Norddeutschlands erste Smartphone-Sitzbank in Wunstorf aufgestellt

Am Montag, den 27. März, war es so weit: Die angekündigte Smartphonelade-Sitzbank, die „Smartbench“, wurde in Wunstorf aufgestellt, installiert und mit viel Medienrummel eingeweiht. Ab sofort kann am Rathaus nicht nur gratis im Internet gesurft, sondern auch das Handy kostenlos aufgeladen werden.

Fran­ka Simon lädt ein zur Benut­zung der Smart­bench | Foto: Dani­el Schnei­der

Am Vor­platz der Stadt­kir­che, hin­ter der Stein­mau­er, neben Brief­käs­ten und Tele­fon­zel­le steht sie nun: die deutsch­land­weit ers­te öffent­li­che Solar-Sitz­bank ihrer Art zum Auf­la­den des Smart­pho­nes. Die Bank bie­tet bis zu vier Per­so­nen Platz, besteht aus Acryl­glas und Stahl­blech und trägt auf den Front­sei­ten den Schrift­zug „Chil­len. Chat­ten. Char­gen!“ (dt.: „Lüm­meln. Labern. Laden!“). Eine Rücken­leh­ne gibt es nicht, dafür lässt sie sich von allen Sei­ten in Beschlag neh­men. An der einen schma­len Sei­te befin­den sich zwei USB-Anschlüs­se, in die man sein Han­dy­l­ade­ka­bel ein­stöp­seln kann, auf der ande­ren ist ein Induk­ti­ons­feld inte­griert, über das ent­spre­chen­de Han­dys kabel­los durch rei­nes Auf­le­gen gela­den wer­den kön­nen.

Das ist sie: Wunstorfs Smart­pho­ne-Solar­la­de- und Gra­tis-WLAN-Bank | Foto: Dani­el Schnei­der
So stellt sich die Stadt die künf­ti­ge Nut­zung vor | Foto: Dani­el Schnei­der
Kari­na Leh­mann (Kli­ma­schutz­be­auf­trag­te Wunstorf), Udo Sah­ling (Geschäfts­füh­rer Kli­ma­schutz­agen­tur), Bür­ger­meis­ter Eber­hardt und Fran­ka Simon (Ava­con) neh­men für die Pres­se als Ers­te auf der Bank Platz | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Technik

Unter der Sitz­flä­che befin­den sich die Son­nen­kol­lek­to­ren, die die Ener­gie für den Betrieb der Bank gewin­nen. Da die Sitz­flä­che bei Son­nen­ein­strah­lung sehr heiß wer­den wür­de, sind Kühl­ag­gre­ga­te zusätz­lich ein­ge­baut. In den Sei­ten­tei­len der Bank befin­den sich die Elek­tro­nik und meh­re­re Akkus in Star­ter­bat­te­rie­grö­ße. Sie spei­chern die Ener­gie, die mit den Solar­zel­len auf der Sitz­ober­flä­che erzeugt wer­den. Außer­dem ent­hält die Bank einen WLAN-Hot­spot, so dass das Frei­funk-Netz, das es seit eini­gen Tagen eben­falls auf dem Markt­platz gibt, zusätz­lich ver­stärkt wird. Wer über die Bank ins WLAN möch­te, braucht in sei­nem Smart­pho­ne ein­fach nur das Netz „hannover.freifunk.net“ aus­wäh­len, ein Pass­wort muss nicht ein­ge­ge­ben wer­den.

