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SPD: Kampfabstimmung um Bürgermeister-Kandidat

Piellusch fordert Ehlerding heraus

In der SPD überstürzen sich die Ereignisse: Wenige Stunden nach dem parteiinternen Votum pro Martin Ehlerding hat der Erste Stadtrat Carsten Piellusch erklärt, er werde auch antreten, um Bürgermeister-Kandidat der SPD im September zu werden. Piellusch hat das mit der Erklärung verbunden, er zweifele das von der Partei- und Fraktionsführung gewählte Verfahren an.

Carsten Piellusch
Erster Stadtrat Carsten Piellusch tritt gegen Martin Ehlerding an | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (as). Seit der Berichterstattung der Auepost am Donnerstag gewinnt die Debatte um die Kandidaten für die Nachfolge von Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt (CDU) an Konturen: Mittags noch erklärt ein Sprecher der SPD, der Bericht der Auepost enthalte Spekulationen, und die Mitgliederversammlung werde am Mittwoch nächster Woche entscheiden.

Überraschung Nr. 1

Am Abend dann tagen Fraktion und Parteivorstand gemeinsam, und es kommt schließlich zur Abstimmung: Für Martin Ehlerding, den Großenheidorner Ortsbürgermeister und Fraktions-Vize, stimmen nach heftiger Diskussion 17 Anwesende. 15 votieren für Piellusch. Dieses denkbar knappe Ergebnis nimmt schon am Freitagmorgen der intern unterlegene Carsten Piellusch zum Anlass, seine Kandidatur in der Versammlung anzukündigen. Er will, dass die Mitglieder nächste Woche eine wirkliche Wahl haben und nicht nur den Vorschlag Ehlerding absegnen können. Außerdem zieht er in Zweifel, ob es richtig ist, dass Stadtratsfraktion und Parteivorstand quasi eine Vorauswahl unter den möglichen Bewerbern um eine Kandidatur treffen.

Überraschung Nr. 2

Das interne Votum der SPD-Gremien für Ehlerding hat im Rathaus und in den anderen Parteien wie eine Bombe eingeschlagen. Die Reaktionen schwanken zwischen Überraschung und Entrüstung. Tenor: Mit dem Votum für Ehlerding werde ein guter Mann ohne Not demontiert und vielleicht sogar vertrieben. „Piellusch wird gehen“, sagt ein Spitzenmann der CDU: „Der sucht sich eine Stelle beim Land.“ Und bei den Grünen fragt man sich: „Warum lassen die Piellusch fallen?“

Wer sich im Rathaus umhört, bekommt besorgte Antworten: Derzeit sei die Rathausspitze quasi ausgewogen zwischen SPD und CDU. Bürgermeister Eberhardt ist CDU-Mitglied, sein allgemeiner Vertreter Piellusch in der SPD. Diese „Gewaltenteilung“ habe sich über viele Jahre bewährt. Wenn Ehlerding die Bürgermeisterwahl gewinne und Piellusch bleiben sollte, wären beide Spitzenpositionen mit Sozialdemokraten besetzt. Das werde die CDU nicht hinnehmen, ist zu hören.

Verwunderung über die SPD

Verwunderung herrscht wegen der Begründung der SPD für das Votum zugunsten von Ehlerding. Seine Qualifikation als Jurist wird anerkannt, auch seine Eloquenz und seine weitreichenden Verbindungen. Piellusch sei aber „viel mehr rumgekommen“: Er hat als Richter gearbeitet, hat berufliche Auslandserfahrung, war in der Staatskanzlei enger Mitarbeiter von vier Ministerpräsidenten und kann ein Prädikatsexamen vorweisen. Außerdem wird daran erinnert, dass Piellusch mit dem Versprechen nach Wunstorf geholt worden sei, er werde bei Eberhardts Ausscheiden dessen Nachfolger. „Das wird interessant“, kommentiert Martin Pavel die Entwicklung. Der Stadtverbandsvorsitzende und Ratsherr der CDU gilt als Bürgermeister-Kandidat seiner Partei.

3 Kommentare

  1. Ist so eine parteiliche Vorentscheidung demokratisch?
    Das kann ja wohl auch nicht sein, das 32 Personen sich anmaßen, der Gesamtheit der SPD Mitglieder ihr demokratisches Recht frei zu wählen vorenthalten wollen.

  2. So ein Vorgehen ist äusserst peinlich für die SPD. Jetzt zerlegt sich die Partei nicht nur auf Bundesebene selbst, sondern auch schon auf kommunaler Ebene. Der Abgesang auf die ehemalige Arbeitnehmer-Partei wird immer lauter. Traurig ☹

  3. Carsten Piellusch ist einfach die bessere Wahl!! Fraktion und Parteivorstand der SPD sollten wichtige Fakten
    die für Carsten Piellusch sprechen nicht außen vor lassen.
    Außerdem wird doch immer von Transparenz gesprochen. Warum ist die SPD dann nicht so klar und und informiert
    die anderen Parteien.
    Aber wie schon so oft stellt die SPD sich mal wieder selber ein Bein !

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