum. Obwohl die Kon­kur­renz groß war – im Wunstor­fer Indus­trie­ge­biet fand zur sel­ben Zeit ein gro­ßer Floh­markt statt und bei dem wun­der­bar son­ni­gen Wet­ter zog es die Aus­flüg­ler scha­ren­wei­se zum Stein­hu­der Meer – war der Schüt­zen­platz in Bokel­oh am Sonn­tag­nach­mit­tag voll.

Brat­wurst in Bokel­oh

Der Berg­manns­ver­ein grill­te Würst­chen, das DRK und die Frei­bad-Initia­ti­ve ver­kauf­ten Kaf­fee und Kuchen – und die Kita hat­te einen Floh­markt auf die Bei­ne gestellt, bei dem pri­va­te Anbie­ter wie auch Händ­ler ein gro­ßes Ange­bot zeig­ten: unter ande­rem mit viel Spiel­zeug für die Jün­ge­ren.

Gril­len und Floh­markt unterm Mai­baum | Foto: Dani­el Schnei­der
Würst­chen vom Grill | Foto: Dani­el Schnei­der
Bokel­o­her Schüt­zen­platz auf vol­ler Brei­te belegt | Foto: Dani­el Schnei­der
Kuchen­buf­fet | Foto: Dani­el Schnei­der
Auch Rein­kes Kin­der- und Jugend­welt war extra für den Floh­markt nach Bokel­oh gekom­men | Foto: Dani­el Schnei­der
Gesprä­che an der Kaf­feethe­ke | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Hei­mat­bund­grup­pe bot kal­te Geträn­ke an. Auf der frei­en Wie­se stan­den die Spie­le aus dem Spiel­mo­bil des Kir­chen­krei­ses Neustadt/Wunstorf, und der Spiel­manns­zug der Feu­er­wehr Bokel­oh hat­te sei­ne Instru­men­te zum Sel­be­r­aus­pro­bie­ren dabei und sorg­te gleich noch für die pas­sen­de Musik­un­ter­ma­lung.

Trom­meln für Bokel­oh

Auch der Spiel­manns­zug spürt den demo­gra­phi­schen Wan­del – nicht nur bei den jun­gen Mit­glie­dern – auch mehr älte­re Semes­ter wären als Unter­stüt­zung ger­ne gese­hen – auch von außer­halb Bokel­ohs. Das Zukunfts­fest war daher auch eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit, das Publi­kum ein­mal direkt auf Tuch­füh­lung mit den Instru­men­ten gehen zu las­sen.

Der Stand des Spiel­manns­zugs | Foto: Dani­el Schnei­der
Info: Spiel­manns­zug der Feu­er­wehr Bokel­oh
Der Spiel­manns­zug der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Bokel­oh hat eine 60-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on und ging aus dem Spiel­manns­zug des Berg­mann­ver­eins her­vor. In der heu­ti­gen Form unter dem Dach der Feu­er­wehr spielt er seit 2007, sodass sei­ne Mit­glie­der auto­ma­tisch Ange­hö­ri­ge der Feu­er­wehr sind. Etwa drei­mal im Jahr tritt der Zug mit Marsch­mu­sik bei Volks- oder Schüt­zen­fes­ten auf. Geprobt wird immer mitt­wochs zwi­schen 18.30 und 20 Uhr im Ver­eins­heim des TSV Bokel­oh. Wer mit­ma­chen will, braucht kei­ne Vor- oder Noten­kennt­nis­se, Flö­te, Lyra, Trom­mel, Pau­ke oder Becken kön­nen beim Spiel­manns­zug erlernt wer­den.

Als Nächs­tes wird der Spiel­manns­zug das Bokel­o­her Schüt­zen­fest eröff­nen, und auch beim Wunstor­fer Schüt­zen­fest unter­stützt er die Alt­stadt­kom­pa­nie.

Gute Stim­mung

Die Stim­mung war gut, das Wet­ter herr­lich, die Kin­der zufrie­den und fröh­lich, die Erwach­se­nen auch. Der Berg­manns­ver­ein ver­kauf­te allein über 400 Würst­chen.

Läuft. | Foto: Dani­el Schnei­der
Floh­markt und Spiel am Kali­berg | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Zukunft des Ortes war dann natür­lich auch Gesprächs­the­ma zwi­schen Kuchen, Bier und Brat­wurst. Eine leben­di­ge Gemein­de muss attrak­tiv sein für Fami­li­en mit Kin­dern – das gilt als ers­te Vor­aus­set­zung dafür, dass ein Ort über­le­ben kann und Zukunft hat. Kin­der, so bekam man den Ein­druck auch auf dem Fest, gibt es durch­aus vie­le in Bokel­oh. Doch ob sie und ihre Fami­li­en auch blei­ben wer­den, das ist die ande­re Fra­ge.