Vier Akkus spei­chern die Son­nen­en­er­gie | Foto: Dani­el Schnei­der
Die Ver­schluss­klap­pen an der Bank­sei­te las­sen sich hoch­dre­hen und geben dann die USB-Lade­buch­sen frei | Foto: Dani­el Schnei­der
Bür­ger­meis­ter Eber­hardt tes­tet die draht­lo­se Auf­la­de­funk­ti­on | Foto: Dani­el Schnei­der

Medienrummel

Das Fern­se­hen war nicht zuge­gen, aber Radio­re­por­ter von NDR 1 Nie­der­sach­sen und Radio Han­no­ver inter­view­ten Bür­ger­meis­ter und Pro­jekt­be­tei­lig­te für ihr Pro­gramm, denn die­se smar­te Pre­mie­re hat­te durch­aus über­re­gio­na­le Bedeu­tung. Die Ein­gangs­fra­ge von Rund­funk­re­por­ter Oli­ver Voll­me­ring, was Wunstorf hat, was Han­no­ver nicht habe, beant­wor­te­te sich damit schon von selbst: Deutsch­lands ers­te „Smart­bench“. Bereits 2015 hat­te die RWE AG in Essen eine Sitz­bank mit ange­bau­tem Solar­mo­dul namens „Soo­fa“ vor ihrem Fir­men­sitz auf­ge­stellt – jedoch zunächst nur zu Test­zwe­cken. Eine induk­ti­ve Lade­möglick­eit und WLAN-Hot­spot bot die­se Bank im Gegen­satz zur Smart­bench noch nicht.

Bür­ger­meis­ter Eber­hardt für die Stadt, Udo Sah­ling für die Kli­ma­schutz­agen­tur Han­no­ver und Fran­ka Simon für die Ava­con AG weih­ten die Smart­bank gemein­sam ein.

Wir fan­gen in Wunstorf an, wie immer“Fran­ka Simon, Ava­con AG

Die zur Ziel­grup­pe pas­sen­den jun­gen Leu­te mim­ten Aus­zu­bil­den­de der Stadt. Von zwei Mit­ar­bei­tern des städ­ti­schen Bau­hofs, die die smar­te Bank zuvor auf­ge­baut hat­ten, wur­de Wunstorfs neu­es­tes Stadt­mö­bel anschlie­ßend noch end­gül­tig an sei­nem Platz fest ver­an­kert.

Die Ver­bin­dung funk­tio­niert: Han­no­ver­scher Frei­funk ist ver­füg­bar | Foto: Dani­el Schnei­der
Die ers­ten Pas­san­ten, die die Smart­bench aus­pro­bier­ten | Foto: Dani­el Schnei­der

Die ers­ten ech­ten Nut­zer lie­ßen jedoch nicht lan­ge auf sich war­ten: Kaum dass der Ein­wei­hungs­tru­bel ver­flo­gen war, näher­te sich ein Pär­chen, um sich sogleich ins Frei­funk­netz ein­zu­klin­ken.

Und das ist kos­ten­los?“Fra­ge der ers­ten Nut­zer

Auch ein vor­bei­ge­hen­der Vater mein­te zu sei­ner jun­gen Toch­ter, dass die­se hier nun künf­tig ihr Smart­pho­ne auf­la­den kön­ne.

Vandalismusgefahr?

Fra­gen nach der Wider­stands­fä­hig­keit der Bank beant­wor­te­ten die Initia­to­ren zuver­sicht­lich: Man hofft, dass die Men­schen die Bank „als die ihre“ anneh­men wür­den und nicht mut­wil­lig beschä­dig­ten. Die Sitz­flä­che sei zudem durch eine Schutz­schicht beson­ders gegen Van­da­lis­mus geschützt, und auch die Anschlüs­se zum Ein­ste­cken von USB-Kabeln sind gesi­chert.

Die Standortfrage

Als Stand­ort für die Smart­bank waren auch ande­re Plät­ze im Gespräch, zum Bei­spiel der Alte Markt. Da vor dem Rat­haus jedoch mehr Publi­kums­ver­kehr sei, ent­schied sich die Bau­ver­wal­tung für den jet­zi­gen Stand­ort. Auch sei die Son­nen­aus­beu­te hier gut. Viel Son­nen­licht, vie­le Leu­te, auch wegen der regel­mä­ßi­gen Markt­ta­ge, und das reprä­sen­ta­ti­ve Umfeld gaben dann den Aus­schlag für den jet­zi­gen Platz. Die Solar­la­de­bank fügt sich nun in das seit kur­zem am Markt­platz bestehen­de Frei­funk­netz ein, dem kos­ten­lo­sen WLAN, für das sich die Mehr­heits­grup­pe im Stadt­rat ein­ge­setzt hat­te.

Ganz neue Aus­sich­ten, wenn His­to­rie auf Moder­ne trifft: Die Stadt­kir­che spie­gelt sich in der Smart­bench | Foto: Dani­el Schnei­der

Die SPD hat­te dabei gefor­dert, für die Umset­zung die Initia­ti­ve „Frei­funk Stein­hu­de“ ein­zu­bin­den, was nun auch durch die Ver­wal­tung geschah. Neben der kos­ten­lo­sen Inter­net­nut­zung für Wunstor­fer sol­len sich dadurch auch posi­ti­ve Effek­te auf Gewer­be und Tou­ris­mus erge­ben. Somit funkt die Smart­bench nun nicht auto­nom, son­dern ver­stärkt das seit eini­gen Tagen auch in Wunstorf ver­füg­ba­re Frei­funk-Netz. Die Sozi­al­de­mo­kra­ten hof­fen, dass noch vie­le wei­te­re Hot­spots in Wunstorf ent­ste­hen wer­den.

Wenn genü­gend Haus­hal­te und Geschäfts­leu­te mit­ma­chen, kön­nen wir vie­le Orte in der Stadt mit frei­em, unkom­pli­zier­tem WLAN für alle ver­sor­gen.“Tor­ben Klant

Vor­erst wird jedoch nur Wunstorfs Innen­stadt rund um das Rat­haus zum Smart­pho­ne-Mek­ka: Kos­ten­frei­es WLAN und die Mög­lich­keit, die Gerä­te auch jeder­zeit zu laden, das gibt es in die­ser Form momen­tan exklu­siv in Wunstorf. Ande­re Kom­mu­nen in der Regi­on sol­len jedoch fol­gen, die Kli­ma­schutz­agen­tur hat ange­kün­digt, wei­te­re Städ­te mit Smart­ben­ches aus­zu­stat­ten, abhän­gig von den Erfah­run­gen, die in Wunstorf nun mit der Bank gemacht wer­den.

Info: Was macht die Smart­bench?
Die Smart­bench ist ein modern gestal­te­tes Sitz­mö­bel zum Ver­wei­len. In die Ple­xi­glas-Ober­flä­che ist ein Pho­to­vol­ta­ik-Modul ein­ge­baut. Es lädt den Bat­te­rie­spei­cher in der Bank, der immer genü­gend Strom bereit­stellt, um meh­re­re Han­dys per USB-Kabel oder induk­tiv auf­zu­la­den. Die Son­ne speist auch den WLAN-Rou­ter, der frei­en Inter­net­zu­gang ermög­licht. In Zusam­men­ar­beit mit der Frei­funk-Initia­ti­ve Han­no­ver soll die Bank auch einen Bei­trag zum Frei­funk-Netz der Regi­on dar­stel­len. 100 % Solar­strom garan­tie­ren den kli­ma­scho­nen­den Betrieb. Die Bank erhebt neben­bei auch Umwelt­da­ten wie Tem­pe­ra­tur und Luft­feuch­tig­keit und zeigt den Bat­te­rie­la­de­zu­stand und die Aus­las­tung an. Die­se Daten kön­nen beim Her­stel­ler ein­ge­se­hen wer­den. Nut­zer­da­ten wer­den dabei nicht gesam­melt.

Aktua­li­sie­rung, 29.3: Absatz über Deutsch­lands ers­te Solar­la­de­bank in Essen ergänzt.

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