Schau­ta­fel mit Zei­tungs­aus­schnit­ten über Aktio­nen in Bokel­oh | Foto: Dani­el Schnei­der

Dabei sieht es zumin­dest sta­tis­tisch gar nicht übel aus für Bokel­oh: Knapp zwei­ein­halb­tau­send Ein­woh­ner hat die Ort­schaft, sie bil­det den sechst­größ­ten Wunstor­fer Stadt­teil. In der letz­ten gro­ßen Stu­die vor 10 Jah­ren wur­de bis zum Jahr 2020 im schlimms­ten Fall ein Rück­gang der Ein­woh­ner­zahl um knapp 4 Pro­zent vor­her­ge­sagt – was sich nicht von den Zah­len für Gesamt-Wunstorf unter­schied. Doch wie schnell Ver­än­de­run­gen ein­tre­ten, muss­te jüngst z. B. erst Stein­hu­de erle­ben, das sein Schul­zen­trum ein­büß­te. Die ein­zi­ge Schu­le in Bokel­oh, die Grund­schu­le Bokel­oh, ist jedoch nicht weg­denk­bar, dient sie doch auch als Schul­ort für Idensen und Mes­mero­de. Bei den Kita­plät­zen soll­te es in Bokel­oh sogar einen Anstieg beim Bedarf geben, wäh­rend die ande­ren Orts­tei­le weni­ger Nach­fra­ge zu erwar­ten hät­ten. Doch Gefahr könn­te von ande­rer Sei­te dro­hen.

Fri­sche Bröt­chen gibt es nach wie vor: Bäcke­rei in Bokel­oh | Foto: Dani­el Schnei­der

Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten

Befürch­tet wird das wei­te­re Weg­bre­chen von Infra­struk­tur – der letz­te Lebens­mit­tel­la­den im Ort hat vor eini­ger Zeit gera­de erst geschlos­sen, zum Ein­kau­fen muss man seit­dem nach Hagen­burg oder in die Wunstor­fer Kern­stadt. Neu­an­sied­lun­gen von ent­spre­chen­den Kauf­leu­ten sind nicht in Sicht – die zieht es eher in die Kern­stadt.

Angst ums Frei­bad

Als gro­ßer Plus­punkt des Dor­fes am Kali­berg gilt das Bokel­o­her Frei­bad. Die Zukunft, so hört man immer wie­der, hängt auch von des­sen Bestand ab. Nach­dem zunächst nicht klar war, ob es nach dem jüngs­ten Scha­den über­haupt wie­der öff­nen wür­de, wird es am 15. Mai nach Abschluss der Repa­ra­tu­ren nun wie­der Baden­de begrü­ßen – wie vie­le Jah­re noch, das ist jedoch frag­lich. Man­cher traut dem Frie­den nicht – das abge­schaff­te Früh­schwim­men wur­de als ers­tes Indiz von wei­te­ren gewer­tet, dass die Stadt das Frei­bad eher als Belas­tung denn als Juwel sieht.

Ein­gang zum Frei­bad Bokel­oh | Foto: Dani­el Schnei­der

Dabei hat es mit sei­ner Was­ser­tem­pe­ra­tur ein Allein­stel­lungs­merk­mal und ver­mit­telt bei­na­he das idyl­li­sche Flair eines Kur­ba­des oder Feri­en­or­tes. Für den lang­fris­ti­gen Erhalt ihres Frei­bads wer­den die Bokel­o­her jeden­falls kämp­fen, das steht schon jetzt fest.

Indus­tri­el­les Umfeld

Der Salz­ab­bau im Werk Sig­munds­hall ist eben­falls ange­zählt – lan­ge wird hier nicht mehr geför­dert wer­den kön­nen. Doch das Schick­sal des Ortes ist nicht mehr so eng mit dem Berg­bau ver­bun­den, wie es ganz frü­her ein­mal war. Nicht jeder Werks­an­ge­hö­ri­ge hat sein Zuhau­se auch in Bokel­oh, vie­le kom­men heu­te von außer­halb. Trotz­dem wer­den die zwangs­läu­fig anste­hen­den Ver­än­de­run­gen im Kali­werk auch an Bokel­oh wohl nicht spur­los vor­bei­ge­hen.

Info: Für die Zukunft Bokel­ohs
Die „Arbeits­ge­mein­schaft Zukunft Bokel­ohs“ wur­de im Jahr 2010 gebil­det. Bis zum Sep­tem­ber 2016 nann­te sie sich etwas sper­rig „Arbeits­ge­mein­schaft Demo­gra­fi­scher Wan­del – für die Zukunft Bokel­ohs“. Die AG ist ein Zusam­men­schluss eini­ger Bokel­o­her Ver­ei­ne aus der Arbeits­grup­pe Ört­li­che Ver­ei­ne, die die Ter­mi­ne im Dorf abstimmt. Es arbei­ten ca. 10 Ver­ei­ne, die Kir­chen­ge­mein­den sowie ein­zel­ne Bür­ger in unter­schied­li­chen Zusam­men­set­zun­gen mit­ein­an­der. Das Haupt­an­lie­gen bleibt, dem demo­gra­fi­schen Wan­del etwas Posi­ti­ves ent­ge­gen­zu­set­zen. Die AG ver­sucht, das Mit­ein­an­der im Dorf zu ver­bes­sern und in Bokel­oh gemein­sam mit Jun­gen und Älte­ren das Umfeld zu ver­bes­sern. Die Arbeits­ge­mein­schaft hat bereits eini­ges ver­wirk­licht: Ein Ver­eins­schau­kas­ten wur­de in der Dorf­mit­te auf­ge­stellt, ein Schwimm­bad-Kin­der­fest orga­ni­siert oder ein Ken­nen­lern­spa­zier­gang durch Bokel­oh ange­bo­ten. Zuge­zo­ge­ne erhal­ten von der AG einen extra kon­zi­pier­ten Fly­er. Der Wei­ter­be­trieb und Ver­bes­se­run­gen beim Frei­bad Bokel­oh sind der AG ein beson­de­res Anlie­gen, da es nicht nur wich­tig für Kin­der, Fami­li­en und älte­re Men­schen ist, son­dern auch vie­le Gäs­te in den Ort zieht, wovon auch die loka­len Geschäf­te pro­fi­tie­ren. Die AG Zukunft Bokel­ohs trifft sich nach Ter­min­ab­spra­che im Gemein­de­saal der Ev.-luth. Kir­che. Die Ter­mi­ne wer­den im Dorf durch Pla­ka­te, in der Pres­se und der Face­book­grup­pe „Wenn Du aus Bokel­oh kommst…“ bekannt­ge­macht. Inter­es­sier­te sind immer ein­ge­la­den, sich mit Vor­schlä­gen und Ide­en ein­zu­brin­gen und mit­zu­ma­chen.

Ab in die Zukunft

Einen Wan­del bzw. eine ungüns­ti­ge Sta­gna­ti­on erlebt man im Ort also schon heu­te – oder sieht es kom­men. Das ver­rät auch der Blick in den Fly­er, den die AG für die Zukunft Bokel­ohs ent­wor­fen hat, um vor allem Zuge­zo­ge­nen den Anschluss ans Orts- und Ver­eins­le­ben zu erleich­tern. Die Ange­bo­te dar­in rich­ten sich eher an die älte­ren Jahr­gän­ge – für die Jugend ist ver­gleichs­wei­se wenig vor der Haus­tür.

Eine Besu­che­rin des Fests nimmt einen Bokel­oh-Fly­er mit | Foto: Dani­el Schnei­der

Dem ver­sucht man nun mit Ver­an­stal­tun­gen wie dem „Mai­baum-Gril­len“ etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, ver­eins­über­grei­fend wei­te­re Treff­punk­te für den gesam­ten Ort zu eta­blie­ren, um das Gemein­schafts­ge­fühl zu stär­ken und mehr auf die Bei­ne zu stel­len im Ort, auch für die Jün­ge­ren.

Treff­punkt Bokel­oh | Foto: Dani­el Schnei­der
Der Bokel­o­her Mai­baum | Foto: Dani­el Schnei­der

Wenn der Zusam­men­halt im Ort wei­ter­hin so groß ist, wie sich beim Zulauf am 30. April unter dem Mai­baum zeig­te, dann muss man sich über die Zukunft eines lebens­wer­ten Bokel­ohs jeden­falls kei­ne Sor­gen machen.

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Andreas Balleier Fotografie
1 Kommentar
  1. nowak meint

    Der Bericht hat sehr gut die Bemü­hun­gen der Ein­wohn­schaft um das Dorf­le­ben dar­ge­stellt und das „Zukunfts­fest“ rich­tig bewer­tet. Doch auch für die Dorf­ju­gend gibt es Ange­bo­te. Gro­ßen Zulauf hat die Jugnd­feu­er­wehr, der ört­li­che Sport­ver­ein TSV Bokel­oh, mit der Tri­ath­lon­ab­tei­lung und die städ­ti­schen Jugend­räu­me im Kel­ler der Schu­le.
    Eine wich­ti­ge Ein­rich­tung ist natür­lich das Frei­bad mit dem Sport­be­cken und dem Sprung­turm im Som­mer und den ange­neh­men Was­ser­tem­pe­ra­tu­en.
    Die ansäs­si­gen Geschäf­te ver­mis­sen die Füh­schwim­mer schon sehr. Vie­le, die die­ses Ange­bot nutz­ten, kauf­ten auch die Bröt­chen, Zei­tun­gen oder Blu­men auf dem Weg. Sogar der Fri­sör­meis­ter ver­misst die Früh­schwim­mer. Umsatz­ein­bu­ßen bekla­gen unse­re klei­nen Geschäf­te durch den Weg­fall des Ange­bo­tes „Früh­schwim­men“. Eigent­lich soll­te der städ­ti­sche Wirt­chafts­för­de­rer unser Anlie­gen auch unter­stüt­zen. Er ist doch nicht nur für die Kern­stadt zustän­dig?

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